<br />
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	<title>konzernintern &#8211; zwangsbeglückt</title>
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	<description>Ein RB-Leipzig-Protokoll</description>
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		<title>Weiter auf dem Pfad der (Selbst)Gerechten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chassot]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Aug 2017 11:32:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[konzernintern]]></category>
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					<description><![CDATA[Auch wenn wir darauf bestehen, uns für die üblichen sportlichen Dinge in Bezug auf die Betriebssportgemeinschaft Mateschitz nicht so brennend zu interessieren (Torwart- und Kapitänsfragen, allfällige Aufstellungsratereien, solche Sachen), kommen wir aber doch nicht an der üblichen Taktung des Jahres vorbei. Und die sieht für morgen den Start der neuen Bundesliga-Saison vor, was für RB &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2017/08/18/weiter-auf-dem-pfad-der-selbstgerechten/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Weiter auf dem Pfad der (Selbst)Gerechten</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Auch wenn wir darauf bestehen, uns für die üblichen sportlichen Dinge in Bezug auf die Betriebssportgemeinschaft Mateschitz nicht so brennend zu interessieren (Torwart- und Kapitänsfragen, allfällige Aufstellungsratereien, solche Sachen), kommen wir aber doch nicht an der üblichen Taktung des Jahres vorbei. Und die sieht für morgen den Start der neuen Bundesliga-Saison vor, was für RB nichts anderes heißt, als die nächste Stufe in Richtung Weltherrschaft zu erklimmen. Und damit sind dann auch wir geweckt. Was ist für 17/18 zu erwarten?</p>
<p><span id="more-1169"></span></p>
<p>Die Grundrichtung scheint klar: weiter so. Das heißt: Nach oben, mehr von allem, und weiter nichts am Charakter des Projektes verändern. Anlass gibt es dafür aus Sicht von RB sowieso nicht. Sportlich läuft die Kiste, Zuschauer kommen auch genug, und die lokalen und regionalen Eliten sehen in Rangnicks Leistungszentrum weiterhin das verheißungsvolle Licht am Ende des Nach-Wende-Tunnels.</p>
<h4>Die UEFA freut sich auf RB</h4>
<p>Das größte Hindernis auf dem Weg zur Partizipation am europäischen Fußball(gelder)markt erwies sich zudem als überraschend marginal: Die UEFA fand am Ende doch nichts Beunruhigendes an der Wettbewerbsteilnahme beider RB-Filialen. Im Gegenteil. Oder wie es der „<a href="http://ballesterer.at/heft/kommentare/der-entscheidende-fehler.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">ballesterer</a>“ schrieb: „Die UEFA sendet das Signal, dass der Weg des Getränkekonzerns auch für andere Unternehmen offen ist.“</p>
<p>Damit hat RB nicht nur grünes Licht, um (potentiell) an beiden Standorten <span style="text-decoration: line-through;">mit hoher Reichweite Werbung zu machen</span> Champions League spielen zu lassen. Vor allem ermöglicht die CL-Teilnahme der Leipziger Dependance, sich noch einmal ganz neu als Neuling, frische Kraft und vor allem als David gegenüber einer Horde von Goliaths zu präsentieren. Dass wir in eine ganz neue Dimension der „Alle sind gegen uns“-Rhetorik vorstoßen, ließ schon das neuerliche <a href="http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Stadionverkauf-an-RB-Leipzig-Wir-haben-Stillschweigen-vereinbart" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Interview</a> mit dem mdr erahnen, in dem Rangnick sich allen Ernstes darüber beschwerte, „mit unserem Verein immer noch so eingeschränkt“ zu sein.</p>
<p>Populistisch –&nbsp;der Lieblingsvorwurf Rangnicks gegenüber allen Kritiken –&nbsp;ist das natürlich nicht. Wir wollen nicht einmal ausschließen, dass in Fuschl am Cottaweg tatsächlich auf diese Weise in die Welt gesehen wird. Und es zeigt, wie wenig man auf eine nur halbwegs selbstkritische oder differenzierte Position bei RB hoffen braucht.</p>
<figure id="attachment_1178" aria-describedby="caption-attachment-1178" style="width: 1920px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/08/camera-1392180_1920-1.jpg"><img class="size-full wp-image-1178" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/08/camera-1392180_1920-1.jpg" alt="" width="1920" height="1080" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/08/camera-1392180_1920-1.jpg 1920w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/08/camera-1392180_1920-1-300x169.jpg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/08/camera-1392180_1920-1-768x432.jpg 768w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/08/camera-1392180_1920-1-1024x576.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1920px) 100vw, 1920px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1178" class="wp-caption-text">Foto: <a href="https://pixabay.com/en/camera-tv-television-broadcast-1392180/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Taken on Pixabay</a>//<a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en" target="_blank" rel="noopener noreferrer">CC0 1.0 Universal</a></figcaption></figure>
<p>Und klar: Mit Straßenkick, demokratischen Vereinsstrukturen und halbwegs ausgeglichenen finanziellen Mitteln hat die Champions League noch viel weniger zu tun als eine der nationalen Ligen. Das RB-Standardargument „Die anderen sind doch auch nicht sauber“ zieht hier natürlich nochmal einfacher und macht es der geneigten Fangruppe allemal leicht, über alle Einwände gegenüber Mateschitz’ Spielzeug hinwegzusehen.</p>
<p>Es ist eben doch ein ganz normaler Verein. Dessen spezielle Normalität sich allein schon darin zeigte, dass er es sich offenkundig leisten konnte und wollte, selbst gegenüber den derzeit komplett absurden Ablöseangeboten aus England ignorant zu bleiben. Mit Geld hat das natürlich nichts zu tun, und mit im Zweifel unerschöpflichen Geldreserven schon gar nicht; die Jungs werden sicherlich durch ihre Begeisterung für das Projekt bei der Stange gehalten. Und klar, liebes ZEIT-Büro, durch ihre Identifikation mit dem Osten natürlich.</p>
<p>(Dabei könnte es sportlich in der kommenden Saison doch mal wieder interessant werden, und interessant meint: nicht so erfolgreich. Dreifachbelastung und so. Aber ist ja nicht unser Thema.)</p>
<h4>Problem Stadionkauf?</h4>
<p>Interessanter ist da schon der weitere Verlauf des <a href="http://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Stadionverkauf-an-RB-Leipzig-Wir-haben-Stillschweigen-vereinbart" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stadion(ver)kaufs</a>. Öffentlich ist derzeit noch nichts, und damit ist auch unklar, an welcher Stelle es möglicherweise Schwierigkeiten geben könnte. Aber verwunderlich wäre es nicht, wenn das Rathaus dann doch nur hier und da ein bisschen Entgegenkommen bei der Finanzierung von Haltestellenhäuschen erbittet. Potential für wirklich interessante Fragen gäbe es genug, allein was den Kaufpreis und dessen Verteilung angeht. Die Leipziger Volkszeitung recherchiert hier sicherlich schon lange investigativ und wird uns auf dem Laufenden halten, aber zur Sicherheit behalten wir das auch mal im Auge.</p>
<p>Ohnehin gilt immer: Die Rote Revolution ist unaufhaltbar. Und sie kommt von unten. Basisdemokratie lebt! Neuestes Beispiel: Für die neue <a href="https://www.dierotenbullen.com/de/aktuelles/neuigkeiten/Saison_2017_18/Partnerschaft-Meemken.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Stadionwurst</a> „wurde eine&nbsp;eigene Rezeptur&nbsp;entwickelt, die bei einem Vergleichswettbewerb von Fans als Sieger hervorging“. Alles andere wäre Rangnick auch zu populistisch.</p>
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		<title>Reine Wissenschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[zunull]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Jan 2017 07:35:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[filetiert]]></category>
		<category><![CDATA[handzahm]]></category>
		<category><![CDATA[konzernintern]]></category>
		<category><![CDATA[HHL; Timo Meynhardt; LVZ]]></category>
