<br />
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	<title>filetiert &#8211; zwangsbeglückt</title>
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	<description>Ein RB-Leipzig-Protokoll</description>
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		<title>Erwartungshaltung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[ansgar]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Aug 2019 13:41:33 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Zugegeben, hin und wieder stellen wir uns selbst die Frage, warum wir Rasenballsport Leipzig kritisch begleiten. Viel öfter freilich fragen uns andere, was wir denn gegen RB hätten, &#8220;die anderen&#8221; würden ja auch viel Geld in den Profifußball stecken. Die Standardsituationen solcher Gespräche haben wir ja schon in Ruhe aufgeschrieben (1, 2, 3). Außerdem erfordert &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2019/08/18/erwartungshaltung/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Erwartungshaltung</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Zugegeben, hin und wieder stellen wir uns selbst die Frage, warum wir Rasenballsport Leipzig kritisch begleiten. Viel öfter freilich fragen uns andere, was wir denn gegen RB hätten, &#8220;die anderen&#8221; würden ja auch viel Geld in den Profifußball stecken. Die Standardsituationen solcher Gespräche haben wir ja schon in Ruhe aufgeschrieben (<a href="https://zwangsbeglueckt.de/2014/09/04/standardsituationen-der-rb-affirmation-1/">1</a>, <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2014/09/16/standardsituationen-der-rb-affirmation-2/">2</a>, <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2014/10/28/standardsituationen-der-rb-affirmation-3/">3</a>). Außerdem erfordert es ja tatsächlich eine gewisse Anstrengung, etwas genauer zu verfolgen, das einem eigentlich widerstrebt.</p>



<p>Und dann geschieht etwas, das in seiner Absurdität verdeutlicht, was durch das Auftreten von RB Leipzig vor Ort, in der Bundesliga und seiner Normalisierung in der Berichterstattung schon alles verrutscht ist. Und damit auch, warum es eben nötig ist, genau hinzuschauen und zu reflektieren, was da eigentlich passiert. Aber von vorn.</p>



<span id="more-1284"></span>



<h2 class="wp-block-heading">Sky-Reporterin berichtet im RB-Trikot</h2>



<p>Die Geschehnisse um die Sky-Reporterin Sylvia Walker im Juli sind an sich schon so irrwitzig wie die Handlungsstränge einer Reality-Seifenoper auf RTL II, weswegen sie zunächst wertfrei wiedergegeben werden sollen.</p>



<p>Für ihren Arbeitgeber Sky moderierte Walker einen Bericht über das RB-Trainingszentrum am Cottaweg und trug dabei ein Trikot mit eigens für sie angefertigter Beflockung. Davon teilte sie ein (mittlerweile gelöschtes) Bild mit ihren 55.000 Instagram-Follower_innen.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" width="600" height="1024" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2019/08/walker_instagram-600x1024.png" alt="" class="wp-image-1285" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2019/08/walker_instagram-600x1024.png 600w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2019/08/walker_instagram-176x300.png 176w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2019/08/walker_instagram.png 648w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></figure>



<p>In den Kommentaren fragte Nutzer auefans_rheinmain, ob das mit neutraler Berichterstattung vereinbar sei. Walker antwortete darunter:</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" loading="lazy" width="540" height="526" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2019/08/walker_instagram2.png" alt="" class="wp-image-1286" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2019/08/walker_instagram2.png 540w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2019/08/walker_instagram2-300x292.png 300w" sizes="(max-width: 540px) 100vw, 540px" /></figure>



<p>Doch mit ihrem Verweis auf journalistische Standards (dazu unten mehr) war es nicht getan. Sie schrieb einem weiteren Nutzer, der den Kommentar von auefans_rheinmain geliked hatte, eine persönliche Nachricht, und fragte ihn nach dessen Gründen für die Zustimmung zum Kommentar.</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" loading="lazy" width="322" height="130" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2019/08/walker_instagram3.png" alt="" class="wp-image-1287" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2019/08/walker_instagram3.png 322w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2019/08/walker_instagram3-300x121.png 300w" sizes="(max-width: 322px) 100vw, 322px" /></figure>



<p>Der betreffende Nutzer Cem a.k.a. bbrokeforever nahm sich die Zeit und schrieb ihr durchaus ausführlich zurück:</p>



<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" loading="lazy" width="304" height="496" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2019/08/walker_instagram4.png" alt="" class="wp-image-1288" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2019/08/walker_instagram4.png 304w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2019/08/walker_instagram4-184x300.png 184w" sizes="(max-width: 304px) 100vw, 304px" /></figure>



<p>Woraufhin Walker dem Nutzer eine Sprachnachricht schickte, in der sie ihm antwortete:</p>



<blockquote class="wp-block-quote"><p>Also wenn man so negativ schreibt, muss ich dir jetzt auch eine Nachricht hinterlassen, denn ich find es unglaublich. Denn zum einen, weiß ich nicht, hast Du glaube ich nie kapiert, was Fußball eigentlich bedeutet: Leidenschaft, Spaß, Spiel, Sport, Disziplin, und da geht es wirklich um was. Und du beleidigst einen Verein – und für mich ist es ein Verein &#8211; denn die haben bewiesen, dass sie mit ordentlich Geld auch was anfangen können. Sie haben einen tollen Plan, sie haben tolle Leute am Start, die das auch alles managen, zum Beispiel, wo ich auch war, in diesem Trainingstrakt. Da weißt Du, was dahinter steckt, und nicht nur einfach Dosen- und Retortenverein. Du solltest Dich eigentlich schämen, so negativ darüber zu sprechen. Und ich wünsch Dir auch noch nen schönen Abend, weil für mich hat das mit Instagram-Likes überhaupt nichts zu tun, Du gehst mir eigentlich am Arsch vorbei, weil interessieren tust Du mich nicht, wenn Du so die Leute beleidigst und gleich verurteilst. Ich wünsch Dir nen schönen Tag und ich hoffe, dass Du nicht so frustriert bist, wie es hier in dieser Nachricht rüberkommt.</p><cite>Sprachnachricht von Sylvia Walker</cite></blockquote>



<p>Öffentlich wurde der zweite Teil der Konversation, als der angeschriebene Instagram-Nutzer diese auf Twitter veröffentlichte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verschobene Wahrnehmung</h2>



<p>An diesem Austausch, der – mit Ausnahme der abgewogenen Antwort von Cem – so auch aus der WhatsApp-Gruppe einer siebten Klasse kommen könnte, ließe sich jetzt vieles aufspießen. Festgehalten werden sollte jedenfalls der offensichtlichste Widerspruch, dass Frau Walker den &#8220;Likes&#8221; auf einem kritischen Kommentar in ihrem Instagram-Profil hinterher recherchiert, um anschließend zu behaupten, das gehe ihr am Arsch vorbei.</p>



<p>Im größeren Bild gesehen, zeigt sich daran die hier auch schon vor fünf Jahren angesprochene <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2014/07/30/ergebenheit-als-systembestandteil/">Verzerrung in der Sportberichterstattung</a>: Walker beruft sich auf journalistische Standards, während sie ein Unterhaltungsprodukt für den Rechteinhaber präsentiert. Ihre Instagram-Recherche stellt die journalistische Hartnäckigkeit von Sky Sport News HD bei weitem in den Schatten.</p>



<p>Darüber hinaus kann man sich natürlich fragen, aus welcher Geisteshaltung heraus das angeblich so überlegene Konstrukt RB Leipzig (Die haben einen Plan!) immer so immens – und auffallend inhaltsschwach – verteidigt werden muss. Auch in diesem Aspekt ist Walkers Sprachnachricht, gerade weil sie beiläufig hingeätzt ist, symptomatisch für die Beleidigteleberwurstigkeit der Vereinsspitzen und vieler Anhänger_innen.</p>



