Transparenzparadies für den Powerjournalismus

Vor allem in den letzten Wochen haben wir Marcel Reif ein ums andere mal schmerzlich vermisst. Zwar vielmehr noch den kühnen „Zauberer“, der nicht nur den eher widerspruchungewohnten Kaiser-Teamchef Franz Beckenbauer geflissentlich piesackte und noch jahrelang der scharfzüngigste Fußballdeuter hierzulande war, als den späten Reif, dessen engagierte und nicht gleich auffallend gelangweilten on air-Minuten auf ein Minimum geschrumpft waren. Aber uns hätte jüngst ja schon seine offenkundig beleidigte Stimmlage gereicht, mit der er beispielsweise im vorletzten Frühjahr vermehrt der über Monate hinweg von der Sky-Regie aufgesetzten Vorgabe nachkam, das schlussendlich schnell vergängliche Ringduell zwischen Floyd Mayweather Jr. und Manny Pacquiao im eigenen Live-Spielkommentar zum vermeintlichen „Jahrhunderboxkampf“ aufzuladen.

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Brüder zur Sonne, zur Brause!

Schon Kain und sein Geschwisteropfer Abel oder Friedrich Schiller, der Karl und Franz Moor bis zum bitteren Ende des Jüngeren aufeinander losgehen ließ, wussten: Freunde kann man sich aussuchen, seine Familie leider nicht. Diese schmerzliche Erkenntnis muss unlängst auch Salzburger Anhängern, denen der Spitzenreiter des österreichischen Rasenballsports zweifellos am Herzen zu liegen scheint, gekommen sein. Wie der österreichische Kurier berichtete, hallten während des nationalen Pokalhalbfinales am letzten Aprildienstag urplötzlich gerade in Sportstadien gemeinhin bekannte Fäkalvokabeln durchs weite Rund.

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Greisenflirt im Disneyland

„Ich bin sogar Chefreporter, die wollen mich lebenslang behalten!“, durfte LVZ-Sportredakteur Guido Schäfer im Oktober verkünden, als ihn Moderatorin Esther Sedlaczek vor Anpfiff und nach dem Halbzeitpfiff des RB-Heimspiels gegen Heidenheim vor die Sky-Kamera einlud. Um jedweden Kompetenzzweifeln schon vorab den Garaus zu machen: Der phänomenale Aufstieg des fidelen RB-Maskottchens ist nur folgerichtig, hat in der aktuellen Spielzeit neue Höhepunkte erreicht und soll deshalb hier besonders gewürdigt werden.
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Stimmen der Vernunft (6) – Geht das wirklich, Papa?

Desillusioniert blieb der kleine Lakai zurück, als er letzten Montag in der Zeitung lesen musste:

„Ohne Kapitalerhöhung, Investorenzuschuss und Hedgefonds-Beteiligung […] hat sich die Borussia zum immerhin imaginären Bayern-Verfolger erhoben […]“ (Selldorf, Philipp: Süddeutsche Zeitung vom 28.10.2014, S. 27.)

„Geht das wirklich, Papa? Aber du sagst doch immer, dass sowas nur möglich ist, wenn einer allein kommt, der ganz, ganz viel Geld hat, auf einen x-beliebigen Flecken Erde zeigt, alles in der Hand hält und sagt: ‚Mein Wille geschehe. Koste es, was es wolle!‘ […]“

Stimmen der Vernunft (2)

Vollkommen überflüssig zu erwähnen, dass der Ticker von „11 Freunde“ im Allgemeinen und die Ein- und Auslassungen des Dirk Gieselmann im Speziellen zum schönsten Tiki Taka der deutschsprachigen Fußballunterhaltung gehören. Wortbesitzspiel in Reinkultur: Finten, Finessen, aber auch die gute alte Grätsche im Repertoire. Meister im Umschaltspiel ohnehin. Und weiß offenbar auch nachts noch,  wo das Tor steht:

„Er ist unser Wettbewerbshüter“

Unlängst stimmte uns ein Leserbrief von Raphael von Arx aus Lausanne an die 11FREUNDE-Redaktion ziemlich nachdenklich …

„[…] Die UEFA verweist auf Artikel 3 der UEFA-Wettbewerbsbedingungen zu Champions- oder Europa League. Dort heißt es: `Keine natürliche oder juristische Person darf Kontrolle über oder Einfluss auf mehr als einen an einem UEFA-Klubwettbewerb teilnehmenden Verein haben, wobei in diesem Zusammenhang als Kontrolle oder Einfluss gilt, wenn die betreffende Person (…) in der Lage ist, auf irgendeine Art und Weise einen entscheidenden Einfluss auf die Entscheidungsfindung des Vereins auszuüben.’ […] Eine große Farce, oder? Klärt mich auf.“ (Ausschnitt aus 11FREUNDE #152/Juli 2014, S. 116)

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Für eine handvoll Dollar

Wenn man dem Onlinearchiv der ATP Glauben schenken darf, dann hat der ehemalige Tennisprofi Nasser Al-Khelaïfi im Laufe seiner professionellen Karriere auf der Tour ehrbare 16.201 US-Dollar an Preisgeld eingeheimst. Einen kleinen Teil davon gab es dafür, dass er sich 1996 in St. Pölten in einem Erstrundenmatch mal mit Thomas Muster messen durfte. Nach 36 Minuten (0-6, 1-6 aus Al-Khelaïfis Sicht) hatte der damalige Weltranglistenzweite Muster das Sparring hinter sich gebracht. Wohl sogar noch neun Minuten länger wird Zlatan Ibrahimovic am Freitagabend über den Rasen des Leipziger Stadions schlendern müssen. Das stets gockelhafte, doch hin und wieder auch genialische Aushängeschild des französischen Meisters Paris Saint-Germain tritt in Leipzig an. Für eine handvoll Dollar weiterlesen

Fanfaren für die Jungbullen

Es dauerte ein wenig, ehe die zuvor regungslos auf dem Rasen verharrenden U17-„Jungbullen“ (um dem offiziellen Duktus des RB-Universums gerecht zu werden) sich noch ein letztes Mal berappelten, um auf ihrer anschließenden Ehrenrunde den allemal verdienten, wiewohl in diesen Momenten kaum tröstlichen Applaus von knapp 7.500 Zuschauern im großen Stadion am Fuße der Festwiese einzuheimsen.

Den Weg so mühsam hatte die fehlende Trophäe gemacht. Denn keine 60 Meter entfernt, auf der eilig nach Abpfiff installierten Siegerbühne, schwangen euphorisierte Dortmunder Hoffnungsträger eben jene von den Leipzigern schmerzlich vermisste silberne Meisterschale kreuz und quer durch die Luft. Dank eines zweifellosen 2:1-Erfolges hatten sich die Schwarz-Gelben zuvor den Sieg im Finale um die deutsche U17-Meisterschaft und das anschließende kleine große Brimborium verdient. Die anwesende DFB-Delegation verhüllte nicht nur die Werbebanden in neutralem Grün, sondern inszenierte ebenso ein FIFA-taugliches Zeremoniell, das gleichwohl im Westfalen-, Olympia- oder dem Stadion Maracanã nicht besser hätte zur Schau geboten werden können. Ganz egal, wo. Fanfaren für die Jungbullen weiterlesen