Brüder zur Sonne, zur Brause!

Schon Kain und sein Geschwisteropfer Abel oder Friedrich Schiller, der Karl und Franz Moor bis zum bitteren Ende des Jüngeren aufeinander losgehen ließ, wussten: Freunde kann man sich aussuchen, seine Familie leider nicht. Diese schmerzliche Erkenntnis muss unlängst auch Salzburger Anhängern, denen der Spitzenreiter des österreichischen Rasenballsports zweifellos am Herzen zu liegen scheint, gekommen sein. Wie der österreichische Kurier berichtete, hallten während des nationalen Pokalhalbfinales am letzten Aprildienstag urplötzlich gerade in Sportstadien gemeinhin bekannte Fäkalvokabeln durchs weite Rund.

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Wo sind die Emotionen?

Tauscht man sich über den „modernen Fußball“ aus, bekommt man oft dieselbe Rechtfertigungsfigur geliefert. Kritikern, denen bestimmte Auswüchse der finanzgestützten Umbauten des Fußballgeschäfts aufstoßen, wird entgegnet, man solle mal ganz nüchtern auf die jahrzehntealten Trends der Sportvermarktung sowie auf die gesamtgesellschaftlichen Umstände, in denen Fußball stattfindet, schauen und schon würde alles Sinn ergeben; wäre leichter ertragbar. Im heutigen gesteigert kapitalisierten und kapitalisierbaren Fußballgeschäft gehe es ohne das große Geld eben nicht mehr, was wiederum zu dem schon fast zwingenden Schluß gemünzt wird, dass eigentlich nichts an millionenschweren Investments und börsennotierten Unternehmen als Eignern von Clubs vorbei führe. Ja, dass man ihnen fast schon Tür und Tor öffnen müsse, um die vielen segenreichen Gaben zu empfangen. Wo sind die Emotionen? weiterlesen

Der RoteBrausePrediger und das Problem, das keins sein soll

Der rotebrauseblogger schreibt nicht nur das Internet voll und bringt Zuschauer bei einer Dose Bier zum Wegnicken, sondern darf sich nun auch bei ZEIT ONLINE und damit in der klassischen Printpresse ausprobieren. (update: unterscheidungen von online und offline halten wir offenkundig für eine überholte, alteuropäische sitte.) Die ZEIT verfolgt damit weiter ihre kürzlich schon begonnene Linie ‚Kritische Berichte zu RB haben wir genug gelesen, wir machen jetzt ein wenig Normalisierung’. Mit einer veränderten Sachlage hat das nichts zu tun, sondern eher mit der journalistischen Logik, sich schnell mit sich selbst zu langweilen und immer super-originell erscheinen zu wollen. Also findet man in Hamburg RB jetzt einfach mal halb so wild.

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Black Beauty, der geschenkte Gaul

Imagefilme für Städte sind ja ohnehin ein Genre aus der Hölle. Ein solcher Film zu Leipzig, mit RB? Zugegeben: Wir hatten unsere Vorurteile. Nach dem Ansehen blieben allerdings nur noch Fragen. Vor allem diese: Was soll das sein? Black Beauty, der geschenkte Gaul weiterlesen

Kritik der Kritik der Kritik

Am Donnerstag ist DFL-Liga-Versammlung. Heißt: Die Chefs der Clubs aus der ersten und zweiten Liga treffen sich in Frankfurt/M. und schauen, was so anliegt. Glaubt man den Berichten einiger Medien, wird es auch um RB gehen. Und glaubt man den gleichen Medien, dann wird das eine reichlich ernste Angelegenheit. Denn die Zeichen stehen auf Solidarität. Mit RB natürlich. Kritik der Kritik der Kritik weiterlesen