<p>Schließlich ist RBL sicher nicht der erste Verein, bei dem Berichterstatter in Fankleidung gehüllt werden. Aber wohl der erste, bei dem das nicht das Absurdeste an der Geschichte ist.</p>
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		<title>Läuft alles nach (Business)Plan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chassot]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 May 2018 07:29:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[filetiert]]></category>
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		<category><![CDATA[Saison 17/18]]></category>
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					<description><![CDATA[Zweites Jahr erste Liga, bald zweistelliger Geburtstag –&#160;Geschichte wird gemacht bei RB, und das alles nur mit einer kleinen Anschubfinanzierung. Wir nehmen das zum Anlass, um jenseits der schnöden Zahlen kurz zu resümieren: Wie weit ist der Marketingverein eigentlich gekommen? Eine (steile) These steht dabei ja im Raum. Vor einigen Wochen erschien in der „11Freunde“ &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2018/05/14/laeuft-alles-nach-businessplan/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Läuft alles nach (Business)Plan</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><figure id="attachment_1255" aria-describedby="caption-attachment-1255" style="width: 3456px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/26855962166_3da9da6e3d_o.jpg"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-1255" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/26855962166_3da9da6e3d_o.jpg" alt="" width="3456" height="2304" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/26855962166_3da9da6e3d_o.jpg 3456w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/26855962166_3da9da6e3d_o-300x200.jpg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/26855962166_3da9da6e3d_o-768x512.jpg 768w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/26855962166_3da9da6e3d_o-1024x683.jpg 1024w" sizes="(max-width: 3456px) 100vw, 3456px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1255" class="wp-caption-text">Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/strassenstriche/26855962166/in/photostream/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">straßenstrich.net on flckr</a> // CC BY-NC 2.0</figcaption></figure></p>
<p>Zweites Jahr erste Liga, bald zweistelliger Geburtstag –&nbsp;Geschichte wird gemacht bei RB, und das alles nur mit einer kleinen Anschubfinanzierung. Wir nehmen das zum Anlass, um jenseits der schnöden Zahlen kurz zu resümieren: Wie weit ist der Marketingverein eigentlich gekommen?</p>
<p>Eine (steile) These steht dabei ja im Raum. Vor einigen Wochen erschien in der „11Freunde“ ein Artikel namens „Niemand braucht sich zu wundern“. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass einige RB-Heimspiele in der Europa League nicht ausverkauft waren, woraus der Autor schloss: „Leipzig ist nicht Red Bull“. Vielmehr seien Chemie, Lok und Roter Stern die hier entscheidenden und prägenden Akteure.</p>
<p>Auch wenn der Text aufmerksamkeitsökonomisch schon seinen Wert verloren hat, lohnt es sich, ihn nochmal genauer zur Hand zu nehmen. Erstens, weil dessen Diagnose in der Sache so wohl nicht stimmt. Und zweitens, weil es uns was über das Funktionieren von RB erzählt. Und das wiederum kann interessant sein für alles, was noch so kommt im modernen Fußball.</p>
<p><span id="more-1246"></span></p>
<h3><strong>These Eins: Leipzig ist fußballerisch disparat</strong></h3>
<p>Zugegeben: Wir hauen ja auch manchmal was raus, wo eher der Wunsch der Vater des Gedanken ist. Und in den meisten Fällen liegen die 11Freunde ganz richtig, was ihre ausdauernde Kritik an RB betrifft. Bei diesem Artikel jedoch müssen wir wohl leider widersprechen. Denn weder RB, noch ein anderer Verein ist <em>die&nbsp;</em>Stadt. Leipzig ist wie vielleicht keine zweite Stadt in Deutschland von einer ganzen Reihe von ziemlich unterschiedlichen Vereinen geprägt. Und klar, Lok, Chemie, Roter Stern gehören da dazu. Aber, ob es einem nun gefällt oder nicht: Auch RB ist (mittlerweile) Teil dieser Stadt.</p>
<p>Zugleich lassen sich die Vereine nicht einfach gegeneinander aufrechnen. Allein aus der Zahl der BesucherInnen bei Heimspielen kann kaum auf ihre lokale Verankerung geschlossen werden. Interessant ist vielmehr, auf welche Weisen die Clubs in dieser Stadt agieren und von ihr wahrgenommen werden.</p>
<h3><strong>These Zwei: Lok, Chemie und RSL als Milieu- und Stadtteilvereine</strong></h3>
<p>Lok, Chemie und der Rote Stern sind, und das ist ein wichtiger Unterschied zu RB, stark milieu- und stadtteilgebundene Vereine.</p>
<p>Lok ist vor allem im Osten der Stadt verwurzelt und zieht ein Publikum an, das – allen Bemühungen des Vereins zum Trotz – zu einem beträchtlichen (und vor allem: sichtbaren) Teil aus politisch rechts stehenden Fans besteht. Der Zuschauerschnitt ist für die vierte Liga beachtlich, und die Vergangenheit hat gezeigt, dass hier bei entsprechenden Highlights noch deutlich Potential vorhanden ist.</p>
<p>Chemie wiederum ist im Westen der Stadt stark. Der Verein kann zum einen (auch) auf alteingesessenes, arbeiterliches Publikum verweisen, ist derzeit zudem äußerst attraktiv bei einer Kundschaft, die zwischen links-alternativ und hipsteresk angesiedelt werden kann. Selbst wenn sich diese Gruppen auf Dauer nicht nach Leutzsch bewegen, bleibt Chemie sicherlich das Stammpublikum erhalten. Und auch hier gehen die Zahlen schnell nochmal nach oben, wenn Derbys oder wie demnächst Finalspiele um den Sachsenpokal anstehen.</p>
<p>Der Rote Stern schließlich hat den Stadtsüden für sich und zudem – in partieller Überschneidung mit Chemie –&nbsp;ein klar links-alternatives Publikum. Sportlicher Erfolg wird hier gern genommen; im Vordergrund steht aber eher die wechselseitige Bestätigung, politisch auf der richtigen Seite zu sein und den Verein als soziokulturellen &nbsp;Dreh- und Angelpunkt sowie als Angebot und Botschaft nach außen zu stabilisieren.</p>
<p>Alle drei Vereine werden auf absehbare Zeit weiterhin ihr Stammpublikum haben, wenn sie sich nicht mit zu ambitionierten Projekten verheben oder zu große Fehler machen. Dieses Publikum ist dabei verlässlich, mit starken Bindungen und insofern auch nachhaltig. Zugleich jedoch werden alle drei Vereine in ihrer Präsenz und Anhängerschaft begrenzt bleiben. Zu überschaubar ist letztlich der erwartbare sportliche Erfolg, zu stark sind die bisherigen Bindungen an Stadtteile und Milieus. Diese stellen zwar einerseits echte Ressourcen, im Gegenzug aber auch Hürden für massenhaft neues Publikum dar.</p>
<h3><strong>These Drei: RB-Publikum potentiell maulig, aber milieu- und stadtteilübergreifend</strong></h3>
<p>RB liegt im Grunde quer zu diesen Vereinen. Sein Publikum besteht aus ehemaligen Chemie- und Lok-Anhängern, die –&nbsp;teilweise schon deutlich in die Jahre gekommen –&nbsp;endlich nochmal „richtigen Fußball sehen wollen“ und sich zudem von einer allzu jugendlichen und teilweise auch gewaltaffinen Fanszene abgewendet haben; es besteht aus mittelalten Anhängern, die nie richtig bei Lok, Chemie oder dem Roten Stern einsteigen mochten; und es besteht aus noch jüngeren Leuten, für die RB im Grunde der erste wahrgenommene lokale Verein ist. In allen diesen Gruppen haben wir es (wenigstens) teilweise mit Leuten zu tun, die durchaus als Stammpublikum bezeichnet werden können, die also nicht unbedingt sofort alle wegbleiben, wenn es zum Rumdümpeln im Mittelfeld der Bundesliga käme.</p>
<p><figure id="attachment_1256" aria-describedby="caption-attachment-1256" style="width: 4404px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/30084807394_b714f2ac6f_o.jpg"><img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-1256 size-full" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/30084807394_b714f2ac6f_o.jpg" alt="" width="4404" height="3166" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/30084807394_b714f2ac6f_o.jpg 4404w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/30084807394_b714f2ac6f_o-300x216.jpg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/30084807394_b714f2ac6f_o-768x552.jpg 768w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/30084807394_b714f2ac6f_o-1024x736.jpg 1024w" sizes="(max-width: 4404px) 100vw, 4404px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1256" class="wp-caption-text">Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/percygermany/30084807394/in/photostream/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">PercyGermany on flickr</a> // CC BY-NC-ND 2.0</figcaption></figure></p>
<p>Dazu kommt natürlich ein Publikumssegment, das aus der Wahrnehmung des 11Freunde-Artikels den Hauptbestand der Zuschauer bildet: das Laufpublikum. Und sicherlich sind diese Leute nicht zu übersehen, für die der Stadionbesuch ein Event wie Classic Open oder der Weihnachtsmarkt ist. Ohne nähere Kenntnis von Kontext und Details des Spieles, dafür aber mit sicherem Wissen vom (erhofften) Unterhaltungswert des besichtigten Vereins. Eine solche Klientel wird auch extra rangeholt und rangezogen. RB ist ja mittlerweile zu einer Art Alltags-Trophäe geworden; zwei Stadionkarten als Hauptgewinn in jeder Lotterie, bei der die Organisatoren Nachdenken oder Risiko vermeiden wollen. RB passt zu allen, zur lokalen Supermarkt-Genossenschaft wie zur Krankenkasse.</p>
<p>Insgesamt ergibt das eine ziemlich heterogene und flatulente Klientel. Mehrheitlich ist diese sicherlich nicht bereit, dem Projekt bedingungslos und unabhängig vom sportlichen Erfolg zu folgen. Doch zugleich begeht man vermutlich einen Fehler, wenn man das RB-Publikum in Gänze als nur kurzfristig interessiert einschätzt.</p>
<p>Das liegt an einer ganzen Reihe von Faktoren: In der Stadt gibt es nach wie vor ein großes Interesse an (erfolgreichem) Fußball, das die anderen Vereine nur bedingt erfüllen. RB ist da für viele der aufstrebende Saubermann, der es dem Westen endlich mal zeigt. Demokratische Vereinsstrukturen sind den Meisten ohnehin egal, die Finanzierung und damit der eigentliche Zweck des Projektes ebenso. Zudem startete das Projekt RB zu einem Zeitpunkt, zu dem der Fußball ohnehin schon enorm ökonomisiert stattfindet. Für viele sind da die Unterschiede zwischen den einzelnen Vereinen marginal, &#8220;Geld haben die anderen doch auch&#8221;. Hinzu kommt die starke praktische und symbolische Unterstützung durch die lokalen Eliten, die dem Verein den roten Teppich ausrollen, es sich nicht mit seiner Anhängerschaft verderben und sich zudem selbst von der Sonne des Erfolgs die Büroblässe vertreiben lassen wollen. Nicht zuletzt ist RB stark im Nachwuchsbereich tätig und dort meist erste Adresse für die local kids. Auch das ist wenig verwunderlich; es war schon immer schwer zu vermitteln, warum man als Kind von einem Verein in der 4. Liga Fan sein soll und nicht von einem, der international spielt.</p>
<p>Schließlich, und das kommt zum eingangs erwähnten Artikel zurück: Die Zeiten, als RB noch Karten auf den Schulhöfen verschenkte, sind vorbei. Diese Stufe im Businessplan ist längst genommen. Die Karten kosten hartes Geld, und gerade bei internationalen Spielen nicht zu wenig. Man macht sich hier falsche Hoffnungen, wenn man die geringeren Zuschauerzahlen in Spielen gegen St. Petersburg oder Marseille als Anzeichen des beginnenden Niedergang des Projektes nimmt. Vielmehr sehen wir den Grund für das Wegbleiben an anderer Stelle: Der ganze Hype um Leipzig (&#8220;The better Berlin&#8221;) hat viele Probleme zur Folge, und&nbsp;eines davon ist die Überschätzung der ökonomischen Kapazitäten dieser Stadt und seiner Einwohner.&nbsp;Deshalb geht es eigentlich auch ein bisschen gegen die eigenen Prinzipien, wenn man vom Publikum verlangt, für jedes Spiel jeden Eintrittspreis zu zahlen.</p>
<p>Daneben muss erwähnt sein, dass das RB-Einzugsgebiet weiter reicht, als man sich vorstellt. An Bundesligaspieltagen sieht man eine Vielzahl von Nummerschildern aus den umliegenden Bundesländern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Diese weitreichende Strahlkraft hat natürlich auch eine Rückseite. An einem Mittwochabend, 21 Uhr ein Europapokalabend mitzumachen, wenn man am nächsten Tag auf Arbeit muss, ist für Hallenser vielleicht noch drin. Zuschauer aus Gera, Jena, Magdeburg und Dessau winken da aber eher ab.</p>
<p><figure id="attachment_1257" aria-describedby="caption-attachment-1257" style="width: 4608px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/30680193146_1f6bf49c45_o.jpg"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-1257" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/30680193146_1f6bf49c45_o.jpg" alt="" width="4608" height="3456" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/30680193146_1f6bf49c45_o.jpg 4608w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/30680193146_1f6bf49c45_o-300x225.jpg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/30680193146_1f6bf49c45_o-768x576.jpg 768w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2018/05/30680193146_1f6bf49c45_o-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 4608px) 100vw, 4608px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1257" class="wp-caption-text">Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/percygermany/30680193146/in/photostream/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">PercyGermany on flickr</a> // CC BY-NC-ND 2.0</figcaption></figure></p>
<h3><strong>Fazit</strong></h3>
<p>Gern schreiben wir all das auch nicht auf, aber es nützt ja nix. RB ist in der Stadt relevanter, als es die Perspektive von außen oder Wunschdenken von innen nahelegen mag. Das ist weitgehend akzeptierte Realität in Leipzig, aber auch&nbsp;keine gute Nachricht für andere Städte oder Regionen. Denn die Moral muss wohl heißen: Auch&nbsp;Kunstvereine können es schaffen. Hoffenheim war der erste Test, Leipzig bietet ein weiteres Modell. Die launige Bemerkung von Hofberichterstatter Guido Schäfer, er wäre auch zu Nivea Leipzig gegangen, Hauptsache es gibt Bundesliga, sollte man nicht zu leicht abtun. Vielleicht überwirft sich Rangnick eines Tages mit dem Gebieter, heuert Jogi Löw an und findet, auch Thüringen habe einen Bundesligisten verdient.&nbsp;Und irgendwie wäre es ja auch verwunderlich, wenn bei all den irren Veränderungen im Fußball eines gleich bleiben würde: die mitspielenden Vereine.&nbsp;&#8216;Nivea Erfurt&#8217; incoming.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Verlieren? Nicht vorgesehen! – Eine Medienauslese</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Oct 2017 12:55:47 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Rangnick]]></category>
