Kritik der Kritik der Kritik

Am Donnerstag ist DFL-Liga-Versammlung. Heißt: Die Chefs der Clubs aus der ersten und zweiten Liga treffen sich in Frankfurt/M. und schauen, was so anliegt. Glaubt man den Berichten einiger Medien, wird es auch um RB gehen. Und glaubt man den gleichen Medien, dann wird das eine reichlich ernste Angelegenheit. Denn die Zeichen stehen auf Solidarität. Mit RB natürlich.

Ein „ein starkes Zeichen der Solidarität“ fordert Alexander Rosen, der Leiter der Profiabteilung in Hoffenheim ist, was dann irgendwie Sinn ergibt. Anlass sind die letzten Protestaktionen gegen RB, und der Vorwurf steht im Raum, dass es dabei auch zu Gewalt oder mindestens deren Androhung kam. Karlsruhe ist aber nur der letzte Tropfen im berühmten Fass. Rangnick und Co. sind zunehmend genervt von ihrer Unbeliebtheit und dem Umstand, dass ihnen dies nicht immer im Ton einer Liga-Versammlung kommuniziert wird.

Kritik und Gegenkritik

Das Pathos, mit dem nun der Schulterschluss mit dem taurinhaltigen Projekt gefordert wird, ist einerseits schon reichlich absurd, anderseits aber ganz schön interessant. Kritik an RB gab es von Beginn an. Doch mittlerweile ist diese vielstimmiger geworden, und das heißt sowohl lauter als auch differenzierter. Es gibt die eher ruppige Variante (nein-zu-RB), die einfache (Heidel), die fankulturelle (11Freunde) und natürlich die unter-aller-Sau-Variante (Aue). Karlsruhe war, nach allem was man weiß, irgendwo zwischen ruppig und unter aller Sau, aber wir haben gar nicht vor, das dort Gewesene hier abzuwägen oder schön zu reden. Denn das Problem ist, dass nach solchen Aktionen kaum noch unterschieden wird zwischen allen diesen Fraktionen.

Überhaupt ist die RB-Kritik in die Kritik gekommen. Dass sie Rangnick und Co. nicht passt, ist nichts Neues. Aber mehr und mehr kommt der Einspruch auch von anderen Akteuren: Leuten aus Fanszenen anderer Vereine, neutrale Beobachter, Journalisten sowieso. Die einen sind schlichtweg gelangweilt, die anderen hören nur „Kommerz“ und sagen „Gibt’s bei uns auch, lass sie doch machen“, und wiederum andere wenden ihre Kenntnisse aus dem Proseminar zur Kritischen Theorie an und sortieren in richtige und falsche Argumente gegen RB.

Gewaltige Vorwürfe und Pathos

Das ist auch alles völlig in Ordnung. Irgendwie unbefriedigend ist es nur, wenn die gesamte Kritik als eine Gruppe dargestellt wird und dann noch als eine, der es eigentlich um etwas anderes geht. Zitat von Sportsfreund Seifert, Geschäftsführer der DFL: „Ich lasse mir nicht sagen, dass das was mit Kommerz-Kritik zu tun hat. Das sind Schatten-Argumente, ein Deckmantel, der Gewalt-Fantasien verhängt“. Dass er dies der BILD in einem Interview sagt, ist auch wieder eine schöne Pointe. Ganz schön billig bleibt es trotzdem.

Aber das ist nicht die einzige Entgleisung dieser Tage. Der rotebrauseblogger verglich doch die derzeitige Situation ganz im Ernst mit der rassistischen Gewalt der 1990er Jahre; RB und seine Fans als Opfer einer schweigenden und damit zustimmenden Masse und weniger, umso stärker zu Gewalt bereiter Typen. Das war auf eine Weise anmaßend und verharmlosend zugleich, das muss man erst mal so hinkriegen. Aber natürlich war das Ganze „als Analogie und nicht etwa als Gleichsetzung zu verstehen“. Dieser feine Unterschied verlief sich spätestens in der anschließenden Forumsdiskussion, die vorhersehbar noch weitere Blüten trieb. Wir freuen uns auf weitere historische Analysen aus dieser Richtung. Schon mal über die Balkankriege oder die zerstörten Kunstschätze im Irak nachgedacht? Klar, locker, alles nur als Analogie, nicht als Gleichsetzung.

RB sucht also das Supermitleid und die DFL, vielleicht, die große Versöhnung. (Mit allzu viel Streit lässt sich auch kein familien- und TV-taugliches Produkt vermarkten.) Das macht Kritik an RB nicht leichter, aber vermutlich muss man das als die berühmte Chance verstehen. Was nicht ausschließt, dass Leute wie Seifert auch von differenzierten Argumenten nicht viel hören wollen, weil für sie der Unterschied zwischen einem Fussballverein und einem Trendgetränk ohnehin vernachlässigbar ist.

3 Gedanken zu „Kritik der Kritik der Kritik“

  1. allen kritikern an der anhaltenden rb-kritik möchte ich mit auf den weg geben, dass rb mitnichten ein normaler verein ist und red bull mitnichten ein normaler sponsor. die einkaufspolitik von rb spottet jedweder wirtschaftlichkeit! in der 2. liga wurden in dieser saison 18,10 mio euro ausgegeben, während es in darmstadt noch nicht mal eine mio war. wieviel mehr anstregungen ein verein wie darmstadt tätigen muss, damit er hier mithalten kann. wieviel mehr sorgfalt er bei der auswahl seiner neuverpflichtungen braucht. wieviel mehr risiko er geht – all das, sollte jedem anhand der folgenden tabelle klar sein:
    http://www.transfermarkt.de/2-bundesliga/transfereffektivitaet/wettbewerb/L2
    jede(r) verein / firma / regierung, der/die so wirtschaftet, muss sich (in der öffentlichkeit) rechtfertigen. die DFL sollte da schnellstmöglich einen riegel vorschieben – im sinne des financial fairplays.

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