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					<description><![CDATA[((postscriptum vorab: Wir haben uns mittlerweile – in unserer anderen Rolle als Wissenschaftsmenschen – mit den Verfassern der Studie persönlich getroffen und über die Studie konstruktiv diskutiert. Schon vorher stellte sich heraus, dass das Dokument, auf das sich dieser Blogpost bezieht, (nur) eine Pressemitteilung war. In die umfangreichere und durchaus komplexere Studie selbst, die als Masterarbeit vorliegt, &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2017/01/30/gekaufte-wissenschaft/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Reine Wissenschaft</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<pre>((postscriptum vorab: Wir haben uns mittlerweile – in unserer anderen Rolle als Wissenschaftsmenschen – mit den Verfassern der Studie persönlich getroffen und über die Studie konstruktiv diskutiert. Schon vorher stellte sich heraus, dass das Dokument, auf das sich dieser Blogpost bezieht, (nur) eine Pressemitteilung war. In die umfangreichere und durchaus komplexere Studie selbst, die als Masterarbeit vorliegt, hatten wir zum Zeitpunkt des Schreibens des folgenden Textes noch nicht Einsicht genommen. Für eigene Eindrücke und Urteile: Die Gesamtstudie ist bei den Verfassern auf Nachfrage einsehbar.))</pre>
<p>Als kleines bescheidenes Watchblog hat man es ja nicht immer leicht. Rund um das eigene Objekte des Aufruhrs gibt es nicht immer was, das es wert wäre, es zu berichten. Und ständig das Selbe schreiben, bereitet zwar uns immer wieder erstaunlich viel Freude, könnte aber bei der einen oder anderen geneigten Leserin zu Redundanz- und Irrelevanzunterstellungen führen. So zumindest unsere antizipativen Gedanken.</p>
<p><span id="more-1010"></span></p>
<p>Glücklicherweise tauchen rund um Leipzigs Aushängeschild dann doch regelmäßig neue Figuren und Akteure auf, die aufgrund der Chuzpe, mit der sie RB-Affirmation betreiben, sich förmlich selbst die Einladung schreiben, um hier mal namentliche Erwähnung zu finden. Als besonderes Organ der legitimierenden Einlullung der Stadtgesellschaft in Bezug auf ihr gar nicht mehr so neues Fetischobjekt hat sich in den letzten Monaten die HHL, Leipzig selbsternannte elitäre &#8220;graduate school of management&#8221;, hervorgetan. Wie die <a href="http://www.lvz.de/Sport/RB-Leipzig/News/HHL-Studie-RB-Leipzig-treibt-Region-wirtschaftlich-voran">LVZ eilfertig verkündete</a> (<a href="http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/669638/artikel_rb-leipzig_akzeptanz-und-popularitaet-wachsen-deutlich.html#omsmtwkicker">der Kicker bspw. berichtete aber auch</a>), erhielten die Fußballveranstalter vom Cottaweg vergangene Woche mal wieder &#8220;Bestnoten von den Wirtschaftsexperten&#8221;, die in Spuckweite zum Zentralstadion residieren.</p>
<h4>Wissenschaft als Werbekanal</h4>
<p>Der Bericht überschlägt sich bereits in den ersten Zeilen. RB stelle &#8220;Kapitalismus von seiner besten Seite dar&#8221;.  Während man sich noch fragt, ob damit das Trainingszentrum im Naturschutzgebiet oder die kapitalisierte Jagd auf Jugendtalente im gesamten Bundesgebiet gemeint sind, darf Studienleiter <a href="http://www.hhl.de/de/fakultaet/wirtschaftspsychologie-und-fuehrung/">Timo Meynhardt</a> schon konkretisieren: &#8220;Der Fußball-Klub habe faktisch die Region wachgeküsst.&#8221; Das ist nichts neues, wir hatten hier schon <a href="http://www.zwangsbeglueckt.de/2016/10/12/momentchen-mal/">an anderer Stelle</a> festgehalten, dass eine Tollfindstrategie ja vor allem darüber läuft, RB Leipzig auf das umsatzstarke Unternehmen zu reduzieren, das es ist, und sich an den wirtschaftlichen Folgeeffekten für den städtischen Tourismus und die Kneipen in Stadionnähe zu freuen. Klasse!</p>
<p>Neu ist, dass nun als weiterer Kanal der Klarstellung dessen, dass RB Leipzig in keinem Fall etwas Schlechtes sein könne, die Wissenschaft bemüht wird. Klar: Was die Wissenschaft rausfindet, muss natürlich stimmen und ist folglich wahr. Ende der Diskussion. RB tut uns allen gut! Dabei überrascht die Renitenz, mit der verschiedene von HHL beschäftigte Professoren als RBL-Apologeten auftreten. Wenn man einmal als Experte vor eine Mikro geschleift wird und dort unvorsichtig eigene Meinung mit der professionellen Rolle und dem wissenschaftlichen Anspruch auf Unabhängigkeit verquickt – geschenkt. Aber die Häufung, in der die HHL als Fürsprecherin von RB Leipzig in die Öffentlichkeit auftritt, ist schon auffällig. (<a href="http://www.lvz.de/Sport/RB-Leipzig/News/HHL-Experte-RB-wirbt-gratis-fuer-Leipzig">Hier etwa</a>)</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de">
<p dir="ltr" lang="de">Die Umbenennung der <a href="https://twitter.com/hashtag/HHL?src=hash">#HHL</a> in Red Bull University steht kurz bevor. Und eine ganze Region wird davon profitieren. <a href="https://twitter.com/hashtag/RBL?src=hash">#RBL</a></p>
<p>— zwangsbeglueckt (@zwangsbeglueckt) <a href="https://twitter.com/zwangsbeglueckt/status/824540168841555968">26. Januar 2017</a></p></blockquote>
<h4>Eine Studie, um die Zweifler zu überzeugen</h4>
<p>Ein Blick in die <a href="http://www.hhl.de/fileadmin/texte/publikationen/studien/LS_Business_Psychology/Meynhardt_Franz_Der_Public_Value_des_RB_Leipzig_2017.pdf">zehn mauen Seiten</a> (<a href="http://www.hhl.de/en/details/news/der-rb-leipzig-ist-ein-gesellschaftliches-ereignis-ersten-ranges/">hier die Kurz-Kurzversion</a>), in der mit einer &#8220;innovativen, non-normativen Befragungstechnik&#8221; erzielten Befunde aufgeschrieben sind, verrät, dass es mit dem &#8220;Non-normativen&#8221; nicht so weit her ist. Wer schon allein die &#8220;Kernaussage der Studie&#8221; auf ihren dahinter liegenden Aussagegehalt befragt (keine Sorge, machen wir jetzt nicht in extenso), der muss sich wundern, ob er es mit einer wissenschaftlichen Studie oder mit einer gekauften Werbeseite im Handelsblatt zu tun hat.</p>
<figure id="attachment_1016" aria-describedby="caption-attachment-1016" style="width: 660px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Kernaussage-4.png"><img loading="lazy" class="size-large wp-image-1016" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Kernaussage-4-1024x229.png" alt="" width="660" height="148" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Kernaussage-4-1024x229.png 1024w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Kernaussage-4-300x67.png 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Kernaussage-4-768x172.png 768w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1016" class="wp-caption-text">Der Public Value des RB Leipzig, S. 2</figcaption></figure>
<p>Nicht nur, dass man sich fragen muss, welche Buzzwords der Managementlehre in diesen drei Zeilen eigentlich nicht gefallen sind. Es stellen sich die Fragen, welche Gesellschaft hier eigentlich gemeint sein soll, was &#8216;voranbringen&#8217; bedeutet und was die kulturellen, sozialen und politischen Ressourcen sein sollen, von denen hier großspurig die Rede ist. Gut, die politischen Ressourcen sind schnell ausgemacht. Da ist beispielsweise Burkhardt Jung, der ja ohnehin nicht mehr zu bremsen ist bei seinen Oden auf RB Leipzig – und nun auch einen der &#8220;Experten&#8221; darstellt, die für die &#8220;Studie&#8221; befragt wurden. Keine Pointe. Überhaupt ist die Liste derer, die über den &#8220;public value&#8221; von RB Leipzig Auskunft geben sollen, sehr &#8230; äh, speziell.</p>
<figure id="attachment_1022" aria-describedby="caption-attachment-1022" style="width: 660px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Experten.png"><img loading="lazy" class="size-large wp-image-1022" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Experten-696x1024.png" alt="" width="660" height="971" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Experten-696x1024.png 696w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Experten-204x300.png 204w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Experten-768x1130.png 768w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Experten.png 2000w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1022" class="wp-caption-text">Der Public Value des RB Leipzig, S. 6</figcaption></figure>