		<category><![CDATA[RB Leipzig]]></category>
		<category><![CDATA[RBL]]></category>
		<category><![CDATA[schlechte Verlierer]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstermächtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Verschwörungstheorie]]></category>
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					<description><![CDATA[Niemand verliert gern. Zumal im Fußball. Egal, ob Spieler, Funktionär oder Fan – gerade auf die vermeintlich &#8220;großen&#8221; Spiele fiebert man hin und ist natürlich enttäuscht, wenn diese nicht so laufen, wie man gehofft hatte. Das hat man schon oft erlebt, und auch das Hadern mit dem Schiri, dem Ball oder sonstigen äußeren Umständen ist &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2017/10/30/verlieren-nicht-vorgesehen-eine-medienauslese/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Verlieren? Nicht vorgesehen! – Eine Medienauslese</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Niemand verliert gern. Zumal im Fußball. Egal, ob Spieler, Funktionär oder Fan – gerade auf die vermeintlich &#8220;großen&#8221; Spiele fiebert man hin und ist natürlich enttäuscht, wenn diese nicht so laufen, wie man gehofft hatte. Das hat man schon oft erlebt, und auch das Hadern mit dem Schiri, dem Ball oder sonstigen äußeren Umständen ist wesentlicher Bestandteil des Redens über verlorene Spiele im Speziellen und Fußball im Allgemeinen.</p>
<h4>Mehr als schlechte Verlierer</h4>
<p>Einen Umgang mit einem verlorenen &#8220;großen&#8221; Spiel musste in den vergangenen Tagen gleich zweimal ein Fußballlager finden, das damit ganz offensichtlich überfordert ist, wenn nicht sogar Probleme hat: RB Leipzig. Eine Tatsache, die ihnen nicht unbedingt beim Aufstieg auf der Sympathieleiter geholfen haben dürfte. Ganz ähnlich wie beim forcierten Marsch durch die Ligen in den letzten Jahren bricht sich in allem, was man aus der weiß-roten Ecke mitbekommt, eine Ungeduld Bahn, die uns zuerst (zynisch, wie wir nun mal sind) belustigte, dann aber zunehmend beängstigte.</p>
<p><span id="more-1200"></span></p>
<p>Sei es versammelt unter dem Hashtag #RBLFCB, oder aber in der Lokalpresse:&nbsp;Die Aggressivität, mit der das RB-Lager nicht einsehen will, dass Pokal- und das nur wenige Tage später stattfindende Ligaspiel gegen die Bayern nun mal so gelaufen sind, wie sie gelaufen sind, ist schon speziell. Es wird laut rumgepöbelt, mit den Fuß auf dem Boden gestampft und wütend mit Fingern auf andere gezeigt. Es wirkt fast so, als sei die Idee des Verlierens, des Einsortierens hinter etablierten Hausnummern des Fußballs, im RB-Universum noch nicht angekommen. Dass das zum Marketingimage des Finanziers des ganzen Ladens passt, ist klar. Dass aber auch Fans und Medien, über den ersten Ärger hinweg, <a href="https://twitter.com/zeitonline/status/923479302364155904" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Geschichten über die Verstrickungen von Felix Zwayer in den Hoyzer-Skandal 2006 aufgekochen </a>und offen – und völlig ironiefrei – von einer Verschwörung gegen den 2009 aus der Wiege gehobenen und dann von den Verbänden nach oben protegierten Club fabulieren, ist schizophren.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="en">
<p dir="ltr" lang="de">Wie reagieren, wenn ein Leipzig-Fan sagt: &#8220;Man will uns nicht in der Liga haben&#8221;?<br />
Nicken.</p>
<p>— Günter Klein (@guek62) <a href="https://twitter.com/guek62/status/924355486849355776?ref_src=twsrc%5Etfw">October 28, 2017</a></p></blockquote>
<p><script async="" src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script><br />
Und so beschlich uns immer mehr das Gefühl, dass es bei dem aufschreihaften Gezeter eigentlich um etwas ganz Anderes geht. Das RB-Lager scheint auf eine Weise beleidigt, in der man im besten Fall Minderwertigkeitskomplexe, realiter aber wohl eine aggressive Anspruchshaltung sehen kann, über deren Hintergründe sich nur spekulieren lässt. Ist es die pervertierte Seite der gestärkten &#8220;ostdeutschen Identität&#8221; bzw. &#8220;Siegermentalität im kollektiven Selbstbewusstsein&#8221;, die im Zusammenhang mit RB Leipzig gern&nbsp;<a href="https://zwangsbeglueckt.de/2017/01/30/gekaufte-wissenschaft/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">strapaziert wird</a>? Das nur diffus greifbare Denken, nun auch endlich mal dran zu sein, das sich kollektiv auf das zum Symbol des aufstrebenden Ostens hochgeschriebenen Clubs kapriziert? Sozialpsychologie, schon klar.&nbsp; Aber vieles, was man liest und hört, scheint genau in diese Richtung zu deuten.</p>
<h4>Verschwörungstheorien und notorische Ungeduld</h4>
<p>Nur in den wenigsten Äußerungen geht es um irgendwelche Schiedsrichterentscheidungen, die mit der eigenen Vereinsbrille vielleicht nicht ganz nüchtern betrachtet werden können.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="en">
<p dir="ltr" lang="de">Wofür? Notbremse?</p>
<p>— rotebrauseblogger (@rotebrauseblog) <a href="https://twitter.com/rotebrauseblog/status/924316626375372800?ref_src=twsrc%5Etfw">October 28, 2017</a></p></blockquote>
<p><script async="" src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Stattdessen lässt sich oft ein Grundton erkennen, in dem bereits der gesamte Ballast an Vorwürfen mitschwingt, die bei anderen dann ungefiltert zur Verschwörungstheorie ausgebaut werden.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="en">
<p dir="ltr" lang="de">Der nächste Schiedsrichter aus Berlin. Ich Ante es schon!</p>
<p>— Eventi RBL (@Leipziger67) <a href="https://twitter.com/Leipziger67/status/923614610653052928?ref_src=twsrc%5Etfw">October 26, 2017</a></p></blockquote>
<p><script async="" src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="en">
<p dir="ltr" lang="de">Das Orban Rot ist ja heute deshalb so bitter, weil man bei der Szene nochmal klar sieht, wie wir am Mittwoch verarscht wurden. <a href="https://twitter.com/hashtag/FCBRBL?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#FCBRBL</a></p>
<p>— Schnudelhuber (@Schnudelhuber_8) <a href="https://twitter.com/Schnudelhuber_8/status/924330326557646848?ref_src=twsrc%5Etfw">October 28, 2017</a></p></blockquote>
<p><script async="" src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="en">
<p dir="ltr" lang="de">Dem Wessi scheint der Puderzuckerarsch ja ganz schön auf Grundeis zu gehen! Das ist schon konspirativ vom <a href="https://twitter.com/DFB?ref_src=twsrc%5Etfw">@DFB</a> Frechheit! <a href="https://twitter.com/hashtag/FCBRBL?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#FCBRBL</a></p>
<p>— RonRBL<img src="https://s.w.org/images/core/emoji/14.0.0/72x72/26bd.png" alt="⚽" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> (@RBLRon44) <a href="https://twitter.com/RBLRon44/status/924318112681472000?ref_src=twsrc%5Etfw">October 28, 2017</a></p></blockquote>
<p><script async="" src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>[Anmerkung: Wie wir aufgeklärt wurden, handelt es sich bei RonRBL um einen Satireaccount. Alles andere wäre auch wirklich nicht tragbar. 🙂 ]</p>
<p>So oder so wird nach kurzem Blick in die Timelines zu den Niederlagen gegen die Bayern deutlich, dass es um mehr geht als nur den sportlichen Wert und das Schimpfen über eine verpasste Chance. Man fühlt sich, nein, man wurde tatsächlich glatt vom System betrogen. Und man verlagert alle kreative Energie darin, diesbezüglich den Beweis zu führen. Eine unrühmliche Rolle spielt in diesem Zusammenhang auch der Ursymphat RR, der offenbar die größte Ungeduld von allen an den Tag legt. Sich endlich auf Augenhöhe mit der Benchmark des deutschen Fußballs wähnend, legte er bereits während des Zustandekommens der Pokalschlappe&nbsp;eine dilettantischen Unsouveränität an den Tag, die wieder nur eingangs und mit einem ordentlichen Schuss Zynismus lustig ist. Wer ruhig auf <a href="http://www.rp-online.de/sport/fussball/rb-leipzig/kolumne-gegenpressing-ralf-rangnick-erfindet-den-privaten-videobeweis-aid-1.7172267" target="_blank" rel="noopener noreferrer">das verstörende Rumturnen mit gezückten Smartphone vor den gestressten Schiedsrichtern</a> schaut, begreift, welche innere Getriebenheit und Selbstüberzeugung als Triebfedern beim neuen Gold Nugget des Ostens wirken.</p>
<h4>Die LVZ haut mit auf die Kacke</h4>
<p>Aufgefangen wurden dieses Vorgänge und Stimmungslagen wie immer vom Leipziger Garanten für unabhängige Berichterstattung, der LVZ – die fleißig mit auf die Kacke hauten.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="en">
<p dir="ltr" lang="de">Daaa iss das Ding! Nix als die nackte Wahrheit über RB, Gott und die Welt. Verlag Schwarzkopf&amp;Schwarzkopf<img src="https://s.w.org/images/core/emoji/14.0.0/72x72/26bd.png" alt="⚽" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/14.0.0/72x72/26bd.png" alt="⚽" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />9,99 Eus <a href="https://t.co/WAnUDTlWRh">pic.twitter.com/WAnUDTlWRh</a></p>
<p>— Guido Schäfer (@schfer_g) <a href="https://twitter.com/schfer_g/status/923948751475093505?ref_src=twsrc%5Etfw">October 27, 2017</a></p></blockquote>
<p><script async="" src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>So prangte bereits am Tag nach der Pokalniederlage als typographisches Desaster auf der Titelseite der mittlerweile gänzlich distanzlosen LVZ &#8220;Leipzig kann trotzdem stolz sein&#8221;. Wo da noch der Bezug zum Fußball ist, möchte man fragen, und bringt die Äußerung dann aber schnell in Verbindung mit dem seit dem letzten Abend auf dem eigenen Handy tobenden Tweetstorm. Deutlich wird, dass es in den Augen der Zeitung offenbar nicht nur um das Duell zweier sportlich super aufgestellter Mannschaften und Vereine ging. Wer die ganze Stadt in Kollektivhaft nimmt und von &#8220;Stolz&#8221; schreibt, der hat nicht nur ein sportliches Ergebnis im Sinn, sondern adressiert eine nicht verwundene Kränkung, die das eigene Selbstbild betrifft. Nicht nur der Club hat verloren, sondern die ganze Stadt und Region, und wofür diese stehen, die&nbsp;<em>mentalità del est</em>. Und nun haut man sich trotzdem fleißig auf die Schulter und spinnt einfach weiter am Faden der neuen Siegermentalität und des &#8220;Jetzt holen wir uns, was uns zusteht!&#8221;.</p>
<p><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/LVZ_Titel_171026.png"><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-full wp-image-1211" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/LVZ_Titel_171026.png" alt="" width="945" height="879" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/LVZ_Titel_171026.png 945w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/LVZ_Titel_171026-300x279.png 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/LVZ_Titel_171026-768x714.png 768w" sizes="(max-width: 945px) 100vw, 945px" /></a></p>
<p>Doch damit nicht genug. Tags drauf war dann die gesamte Titelseite gefüllt mit #RBLFCB-content. Für die Auswärtigen zum Nachvollziehen: Titelbild, Aufmacher inklusive TED-Umfrage (&#8220;Hat der Schiedsrichter RB Leipzig benachteiligt?&#8221; &#8211; Ja/Nein), Leitartikel und Kommentar. Ungelogen!</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="en">
<p dir="ltr" lang="de">Oh, das ist überraschend, <a href="https://twitter.com/LVZ?ref_src=twsrc%5Etfw">@LVZ</a>. <a href="https://twitter.com/hashtag/RBLFCB?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#RBLFCB</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/FCBRBL?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#FCBRBL</a> <a href="https://t.co/38ZxZR9Fre">pic.twitter.com/38ZxZR9Fre</a></p>
<p>— zwangsbeglueckt (@zwangsbeglueckt) <a href="https://twitter.com/zwangsbeglueckt/status/924015407207538690?ref_src=twsrc%5Etfw">October 27, 2017</a></p></blockquote>
<p><script async="" src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<p>Den Vogel schoss dabei aber der inzwischen landesweit berüchtigte Guido Schäfer ab, der allen Ernstes im Zusammenhang von RB, die – man kann es nicht oft genug wiederholen – nur acht Jahre nach Gründung im ausverkauften Zentralstadion die Bayern am Rande der Niederlage haben, vom &#8220;benachteiligten Außenseiter&#8221; schrieb. Mehr Selbst-Beopferung geht nicht.</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="en">
<p dir="ltr" lang="de">&#8220;Von wegen Dosen und Plastikclub. Fleisch und Blut, Leidenschaft und Hingabe.&#8221; Launiger Leitartikel von <a href="https://twitter.com/schfer_g?ref_src=twsrc%5Etfw">@schfer_g</a> in der <a href="https://twitter.com/LVZ?ref_src=twsrc%5Etfw">@LVZ</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/rbl?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#rbl</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/RBLFCB?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#RBLFCB</a> <a href="https://t.co/txKMa7jLzS">pic.twitter.com/txKMa7jLzS</a></p>
<p>— Model Among (@Modelamong) <a href="https://twitter.com/Modelamong/status/923913181222899712?ref_src=twsrc%5Etfw">October 27, 2017</a></p></blockquote>
<p><script async="" src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p>
<h4>RBL: Eine Melange aus Geltungsdrang und Selbstermächtigung</h4>
<p>Am Ende bleibt der unangenehme Eindruck, dass in und um RB Leipzig streberhafte Selbstüberzeugung und Ost-Opfermythos ein bedenkliches Hybrid hervorgebracht haben, das die Bedingungen des eigenen Bestehens ausblendet und den eigenen Erfolg als nur von dunklen Mächten und Verschwörungen aufzuhalten versteht.&nbsp; Im Zweifelsfall (bei Niederlagen) werden dann Schiedsrichterskandale aufgewärmt und Bilder einer Sportfunktinärskaste bemüht, die sich gegen RB stellen. Als würde man selbst nicht Teil dieses Establishments sein und von dessen Uminterpretationen des selbstgegebenen Regelwerks massiv profitieren.&nbsp;Um Fußball im engeren Sinne geht es dabei nicht mehr. Stattdessen sind aggressiver Geltungsdrang und Selbstermächtigung angesprochen. Fortsetzung, das steht zu befürchten, folgt.</p>
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		<title>Gemeinwohl und Geschenke</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chassot]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Oct 2017 06:52:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[filetiert]]></category>
