Für eine handvoll Dollar

Wenn man dem Onlinearchiv der ATP Glauben schenken darf, dann hat der ehemalige Tennisprofi Nasser Al-Khelaïfi im Laufe seiner professionellen Karriere auf der Tour ehrbare 16.201 US-Dollar an Preisgeld eingeheimst. Einen kleinen Teil davon gab es dafür, dass er sich 1996 in St. Pölten in einem Erstrundenmatch mal mit Thomas Muster messen durfte. Nach 36 Minuten (0-6, 1-6 aus Al-Khelaïfis Sicht) hatte der damalige Weltranglistenzweite Muster das Sparring hinter sich gebracht. Wohl sogar noch neun Minuten länger wird Zlatan Ibrahimovic am Freitagabend über den Rasen des Leipziger Stadions schlendern müssen. Das stets gockelhafte, doch hin und wieder auch genialische Aushängeschild des französischen Meisters Paris Saint-Germain tritt in Leipzig an.

Testkick gegen Pariser Rumpfteam und Jagd auf Ibrahimovic‘ Trikot

„Spielen mit Gott aus Frankreich“, frohlockt es daher seit Wochen schon von den Plakatwänden und aus diversen Presseanzeigen. Was die Marketingmaschinen aus Fuschl und dem Redaktionsgebäude am Leipziger Peterssteinweg bei aller Freude über diesen kostspieligen Testcoup (kolportiert wurden bis zu 300.000 Euro Antrittsgage) ihrem übereuphorisch angeheizten Publikum jedoch dezent verschweigen: Wenn Fußballer von Ibrahimovic’ Klasse etwas nicht mögen, dann sind es nervige Testspieltrips während einer eh schon qualvollen Saisonvorbereitung gegen motivierte, unbekannte Kontrahenten, die ihnen zu allem Übel ständig auf den Goldfüßchen stehen, um zu guter letzt doch bloß betont devot das Trikot als Souvenir abzufassen versuchen. Noch weniger ist (und sogar trotz extra ins Sportressort berufener französischer LVZ-Volontärin) derweil überliefert, wen der Angreifer aus dem eigenen Rumpfteam überhaupt mit Namen kennt. Die übergroße Mehrheit des seit 2011 vom katarischen Staatsfonds QIA um hunderte Millionen Euro hochgepäppelten Starensembles weilt nämlich noch beseelt im Urlaub.

Dennoch gaben sich sämtliche Reporter und Reporterinnen der Stadt allergrößte Mühe, damit das „Spiel des Jahres“ (bild.de, 18.07.) nichts an vermuteter Attraktivität einbüßt. Immerhin werden ja an Gottes Seite Christophe Jallet (FRA), Marquinhos (BRA) und Javier Pastore (ARG) auflaufen, die ihres Zeichens als „Nationalspieler“ (LVZ Online) vorgestellt wurden. Das stimmt auch irgendwie. Nur wahrscheinlich hat in den Artikeln Platz dafür gefehlt, dass der fünfmalige französische Auswahlspieler Jallet zuletzt im März 2013 berufen wurde und es bei ihm zuletzt nur zu 13 Ligue 1-Einsätzen reichte. Marquinhos dagegen ist erst 20 Jahre jung. Beim 5:0 Testsieg der Brasilianer über Honduras vergangenen November feierte er ab der 72. Minute sein bislang einziges Länderspiel. Wenigstens durfte er sich in der abgelaufenen Saison in 21 von 38 Ligue 1-Partien so richtig austoben. Pastore wiederum lief zuletzt 2011 für die argentinische ‚Albiceleste’ auf. Freilich wird der PSG-Kader mit einer „Reihe von ambitionierten Talenten“ (LVZ Online, 17.07.2014) aufgefüllt.

PSG – Ein Starensemble von Katars Gnaden

Der Schwede, Pardon: Gott, wird auch diese Tortur mit dem ihm eigenen Humor überstehen. Wie soll er so schön bei seinem Amtsantritt in der französischen Hauptstadt vor zwei Jahren kundgetan haben: „Ich kenne die Ligue 1 nicht, doch die Ligue 1 kennt mich.“ Vielleicht begnügt sich das RB-Publikum trotz Normalticketpreisen bis zu 30 Euro ja sowieso wohlwollend mit ein paar unscharfen, verwackelten Smartphone-Videos aus der Ferne. Währenddessen wird sich Ibrahimovic in der offensiven Spielhälfte pflichtschuldig für ein Weilchen die Füße vertreten, dabei zwei, drei Übersteigern vollbringen, wohl mindestens auch einen seiner berüchtigten Fernschüsse ansetzen und für diesen Tagesaufwand weit mehr als läppische 16.201 US-Dollar (bzw. Euro) pünktlich überwiesen bekommen. Das garantiert ihm Nasser Al-Khelaïfi, der nach der eigenen aktiven Sportkarriere nicht nur Katars Tennis-Verbandspräsident oder Chef von Al-Jazeera Sports wurde, sondern seit 2011 auch präsidialer Statthalter von Katars Gnaden bei Paris Saint-Germain sein darf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.