<p>Wie schnell auffällt, hat Prof. Meynhardt seine ganze wissenschaftliche Kompetenz aufgefahren und (fast) ausschließlich Sympathisanten und direkt Involvierte befragt. Eigentlich Wahnsinn. Da nützt auch das Feigenblatt Christoph Biermann (<a class="ProfileHeaderCard-screennameLink u-linkComplex js-nav" href="https://twitter.com/chbiermann">@<span class="u-linkComplex-target">chbiermann</span></a>) vom Magazin 11Freunde nichts, die nicht als die größten Freunde des Fußballinvestmentstandorts Leipzig gelten. Ansonsten durften Sponsoren, Fanvertreter, geneigte Journalisten (<a class="ProfileHeaderCard-screennameLink u-linkComplex js-nav" href="https://twitter.com/mmachowecz">@<span class="u-linkComplex-target">mmachowecz</span></a>,<a class="ProfileHeaderCard-screennameLink u-linkComplex js-nav" href="https://twitter.com/HandballKurti">@<span class="u-linkComplex-target">HandballKurti</span></a>), Vertreter der lokalen und regionalen Sportverbände, die sich, als es darum ging, als Steigbügelhalter des Projektes RB Leipzig hervorgetan haben, und – das muss als Witz gemeint sein –  Angestellte von RB Leipzig zum Wert von RB Leipzig Rede und Antwort stehen. Der letzte Clou findet sich allerdings ganz am Ende der Liste und hier wirft Prof. Meynhardt endgültig die letzten Reste seines Anspruchs über Bord: Die HHL diktiert sich ihre eigenen Ergebnisse ins Notizbuch. Wie gesagt: Eigentlich Wahnsinn.</p>
<p>Noch mal kurz zum Kapitalismus von seiner besten Seite und Nicht-Normativität. In der Studie liest sich das, wie folgt:</p>
<figure id="attachment_1021" aria-describedby="caption-attachment-1021" style="width: 660px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Capitalism.png"><img loading="lazy" class="size-large wp-image-1021" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Capitalism-1024x475.png" alt="" width="660" height="306" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Capitalism-1024x475.png 1024w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Capitalism-300x139.png 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2017/01/Capitalism-768x357.png 768w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /></a><figcaption id="caption-attachment-1021" class="wp-caption-text">Der Public Value des RB Leipzig, S. 3</figcaption></figure>
<p>Endlich-sind-wir-wieder-wer-Rhetorik gepaart mit Erlösungsvorstellungen at its best, sagen wir nur. Haben wir schon oft drüber geschrieben, müssen wir nicht noch mal machen. Bemerkenswert ist jedoch, dass hier eine gesellschaftlich mit Ausgewogenheit und Distanz betraute Institution wie eine Hochschule Rhetorik politischen Entscheidungsträger reproduziert und dünn mit dem Anstrich von Wissenschaftlichkeit versieht. Das ist nicht nur wissenschaftlich höchst fragwürdig, sondern auch forschungsethisch problematisch. Wenn sich Forschungseinrichtungen vor den Karren von Publicitiy und wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten spannen lassen, ist es mit deren Unabhängigkeit nicht mehr weit her.</p>
<p>[Dazu, dass RB Leipzig selbst Auftraggeber der &#8220;Studie&#8221; sein soll, wie es einzelne Rufer bei Twitter suggerieren, haben wir nichts Belastbares gefunden.]</p>
<blockquote class="twitter-tweet" data-lang="de">
<p dir="ltr" lang="de">Der <a href="https://twitter.com/kicker">@kicker</a> erwähnt mit keinem Wort, dass der Auftraggeber dieser &#8220;positiven&#8221; &#8220;Studie&#8221; zu RB Leipzig, eben jener RB Leipzig selbst war. <a href="https://t.co/WRd62LcZq1">https://t.co/WRd62LcZq1</a></p>
<p>— (((Bjoern))) (@bjoernMaHe) <a href="https://twitter.com/bjoernMaHe/status/824314393341083652">25. Januar 2017</a> ]</p></blockquote>
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		<title>Demnächst &#8220;Das Buch Dieter&#8221;?</title>
		<link>https://zwangsbeglueckt.de/2015/10/11/demnaechst-das-buch-dieter/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[chassot]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Oct 2015 13:13:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[konzernintern]]></category>
		<category><![CDATA[benevento]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Dalai Lama]]></category>
		<category><![CDATA[Rangnick]]></category>
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					<description><![CDATA[Red Bull macht jetzt auch Bücher! Was sich wie ein schlechter Witz liest, ist tatsächlich wahr. Zuletzt erschienen einige Artikel über Benevento Publishing, das Red Bull-eigene Verlagshaus. Interessant fanden wir daran nicht, dass Mateschitz jetzt noch ein neues Geschäftsfeld aufmacht, auch nicht den Umstand, dass es sich dabei um ein recht altbackenes Gebiet im Vergleich &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2015/10/11/demnaechst-das-buch-dieter/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Demnächst &#8220;Das Buch Dieter&#8221;?</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Red Bull macht jetzt auch Bücher! Was sich wie ein schlechter Witz liest, ist tatsächlich wahr. Zuletzt erschienen einige <a href="http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article137595381/Von-RB-Salzburg-ueber-RB-Leipzig-zu-RB-Benevento.html" target="_blank">Artikel</a> über Benevento Publishing, das Red Bull-eigene Verlagshaus. Interessant fanden wir daran nicht, dass Mateschitz jetzt noch ein neues Geschäftsfeld aufmacht, auch nicht den Umstand, dass es sich dabei um ein recht altbackenes Gebiet im Vergleich zu Hochleistungsmotoren und solchen Kram handelt. Viel auffallender sind die Ähnlichkeiten zum Engagement im Fußball.</p>
<p><span id="more-606"></span></p>
<p>Man versteht nach einer Weile das ganze Projekt RB noch etwas besser und sieht teilweise überraschende Parallelen. Das ist an sich schon überraschend, schaffte es doch Andreas Beck mal zu einiger Berühmtheit, weil er als einer der sehr wenigen Fußballprofis galt, die überhaupt ein Buch zu Hand nahmen.</p>
<h2>Spannung und Erleuchtung</h2>
<p>Um Bücher kümmert man sich bei Red Bull unter dem Namen „<a href="http://www.beneventopublishing.com" target="_blank">Benevento Publishing</a>“. Benevento Publishing vereint vier Verlage: Ecowin, Pantauro, Servus und Benevento. Bei <a href="http://ecowin.at" target="_blank">ecowin</a> erscheinen vor allem Sachbücher von „spannenden Autoren, die zu spannenden Themen und Entwicklungen unserer Welt einen Beitrag leisten“. Konkret sind das Bücher zur ewig jungen Frage, ob wir allein sind im Universum, oder einem sich enthüllend gebenden Skandalisierungsbuch zur Alfred-Nobel-Stiftung. <a href="http://www.pantauro.com" target="_blank">Pantauro</a> ist der Verlag für die „vielfältigen Lebenswelten von Red Bull“, praktisch der gedruckte Sprung aus dem All und der ganze andere fancy stuff, den Mateschitz’ Jünger so treiben. Wie süß: Auch die „besten Papierflieger der Welt“ kann man hier – nach dem Kauf des Buches – nachbauen. Doch auch das ist natürlich nur Teil eines großen Wettbewerbs, wer den längsten Flug hinbekommt. Der Servus-Verlag ist wiederum das Pendant zu Servus-TV, womit man auch über die Inhalte schon Bescheid weiß, inklusive „modernem Heimat-Begriff“ natürlich.</p>
<figure id="attachment_612" aria-describedby="caption-attachment-612" style="width: 460px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2015/10/4791762034_8076835308_o.jpg"><img loading="lazy" class="wp-image-612" src="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2015/10/4791762034_8076835308_o.jpg?w=300" alt="4791762034_8076835308_o" width="460" height="310" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2015/10/4791762034_8076835308_o.jpg 1024w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2015/10/4791762034_8076835308_o-300x202.jpg 300w" sizes="(max-width: 460px) 100vw, 460px" /></a><figcaption id="caption-attachment-612" class="wp-caption-text"><em>Bild: Jerrott Bennett, dog in bookshop, 2010</em>, <a href="https://www.flickr.com/photos/jerrold/4791762034/in/photolist-8ir2UN-qc4adY-7wAorN-7wwz6c-xYh26f-dGEmTo-o1BvWT-8L3R6M-cpBWdb-wyYvJj-4tZJ8w-dWyBk7-4qV7oU-7oGnuq-dtWWL1-4zptia-a1XoxF-qByWV7-4ZgDvJ-nJ7Vni-4ZgHY9-oopAsq-d8NRN1-34YbMF-5UVzum-o5W5Jv-4MwGJX-4oDD6Q-bLzoZe-rttQHE-hyY6NN-aeNQ3N-aeNQ3h-49gB75-edtKVM-voz6Gv-xhexMc-edzoPf-24uSL5-9jiiVG-aeNQ3C-4Exyqd-9vCmhL-4ExSPV-4otfhH-4sVcH6-4sZgiA-5e62gX-4j3Qth-4j3QjS/" target="_blank">flickr, </a><a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/" target="_blank">CC BY-NC-ND 2.0</a></figcaption></figure>