		<category><![CDATA[Kaminsiki]]></category>
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					<description><![CDATA[Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung lässt sich ja gern mit der Sentenz zitieren, dass RB ein „großes Geschenk“ für die Stadt sei. Anlässlich des bevorstehenden Stadionkaufes durch RB verdichten sich (mal wieder) die Anzeichen dafür, dass es vielleicht andersrum richtiger ist: Leipzig ist ein Glücksfall für RB. Denn die Geschichten um das ehemalige Zentralstadion, dessen Neu- &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2017/10/17/gemeinwohl-und-geschenke/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Gemeinwohl und Geschenke</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung lässt sich ja gern mit der Sentenz zitieren, dass RB ein „<a href="http://www.mz-web.de/sport/fussball/rb-leipzig/oberbuergermeister-im-interview-ob-jung-sieht-rb-leipzig-als-geschenk-fuer-die-stadt-25602224" target="_blank" rel="noopener noreferrer">großes Geschenk</a>“ für die Stadt sei. Anlässlich des bevorstehenden Stadionkaufes durch RB verdichten sich (mal wieder) die Anzeichen dafür, dass es vielleicht andersrum richtiger ist: Leipzig ist ein Glücksfall für RB. Denn die Geschichten um das ehemalige Zentralstadion, dessen Neu- bzw. Umbau und die dabei umgesetzten Gelder zeigen, dass die gern verkündete Erzählung des privaten Investoren-Heilands, von dem die ganze Stadtgesellschaft nur profitiert, sehr vieles vergisst und verschweigt. Vor allem, wie viel öffentliches Geld direkt und indirekt im Projekt RB steckt, wie wenig sich RB tatsächlich für die Stadt interessiert, und wie sehr diese Stadt trotzdem gewillt ist, RB mehr oder minder bedingungslos zu hofieren.</p>
<h4>Das Zentralstadion gehört bald zu Fuschl am See</h4>
<p>Anlass für diese Geschichte ist der Verkauf des Zentralstadions. Kurz erzählt, also in der Version der meisten Zeitungen, verkauft der Eigentümer Michael Kölmel das Stadion an Red Bull. Genauer gesagt läuft der Deal so: Derzeitige Besitzerin des Stadions ist die EMKA Immobilienbeteiligungsgesellschaft GmbH. Diese hält 100 Prozent der Anteile an der Zentralstadion Leipzig GmbH, die auch als Besitzgesellschaft bezeichnet wird, weil ihr faktisch das Stadion gehört. Kölmel wiederum ist nun Besitzer der EMKA und über diesen Weg derzeitiger Stadioneigentümer.</p>
<p><figure id="attachment_1194" aria-describedby="caption-attachment-1194" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/3753427748_54aca523d1_b.jpg"><img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-1194 size-full" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/3753427748_54aca523d1_b.jpg" alt="" width="1024" height="768" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/3753427748_54aca523d1_b.jpg 1024w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/3753427748_54aca523d1_b-300x225.jpg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/3753427748_54aca523d1_b-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1194" class="wp-caption-text">Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/toastbrot81/3753427748/in/photolist-6HFiiw-8fs3v6-az5RPU-8gQ5Hu-6HBpCP-5Lqttt-8fvht9-d58vVC-d589xw-d584Zj-7LC4HS-7LPGGP-d585Qb-d58Ep3-d58GVb-8fs1VF-7Ly5se-7Ly5qx-d58cks-az5NtY-8dN6Qd-5ULHVd-7ArQf7-5ULGKd-d58AJu-7LC4JQ-xtRXf2-7ArQgu-az5R57-5LuKyj-cxNWiw-az5SCU-8fs4jK-5LqtdB-5LuHYh-8jK7hy-8gQ7w5-az3b5R-7LTExw-8fvhmq-8t5Myw-d58uz3-8fs5kX-d58r2u-d4quEd-8fs4cV-d4qt9d-8sMCUG-cx4dkG-aCGk7t" target="_blank" rel="noopener noreferrer">toastbrot81 &#8220;Blick vom City Hochhaus&#8221; on flickr</a> | <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC BY-NC 2.0</a></figcaption></figure></p>
<p>Demnächst nun verkauft die EMKA ihre Anteile an der Besitzgesellschaft und damit das Stadion. Käufer ist, und darauf kommen wir später nochmal zurück, Red Bull bzw. der davon alimentierte hiesige Fußballverein. Von dieser Aufteilung erstmal abgesehen, gehört dem „Projekt RB“ damit künftig das Stadion selbst, und alle Umbauten finden damit als Investitionen in RB-Eigentum statt (was wohl Bedingung war bzw. vor dem Kauf des Stadions gegen Umbauten sprach).</p>
<p>Lange gingen im Vorfeld die Verhandlungen hin und her, wobei RB öffentlichkeitswirksam mit einem <a href="http://www.mz-web.de/sport/fussball/rb-leipzig/rb-leipzig-boss-oliver-mintzlaff--tendenz-zum-stadionneubau--24283998" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Neubau auf der grünen Wiese</a> drohte, wenn es das Stadion nicht ausbauen dürfe. Die Bauvoranfrage und die aus Sicht von RB <a href="http://www.sportbuzzer.de/artikel/leipziger-stadionausbau-rb-boss-mintzlaff-fordert-mehr-tempo-von-der-stadt/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">unangemessen lange Wartezeit</a> auf eine Antwort bestimmten lange die Berichte der LVZ; damit werden wir Sie aber nicht länger langweilen. Schließlich signalisierte die Stadt ihre Zustimmung zum Ausbau, und Kölmel und RB tüteten daraufhin den Kaufvertrag ein.</p>
<p>Alle Beteiligten sind nun zufrieden. Kölmel, weil er Geld bekommt und auf längere Zeit Risiken los ist. Er ist weiterhin (über die ZSL-Betreibergesellschaft) Betreiber von Veranstaltungen etwa auf der Festwiese und hat andere Vorbehaltsrechte, u.a. eine eigene VIP-Loge. Zudem bewirtschaftet er die Parkplätze. RB ist zufrieden, weil ein eigenes Stadion das Firmenportfolio ziert und man zugleich größeren Aufwendungen und Konflikten aus dem Weg geht, die bei einem Umzug gedroht hätten. Und schließlich die Stadtverwaltung und der Stadtrat, weil RB&#8217;s Heimspielstätte zentral bleibt und damit weiter als innerstädtisches Aushängeschild dienen kann; zudem ist das Stadion in Benutzung, was sonst wieder zum Problem geworden wäre. Die Zustimmung des Stadtrates am Mittwoch dieser Woche gilt deshalb allen nur als „Formalie“. Wie wir aus den entsprechenden Rats-Ausschüssen hörten, scheint das auch zu stimmen. Kaum jemand im Stadtrat scheint sich für das Thema zu interessieren; lediglich von den GRÜNEN kamen Antworten auf unsere Fragen.</p>
<p>Dabei ist der Verkauf des Stadions in mindestens zwei Punkten aufschlussreich, und beide drehen sich um das liebe Geld.</p>
<h4>Öffentliche Investitionen, private Gewinne</h4>
<p>Der erste Punkt betrifft den Kaufpreis. Kolportiert sind hier 70 Millionen EUR; keine Seite hat dieser Summe bisher widersprochen, also rechnen wir auch mal damit. Und rufen noch einmal die Baukosten von damals in Erinnerung. Die Bausumme belief sich insgesamt auf 116 Millionen EUR. Davon zahlte allein der Bund 51 Millionen EUR, die Stadt 21 Millionen EUR und die EMKA, also Kölmel, 44 Millionen EUR. Dazu wurde noch ein Betreibervertrag abgeschlossen, der Kölmel pro Jahr 1,2 Millionen EUR jährlich aus dem städtischen Haushalt zusicherte.</p>
<p>Jede Menge <a href="http://www.berliner-zeitung.de/die-kosten-der-wm---insgesamt-wurde-der-steuerzahler-im-zusammenhang-mit-der-weltmeisterschaft-mit-mehreren-milliarden-euro-belastet-die-kunst-des-rechnens-15722428" target="_blank" rel="noopener noreferrer">öffentliche Kohle</a> steckte in der gesamten WM 2006 und den Stadien; das wurde und <a href="http://www.mz-web.de/mitteldeutschland/steuergeld-fuer-vereine-und-fans-der-grosse-stadion-poker-in-mitteldeutschland-1236306" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wird</a> gern vergessen. Aber&nbsp;<a href="http://www.rp-online.de/sport/fussball/wm-stadien-2006-kosten-und-finanzierungen-aid-1.1567195" target="_blank" rel="noopener noreferrer">kein Stadion</a>, außer das in Nürnberg, wurde mit derart viel öffentlichem Geld gebaut wie das in Leipzig. Das lag natürlich auch daran, dass zu den Zeiten des Neubaus weder der FC Sachsen noch der VfB in der Lage gewesen wäre, die erforderlichen Summen aus den eigenen löchrigen Etats mit aufzubringen, geschweige denn, das Stadion dann noch mit genügend Zuschauern zu füllen. Gleichwohl wollte der Gründungsort des DFB und die Stadt des ersten Deutschen Meisters aber unbedingt Spielstätte bei der prestigeträchtigen WM sein.</p>
<p><figure id="attachment_1195" aria-describedby="caption-attachment-1195" style="width: 1024px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/3222606858_30f34e3705_b.jpg"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-1195" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/3222606858_30f34e3705_b.jpg" alt="" width="1024" height="768" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/3222606858_30f34e3705_b.jpg 1024w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/3222606858_30f34e3705_b-300x225.jpg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/3222606858_30f34e3705_b-768x576.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1195" class="wp-caption-text">Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/34636844@N08/3222606858/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Ju_Li_A &#8220;Vor dem Spiel&#8221; on flickr</a> |<a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"> CC BY-NC-SA 2.0</a></figcaption></figure></p>
<p>Wie auch immer: Rechnet man all die oben genannten Zahlen zusammen bzw. wieder auseinander, wurden drei Viertel aller Kosten für den Stadionbau durch Bund und Stadt beglichen. Anders gesagt: Kölmel zahlte ein Viertel der Baukosten. Das wäre für sich nicht verwerflich. Allerdings war nach der Fertigstellung des Stadions und seiner Einweihung die EMKA bzw. ihre Besitzgesellschaft, sprich Kölmel, alleiniger Eigentümer des Stadions. Kurz gesagt, zahlte Kölmel also 44 Millionen EUR für ein (wesentlich teureres) Stadion, das er nun für 70 Millionen EUR weiterverkauft. Kein schlechter Deal, oder?</p>
<p>Manche werden hier einwenden: Ja, aber die ganzen Kosten in den Jahren des Leerstands! Geschenkt. Denn wie gesagt: Von der Stadt gab es jährlich einen Zuschuss, und selbst wenn der Betrieb ohne Einnahmen zwei Millionen pro Jahr gekostet hätte, wären da maximal 10 Millionen EUR zusammengekommen, denn ab der Saison 2010/11 spielte RB ja schon durchweg im Stadion und zahlte dafür (ordentlich) an Kölmel. Wären also, ganz zurückhaltend gerechnet, immer noch 16 Millionen EUR Differenz bzw. Gewinn für Kölmel bei der Sache. Aber selbst die LVZ vermutet da deutlich höhere Beträge und spricht von „<a href="http://www.sportbuzzer.de/artikel/wer-verdient-am-stadion-verkauf/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">an die 50 Millionen</a>“.</p>
<p>Wir wollen an der Stelle niemandem sein Geld neiden, ehrlich. Aber nur nochmal fürs Protokoll: Die Stadt sieht nach ihren Investitionen von mindestens 21 Millionen EUR, realistischer eher 30 Millionen EUR nun keinen Cent beim Verkauf der Schüssel. Das ist rein rechtlich alles wasserdicht, offenbar wurden die Verträge damals so geschlossen. Man wollte schnell ein modernes Stadion und die WM in der Stadt, und bekam beides dann auch. Und klar, öffentliche Subventionen für private Unternehmen sind an der Tagesordnung, und das noch in (weit) größeren Dimensionen.</p>
<p>Die städtische Nichtbeteiligung beim Wiederverkauf ist ja auch nicht die einzige <a href="http://www.ariva.de/forum/koelmel-kinowelt-leipzig-olympia-skandal-um-mi-186128" target="_blank" rel="noopener noreferrer">schräge Geschichte</a> um die ganze Stadionerneuerung. Man erinnere sich nur an den Batzen Geld, den Roland Poser für seine (angebliche) Vermittlung Kölmels bekam; ein Detail des Affären-Gesamtkunstwerks des damaligen Kämmerers Peter Kaminski.</p>
<p>Aber ein bisschen irre ist das schon, dass RB nun eine Spielstätte kauft, die mit öffentlichen Geldern stark bezuschusst wurde, dabei aber so tut, als täten sie irgendjemandem damit auch noch einen Gefallen und die Verwaltung solle sich gefälligst ein bisschen beeilen bei solch nobler Kundschaft. Und noch irrer ist es, dass Kölmel damit nun noch einen (ordentlichen) Gewinn einstreicht.</p>
<p>Legitimiert wird all das, man ahnt es, mit den heilsbringenden Effekten durch RB. Direkte und indirekte Einnahmen der Stadt, man kennt die wunderbaren Geschichten und Zahlen. All das sind nach wie vor Schätzungen, genaue Berechnungen liegen unserer Kenntnis nach weiterhin nicht vor. Aber (PR-)wirksam sind die Studien trotzdem; im Eingang zur <a href="https://ratsinfo.leipzig.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1007550" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Beschlussvorlage</a> an den Stadtrat wird wieder auf die schon berühmte <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2017/01/30/gekaufte-wissenschaft/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Public Value-Studie</a> der HHL Bezug genommen und „erhebliche Effekte“ für die Stadt Leipzig prognostiziert.</p>
<h4>Steuern zahlen? Lieber später!</h4>
<p>Der zweite Punkt betrifft die beim Kauf anfallenden Steuern und damit erneut öffentliches Geld. Denn als Käufer der Besitzgesellschaft treten (formalrechtlich) zwei Parteien auf den Plan: die Red Bull GmbH und der unter RasenBallsport Leipzig firmierende gemeinnützige Verein (e.V.). Beide Parteien teilen sich den Kaufpreis, und dies hat den Grund, dass keine Grunderwerbssteuer gezahlt werden muss, sobald man nicht mehr als 95 Prozent eines Grundeigentums erwirbt. Deshalb kauft Red Bull nur 94 Prozent, und der Verein die restlichen 6 Prozent. Mit anderen Worten: Hätte die Red Bull GmbH das ganze Stadion bzw. alle Anteile an der Besitzgesellschaft erworben, wäre die Grunderwerbssteuer fällig gewesen. Die beläuft sich in Sachsen auf 3,5 Prozent, was bei einem unterstellten Kaufpreis von 70 Millionen EUR immerhin runde 2,5 Millionen EUR sind. Für Red Bull eigentlich nur Peanuts, aber im Zweifel spart man die natürlich gern ein.</p>
<p>Auch das ist (natürlich!) eine legale Geschichte. Über das Erschweren solcher <a href="http://blog.handelsblatt.com/steuerboard/2016/06/02/grunderwerbsteuer-und-share-deal-warum-nicht-sein-darf-was-nicht-sein-kann/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Share Deals</a> wird immer mal gesprochen, aber noch werden sie legal genutzt. Und RB wären die Letzten, die formalrechtliche Möglichkeiten nicht auch bis zum Äußersten ausschöpfen würden. Das ist ja ohnehin die ganze Zeit die Masche: Legitim ist, was legal ist, alles andere sind Einwände von Traditionalisten und Neidern. Darauf wird man auch hier verweisen, wenn die Frage nach den 2,5 Millionen EUR Grunderwerbssteuer aufkommt. Daran darf man sich aber gern erinnern, wenn mal wieder der Wohltäter Red Bull gepriesen wird, und das wird nicht mehr lange dauern.</p>