Naiv statt investigativ

Wichtiger Bestandteil der RB-Kommunikationsstrategie ist es, sich selbst als möglichst „normal“ darzustellen. Normale Transfers, normale Jugendarbeit, normaler Kapitalismus  Ralf Rangnick Wahnsinn. Dahinter steht das Bedürfnis, sich schnell und aggressiv in die Riege der etablierten Player einzukaufen, ohne mit dem Verein (und damit mit der Marke) zu oft am Pranger zu stehen. Erklärtes Ziel: RB soll in nächster Zukunft in einer Reihe mit Bayern München, Borussia Dortmund und (mindestens) Real Madrid genannt werden. Naiv statt investigativ weiterlesen

Traditionskommerz

Dieser Tage heißen die Gegner des Leipziger Fußballprojektes ja „Braunschweiger Turn- und Sportverein Eintracht von 1895 e.V.“ und „1. FC Union Berlin“, und damit schlagen die Wogen mal wieder hoch. Wenig überraschend lautet die Gewissensfrage: Tradition oder Kommerz? Auf der einen Seite stehen dann die Vereine, die noch unter Bismarck gegründet wurden, und auf der anderen dann RB, das das Sinnbild für das Label Kommerz abgibt. Selbst in der sonst erfrischend kreativen “Deutschen Akademie für Fußballkultur“ in Nürnberg fand kürzlich eine Diskussion statt, die im Titel „Marken gegen Tradition“ eine nur leicht modifizierte Fassung der immer gleichen Gegenüberstellung trug.

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Höher, schneller, weiter

Zugegeben: Wir hatten etwas Mühe, aus dem Winterschlaf zurück zu finden. Da wir die Aufputsch-Getränke des Gebieters standhaft verweigern und Kaffee schon lange keine Wirkung mehr zeitigt, lagen wir lethargisch im Entmüdungsbecken des Lebens und sahen freudlos einer Rückrunde entgegen, die vermutlich irgendwie spannend werden könnte, aber auch nur für die, die es interessiert.

Doch dann kam Ralf Rangnick, und es ging Alexander Zorniger. Klar, wir sehen alles vorher, für uns war das nicht überraschend. Für manch Andere aber irgendwie schon, beteuerte der Sportdirektor doch bis zuletzt seine Treue gegenüber dem Trainer. Oder, um es deutlich weniger empathisch zu sagen: Er betonte schlichtweg die Blödsinnigkeit etwaiger Entlassungen. Um selbiges dann doch zu tun.

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Identifikationsfreigabe

Während die Zeitung mit den vier großen Buchstaben aufgrund der jüngsten Wechsel und Wechselgerüchte um Red Bull-Spieler sensationslüstern das Fußballprojekt RB in Frage stellt, spielt sich vor der Leipziger Haustür wesentlich Bemerkenswerteres ab. Dass Leihspieler, internationale Ausnahmetalente oder ein 22-Jähriger vor dem nächsten Karriereschritt mal eine der RB-Filialen verlassen, dürfte in Rangnicks entwickelnder Personalpolitik einkalkuliert sein. An der Freigabe Daniel Frahns und den Reaktionen darauf zeigt sich aber, dass die gern beschworene lokale Einheit in rot und weiß durchaus rissig ist. Und die Sollbruchstelle in der Marketingfassade heißt wenig überraschend Identifikation.

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Geschichtsprofessor Rangnick, Katar und 1936

Die alte Geschichte mit Rangnick, dem ZDF-Sportstudio und seinem seitherigen Ruf als „Professor“ ist ausgelutscht, langweilig und nebenbei eine Beleidigung für jeden Professor außer Bernd Lucke. Interessant war jedoch Rangnicks neuerlicher Ausflug ins Belehrende. Diesmal ging es um Historisches, wobei Rangnick es aber verstand, auch die politische und sportliche Gegenwart präzise zu sezieren. Vor allem aber offenbarte er das Weltbild der RB-Führung: Am meisten interessieren wir uns für uns selbst. Geschichtsprofessor Rangnick, Katar und 1936 weiterlesen