<p><a href="http://www.beneventobooks.com" target="_blank">Benevento</a> schließlich ist der Verlag, über den zuletzt am meisten geschrieben wurde und der am ehesten als künftig einflussreicher player auf dem Buchmarkt angesehen wird. Zuletzt wurde dort mit großem Erfolg „Der Appell des Dalai Lama an die Welt“ veröffentlich. Das Buch ist von Franz Alt verlegt, der noch vor kurzem meinte, mit Schilfgras die Welt zu retten, nun aber offensichtlich auf Taurin umgeschwenkt ist. Im Buch selbst sagt der Dalai Lama, was der Dalai Lama eben so sagt, aber an etlichen Stellen sieht man auch den Gebieter eifrig nicken. Etwa hier: „Für eine weltweite säkulare Ethik bedarf es freilich noch weltweiter Forschung. Darüber bin ich mir mit vielen Wissenschaftlern einig, vor allem mit Hirnforschern, Neuropsychologen und Pädagogen. Die moderne neurobiologische Forschung legt nahe, dass sich altruistisches und weniger egoistisches Verhalten für  a l l e  lohnt“ (S. 33). Denn was sonst als altruistisch ist denn beispielsweise die Erfindung von RB in Leipzig! Aber nun, auch der Dalai Lama will niemanden zwangsbeglücken. Wer es nicht versteht, soll eben zu Hause bleiben. Oder in seinem Worten: „Glück hängt also nicht vom Zufall ab, sondern ist eine Fähigkeit, die jeder Mensch in sich trägt. Jede und jeder kann glücklich sein oder werden“ (S. 34).</p>
<h2>Ein ganz normaler Verlag</h2>
<p>Was verbindet bei Red Bull nun Bücher und Fußball? Erstens, und das ist bei <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/marketing-was-unterscheidet-werbung-und-kunst-13728869.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2" target="_blank">Andreas Bernard</a> in der FAS sehr schön beschrieben, sind beides Bemühungen um Contentmarketing. Red Bull schafft sich hier ein eigenes Umfeld, in dem ganz selbstverständlich und gar nicht unbedingt offen geworben wird – für Red Bull. Im Feld der Verlage werden Bücher, Zeitschriften und ähnliches hergestellt, in denen dann von Ereignissen berichtet wird, die wiederum selbst von Red Bull erfunden oder mindestens schwer finanziert werden. Beim Fußball läuft es insofern gleich, als mit RBL ein Klub geschaffen wurde, der im Feld platziert wird und dort als „ganz normaler Verein“ mitmacht. In erster und letzter Instanz hat das natürlich Marketingzwecke, aber die verschränken sich derart mit dem content, dass sie nicht mehr auffallen, so aber umso effektiver sein können. Journalisten wie <a href="https://twitter.com/dirk_adam" target="_blank">Dirk Adam</a>, die „Kurzer Termin bei Red Bull &amp; Gespräch mit Ralf Rangnick. Toll, was man mit Brause-Millionen alles so machen kann ;-)“ twittern, garniert mit Fotos vom neuen Trainingszentrum mit Riesenlogo, sind mittendrin im contentmarketing und genau das, was der Gebieter haben will.</p>
<p>Zweitens fallen in beiden Feldern die Erzählungen von Freiheit auf. Sowohl die Programmchefin bei benevento, also auch die RB-Leitung werden ja nicht müde, auf ihre Unabhängigkeit und ihre eigenen Verantwortlichkeiten hinzuweisen. Bei Ecowin heißt das etwa: „Die Vielfalt der Meinungen sowie der Diskurs unter den Autoren und innerhalb des Verlags sind uns viel wichtiger als das Vertreten nur einer Denkweise.“ Red Bull, Mateschitz und die Konzernzentrale spielen irgendwie gar keine Rolle. Bei RB geht’s nur um den Sport und sowieso ist man ein ganz normaler Verein, beim Verlag ist das ähnlich. Das eigene Tun wird als eines verkauft, das nur auf Fußball konzentriert oder literaturspezifisch ausgerichtet ist. Doch dabei ähneln sich die Redeweisen frappant: „Über Grenzen hinaus zu denken und zu handeln, intelligenten, niveauvollen Content zu schaffen, der inspiriert und fasziniert. […] Für mich ergibt sich daraus der Anspruch, mit Talenten zu arbeiten und sie zu fragen, was sie vorhaben, was ich für sie tun kann.“ Das könnte so auch von Rangnick stammen, kommt aber von der benevento-Programmchefin <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/red-bulls-belletristik-verlag-benevento-13463819.html" target="_blank">Schmitz</a>, die – noch so eine Parallele – auch vorher bei namhafteren Verlagen arbeitete und dann als Expertin eingekauft wurde.</p>
<h2>Visionen und Realität</h2>
<p>Drittens schließlich, und jetzt wird es profan, geht es am Ende ums Geld, bei den Verlagen wie beim Fußball. Das wird nicht verschwiegen, und das ist auch der Witz am Content-Marketing. Es soll beim Verkaufen helfen, und am besten wäre es natürlich, wenn die Marketing-Instrumente gleich selbst Geld einbringen. So werden die Verlage bei benevento publishing auf Dauer nicht defizitär bleiben können, und auch RBL soll über kurz oder lang wenigstens halbwegs etwas einspielen. Nochmal die Programmchefin: „Benevento hat eine langfristige Vision und als Unternehmen den Auftrag, mehr Geld zu verdienen als auszugeben.“</p>
<p>Wer mag, kann sich bei diesen Worten ja Ralle Rangnick vor seinem Nachwuchszentrum vorstellen. Vermutlich wird er dort dann auch in zehn Jahren seine Memoiren vorstellen, in denen er von den schweren Anfängen parliert, aber weiterhin auch viel von Visionen und Erfolg und Anstrengung und dem Nutzen für die Region. Erscheinen wird das natürlich bei benevento, denn damit wäre es das perfekte Buch für den Verlagschef <a href="http://www.salzburg.com/nachrichten/salzburg/kultur/sn/artikel/red-bull-steigt-in-das-buchgeschaeft-ein-55282/" target="_blank">Steiner</a>: „Es wird vielleicht einzelne Belletristik-Titel geben“, sagt er, „aber nur, wenn die Fiktion reale Hintergründe hat. Für uns ist immer wichtig, dass eine wirkliche Begebenheit am Anfang der Erzählung steht.“</p>
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		<title>Die Rote Revolution</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chassot]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jul 2015 12:17:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[In der Geschichte kennt sich Ralle Rangnick ja ganz hervorragend aus. Das bewies er schon, als er sich und anderen die Situation die Katar schönredete und dabei gleich mehrere Jahrzehnte Sport- und Politikgeschichte miteinander verband. Nun ein neuerlicher großer historischer Wurf. Von der Süddeutschen (Freitagsausgabe, 24.07.2015) auf den etwaigen Aufstieg von RB in die Erste Liga &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2015/07/27/die-rote-revolution/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Die Rote Revolution</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In der Geschichte kennt sich Ralle Rangnick ja ganz hervorragend aus. Das bewies er schon, als er sich und anderen die Situation die <a href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/12/23/geschichtsprofessor-rangnick-katar-und-1936/" target="_blank">Katar</a> schönredete und dabei gleich mehrere Jahrzehnte Sport- und Politikgeschichte miteinander verband. Nun ein neuerlicher großer historischer Wurf. Von der Süddeutschen (Freitagsausgabe, 24.07.2015) auf den etwaigen Aufstieg von RB in die Erste Liga angesprochen, wollte der Seher Rangnick zwar kein konkretes Datum nennen, prognostizierte aber: „Irgendwann kommt der Tag, an dem in Leipzig so viele Menschen auf dem Marktplatz feiern werden wie seit der Wende nicht mehr.“</p>
<p>Genau gesehen ist das natürlich kompletter Quark. Wenn Rangnick mit dem schönen Wort „Wende“ den Herbst 89 meint, dann ist es nämlich ein leichtes Spiel, mehr Leute auf dem Markt zusammenzutreiben als seinerzeit. Die Demonstrationen fanden auf dem Augustusplatz und Ring statt; auf dem Markt sammelte allenfalls die Polizei ihre Truppen.</p>