<p><figure id="attachment_1196" aria-describedby="caption-attachment-1196" style="width: 1920px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/clinic-2232153_1920.jpg"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-1196" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/clinic-2232153_1920.jpg" alt="" width="1920" height="1440" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/clinic-2232153_1920.jpg 1920w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/clinic-2232153_1920-300x225.jpg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/clinic-2232153_1920-768x576.jpg 768w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/10/clinic-2232153_1920-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1196" class="wp-caption-text">Foto: <a href="https://pixabay.com/p-2232153/?no_redirect" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Juncala (ohne Titel) on pixabay</a> | <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 1.0</a></figcaption></figure></p>
<p>Fazit: RB ist auch in dieser Angelegenheit nicht der Heilsbringer, der es immer vorgibt zu sein. Massig öffentliches Geld steckt im Stadion, das nun, verwandelt in Privatbesitz, mit Gewinn verkauft werden kann. Wie gesagt: alles legal, alles normal. Aber solche Geschichten gehören zum Gesamtbild dazu, das allzu oft als „Die kosten keinen was und bringen ihr eigenes Geld mit“ gezeichnet wird. Auch die erwähnte Beschlussvorlage für den Stadtrat spricht ja davon, dass durch RB „Steuereinnahmen für die Stadt sowie werbliche Abstrahleffekte (Image) fürs Stadtmarketing ohne Belastung für den kommunalen Haushalt“ zu erwarten sind. Es wäre endlich mal an der Zeit, diese einseitige Lobhudelei zu beenden.</p>
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		<title>Ermüdungserscheinungen</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Apr 2017 11:50:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Dieser Text erschien zuerst in der Erlebnis Fußball No 70 und ist für diesen Blogpost nur leicht verändert und aktualisiert worden. Man sollte sich nichts vormachen. RB ist dort angekommen, wo sie hingehören. Gekonnt und locker beherrscht der erst 2009 aus dem Boden gestampfte „Verein“ die etablierten Regeln des Bundesligafußballs und kann sich gleichzeitig als jung, &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2017/04/21/ermuedungserscheinungen/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Ermüdungserscheinungen</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<pre>Dieser Text erschien zuerst in der <a href="http://erlebnis-fussball.de/ausgabe/70/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Erlebnis Fußball No 70</a> und ist für diesen Blogpost nur leicht verändert und aktualisiert worden.</pre>
<p><figure id="attachment_1152" aria-describedby="caption-attachment-1152" style="width: 1920px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/04/man-1245993_1920.jpg"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-1152" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/04/man-1245993_1920.jpg" alt="" width="1920" height="1276" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/04/man-1245993_1920.jpg 1920w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/04/man-1245993_1920-300x199.jpg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/04/man-1245993_1920-768x510.jpg 768w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/04/man-1245993_1920-1024x681.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1152" class="wp-caption-text">Foto: <a href="https://pixabay.com/en/man-sleeping-man-nap-napping-male-1245993/">Unsplash on Pixabay</a> // <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en">CC0 Public Domain</a></figcaption></figure></p>
<p>Man sollte sich nichts vormachen. RB ist dort angekommen, wo sie hingehören. Gekonnt und locker beherrscht der erst 2009 aus dem Boden gestampfte „Verein“ die etablierten Regeln des Bundesligafußballs und kann sich gleichzeitig als jung, wild und unvorbelastet darstellen. Und das wird auch erst mal so bleiben. Professionell und nüchtern aufgestellt in Bezug auf Vereinsmanagement und -vermarktung, Personalstruktur, Spieleraquise und Jugendausbildung, können sich einige andere Bundesligisten bei der österreichischen Niederlassung in Leipzig sogar noch etwas abschauen. Zudem rennen die Zuschauer dem Neuling die Bude ein. RB ist somit Realität und wird sich aus dieser wohl so schnell nicht wieder verjagen lassen. Im Gegenteil: Europa und ein neues Stadion rufen!</p>
<p><span id="more-1150"></span></p>
<p>Ermöglicht wurde und wird das bekanntermaßen durch ein hunderte Millionen schweres Investment des österreichischen Weltkonzerns, über dessen genaue Höhe gemeinhin Stillschweigen herrscht. Nüchtern betrachtet, stellt RB diesbezüglich die konsequente Weiterführung und Zuspitzung dessen dar, was besonders die Spitzenclubs der Bundesliga bei der Suche nach Finanzierung des kostspieligen Alltagsbetriebs umtreibt. Bei der Bayern München AG sind mit Adidas, Audi und Allianz gleich drei deutsche Großkonzerne Anteilseigner. Borussia Dortmund ist ebenfalls als Aktiengesellschaft aufgestellt, auch wenn die Aktionärsstruktur kleinteiliger ist. VW bei Wolfsburg, Bayer in Leverkusen und womöglich <a href="http://www.kicker.de/news/fussball/2bundesliga/startseite/676022/artikel_daimler-steigt-beim-vfb-stuttgart-ein.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">demnächst Daimler in Stuttgart</a> – überall stehen Großsponsoren und -geldgeber hinter den Vereinen und da haben wir noch nicht mal von den englischen, französischen und italienischen Topclubs gesprochen. Dort gehört die Finanzierung der Spitzenclubs durch Ölscheichs, Hedgefonds oder Konzernen aus dem fernen Osten fast schon zum guten Ton. Das große Geld ist jedenfalls längst etabliert im Profifußball.</p>
<h4>RB-Kritik verfängt nicht mehr</h4>
<p>Eine darauf bezogene Kritik finden wir (auch wenn uns das „Fußballgeschäft“ zuweilen anstinkt) zunehmend langweilig. Zumal sie auch nicht (mehr) verfängt. Kommt man heute mit Fans und Unterstützer von RB ins Gespräch, beim Grillen unter Freunden, beim Training des eigenen Amateurclubs oder an Spieltagen in der Bahnhofskneipe, wird schnell deutlich, dass diese sich nicht mehr auf „klassische“ Kritikpunkte einlassen. Im Gegenteil: Unumwunden und bereitwillig wird eingestanden, dass es sich bei RB um „Konzeptfußball“ handelt. Um einen Verein, der nur aufgrund von nicht selbst eingespieltem Geld und der konsequenten Anwendung heute im Spitzenfußball üblicher Prinzipien dorthin gelangte, wo er aktuell ist. „Tradition“ und den ganzen Klimbim brauche man dafür nicht. Dafür bekomme man „geilen Fußball“ zu sehen. Und es stimmt ja auch: Wie soll man mit kritischen Hinweisen auf die gesteigerte Kommerzialisierung und Fremdkapitalisierung noch punkten, wenn die großen Vereine anderer Städte es nicht anders machen (auch wenn sie historisch und organisatorisch anders dahin gelangt sind)? Oder anders gefragt: Was soll falsch daran sein, sich in das entfesselte Millionengeschacher, das der Spitzenfußball nun einmal ist, einfach einzukaufen und strategisch geplant mitzuspielen?</p>
<p>RB aus einer solchen kühlen bis zynischen Haltung heraus zu unterstützen, ist in Leipzig jedenfalls Mode geworden. Große Teile der meist nur am Rande fußballsozialisierten Stadtgesellschaft können und wollen an RB nicht schlimmes finden. Medien, lokale Wirtschaft und Rathaus – alle stimmen mit ein in die Hymne auf den Verein der kam, um die Stadt endlich zu erlösen aus den Jahren der Bedeutungslosigkeit. Denn das wurde auch schnell deutlich: Leipzig erhebt einen quasi-natürlichen Anspruch auf Bundesligafußball. Und da „die anderen“ ihre Chance hatten (Chemie und Lok), sei es nur noch durch den Eingriff einer dritten Partei möglich gewesen, die Stadt wieder auf die Bundesligalandkarte zu hiefen. Dort angekommen, feiert man sich nun selbst ab und weißt auf die positiven Effekte hin, die das österreichische Investment gebracht hat.</p>
<h4>RB als eierlegende Wollmilchsau</h4>
<p>Dabei werden vor allem wirtschaftliche Argumente vorgebracht. RB schaffe Arbeitsplätze, RB spühle Einnahmen für den Tourismus in die Stadt, RB sei Leuchtturm für eine ganze Region. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Aussagen, wird doch daran deutlich, womit RB eben auch in der Stadt über die Spieltage hinaus in Verbindung gebracht wird. Der Verein wird vor allem als <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2016/10/12/momentchen-mal/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Cash Cow</a> verstanden, die der Stadt beim ankurbeln der eigenen Wirtschaft zur Seite stehen soll. Und alle wollen etwas abbekommen vom Kuchen. Städtische Betriebe, in Leipzig angesiedelte Autobauer, Mittelständler – alle steigen mit irgendwelchen Kleckerbeträgen ein, um nur ja auch ein wenig von der Aura abzubekommen, die RB in der Stadt versprüht. Die Stadionlogen sind an Spieltagen längst zu Orten geworden, an denen sich die städtische Wirtschaftsprominenz und die die gern dazu gehören würden, sich die Klinke in die Hand geben.</p>
<p>Dazu gesellt sich die lokal ansässige Leipziger Volkzeitung, die sich ohne wenn und aber dem „Projekt RB“ verschrieben hat. Besonders der <del>Chef der Sportredaktion</del> <a href="http://www.lvz.de/Sport/RB-Leipzig/News/LVZ-Chefreporter-Guido-Schaefer-reist-mit-Hindernissen-ins-RB-Leipzig-Trainingslager" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Chefreporter</a>, der zwar hier und da mit amüsanten Zoten aus seiner eigenen Profizeit auftrumpfen kann, geht voll im RB-Kosmos auf. Genüsslich sucht er die Nähe zum Profikader, begleitet die Spieler mit in die Trainingslager und feiert sich überhaupt als denjenigen ab, der die exklusiven Inside Views vom Trainingsplatz und aus der Kabine erhaschen kann. Ein distanzierender Blick auf beispielweise die Gründungszeit der „Vereins“ und wie der Sächsische Fußballverband als Steigbügelhalter gleich beide Augen in Bezug auf die eigene Satzung zugedrückt hat, lässt sich ihm nicht nachsagen. Motto: Wer RB kritisiert, gehört zu den Vorgestrigen.</p>
<h4>Mit der Geduld am Ende: Freut euch doch mal!</h4>
<p>Überhaupt scheint die Geduld bei RB und dessen Apologeten langsam am Ende zu sein. Offenbar findet man, es wurde lange genug diskutiert und kritisiert. Spätestens seit dem Verlassen der 3. Liga finden etliche, es sei nun an der Zeit, dass die Sicht auf das reine Vergnügen nicht durch die ganzen Grübler und Nörgler verstellt wird, die immer nur wieder mit den gleichen Vorwürfen ankamen.</p>
<p>Aber auch auf Seiten des potentiell kritischen Publikums sind Ermüdungseffekte zu beobachten – ganz ähnlich wie in Bezug auf die TSG Hoffenheim. Der Ofen, an dem Gespräche zum problematischen Gebahren von RB geführt werden können, scheint jedenfalls zunehmend zu erlöschen. Alles schon mal gehört, wir können doch nichts daran ändern. Medial ist sowieso nichts zu erwarten. Sky und ARD aber auch die sogenannten „Leitmedien“ normalisieren RB weitgehend in ihrer Berichterstattung und entwickeln sogar eine hämische Freude, wenn RB mal wieder vor einem kritischen Publikum gewinnt. Die wollen jetzt auch mal langsam zur Tagesordnung übergehen, nicht immer so komplizierte Dinge denken und immer kritisch sein, das verdirbt sowieso die Laune. Im Zweifel imitiert man dann eine intellektuelle Haltung und zerrt den Tradition/Kommerz-Quatsch wieder vor, kaut ein bisschen drauf herum und spuckt ihn dann aus, um dann irgendeinen lockeren Spruch von wegen „frischer Wind“ und so zu bringen.</p>
<h4>Kritik bleibt weiterhin nötig – aber wie?</h4>
<p>RB als Tatsache einfach hinnehmen also? Wir finden, nein! Bloß weil RB nun etabliert ist und sich fußballerisch immer weiter eingroovt, ist die Grundlage dessen, was da entsteht immer noch nicht gut zu heißen! Als ob das Projekt nach fünf Jahren aufhört hätte, ein Projekt zu sein; als ob Mateschitz nur am Anfang dem Vereinsvorstand ein bisschen Geld in die Hemdtasche gestopft hätte („Nimm ruhig, Junge!“), das aber doch schon längst vergessen sei und er mittlerweile nicht mehr direkten Einfluss nehmen kann und nimmt. Als ob inzwischen die Mitgliedsbeiträge gesenkt und hunderte stimmberechtigte Mitglieder dabei seien. Als ob man ernsthaft an einer selbstbestimmten und auch mal schwierig werdenden Fankultur interessiert sei. Als ob das Ganze aufgehört hätte, in erster Linie ein Marketingzirkus zu sein.</p>
<p>Ob die vielen zu beobachtenden Proteste hilfreich dabei sind, um diese Punkte zu thematisieren? Wir sind zumindest skeptisch. Oft wirken sie auf uns kontraproduktiv, weil entweder zu simpel gedacht („Scheiß Kommerz!“) oder mit falschen Mitteln arbeitend (Bullenkopf in Dresden). Wirklich kreativ hat sich bisher noch keine Szene hervorgetan – vielleicht auch, weil aus den genannten Gründen eine Kritik immer schwieriger wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Rasenfunk Tribünengespräch</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Apr 2017 13:05:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vor einigen Wochen hat Max-Jacob Ost vom Rasenfunk angefragt, ob wir uns an einer Gesprächsrunde über Rasenballsport beteiligen wollen. Wir waren freilich gleich Feuer und Flamme weil a) Podcast! und b) wirklich spannende Gästeauswahl: Außer uns war der Rotebrauseblogger Matthias Kießling, Jens Buschmann von schwatzgelb.de und Alex Feuerherdt (Lizas Welt, Collinas Erben) angefragt. Wir haben &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2017/04/12/rasenfunk-tribuenengespraech/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Rasenfunk Tribünengespräch</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><figure id="attachment_1125" aria-describedby="caption-attachment-1125" style="width: 660px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/04/titelbild_rasenfunk_tg09.jpeg"><img decoding="async" loading="lazy" class="wp-image-1125 size-large" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/04/titelbild_rasenfunk_tg09-1024x576.jpeg" alt="" width="660" height="371" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/04/titelbild_rasenfunk_tg09-1024x576.jpeg 1024w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/04/titelbild_rasenfunk_tg09-300x169.jpeg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/04/titelbild_rasenfunk_tg09-768x432.jpeg 768w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/04/titelbild_rasenfunk_tg09.jpeg 1920w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1125" class="wp-caption-text">Titelbild Rasenfunk TG009 &#8211; (c) Rasenfunk.de</figcaption></figure></p>
<p>Vor einigen Wochen hat Max-Jacob Ost vom <a href="http://rasenfunk.de/">Rasenfunk</a> angefragt, ob wir uns an einer Gesprächsrunde über Rasenballsport beteiligen wollen. Wir waren freilich gleich Feuer und Flamme weil a) Podcast! und b) wirklich spannende Gästeauswahl: Außer uns war der <a href="http://rotebrauseblogger.de/">Rotebrauseblogger</a> Matthias Kießling, Jens Buschmann von <a href="http://www.schwatzgelb.de/">schwatzgelb.de</a> und Alex Feuerherdt (<a href="https://lizaswelt.net/">Lizas Welt</a>, <a href="http://fokus-fussball.de/category/collinaserben/">Collinas Erben</a>) angefragt. Wir haben also zugesagt und gedoodelt und Montagabend war es so weit.</p>
<p>Wir haben von 20 Uhr bis nach 2 Uhr diskutiert, zugehört und auch gescherzt. Es war eine wirklich angenehme Runde und eine runde Sache &#8211; Und auch nach fünfeinhalb Stunden Podcast sind längst nicht alle Themen rund um RBL angesprochen geschweige denn ausdiskutiert.</p>
<p>Ihr findet die Sendung <a href="http://rasenfunk.de/abonnieren/">im Podcatcher eurer Wahl</a>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=qNG-fHldwss">auf YouTube</a> und in allen gängigen Formaten auch <a href="http://rasenfunk.de/tribuenengespraech/rasenballsport-leipzig-tg009-rb-leipzig-raba-mateschitz-red-bull">bei Max auf der Rasenfunk-Seite</a>. Hört und kommentiert!</p>
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		<title>Reine Wissenschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[zunull]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Jan 2017 07:35:25 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[konzernintern]]></category>
		<category><![CDATA[HHL; Timo Meynhardt; LVZ]]></category>
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					<description><![CDATA[((postscriptum vorab: Wir haben uns mittlerweile – in unserer anderen Rolle als Wissenschaftsmenschen – mit den Verfassern der Studie persönlich getroffen und über die Studie konstruktiv diskutiert. Schon vorher stellte sich heraus, dass das Dokument, auf das sich dieser Blogpost bezieht, (nur) eine Pressemitteilung war. In die umfangreichere und durchaus komplexere Studie selbst, die als Masterarbeit vorliegt, &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2017/01/30/gekaufte-wissenschaft/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Reine Wissenschaft</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<pre>((postscriptum vorab: Wir haben uns mittlerweile – in unserer anderen Rolle als Wissenschaftsmenschen – mit den Verfassern der Studie persönlich getroffen und über die Studie konstruktiv diskutiert. Schon vorher stellte sich heraus, dass das Dokument, auf das sich dieser Blogpost bezieht, (nur) eine Pressemitteilung war. In die umfangreichere und durchaus komplexere Studie selbst, die als Masterarbeit vorliegt, hatten wir zum Zeitpunkt des Schreibens des folgenden Textes noch nicht Einsicht genommen. Für eigene Eindrücke und Urteile: Die Gesamtstudie ist bei den Verfassern auf Nachfrage einsehbar.))</pre>
<p>Als kleines bescheidenes Watchblog hat man es ja nicht immer leicht. Rund um das eigene Objekte des Aufruhrs gibt es nicht immer was, das es wert wäre, es zu berichten. Und ständig das Selbe schreiben, bereitet zwar uns immer wieder erstaunlich viel Freude, könnte aber bei der einen oder anderen geneigten Leserin zu Redundanz- und Irrelevanzunterstellungen führen. So zumindest unsere antizipativen Gedanken.</p>
<p><span id="more-1010"></span></p>
<p>Glücklicherweise tauchen rund um Leipzigs Aushängeschild dann doch regelmäßig neue Figuren und Akteure auf, die aufgrund der Chuzpe, mit der sie RB-Affirmation betreiben, sich förmlich selbst die Einladung schreiben, um hier mal namentliche Erwähnung zu finden. Als besonderes Organ der legitimierenden Einlullung der Stadtgesellschaft in Bezug auf ihr gar nicht mehr so neues Fetischobjekt hat sich in den letzten Monaten die HHL, Leipzig selbsternannte elitäre &#8220;graduate school of management&#8221;, hervorgetan. Wie die <a href="http://www.lvz.de/Sport/RB-Leipzig/News/HHL-Studie-RB-Leipzig-treibt-Region-wirtschaftlich-voran">LVZ eilfertig verkündete</a> (<a href="http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/669638/artikel_rb-leipzig_akzeptanz-und-popularitaet-wachsen-deutlich.html#omsmtwkicker">der Kicker bspw. berichtete aber auch</a>), erhielten die Fußballveranstalter vom Cottaweg vergangene Woche mal wieder &#8220;Bestnoten von den Wirtschaftsexperten&#8221;, die in Spuckweite zum Zentralstadion residieren.</p>
<h4>Wissenschaft als Werbekanal</h4>
<p>Der Bericht überschlägt sich bereits in den ersten Zeilen. RB stelle &#8220;Kapitalismus von seiner besten Seite dar&#8221;.  Während man sich noch fragt, ob damit das Trainingszentrum im Naturschutzgebiet oder die kapitalisierte Jagd auf Jugendtalente im gesamten Bundesgebiet gemeint sind, darf Studienleiter <a href="http://www.hhl.de/de/fakultaet/wirtschaftspsychologie-und-fuehrung/">Timo Meynhardt</a> schon konkretisieren: &#8220;Der Fußball-Klub habe faktisch die Region wachgeküsst.&#8221; Das ist nichts neues, wir hatten hier schon <a href="http://www.zwangsbeglueckt.de/2016/10/12/momentchen-mal/">an anderer Stelle</a> festgehalten, dass eine Tollfindstrategie ja vor allem darüber läuft, RB Leipzig auf das umsatzstarke Unternehmen zu reduzieren, das es ist, und sich an den wirtschaftlichen Folgeeffekten für den städtischen Tourismus und die Kneipen in Stadionnähe zu freuen. Klasse!</p>
<p>Neu ist, dass nun als weiterer Kanal der Klarstellung dessen, dass RB Leipzig in keinem Fall etwas Schlechtes sein könne, die Wissenschaft bemüht wird. Klar: Was die Wissenschaft rausfindet, muss natürlich stimmen und ist folglich wahr. Ende der Diskussion. RB tut uns allen gut! Dabei überrascht die Renitenz, mit der verschiedene von HHL beschäftigte Professoren als RBL-Apologeten auftreten. Wenn man einmal als Experte vor eine Mikro geschleift wird und dort unvorsichtig eigene Meinung mit der professionellen Rolle und dem wissenschaftlichen Anspruch auf Unabhängigkeit verquickt – geschenkt. Aber die Häufung, in der die HHL als Fürsprecherin von RB Leipzig in die Öffentlichkeit auftritt, ist schon auffällig. (<a href="http://www.lvz.de/Sport/RB-Leipzig/News/HHL-Experte-RB-wirbt-gratis-fuer-Leipzig">Hier etwa</a>)</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de">
<p dir="ltr" lang="de">Die Umbenennung der <a href="https://twitter.com/hashtag/HHL?src=hash">#HHL</a> in Red Bull University steht kurz bevor. Und eine ganze Region wird davon profitieren. <a href="https://twitter.com/hashtag/RBL?src=hash">#RBL</a></p>
<p>— zwangsbeglueckt (@zwangsbeglueckt) <a href="https://twitter.com/zwangsbeglueckt/status/824540168841555968">26. Januar 2017</a></p></blockquote>
<h4>Eine Studie, um die Zweifler zu überzeugen</h4>
<p>Ein Blick in die <a href="http://www.hhl.de/fileadmin/texte/publikationen/studien/LS_Business_Psychology/Meynhardt_Franz_Der_Public_Value_des_RB_Leipzig_2017.pdf">zehn mauen Seiten</a> (<a href="http://www.hhl.de/en/details/news/der-rb-leipzig-ist-ein-gesellschaftliches-ereignis-ersten-ranges/">hier die Kurz-Kurzversion</a>), in der mit einer &#8220;innovativen, non-normativen Befragungstechnik&#8221; erzielten Befunde aufgeschrieben sind, verrät, dass es mit dem &#8220;Non-normativen&#8221; nicht so weit her ist. Wer schon allein die &#8220;Kernaussage der Studie&#8221; auf ihren dahinter liegenden Aussagegehalt befragt (keine Sorge, machen wir jetzt nicht in extenso), der muss sich wundern, ob er es mit einer wissenschaftlichen Studie oder mit einer gekauften Werbeseite im Handelsblatt zu tun hat.</p>
<p><figure id="attachment_1016" aria-describedby="caption-attachment-1016" style="width: 660px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Kernaussage-4.png"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-large wp-image-1016" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Kernaussage-4-1024x229.png" alt="" width="660" height="148" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Kernaussage-4-1024x229.png 1024w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Kernaussage-4-300x67.png 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Kernaussage-4-768x172.png 768w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1016" class="wp-caption-text">Der Public Value des RB Leipzig, S. 2</figcaption></figure></p>
<p>Nicht nur, dass man sich fragen muss, welche Buzzwords der Managementlehre in diesen drei Zeilen eigentlich nicht gefallen sind. Es stellen sich die Fragen, welche Gesellschaft hier eigentlich gemeint sein soll, was &#8216;voranbringen&#8217; bedeutet und was die kulturellen, sozialen und politischen Ressourcen sein sollen, von denen hier großspurig die Rede ist. Gut, die politischen Ressourcen sind schnell ausgemacht. Da ist beispielsweise Burkhardt Jung, der ja ohnehin nicht mehr zu bremsen ist bei seinen Oden auf RB Leipzig – und nun auch einen der &#8220;Experten&#8221; darstellt, die für die &#8220;Studie&#8221; befragt wurden. Keine Pointe. Überhaupt ist die Liste derer, die über den &#8220;public value&#8221; von RB Leipzig Auskunft geben sollen, sehr &#8230; äh, speziell.</p>
<p><figure id="attachment_1022" aria-describedby="caption-attachment-1022" style="width: 660px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Experten.png"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-large wp-image-1022" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Experten-696x1024.png" alt="" width="660" height="971" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Experten-696x1024.png 696w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Experten-204x300.png 204w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Experten-768x1130.png 768w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Experten.png 2000w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1022" class="wp-caption-text">Der Public Value des RB Leipzig, S. 6</figcaption></figure></p>
<p>Wie schnell auffällt, hat Prof. Meynhardt seine ganze wissenschaftliche Kompetenz aufgefahren und (fast) ausschließlich Sympathisanten und direkt Involvierte befragt. Eigentlich Wahnsinn. Da nützt auch das Feigenblatt Christoph Biermann (<a class="ProfileHeaderCard-screennameLink u-linkComplex js-nav" href="https://twitter.com/chbiermann">@<span class="u-linkComplex-target">chbiermann</span></a>) vom Magazin 11Freunde nichts, die nicht als die größten Freunde des Fußballinvestmentstandorts Leipzig gelten. Ansonsten durften Sponsoren, Fanvertreter, geneigte Journalisten (<a class="ProfileHeaderCard-screennameLink u-linkComplex js-nav" href="https://twitter.com/mmachowecz">@<span class="u-linkComplex-target">mmachowecz</span></a>,<a class="ProfileHeaderCard-screennameLink u-linkComplex js-nav" href="https://twitter.com/HandballKurti">@<span class="u-linkComplex-target">HandballKurti</span></a>), Vertreter der lokalen und regionalen Sportverbände, die sich, als es darum ging, als Steigbügelhalter des Projektes RB Leipzig hervorgetan haben, und – das muss als Witz gemeint sein –  Angestellte von RB Leipzig zum Wert von RB Leipzig Rede und Antwort stehen. Der letzte Clou findet sich allerdings ganz am Ende der Liste und hier wirft Prof. Meynhardt endgültig die letzten Reste seines Anspruchs über Bord: Die HHL diktiert sich ihre eigenen Ergebnisse ins Notizbuch. Wie gesagt: Eigentlich Wahnsinn.</p>
<p>Noch mal kurz zum Kapitalismus von seiner besten Seite und Nicht-Normativität. In der Studie liest sich das, wie folgt:</p>
<p><figure id="attachment_1021" aria-describedby="caption-attachment-1021" style="width: 660px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Capitalism.png"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-large wp-image-1021" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Capitalism-1024x475.png" alt="" width="660" height="306" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Capitalism-1024x475.png 1024w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Capitalism-300x139.png 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Capitalism-768x357.png 768w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1021" class="wp-caption-text">Der Public Value des RB Leipzig, S. 3</figcaption></figure></p>
<p>Endlich-sind-wir-wieder-wer-Rhetorik gepaart mit Erlösungsvorstellungen at its best, sagen wir nur. Haben wir schon oft drüber geschrieben, müssen wir nicht noch mal machen. Bemerkenswert ist jedoch, dass hier eine gesellschaftlich mit Ausgewogenheit und Distanz betraute Institution wie eine Hochschule Rhetorik politischen Entscheidungsträger reproduziert und dünn mit dem Anstrich von Wissenschaftlichkeit versieht. Das ist nicht nur wissenschaftlich höchst fragwürdig, sondern auch forschungsethisch problematisch. Wenn sich Forschungseinrichtungen vor den Karren von Publicitiy und wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten spannen lassen, ist es mit deren Unabhängigkeit nicht mehr weit her.</p>
<p>[Dazu, dass RB Leipzig selbst Auftraggeber der &#8220;Studie&#8221; sein soll, wie es einzelne Rufer bei Twitter suggerieren, haben wir nichts Belastbares gefunden.]</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de">
<p dir="ltr" lang="de">Der <a href="https://twitter.com/kicker">@kicker</a> erwähnt mit keinem Wort, dass der Auftraggeber dieser &#8220;positiven&#8221; &#8220;Studie&#8221; zu RB Leipzig, eben jener RB Leipzig selbst war. <a href="https://t.co/WRd62LcZq1">https://t.co/WRd62LcZq1</a></p>
<p>— (((Bjoern))) (@bjoernMaHe) <a href="https://twitter.com/bjoernMaHe/status/824314393341083652">25. Januar 2017</a> ]</p></blockquote>
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		<title>Transparenzparadies für den Powerjournalismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jaygopp]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Dec 2016 15:52:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[filetiert]]></category>