<figure id="attachment_581" aria-describedby="caption-attachment-581" style="width: 570px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2015/07/bundesarchiv_bild_183-1987-0704-047_berlin_750-jahr-feier_festumzug_22karl_liebknecht22.jpg"><img loading="lazy" class="size-full wp-image-581" src="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2015/07/bundesarchiv_bild_183-1987-0704-047_berlin_750-jahr-feier_festumzug_22karl_liebknecht22.jpg" alt="ADN-ZB Oberst 4.7.87 Berlin: Jubiläum-Festumzug. Innerhalb des großen Festumzuges durch das Stadtzentrum anläßlich des 750jährigen Stadtjubiläums wurde die Szene dargestellt, in der Karl Liebknecht am 9. November 1918 vom Balkon des Schlosses die sozialistische deutsche Republik ausgerufen hatte." width="570" height="800" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2015/07/bundesarchiv_bild_183-1987-0704-047_berlin_750-jahr-feier_festumzug_22karl_liebknecht22.jpg 570w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2015/07/bundesarchiv_bild_183-1987-0704-047_berlin_750-jahr-feier_festumzug_22karl_liebknecht22-214x300.jpg 214w" sizes="(max-width: 570px) 100vw, 570px" /></a><figcaption id="caption-attachment-581" class="wp-caption-text">ADN-ZB Oberst 4.7.87 Berlin: Jubiläum-Festumzug. Innerhalb des großen Festumzuges durch das Stadtzentrum anläßlich des 750jährigen Stadtjubiläums wurde die Szene dargestellt, in der Karl Liebknecht am 9. November 1918 vom Balkon des Schlosses die sozialistische deutsche Republik ausgerufen hatte.</figcaption></figure>
<p>Solch ein Fauxpas verwundert, ist doch RB ein in der Stadt und Region langjährig verwurzelter Verein mit jeder Menge lokaler Expertise. Aber klar, bei all den Visionen kann einem das schon mal verrutschen. Denn was für Aussichten: Ralle ruft die Rote Republik aus! Vom Rathausbalkon! Dosen für alle! Inklusive Begrüßungsschluck für jeden Neuzugang! Das kann nur ganz nach dem Gusto des Gebieters sein: RB als das geilste Ding seit der Einführung der D-Mark. Die Rote Revolution (vulgo: RR) wischt alles beiseite, was bis dahin noch Bestand hatte; Politik war gestern, heute wird gefeiert. Hier wird Post-Demokratie ganz neu interpretiert.</p>
<p>Warten wir es aber mal ab. Große Feiern hatten schon ganz andere geplant. Das Politbüro in Fuschl am See hat zwar den Generalsekretär Rangnick mit allen Befugnissen ausgestattet, die Feierlichkeiten in die Wege zu leiten, doch Unwägbarkeiten sind da nie ausgeschlossen. Doch auch hier bieten sich andere historische Verweise an. Denn wie sagte schon der weitsichtige Honecker: „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=B7reIMSpBNA" target="_blank">Den roten Fußball in seinem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf!</a>“.</p>
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		<title>Brüder zur Sonne, zur Brause!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jaygopp]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 May 2015 22:19:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[konzernintern]]></category>
		<category><![CDATA[Bruderclub]]></category>
		<category><![CDATA[Game of Thrones]]></category>
		<category><![CDATA[Illusion]]></category>
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		<category><![CDATA[Taurinfreund]]></category>
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					<description><![CDATA[Schon Kain und sein Geschwisteropfer Abel oder Friedrich Schiller, der Karl und Franz Moor bis zum bitteren Ende des Jüngeren aufeinander losgehen ließ, wussten: Freunde kann man sich aussuchen, seine Familie leider nicht. Diese schmerzliche Erkenntnis muss unlängst auch Salzburger Anhängern, denen der Spitzenreiter des österreichischen Rasenballsports zweifellos am Herzen zu liegen scheint, gekommen sein. &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2015/05/11/bruder-zur-sonne-zur-brause/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Brüder zur Sonne, zur Brause!</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Schon Kain und sein Geschwisteropfer Abel oder Friedrich Schiller, der Karl und Franz Moor bis zum bitteren Ende des Jüngeren aufeinander losgehen ließ, wussten: Freunde kann man sich aussuchen, seine Familie leider nicht. Diese schmerzliche Erkenntnis muss unlängst auch Salzburger Anhängern, denen der Spitzenreiter des österreichischen Rasenballsports zweifellos am Herzen zu liegen scheint, gekommen sein. Wie der <a href="http://kurier.at/sport/fussball/zwietracht-in-der-red-bull-familie-salzburg-fans-beschimpfen-rb-leipzig/127.775.092#.VUE2hLBid00.twitter" target="_blank">österreichische Kurier </a>berichtete, hallten während des nationalen Pokalhalbfinales am letzten Aprildienstag urplötzlich gerade in Sportstadien gemeinhin bekannte Fäkalvokabeln durchs weite Rund.</p>
<p><span id="more-500"></span><br />
Doch weder an das Schiedsrichtergespann noch die Sympathisanten des Underdog-Kontrahenten war der Furor aus dem Salzburger Fanblock adressiert. Niemand anderes als der eigene Bruderklub aus dem Nachbarland geriet ins moralische Fadenkreuz! In Häufigkeit, Ausdauer und rotziger Kreativität nicht annähernd damit vergleichbar, wie sich beispielsweise die Gallagher-Brüder im Laufe ihres Lebens einander bedacht haben, aber nichtsdestotrotz: unüberhörbar für 1.890 handgezählte Zuschauer im Stadion als auch 130.000 Couchgesellen an den TV-Bildschirmen: „Scheiß RB Leipzig, wir singen Scheiß RB Leipzig, Scheiß RB Leipzig […]!“ Rrrrrrrruuuuuums! Zarte Aufruhr im Plebs, inmitten des Gebieterreichs!</p>
<p>Womöglich lernen wir den im beschaulichen Grödig erstmals offen zu Tage getretenen, schmierenkomödiantischen Familienzwist besser zu verstehen, indem wir versuchen, dieses Sittengemälde skizzenhaft auf das derzeitige <a href="https://www.youtube.com/watch?v=s7L2PVdrb_8" target="_blank">HBO-Massenphänomen <em>Game of Thrones </em></a>abzubilden. Grundlegend gieren hier nahezu alle Charaktäre aus einigen quer über den fiktiven Kontinent <em>Westeros</em> verteilten Adelsgeschlechtern mit lustigen Namen (bspw. Targaryen, Stark, Lennister, Graufreund &amp; Co.) nach sehr vielen, bevorzugt promiskuitiven, gern auch familieninternen Geschlechtsverkehrsakten, Unmengen an Alkohol, sonstiger Völlerei und obendrein vor allem dem sogenannten „Eisernen Thron“ in der Hauptstadt Königsmund. Und weil Besserverdiener und Königsfamilien selbst in kühnsten Fantasyträumen nichts von gemeinwohldienlicher Erbschaftssteuer halten, sorgen vor allem diffuse, intrigante Sehnsüchte nach Ehre, Macht und Größenwahn für stets blutrünstigste Kopf-Ab-Metzeleien, bloß damit die Krone nach jedem noch so vorzeitigen Ableben des Oberhaupts mal schön in Familienhand bleibt.</p>
<p>Hier sollte also was zu holen sein. Doch noch ein gutgemeinter Rat, bevor wir kurz in das vom beschaulichen Fuschl am See aus regierte Reich des Alleinherrschers Dietrich Taurinfreund des I. und Einzigen eintauchen. Geratet keinesfalls, weder in der HBO- noch in der RB-Fantasialand-Saga, in Versuchung, euch an vermeintlich identitätsstiftende Figuren oder vertrauensselige Wegbegleiter zu gewöhnen! Es passiert ganz schnell, dass diejenigen wieder von der Bühne verschwunden sind.</p>
<h2>Taurinfreunds allmachtsphantastisches Mantra: „Veni, vidi, vici!“</h2>
<p>Auch wenn manche Leipziger dem Luftschloss anheim gefallen sind: In Fuschl am See, Heimat Dietrich Taurinfreund, des I. und Einzigen, und seinen über alle Kontinente verstreuten Besitztümern fließen weder Milch noch Honig. Aber aufgeputscht von einem ungesunden Energy-Getränk jagen dort verrückte Leute über die unmöglichsten Klippen, drehen reißerische Pirouetten in physikalisch unmöglichen Halfpipes, fahren vor Pferdestärken strotzende Automobile ganz schnell im Kreis oder springen einfach aus Lust und Laune aus der Stratosphäre. Wer hier gegen das allmachtsphantastische Mantra „Veni, vidi, vici!“ verstößt, dem gnade Taurinfreund, der I. und Einzige.</p>
<p>Seit Neuestem (wir reden ja immerhin von epischen Fantasy-Zeiträumen) erschließt sich das Imperium die gegenwärtig wohl fruchtbarste PR- &amp; Marketingquelle überhaupt: den Rasenballsport, der neidischen wie eingeschnappten <a href="http://www.welt.de/sport/fussball/2-bundesliga/article139317689/Mateschitz-nennt-Kritiker-ahnungslose-Randgruppe.html" target="_blank">Randgruppen, die nichts verstehen wollen</a>, und Nicht-<a href="http://blog.jacknealy.com/wp-content/uploads/2010/06/new_york_post_world_cup.jpg" target="_blank">Nord-Amerikanern</a> einst noch als Fußball bekannt war. Und ganz dem selbst auferlegten Anspruch soll, (nein!), muss, (nein!), wird (!!!) es in ganz naher Zukunft bitteschön die Eroberung des Throns der (<em>*Achtung! Im Hintergrund setzen verheißungsvoll-pathetische Schicksalstrommeln ein*</em>) CHAAAAAMPIONS LEAGUE sein.</p>
<p>Doch genau da pieksen wir schon an den Kern allen Salzburger Fan-Unmuts, der vielleicht schon bald jeden schnöden Wettstreit um die schönste McDonalds-Filiale oder das tollste Expo-Dorf übertrifft. Nichts symbolisiert den brodelnden Konflikt dabei besser als Taurinfreunds Clanwappen, auf dem zwei kräftige, rote Zuchtbullen ihre Hörner vor gleißender Sonne in wildentschlossener Angriffspose aufeinander gerichtet haben. Der eine verhätschelte Bulle, äääh Bengel kann seine Eifersucht auf den anderen noch viel verwöhnteren Bengel kaum noch zähmen.</p>
<h2><strong>Auf dem Heimatthron holt es sich nur Hämorrhoiden</strong></h2>
<p>Egal wie Dietrich I. und Einzige von den erstgeborenen Rasenballsprösslingen direkt vor der Haustür in der Salzburg auch umschwärmt wurde. So sehr sie auch die lokalen Turniere gegen ihre Litfaßsäulenkontrahenten von „Puntigamer“ Sturm Graz, „Cashpoint“ Altach oder den „Riegler &amp; Zechmeister Pellets“ aus Wolfsberg vor sich hin dominieren und in wenigen Wochen die nunmehr sechste Landesmeisterschaft der vergangenen neun Jahre empfangen werden, was soll sich der erfolgsverwöhnte Imperator auf dem wenig beleumundeten lokalen Thron holen außer Hämorrhoiden? Selbst das erfolgsverwöhnte Volk schleppt sich nur widerwillig, oder höchstens zu europäischen Anlässen in die schnieke, aber durchschnittlich nur zu knapp einem Drittel gefüllte Arena.</p>
<p>Was sie auch anstellten, was sie auch investierten. Ob in Steine zur Verschönerung des Anwesens. Ob in verdiente Recken wie Alex Zickler, Niko Kovac, Thomas Linke oder Vratislav Lokvenc. Ob sie gar rüstigen, alten Feldherren wie Huub Stevens, Co Adriaanse oder Giovanni Trappatoni samt des fränkischen Greenkeepingapostels Matthäus den Oberfehl auftrugen. So vehement sie auch klopften: All jenen blieb das massive Burgtor zur Champions League stets verschlossen. Mit der schmachvollen Niederlage gegen den F91 Düdelingen aus einem kleinen Herzogtum viele Kilometer nordwestwärts machten sie sich einmal gar zum Gespött aller Herren Länder. Die hatten nicht mal Pferde und Rüstungen, geschweige denn Flügel. Allein ihre listige Aufmüpfigkeit genügte, um die schniefenden Bullen zu schlagen.</p>
<p>Kann es für den so siegesgewohnten Taurinfreund etwas Schlimmeres geben als Misserfolg und Missachtung? Wie gut, dass er vor Jahren schon einen garantiert schmerzfreien Expeditionstrupp hipper Imperiumstrolle, die bestimmt mal was mit Medien und Marketing studiert haben, ins Nachbarland entsandte. Diese Botschafter, <a href="http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_sport/article140240699/Red-Bull-wollte-St-Pauli-kaufen.html" target="_blank">wie &#8220;Die Welt&#8221; erfuhr</a>, glänzten auf ihrer Alles-oder-Nichts-Pirsch vor allem mit fundamental-kulturellen Vorkenntnissen. Beispielsweise wollten sie ein kieziges Totenkopfgebiet am Elbfluss den dortigen Einheimischen mit der einzig plausiblen Schmeichelei abschwatzen: „Ihr steht doch auch für Coolness, Party, feiern und so?!“ Diverser gescheiterter Eroberungsversuchen zum Trotz kam schlussendlich irgendjemand mal die geniale Idee, einfach das Niemandsland jahrzehntelanger Rasenballödnis zu annektieren – Leipzig, im furchteinflößenden Nordosten. Dort, wo sich die verzweifelt nach (<em>*Achtung! Wieder verheißungsvoll-pathetische Schicksalstrommeln, aber um einiges bombastischer intoniert*</em>) BUUUUUNDESLIGA und CHAAAAMPIONS LEAGUE dürstenden Siedler noch so richtig willfährig am Bullennasenring durch die Marketingmanege ziehen lassen. Dort, <a href="http://www.dierotenbullen.com/neuigkeiten/Saison_2014_15/Fahrtenbuch-2014-2015.html" target="_blank">wo die allerbesten Kunden sogar dazu aufgerufen sind, Treuepunkte in ihr Auswärtswanderschaftenbuch zu kleben</a>, damit die eingeheimsten Bienchen dafür am Ende in Geschenke aus dem Fanshop getauscht werden können.</p>
<h2><strong>Mühsame Eroberung der Rasenballödnis</strong></h2>
<p>In der Anfangszeit, bei den kleinen Schaukämpfen irgendwo im grünen Nirgendwo, ob Havelse oder Wilhelmshaven, herrschten jedoch derartige Anlaufschwierigkeiten, dass Taurinfreunds Personalschafott mit der Zeit schon ganz stumpf vor lauter Benutzung wurde. Dieser Sadlo, dieser Beiersdorfer, dieser Linke, dieser Gudel, dieser Oral, dieser Pacult ff. sollten Taurinfreunds Tafelrunde würdig repräsentieren, waren dann aber doch nur Pappnasen. Ja, seid’s ihr denn deppert?</p>
<p>Doch noch viel mehr Gräuel als erfolglose Untertanen bereiten dem Gebieter widerborstige Legislativenbünde mit all ihren Regularien, Lizenzbedingungen, Paragraphen und sonstige Quacksalbereien. Ja, wo kommen wir denn da hin, wollen wir am Ende etwa noch den Pöbel mitsprechen lassen? Jähzornig kann er da werden, der widerspruchsungewohnte Dietrich I. und Einzige. Höchstselbst musste er grollend drohen, rüffeln und zurechtweisen, wie das in seinem Reiche mal schön zu laufen hat. <a href="http://www.90minuten.at/index.php/magazin/reportage/59567-didi-mateschitz-droht-mit-rueckzug-aus-leipzig-das-haben-wir-nicht-notwendig" target="_blank">Ich brauch’ hier gar nichts, wenn ihr mich nicht wollt, dann stampfen wir halt alles wieder ein, ihr undankbaren DFL-Hinterwäldler</a>!</p>
<p>Je näher die Lipsianer den großen, bedeutungsschwangeren Ritterspielen kamen, stieg jedoch das Gefallen des Familienoberhaupts. Im letzten Jahr schwebte <a href="http://www.bild.de/regional/leipzig/zentralstadion-leipzig/red-bull-chef-ist-leipziger-stadion-zu-klein-35655000.bild.html" target="_blank">Dietrich I. und Einzige sogar erstmals eigens mit der jungen Gräfin Taurinfreund in den Nordosten</a>, um dem Schauspiel seiner Nesthäkchen, den Rasenballsportbullen, gegen widerborstige Kräfte vom Geschlechte der Lilien beizuwohnen.</p>
<p>Erst seitdem ein mythenumwobener Druide die Bruttoregisterhektolitertonnen magischen Zaubertranks aus dem unendlichen Brunnen in Fuschl am See anrührt, scheint dieser erst die ganze Wirkung zu entfalten. Natürlich handelt es sich dabei nicht um d<a href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/08/26/schlussstrich-statt-verantwortung/" target="_blank">en alten Kurpfuscher Pansold, der unzähligen DDR-(Kinder)-Gladiatoren mutwillig die Gesundheit ruiniert hat und trotzdem heute in Taurinfreunds großzügigen Diensten steht</a>. Nein, Vater des Aufschwungs ist kein geringerer als der Honorargelehrte Ralf von Schwaben.</p>
<h2><strong>Ein mythenumwobener Druide aus Schwaben als Hand des Gebieters</strong></h2>
<p>Anno dazumal erteilte dieser den plumpfüßigen Teutonen schon am <a href="http://www.abwehrkette.de/ralf-rangnick/" target="_blank">Flipchart eine Lehrstunde</a> zur <a href="https://www.youtube.com/watch?v=KwcXySby-3A" target="_blank">raumorientierten Viererkette</a>. Derzeit lenkt er als Hand des Gebieters die tektonische Verschiebung der taurinfreundschen Äcker. Jedoch nur noch wenige Wochen im Amte des Doppelstatthalters der Salzburg und in Leipzig, <a href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/07/31/er-ist-unser-wettbewerbshuter/" target="_blank">um ganz pfiffig den selbstverständlich hanebüchenen Vorwurf des verzerrten Wettbewerbs zu umgehen</a>. Die vor wenigen Monden noch so hochgepushte, aber im Verlauf der Gezeiten einfach nicht den taurinfreundschen Ansprüchen gerecht gewordene Salzburg wurde zur Bullenzucht umfunktioniert. Fieberhaft werkelt der Meisterdruide daran, dass die Nachschubwege in Stallorderlogik alsbald einzig gen Nordosten reichen.</p>