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					<description><![CDATA[Vor allem in den letzten Wochen haben wir Marcel Reif ein ums andere mal schmerzlich vermisst. Zwar vielmehr noch den kühnen „Zauberer“, der nicht nur den eher widerspruchungewohnten Kaiser-Teamchef Franz Beckenbauer geflissentlich piesackte und noch jahrelang der scharfzüngigste Fußballdeuter hierzulande war, als den späten Reif, dessen engagierte und nicht gleich auffallend gelangweilten on air-Minuten auf &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2016/12/23/transparenzparadies-fuer-den-powerjournalismus/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Transparenzparadies für den Powerjournalismus</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor allem in den letzten Wochen haben wir Marcel Reif ein ums andere mal schmerzlich vermisst. Zwar vielmehr noch den kühnen „Zauberer“, der nicht nur den eher widerspruchungewohnten <a href="https://www.youtube.com/watch?v=QmDD7poTYRs" target="_blank">Kaiser-Teamchef Franz Beckenbauer</a> geflissentlich piesackte und noch jahrelang der scharfzüngigste Fußballdeuter hierzulande war, als den späten Reif, dessen engagierte und nicht gleich auffallend gelangweilten on air-Minuten auf ein Minimum geschrumpft waren. Aber uns hätte jüngst ja schon seine offenkundig beleidigte Stimmlage gereicht, mit der er beispielsweise im vorletzten Frühjahr vermehrt der über Monate hinweg von der Sky-Regie aufgesetzten Vorgabe nachkam, das schlussendlich schnell vergängliche Ringduell zwischen Floyd Mayweather Jr. und Manny Pacquiao im eigenen Live-Spielkommentar zum vermeintlichen „Jahrhunderboxkampf“ aufzuladen.</p>
<p><span id="more-943"></span><br />
Nur hat der leider auch schon 67-jährige Reif bekanntlich vor der Saison dem Bundesliga-Pay-TV den Rücken gekehrt, sodass zuletzt niemand der gegenwärtigen Sky-„Klatschpappen“ (Zit. <a href="https://twitter.com/sparschaeler/status/811679102453383168" target="_blank">@sparschaeler</a>) auch nur ansatzweise zur Erkenntnis kommen wollte, dass die enervierenden Dauerhinweise auf die hauseigene Doku „Generation Power-Fußball – die Idee RB Leipzig“ mindestens den legitimen Straftatbestand vorsätzlicher Gehirnwäsche erfüllten. Unsere bekehrungsfreudige Beeinflussbarkeit wiederum hatten sie damit schamlos ausgenutzt. Voller Vorfreude und mit aufgeschlagenem Tafelwerk waren wir vollkommen davon überzeugt, uns stünde am Mittwochabend noch die Entschlüsselung der quantenphysikkomplexen fußballerischen Enigma von RB Leipzig sekündlich bevor.</p>
<p><strong>E = m x c zum Quadrat &#8211; Rückkehr nach Schloss Einstein</strong></p>
<p>Nun ja, dieser frommorthodoxe Glaube an die vom Cottaweg aus in die Welt der Unwissenden getragene verheißungsvolle Fußballidee wurde dann jedoch ziemlich ins Wanken gebracht. Das dramatische Intro kündigte mitreißend Bahnbrechendes an, doch angesichts des in Sachen RB leider schon allzu gewohnten heimeligen Heile-Welts-Geschwafels während der folgenden knappen halben Stunde wären <a href="https://www.youtube.com/watch?v=HSt3BGj1uqY" target="_blank">Sebastian Krumbiegel und der MDR-Kinderchor</a> das weitaus geeignetere musikalische Hintergrundrauschen gewesen.  Denn – soviel vorweg – mehr als endlich wieder einen Besuch auf Schloss Einstein bekommt man nicht zu sehen.</p>
<p>„Viel Athletik, schnelle Sprints, der jüngste Kader der Bundesliga […] Perfektion ist Trumpf!“ scharwenzelt Autor und Regisseur Jürgen Müller pflichtbewusst aus dem Off. The Wizard of Off. Aber dass E = m x c zum Quadrat die dem Geheimnis unserer Bullen einzig auf die Schliche kommende Formel ist, wissen wir Bluechips schon seit Ralf Rangnicks Amtsantritt. Die blumigste Laudatio bleibt allerdings Ralph Hasenhüttl vorbehalten. „Jedes Training ist ein Erlebnis mit den Jungs, wenn wir unsere engen Spielformen spielen; welche Lösungen sie uns dann immer wieder zeigen und man gar nicht mehr mitkommt, weil das alles so schnell geht. Das ist schon faszinierend“, schwärmt der stolze Lehrer, als würde er eine vielfach prämierte „Jugend forscht“-Gruppe anleiten.</p>
<p>Doch ohne ausreichend Schlaf und gesunde Ernährung wird sich noch der talentierteste Jungbulle am indoktrinierten „Powerfußball“ kläglich verheben, weswegen die Klubperfektionisten nichts dem Zufall überlassen und selbst das Zubettgehen volljähriger Bundesligaprofis kontrollieren. Denn „Spieler, die schlapp sind, könnten sich leichter verletzen“, zitiert Müller fachkundig aus seiner sportwissenschaftlichen Doktorarbeit. Bloß gut, dass auf diese Schlussfolgerung noch niemand anderes gekommen ist. Wobei, wer sich wie wir hypnotisiert auf diese Doku einlässt, kann sich nur genau das vorstellen.</p>
<p><strong>Sehnsucht nach der obligatorischen Konkurrentenschelte<br />
</strong></p>
<p>Folgerichtig sehnten wir also noch die obligatorische Konkurrentenschelte herbei, mit der alle Jünger auch schon bald belohnt werden sollten: „RB unterscheidet sich mit seinem Ansatz von anderen Aufsteigern. In Leipzig wurden kaum renommierte Profis verpflichtet, die die erste Liga kennen und für eine Hackordnung sorgen.“ Mit freundlichen Grüßen an den vor renommierten Profis überquellenden Kader des SC Freiburg oder frühere Aufsteiger wie Darmstadt, Ingolstadt, Paderborn, Braunschweig, Fürth, St. Pauli oder Mainz. Aber weil das alles noch nicht dämlich genug ist, um wahr zu sein: „Hier sind fast alle im gleichen Alter, es bilden sich auch privat Freundschaften.“ Vor allem unter BFF’s, wie es Davie Selke und Yussuf Poulsen sind, gönnt man sich sogar gegenseitig die Einsätze, auch wenn der eine kaum weniger Ambitionierte dafür auf der Bank versauert.</p>
<p>Doch noch ehe uns alle Tränen der Rührung über die Wangen geronnen sind, schlägt Jürgen Müller in bester „Deep Throat – Follow the Money“-Manier knallhart das Wirtschaftsressort auf: „Finanziell ist RB mit dem Gehaltsetat im Mittelfeld.“ Am Mittwoch in der Münchner Arena hatten sie dann leider gleich ganz auf ein Mittelfeld verzichtet. Ohne Salary Cap wäre das nicht passiert. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=7A5QZR_yPs8" target="_blank">„Alles ist, alles ist relativ normal. Alles ist, alles ist uns manchmal echt egal, denn Einstein hatte nur ne’ vier in Mathe.“</a> Aber genau dafür haben Sky, Jürgen Müller und sowieso wir alle sie ja auch schneller als einen blitzartigen Yussufpoulsenkonter ins Herz geschlossen, unsere stets bescheidenen Bullen.</p>
<p>Und in Wahrheit bilden keine elenden Formeln, Daten, Fakten, ein „Riesenspeicher, den man füttern muss“ oder sonst was Geniales den eigentlichen Kern dieser dokumentarischen Romanze von Sky und RB, sondern drei Angehörige der Generation Powerfußball. Dieser einzigartigen, patentpflichtigen „Idee“ aus dem Hause RB, der Müller wie kein Zweiter auf der Fährte ist, dabei „den Zuschauern einmalige Einblicke in den Alltag von Profifußballern gibt und einen Blick hinter die Kulissen des etwas anderen Aufsteigers wirft“, wie die <a href="http://info.sky.de/inhalt/de/medienzentrum_news_pr_18122016.jsp" target="_blank">Pressemitteilung</a> aus Unterföhring anzupreisen wusste. Dass wir dabei von einem seichten Mix aus „Einsatz in 4 Wänden“ und „We are family – so lebt Deutschland“ berieselt werden sollten, verschwieg der Sender wohlweislich.</p>
<p><strong>Gelb ist die Farbe der Neider: einzigartige Einblicke ins Herz der RB-Profis</strong></p>
<p>„Ich fühle mich viel gelöster, viel freier vor dem Tor“, frohlockt der aus Stuttgart gekommene Neuzugang Timo Werner sogleich. Das muss an der Leipziger Luft liegen. Bloß gut, dass es RB noch nicht vor gut 25 Jahren gab, als die Schlote im Braunkohlesüdraum noch jedes weiß gewaschene Bettlaken auf der Leine pechschwarz berußten. Aber in den Wendewirren war ja noch nicht mal ansatzweise an solch exquisit aufbereitete Quartiersmöglichkeiten zu denken, aus denen Werner nunmehr im heutigen #Hypezig des postfaktischen Zeitalters 2016 auswählen konnte. Wir mussten ja erstmal alle für einen Bundesligisten auf die Straße gehen. Auf dem Weg zur Wohnungsbesichtigung („Hell ist sie, vielleicht noch ein bisschen zu klein“) lässt er die Kamera sogar auf den Beifahrersitz, um derweil am Lenkrad an seinem Image vom breitschultrigen StVO-Rambo zu feilen: „Hier muss man ziemlich aufpassen, hier gibt’s so viele Rotblitzer. Ich bin doch einer, der ziemlich oft und gerne auch über Gelb fährt.“</p>
<p>Aber Gelb ist bekanntlich die Farbe aller Neider, die wir bis auf einen in der Bundesligatabelle schon lange hinter uns gelassen haben. Für die wirklichen Herausforderungen des Lebens weiß Werner unterdessen stets die Presseabteilung des Klubs an seiner Seite, wie wir erfahren; allen voran nach seiner folgenreichen Elfmeterschwalbe gegen Schalke: „Er soll vor alle Kameras treten, um eine nachträgliche Sperre zu vermeiden“, rieten sie ihm eindringlich. Denn bei RB setzt man von Haus aus auf Transparenz, daran werden wir gleich noch erinnert. Das einzig Bemerkenswerte an dieser längst erschöpfend durchgekauten Chose ist ja, dass RB’s Kommunikationsdirektor <a href="https://kress.de/news/detail/beitrag/130810-mitglied-der-sport-bild-chefredaktion-florian-scholz-wechselt-zu-rb-leipzig.html" target="_blank">Florian Scholz</a> jahrelang selbst den Chefreporter von Springers Revolverblättchen <em>Sport Bild</em> gab, das sich seit jeher um zurückhaltenden Journalismus aus objektiv-feinsinnigem Vokabular verdient gemacht hat.</p>
<p>„Vielleicht hätte ich es energischer sagen müssen, dass Fährmann mich nicht berührt hat“, sagt Werner jedenfalls reumütig. Vielleicht hätte man aber auch Sky energischer sagen müssen, dass sie kein besserer Red Bull Mediahouse-Abklatsch sind. Die LVZ tat sich in ihrer Mittwochsausgabe jedenfalls mal wieder als der falsche Resonanzraum dafür hervor: „Bisher sind wir erst ein-, zweimal hinter die Wohnungstür von Fußball-Profis gekommen. Die Transparenz des gesamten Vereins ist nicht alltäglich. Der Klub hat nichts zu verbergen“, durfte Jürgen Müller dort allen Ernstes unwidersprochen zum Besten geben.</p>
<p><strong>„Der Klub hat nichts zu verbergen“</strong></p>
<p>Aber für nörgelnde Gedanken lässt uns Müller keine Möglichkeit. Denn „ein paar Straßen weiter“, gleich am „Stadtpark“, der älteren Einheimischen in prähistorischen RB-Zeiten noch als Clara-Zetkin-Park bekannt gewesen sein muss (aber damals trug das Zentralstadion ja auch noch seinen Geburtsnamen und Sky war noch Premiere), wohnt Davie Selke auf 160-Penthousequadratmetern in trauter 3er-WG mit Papa Teddy und Carlos &#8211; kein Schakal, nur ein Hund. Könnte also eng werden. „Im Leipziger Nachtleben sieht man Davie eher selten“, erfährt man dort. Das aber wäre wenigstens ein Aufhänger für eine RTL2-taugliche Milieustudie gewesen. Und selbst wer in seiner Freizeit irgendein Amüsement an den vier Wänden irgendwelcher Uper Class-Promis findet, sollte keinesfalls mit diesem Doku-Mehrteiler seine Zeit vergeuden, sondern lieber die <em>MTV Cribs</em> des guten alten, wirklich witzigen Mackers <a href="https://www.youtube.com/watch?v=MGvgVvfoiyM" target="_blank">Shaquille O’Neal</a> nachschauen, dessen Bett allein 160 Quadratmeter umfasst.</p>
<p>Ernsthaft greifbare Ansatzpunkte einer entwicklungsfähigen Story böte einzig und allein der wohltuend ungefilterte Terrence Boyd, dem nach zwei Kreuzbandrissen schon das Karriereende drohte, der nun um Anschluss und Berücksichtigung im Kader ringt und trotzdem vielleicht schon bald mit Freundin und kleinem Baby seine Zelte abbrechen muss, wenn er von Hasenhüttl weiterhin keine Chancen auf Bundesligaminuten bekommt. Das wäre Dokumentarjournalismus gewesen. Doch statt den Scheinwerfer auf Boyds Geschichte zu richten, schwingt ihn Jürgen Müller hin und her und kreuz und quer. Heraus kommt lediglich wohlfeile Klub- &amp; Red-Bull-PR.</p>
<p>Aber wir wollen absolut nicht meckern, schon gar nicht am Wohlfühlfaktor dieses Formats. Im Nachmittagsprogramm von <a href="http://www.zwangsbeglueckt.de/2016/10/31/ab-heute-neu-im-osten-geht-die-sonne-auf-tv/" target="_blank">„Im Osten geht die Sonne auf-TV“</a> würden wir uns die Finger danach wundlecken, um unserem treudoofen Publikum derart „einmalige Einblicke in den Alltag von Profifußballern“ und „hinter die Kulissen des etwas anderen Aufsteigers“ bieten zu können. Das einzig wirklich Ärgerliche an diesem 0815-Werbe-Deal zwischen Sky und RB ist die vollkommen deplatziert aufgeplusterte Inhaltsleere im „Insider“-Gewand. Aber vielleicht erkundigen sich beide Partner für die weiteren Folgen dieser mehrteiligen Reihe ja einfach noch mal beim Platzhirsch, wie ein glaubwürdiges „down to earth“ <a href="https://twitter.com/flopumuc/status/811857824565395456?lang=de" target="_blank">Rummeniggescher Prägung</a> gelingt.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Emendörfers beißende Satire</title>
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		<dc:creator><![CDATA[ansgar]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Dec 2016 07:33:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[filetiert]]></category>
		<category><![CDATA[Jan Emendörfer]]></category>
		<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
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		<category><![CDATA[Ostdeutschland]]></category>
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		<category><![CDATA[Timo Werner]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir schimpfen hier ja öfter auf die LVZ. Nicht ausschließlich weil wir es gern täten, oder weil wir uns chronisch nach einer qualitativ hochwertigeren Tageszeitung für die Region &#8482; sehnten. Nein, oft genug sind das Blatt und seine Macher selbst schuld [obwohl wir viele Kerstin Decker-Witze machen, ist in unserem Fall (bislang!) nur das Maskulinum &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2016/12/15/emendoerfers-beissende-satire/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Emendörfers beißende Satire</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir schimpfen hier ja öfter auf die LVZ. Nicht ausschließlich weil wir es gern täten, oder weil wir uns chronisch nach einer qualitativ hochwertigeren Tageszeitung für die Region &#8482; sehnten. Nein, oft genug sind das Blatt und seine Macher selbst schuld [obwohl wir viele Kerstin Decker-Witze machen, ist in unserem Fall (bislang!) nur das Maskulinum zu nennen]. Heute ist aber der Tag, an dem wir uns verneigen müssen und sagen: Bravo LVZ!<br />
<span id="more-893"></span><br />