<p>Doch plötzlich, da es den talentierten und bislang so treuherzigen Ritter Ilsanker fortzieht in eine andere Welt, und <a href="http://www.lvz-online.de/sport/sportbuzzer/rb_leipzig/rb-news/geheim-besuch-bei-rb-leipzig-stefan-ilsanker-in-le-gesichtet/r-rb-news-a-284955.html" target="_blank">Ralf von Schwaben ihm unter allen Umständen die eigene nordöstliche Provinz schmackhaft machen will</a>, zeigen sich einige Salzbürger ganz und gar desillusioniert vom verfolgten Plan der Oberen: Als wären es nicht schon genug Schläge aufs Gemüt, nur noch als <a href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/06/25/rangierbahnhof/" target="_blank">elitärer Rangierbahnhof </a>zu dienen, müssen wir tatenlos zusehen, wie ihr uns auch noch Ilsanker abschwatzen wollt. Jeden könnt ihr haben. Nur nicht Ilsanker! „Scheiß RB Leipzig, wir singen Scheiß RB Leipzig, Scheiß RB Leipzig […]!“</p>
<p><a href="http://www.welt.de/sport/fussball/2-bundesliga/article139317689/Mateschitz-nennt-Kritiker-ahnungslose-Randgruppe.html" target="_blank">Was werden Taurinfreund und seine Vasallen über dieses Aufbegehren denken?</a> Himmelherrschaftszeiten noch einmal! Wir liefern euch hier Brot und Spiele und ihr muckt rum? Undank ist der Welten Lohn!</p>
<h2><strong>Der Abgang des treuherzigen Ilsanker desillusioniert die Salzbürger</strong></h2>
<p>Der Schall der wütenden Klatschpappen wird verhallen, zurück bleiben kaltherzig die Liebe entzogene Konsumenten aus der Salzburg. Machtlos müssen sie mitansehen, wie ihrer <a href="http://www.krone.at/Sport/Mateschitz_will_das_grosse_Geld_lieber_in_Leipzig_investieren-Nur_U21_in_Salzburg-Story-199223" target="_blank">Piefke-Konkurrenz der Standortjoker in Taurinfreunds einheitsbreiigen Entertainment-Universum zugesprochen wurde</a>. Wobei die Salzbürger eigentlich noch ganz froh darüber sein können, stellt man ihrem Los beispielsweise das <a href="http://neuwal.com/index.php/2014/10/16/red-bull-ghana-eine-akademie-auf-verlorenem-boden-martin-kainz/" target="_blank">Schicksal der unter himmelschreiendem Zynismus aufgegebenen Bruderakademie in Ghana</a> gegenüber.</p>
<p>Ja, all das ist Alltag in Taurinfreunds Gebieten, denen die Erstürmung des Rasenballsportkontinents vor rasender Verkaufs- &amp; Erfolgsmanie nicht schnell genug gehen kann. Vielleicht erinnern sich die verbliebenen Anhänger der Salzburg nunmehr ihrer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=h4pTnvy8uNg" target="_blank">violetten Wurzeln</a>. Auf den Weg mitgeben kann man ihnen eigentlich nur jenes Credo, nach dem schon das Schlagerbarden-Brüderduo „Brunner und Brunner“ verfuhr: „Bevor wir uns hassen, trennen wir uns lieber.“ Das wäre immerhin weitaus zivilisierter als jede von <em>Game of Thrones </em>gewohnte Konfliktlösung.</p>
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		<title>Black Beauty, der geschenkte Gaul</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chassot]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2015 10:08:51 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Imagefilme für Städte sind ja ohnehin ein Genre aus der Hölle. Ein solcher Film zu Leipzig, mit RB? Zugegeben: Wir hatten unsere Vorurteile. Nach dem Ansehen blieben allerdings nur noch Fragen. Vor allem diese: Was soll das sein? Der Film steigt ein mit dem Völkerschlachtdenkmal, das Darth Vader-mäßig abgefilmt wird, damit man gleich mal weiß, &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2015/03/27/black-beauty-der-geschenkte-gaul/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Black Beauty, der geschenkte Gaul</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Imagefilme für Städte sind ja ohnehin ein Genre aus der Hölle. Ein solcher Film zu Leipzig, mit RB? Zugegeben: Wir hatten unsere Vorurteile. Nach dem Ansehen blieben allerdings nur noch Fragen. Vor allem diese: Was soll das sein?<span id="more-471"></span></p>
<p>Der <a href="http://sharevideo.redbull.com/?bctid=4122392425001&amp;dynamicStreaming=true&amp;isRTL=false&amp;link=http://www.redbull.com&amp;filter=channel:RedBull2&amp;bgcolor=#000000&amp;logoHover=Von%20RedBull.com/Red Bull&amp;closedCaptionsHover=Subtitles&amp;jumpHover=Jump backwards&amp;bcpid=1684512102001&amp;qualityHover=Change quality&amp;startTime=1426854548284&amp;socialHover=Share or embed&amp;bckey=AQ~~,AAABTw4lHzE~,sr1E9bdX6d4wCdvdlD8QKdNij3uKs2K9&amp;relatedcontent=true,true&amp;linkBaseURL=http://www.redbull.com/de/de/stories/1331712287448/einerkette-tim-thoelkes-rb-leipzig-kolumne&amp;labels=http://www.redbull.com/cs/RedBull2Misc/brightcove/de_DE_labels.xml&amp;autoStart=false&amp;isUI=true&amp;isVid=true&amp;htmlFallback=true&amp;onsiteSettings=false,false,false,true" target="_blank">Film</a> steigt ein mit dem Völkerschlachtdenkmal, das Darth Vader-mäßig abgefilmt wird, damit man gleich mal weiß, wo in Leipzig der Hammer hängt. Nachts natürlich. Denn der ganze Film spielt in der Finsternis. Über den internen Arbeitstitel bei den <a href="http://www.lvz-online.de/sport/sportbuzzer/rb_leipzig/rb-news/im-kino-des-gegners-leipzig-und-rb-starten-imagekampagne-bellot-verlaengert-bis-2018/r-rb-news-a-279804.html" target="_blank">„Medienprofis aus der Salzburger Red-Bull-Zentrale“</a> (LVZ-online) kann man nur spekulieren, aber auf „Willkommen in Dunkeldeutschland“ würden wir einiges setzen.</p>
<h2>Black is the new Red</h2>
<p>Dann folgen ein paar lässig verwackelte Bilder mit ausschnitthaften RB-Spielern, wobei im ganzen Film eigentlich nur Poulsen wirklich erkennbar wird. Verständlich, man weiß ja nie, wer nächste Woche in Ungnade fällt. Dazwischen immer wieder sturztrunkene Kameraschwenks in der Innenstadt, vom <del>mdr-Hochhaus</del> Uniriesen und solche Sachen, was man halt in einer Stunde Drehzeit machen kann. Nachts, versteht sich.</p>
<p>Jetzt Bilder aus dem Stadion, Ekstase pur. Vorher noch eine Szene am Ticketschalter, damit keiner denkt, hier gäbe es was umsonst; die Plüsch-Kuh darf sich auch nochmal zeigen und vorfreudig in die Hufe klatschen. Derweil rasten die Leute im augenscheinlich randvollen Leipziger Hexenkessel aus, Poulsen köpft ein Tor. Nun aber schnell wieder zurück zu den Lieblingsbildern <span style="text-decoration:line-through;">von Lord Voldemort</span> des Kameramanns: Dunkelheit, Lichter der Großstadt, ganz großes Kino.</p>
<p>Am Ende die Auflösung, welche Kulisse hier präsentiert wurde: „Leipzig, Heimat der Roten Bullen“. Unverständlich, warum bei dem ganzen mordormäßigen Aufzug auf das historische Gründungsjahr 2009 verzichtet wurde, aber Understatement zeichnet ja den ganzen Beitrag aus. AHU! Im übrigen auch die ‚Musik’, die am Anfang ein bisschen auf Hans Zimmer für Arme macht, sich dann aber richtig was traut und herrlich fröhlich auf den Trompeten-Button haut und lässiges Fingerschnippen imitiert. Die Fankultur lebt!</p>
<p>Die gute Nachricht: Das Ganze dauert nur eine Minute. Die schlechte Nachricht: Das werden Menschen sehen. Und zwar sehen <em>müssen</em>. Der Spot läuft in den Kinos jener Städte, die noch zum Spiel nach Leipzig kommen. Saucleveres Ding natürlich, der Auswärtsblock wird kaum ausreichen, um die Massen zu beherbergen, die mit Tageslicht ihre Probleme haben und nun endlich wissen, wo sie dauerhaft unterkommen können.</p>
<h2>Spendierhose machts möglich</h2>
<p>Aber hat man nicht „Angst vor einem Eigentor wegen anhaltender Fanproteste“, imitiert die LVZ eine nachdenkliche Frage, so wie der onkelige Physiklehrer seiner Lieblingsschülerin am Ende der Prüfung noch eine extra leichte Aufgabe stellt. Der Leipziger Tourismus-Chef hat aber natürlich seine Hausaufgaben gemacht: „Im Kino ist ein anderes Publikum, dort hoffen wir auf sportbegeisterte Menschen und nicht auf Ultras“. <del>Würg!</del> Das leuchtet unmittelbar ein, Sport lässt sich im Kino natürlich am besten treiben. Und Bremer war mit RB schon in Lotte, ist also praktisch selbst Ultra, und ins Kino geht er ja nie.</p>
<p>Wer einen solchen Schund herstellt, den könnte nicht einmal <a href="http://www.amctv.com/shows/better-call-saul" target="_blank">Saul Goodman</a> vor richtig massiven Schadensersatzforderungen bewahren. Aber zurückzahlen müssen die Salzburger Burschis nichts: Der Film noir ist natürlich „spendiert“. Die Kosten für die Ausstrahlung in den Kinos übernimmt dagegen vermutlich die Stadt, aber solche Querfinanzierung von Brausewerbung interessiert die LVZ angesichts der prallen Spendierhosen des Onkels aus Fuschl naturgemäß nicht.</p>