Haben wir die Leipziger Volkszeitung als das lokale Organ der Verheißungskampagne oft geschunden (<a href="http://www.zwangsbeglueckt.de/2014/11/10/greisenflirt-im-disneyland/">zum Beispiel hier</a>), so hat sie uns nun in Gestalt eines &#8220;Leitartikels&#8221; eines der wohl bislang besten und schärfsten Stücken Satire auf den RBL-Kult überhaupt geliefert [LVZ Titelseite 10.12.2016, leider nicht frei online zugänglich]. Einen ganz großen, donnernden Applaus für Jan Emendörfer bitte!</p>
<p><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/12/lvz_emmendoerfer_werner.jpg"><img decoding="async" loading="lazy" class="alignnone size-full wp-image-894" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/12/lvz_emmendoerfer_werner.jpg" alt="" width="428" height="549" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/12/lvz_emmendoerfer_werner.jpg 428w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/12/lvz_emmendoerfer_werner-234x300.jpg 234w" sizes="(max-width: 428px) 100vw, 428px" /></a></p>
<p><em>Grafik: Örk Auge Augsburg; Copyright: LVZ</em></p>
<p>Wie es dem Autor schon gelingt, mit dem Kinderreim &#8220;Wenn er schreit, dann fällt er&#8221; im Titel das infantile Niveau der Anti-Anti-RB-Choräle (&#8220;Ey, die mögen uns gar nicht!&#8221;) aufzuspießen, einfach herrlich. Doch Emendörfer hält sich nicht mit irgendwelchen Eröffnungszügen aus dem Journalistenlehrbuch auf, er knallt direkt einen unerwarteten Volley ans Aluminium: <strong>Wenn RB spiele, gehe es um die Ehre Leipzigs</strong>. Reiner und klarer hat bislang keiner diese Gleichsetzung, die so vielen (und RB am meisten) nützt, demaskiert.</p>
<p>Im zweiten Absatz wendet sich der Autor verschmitzt an die <strong>&#8220;Meinungsmacher&#8221;</strong> und persifliert damit freilich auch seine eigene Rolle. Diese haben sich zu Unrecht auf den unbescholtenen Timo Werner eingeschossen! In dieser rhetorisch so geschickt ungeschickt überzeichneten Opferrolle steckt die zweite große satirische Absicht des Jan Emendörfer: die Persiflage der Vorwärtsverteidigung von RB-Anhängern. Nur aus dieser Position heraus lässt sich komplett verschweigen, dass eine Schwalbe eine Unsportlichkeit ist. Ein schreiendes Schweigen des Autors!</p>
<p>Zu einer <strong>Satire mit gesellschaftspolitischer, ja historischer Tragweite</strong> wird das Stück schließlich durch ein beeindruckendes Solo Emendörfers, dessen wahnwitzige geistigen Haken ihm so schnell kein anderer Schreiberling nachmachen wird:</p>
<blockquote><p>&#8220;Da kommen einem die Tränen, weil es ja im Kapitalismus grundsätzlich immer um Gerechtigkeit geht. Als in den 90er-Jahren beim Zusammenbruch der Ost-Industrie Hunderttausende ihren Job verloren, da wurden sie belehrt, beides könne man nicht haben: Bananen und soziale Sicherheit. Klar, es heißt „soziale Marktwirtschaft“, aber rechnen müsse es sich schon.&#8221;</p></blockquote>
<p>Nicht nur, dass Emendörfer hier dem &#8220;angry white man&#8221; in seiner Ausprägung (verkappter) Pegidist einen wütenden lyrischen Ausdruck verleiht, nein, er schafft einen Vergleich, der Gezeiten überdauern wird. Die Kritik an einer Schwalbe wird nicht nur wütend zurückgewiesen, die Absender werden auch mit den Mitteln der Geschichte delegitimiert. Wer den Osten entindustrialisiert, wie dereinst die westdeutschen Besatzer im Morgenthau, der muss damit rechnen, dass die Rache kalt serviert wird. Und zwar in Form eines Tabellenführers, der sich fallen lässt. <strong>So wie der Kapitalismus den Osten einst fallen ließ</strong> – nur um ihn nun in Gestalt von RB Leipzig wieder empor zu führen.</p>
<p>Offener und dreister hat noch nie jemand die vollkommen verquere und von einigen – das satirische Genie Emendörfer ausgenommen! – ja sogar ernst gemeinte RB-Überidentifikation auf den Punkt gebracht: <strong>Geboren aus dem Gefühl, etwas zu verdienen, das einem von dunklen Mächten versagt wurde.</strong> Mit dieser Begründung setzt Emendörfer den RB-Kult in den zeitgeschichtlichen Kontext der sächsischen (Staats-) Ohnmacht und ihrer fremdenfeindlichen Auswüchse.</p>
<p>Zum Abschluss gibt uns der Autor noch einen Hinweis, wo nach den Ursachen, der Statik dieser Gesellschaftsminiatur zu suchen ist: In einer Zeit, in der man gemeinsam einstimmte und (zumindest einmal die Woche!) geschlossen nach außen stand: &#8220;Da danken wir brav und stimmen in den Fangesang ein: &#8216;Vorwärts Rasenball, Leipzig überall &#8230;&#8217;.&#8221;</p>
<p>Spätestens hier dürfte auch den infamsten Kritikern klar geworden sein, dass es sich nicht um <strong>ein im alkoholischen Nebel verfasstes Machwerk</strong> handelt, sondern um echte, große Satire. Wir weinen vor Rührung und behalten uns den Abschluss eines LVZ-Abos vor.</p>
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		<title>BSG Motor Ostdeutschland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chassot]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Nov 2016 10:06:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[filetiert]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Kollektiv]]></category>
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		<category><![CDATA[Mondlandung]]></category>
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		<category><![CDATA[ZEIT]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir denken ja immer: Schlimmer wird’s nicht. Und dann kommt, und in letzter Zeit passiert das immer häufiger, die ZEIT. Über die RB-Berichterstattung der LVZ lohnt ja kaum noch ein Wort. Aber offensichtlich ist es auch der Chefetage des Hamburger Wochenblattes egal, welches intellektuelle Niveau in der ZEIT im Osten-Redaktion unterschritten wird. Und so dürfen &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2016/11/25/bsg-motor-ostdeutschland/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">BSG Motor Ostdeutschland</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir denken ja immer: Schlimmer wird’s nicht. Und dann kommt, und in letzter Zeit passiert das immer häufiger, die ZEIT. Über die RB-Berichterstattung der LVZ lohnt ja kaum noch ein Wort. Aber offensichtlich ist es auch der Chefetage des Hamburger Wochenblattes egal, welches intellektuelle Niveau in der ZEIT im Osten-Redaktion unterschritten wird. Und so dürfen die Fanboys um Martin Machowecz eben machen, was sie wollen. <a href="http://www.zeit.de/2016/49/rb-leipzig-fussball-bundesliga-tabelle" target="_blank">In dieser Woche</a>: Elf (diese Symbolik!) mehr oder minder prominente oder wichtige Menschen in oder aus Ostdeutschland dürfen ihren Senf zur <span style="text-decoration: line-through;">Mondlandung</span> der Tabellenführung von RB abgeben.</p>
<p><span id="more-871"></span></p>
<p>Man lernt beim Lesen eine Menge über Identifikation. Und über Glauben. Denn geglaubt wird von den Befragten sehr viel, und deshalb funktioniert es auch mit der Identifikation. Beispiele gefällig?</p>
<h4>Über Glauben</h4>
<p>Charly Hübner glaubt, dass RB „allen hier Selbstbewusstsein“ gibt. Jana Hensel glaubt ihre Tagträume vom Aufstieg des Ostens in Erfüllung gehen zu sehen, und als Erklärung für ihre eigene Verzückung schiebt sie gleich nach: „natürlich brauchen wir Helden“. Felix Dachsel glaubt noch doller als zuvor an den Hipstertraum von Hypezig: „Wildheit, Anmut, Altbau und günstiges Bier“. Anne Hähnig glaubt ganz fest daran, dass RB eine „Form von Ostemanzipation“ darstellt. Cathrin Gilbert glaubt an das „Wunder“, dass RB „die Bayern mit einem viel kleineren Etat überholt“ hat. Und OBM Jung glaubt daran, dass RB „auf Nachwuchsarbeit und Teamgeist“ setzt.</p>
<p><figure id="attachment_886" aria-describedby="caption-attachment-886" style="width: 660px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/5671120311_0ccd92e30d_o.jpg"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-large wp-image-886" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/5671120311_0ccd92e30d_o-843x1024.jpg" alt="" width="660" height="802" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/5671120311_0ccd92e30d_o-843x1024.jpg 843w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/5671120311_0ccd92e30d_o-247x300.jpg 247w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/5671120311_0ccd92e30d_o-768x932.jpg 768w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/5671120311_0ccd92e30d_o.jpg 1635w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /></a><figcaption id="caption-attachment-886" class="wp-caption-text">Foto: Doris-S &amp; Jerry Bautisa Jr. / CC BY 2.0</figcaption></figure></p>
<p>Noch Nerven? Weiter: Ein Wirtschaftspsychologe (!) von der HHL glaubt in RB einen „fast postmodernen“ Verein zu sehen, „offen für alle Klassen und Schichten, für Neureiche wie für Arme“. Eine Politikerin der LINKEN glaubt im Stadion noch nie „rassistischen Unsinn“ [sic! vgl. <a href="http://www.faszination-fankurve.de/index.php?head=Antisemitische-Rufe-aus-RB-Leipzig-Fanblock&amp;folder=sites&amp;site=news_detail&amp;news_id=9017" target="_blank">1</a>, <a href="https://www.chronikle.org/ereignis/antisemitische-%C3%A4u%C3%9Ferungen-rb-fans" target="_blank">2</a>, <a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/fans-von-rb-leipzig-fallen-durch-antisemitische-rufe-auf-a-1020513.html" target="_blank">3</a>] gehört zu haben; die „Leute sind aufmerksam“. Und der Politikprofessor glaubt, es sei „nur gerecht, dass die Sachsen nicht mehr durch halb Deutschland fahren müssen“.</p>
<p>Das alles ist natürlich Wahnsinn. Nur zur Erinnerung: Um ein Haar wäre RB in <a href="https://www.welt.de/sport/fussball/2-bundesliga/article140232412/Red-Bull-wollte-den-FC-St-Pauli-kaufen.html" target="_blank">Hamburg</a>, <a href="http://www.tz.de/sport/1860-muenchen/red-bull-hatte-1860-muenchen-visier-4955282.html" target="_blank">München</a> oder Düsseldorf gelandet („Ihr steht doch auch für Coolness, Party, feiern und so“). Mehr oder minder Zufall. Mit dem Osten hat das nichts zu tun. Außer mit dem Umstand, dass man gerade hier mit einer Menge Menschen rechnen konnte, denen so ziemlich alles egal ist. Hauptsache sie bekommen endlich wieder etwas geboten, wovon sie glaubten, darauf einen Anspruch zu haben. Oder genügend Menschen wie Jana Hensel, die sich schlichtweg unterrepräsentiert fühlten, wenn sie den Namen ihrer Heimatstadt im Ausland nicht im Sportteil finden.</p>
<h4>Endlich wieder selbstbewusst sein dürfen</h4>
<p>Und offensichtlich funktioniert das auch. Dauernd ist in den elf Wortmeldungen die Rede von „dem Osten“, der jetzt durch RB repräsentiert würde, oder gleich von „uns Ossis“ (Hähnig) oder „wir, in Leipzig“ (Neuhaus-Wartenberg). Den Vogel schießt hierbei wieder Machowecz ab, der so komplett in Ost-West-Kategorien denkt, dass man meint, einen Artikel aus den frühen 1990ern erwischt zu haben. Da agiert die ganze Zeit „der Osten“, als gäbe es ihn in Person. Nah dran ist auch Charly Hübner, der &#8220;erst kürzlich&#8221; auch mal Leipzig &#8220;besucht&#8221; habe und nun klar urteilen kann: &#8220;In Zeiten wie diesen, gibt das allen hier Selbstbewusstsein.&#8221; Wie viel weniger Bezug zur Materie kann man eigentlich noch zum Ausdruck bringen?</p>
<p>Sicherlich: Mit Glauben hat man es im Fußball nicht nur bei RB zu tun. Aber das Ausmaß, in dem man hier bereit ist etwas zu sehen, wofür es überschaubar viele Anzeichen gibt, ist schon sehr beachtlich.</p>
<p>Und mal abgesehen von der Grundfrage, was eigentlich dieser Kollektivakteur „der Osten“ sein soll und wer bei RB ihn repräsentiert (Mateschitz? Rangnick? Hasenhüttl? Mintzlaff?), ist es schon wirklich beachtlich, wieviel jetzt in dieses Projekt projiziert wird und wie sehr man sich von jeder halbwegs distanzierten Beobachtung auch bei der ZEIT verabschiedet hat. Bezeichnendes Detail: Der einzige Link zu potentiell kritischen Stimmen führt zum <a href="http://www.zeit.de/sport/2016-09/rb-leipzig-bundesliga-traditionsvereine" target="_blank">Eilenberger-Artikel</a> „Wer Red Bull hasst, hasst sich selbst“, der viel über Eilenbergers Weltsicht, wenig aber über sinnvolle Argumente gegen RB beinhaltet.</p>
<h4>Sehnsucht nach dem Kollektiv: &#8220;In Zeiten wie diesen&#8221;</h4>
<p>Nur zur Klarstellung: Wir haben uns nicht nach einem (anderen) Ostverein gesehnt und sind jetzt nur mit RB unzufrieden. Wir finden schon die Idee eines Ost-Klubs generell zum Lachen, und dass sogar die ZEIT solchen Kollektiv-Fantasien hinterher rennt, sagt einiges über die Faszination solcher Ideen. Aber das Geilste ist wirklich, dass jetzt RB die Verwirklichung dieses Gespinstes sein soll, eine BSG DDR gewissermaßen, oder: Motor Ostzone.</p>
<p><figure id="attachment_885" aria-describedby="caption-attachment-885" style="width: 800px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/Bundesarchiv_Bild_183-Z0411-051_Berlin_X._SED-Parteitag.jpg"><img decoding="async" loading="lazy" class="size-full wp-image-885" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/Bundesarchiv_Bild_183-Z0411-051_Berlin_X._SED-Parteitag.jpg" alt="" width="800" height="567" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/Bundesarchiv_Bild_183-Z0411-051_Berlin_X._SED-Parteitag.jpg 800w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/Bundesarchiv_Bild_183-Z0411-051_Berlin_X._SED-Parteitag-300x213.jpg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/Bundesarchiv_Bild_183-Z0411-051_Berlin_X._SED-Parteitag-768x544.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></a><figcaption id="caption-attachment-885" class="wp-caption-text">Foto: Bundesarchiv, Bild 183-Z0411-051 / Mittelstädt, Rainer / CC-BY-SA 3.0</figcaption></figure></p>
<p>Man kann am Beispiel von RB viel darüber lernen, wie sehr manchen Leuten offenbar die Identifikation mit einem Verein wichtig ist, um Fußball mit Interesse und Spaß ansehen zu können. Und dass es dann nicht nur zweitrangig, sondern komplett egal ist, ob und wieviel dieser Verein mit der Stadt tatsächlich zu tun hat.</p>
<p>Aber spätestens jetzt hat der große <a href="https://twitter.com/schfer_g/status/801734099916521472" target="_blank">Guido Schäfer</a> schon Recht mit seiner Diagnose, dass „die großen Zeitungen“ das Thema RB schon lange nicht mehr diskutieren würden. Vermutlich wollte er damit seine LVZ in eine Reihe mit der ZEIT stellen. Vermutlich aber läuft es gerade andersherum: Die ZEIT ist endgültig auf Lokalpostillen-Niveau angekommen.</p>
<p>Nur um Charly Hübner ist es ein wenig schade.</p>
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