<p>Nürnberg, Darmstadt, Sandhausen und Fürth dürfen sich also auf hollywoodeske Filmkunst freuen – wenn es in Sandhausen überhaupt ein Kino gibt. Wir dagegen lassen alle Hoffnung fahren und blicken ins Dunkle. Und stellen uns vor, der LVZ-Abschlusssatz „Das Projekt läuft zunächst bis Saisonende“ hätte sich nicht nur auf den Film bezogen.</p>
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		<title>Traditionskommerz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chassot]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Feb 2015 09:08:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Dieser Tage heißen die Gegner des Leipziger Fußballprojektes ja „Braunschweiger Turn- und Sportverein Eintracht von 1895 e.V.“ und „1. FC Union Berlin“, und damit schlagen die Wogen mal wieder hoch. Wenig überraschend lautet die Gewissensfrage: Tradition oder Kommerz? Auf der einen Seite stehen dann die Vereine, die noch unter Bismarck gegründet wurden, und auf der &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2015/02/27/traditionskommerz/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Traditionskommerz</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Tage heißen die Gegner des Leipziger Fußballprojektes ja „Braunschweiger Turn- und Sportverein Eintracht von 1895 e.V.“ und „1. FC Union Berlin“, und damit schlagen die Wogen mal wieder hoch. Wenig überraschend lautet die Gewissensfrage: Tradition oder Kommerz? Auf der einen Seite stehen dann die Vereine, die noch unter Bismarck gegründet wurden, und auf der anderen dann RB, das das Sinnbild für das Label Kommerz abgibt. Selbst in der sonst erfrischend kreativen <a href="http://www.fussball-kultur.org" target="_blank">&#8220;Deutschen Akademie für Fußballkultur“</a> in Nürnberg fand kürzlich eine <a href="http://www.kicker.de/news/video/2000919/video_hans-meyer-verteidigt-mateschitz.html" target="_blank">Diskussion</a> statt, die im Titel „Marken gegen Tradition“ eine nur leicht modifizierte Fassung der immer gleichen Gegenüberstellung trug.</p>
<p><span id="more-441"></span>Um es gleich mal auf den Punkt zu bringen: Wir halten das für die falsche Ausgangsfrage. Das liegt nicht daran, dass uns nach der jüngsten sportlichen Durststrecke das Mitleid mit den Limonadeliebhabern gepackt hätte – im Gegenteil. Aber die Alternative ‚Tradition oder Kommerz’ verdeckt die wirklich kritischen Punkte am Projekt RB. Sie teilt die Welt in zwei Lager, dass Moses seine helle Freude gehabt hätte. Sie ist so herrlich einfach, dass die ganzen TV-Praktikanten und Print-Volontäre <a href="http://www.ndr.de/info/Braunschweig-gegen-Leipzig-oder-Tradition-gegen-Startup,audio233972.html" target="_blank">Beiträge</a> produzieren können, die einen scheinbar schmissigen Aufhänger haben und nicht länger als ne halbe Stunde Recherche erfordern. Und sie greift diffus etwas auf, was vielleicht tatsächlich von Wert ist. Aber die Frage nach Tradition oder Kommerz ist schlicht zu simpel.</p>
<h2>Die falsche Alternative</h2>
<p>Im Grunde ist es doch eine Binsenweisheit: Wenn Kommerz heißen soll, dass Fußball professionell betrieben wird und Vereine nicht endlos Schulden anhäufen können, dann sind alle ab spätestens Liga vier im gleichen Boot, und manche „Kommerzvereine“ wirtschaften da nachhaltiger als die eine oder andere Traditionstruppe.</p>
<p>Und Tradition? Wenn dies Jahre seit der Gründung heißen soll, dann schneidet Union im Vergleich zu Braunschweig jetzt nicht so berauschend ab, und auch sonst geschätzte Klubs wie der <a href="http://www.roter-stern-leipzig.de" target="_blank">Rote Stern Leipzig</a> geraten fast schon in den Verdacht, ganz ohne diese schicke Tradition dazustehen. Und von den TV-Sendern, die die Traditions-Debatte immer wiederkäuen, wird das T-Ding nicht selten auch nur daran gemessen, auf wie viele zahlende Zuseher man sich verlassen kann, auch wenn das Spiel mistig ist. Tradition ist allzu oft ein Argument, mit dem man sich gegenseitig auf die Schulter klopft und die Reihen gegenüber Neuem schließt. Das ist nicht nur aktuell beim Fußball so, aber umso aberwitziger in einem Feld, das sich selbst als Wettbewerb organisiert.</p>
<p>Nun kommt aber das Problem. Weil die Gegenüberstellung so falsch ist, wird auf ihr auch nur lustlos herumgekaut und sie dann ausgespuckt. Mit der atemberaubenden Entdeckung, dass auch Traditionsvereine wirtschaftlich agieren müssen, ist dann aber zugleich auch jede Kritik an Vereinen wie RB beendet und ihnen Absolution erteilt. (Vor dem Spiel gegen Kaiserslautern holt man den ganzen Quatsch dann aber doch wieder raus.)</p>
<h2>Kritik hier entlang!</h2>
<p>Wo diese Kritik eigentlich ansetzen müsste, kann ja hier an einem herrlichen Spätwintertag nachgelesen werden. Noch einmal kurz gesagt: Bei RB ist nicht fehlende Vereinstradition das Problem, sondern dass es eigentlich gar keinen Verein gibt. Stattdessen agiert hier eine Handvoll Menschen, denen vor allem Red Bull am Herzen liegt. Die leben mit den Millionen des Gebieters den feuchten Traum jedes adoleszenten Kindes, das nächtelang Fußball-Manager am PC gespielt hat und nun echte Menschen für echtes Geld kaufen und verkaufen kann. Und Trainer entlassen natürlich. Fragen nach Mitbestimmung etwaiger Vereinsmitglieder oder Transparenz fallen dabei in die Kategorie ‚schlechter Witz’, und was den Wettbewerb angeht, können die anderen ja auch sehen, wo sie soviel Kohle herbekommen.</p>
<p>Um diesen Irrsinn zu kritisieren, muss man nicht die Traditionskeule auspacken. Aber man muss sich vielleicht auch ein wenig mehr anstrengen als der von uns so verehrte Hans Meyer. Auf der <a href="http://www.kicker.de/news/video/2000919/video_hans-meyer-verteidigt-mateschitz.html" target="_blank">Nürnberger Veranstaltung</a> wiederholte er das Argument, das einem auch in Diskussionen mit Kulturindustrie-Theoretikern begegnet: So wie mit RB läuft das nun mal im Kapitalismus, und wer das ändern will, muss auf die Straße gehen. Mit Hans Meyer gehen wir natürlich überall hin, aber angemerkt sei schon, dass auch dieses Argument reichlich einfach ist. Damit tut man so, als gäbe es nur die Entscheidung zwischen Manchester-Kapitalismus und dem Paradies; als würden nicht auch in einer „freien Marktwirtschaft“ (Hans Meyer) Regeln gelten, die dann so oder so aussehen können. Und als könnte man nicht wenigstens versuchen, auf der Suche nach der besten Fußballmannschaft weiterhin ein wenig Sport und nicht nur Produktwerbung zu betreiben.</p>
<h2>Ausblick mit Tradition</h2>
<p>Da wir sonst ja <a href="https://twitter.com/zwangsbeglueckt/status/563775506227924993" target="_blank">kein Hobby</a> haben, ist uns aber auch aufgefallen: Irgendwas scheint an diesem Traditionsding dran zu sein. Weshalb sonst versuchen die Kommerzvereine sonst so sehr, ihre eigene Tradition zu erfinden oder wenigstens zu beginnen? Wir behalten das mal im Auge. Vielleicht hat es doch etwas mit dem Wissen darum zu tun, dass ein Verein nicht einfach so von selbst hundert Jahre lang besteht. Dazu gehören eine Menge Leute, die sich engagieren, die auch jede Menge langweiligen Kram erledigen und auch sonst viel Zeit haben. Und vermutlich lässt sich ein Verein auch nicht über Jahrzehnte allein von oben lenken, während von unten nur Applaus und das Eintrittsgeld erwartet werden. Das alles ist aber dann höchstens in zweiter Linie eine Frage von Tradition. Sondern von Beginn an eine Frage des Stils.</p>
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		<title>Eingliedern durch Ausgliedern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[ansgar]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Dec 2014 12:33:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Sportlich ist RB Leipzig längst im Zweitligaalltag angekommen – Mitbewerber um das oberste Tabellendrittel, Aufsteiger unter drei ausnehmend guten Neulingen in dieser Saison und Teilnehmer an Spitzenspielen. Das ist Sport, Wettbewerb erzeugt Vergleichbarkeit. Die jüngste Ausgliederung der Leipziger Profiabteilung kann als bemerkenswerter Ausdruck im Ringen nach Normalität auf einem anderen Terrain gedeutet werden, dem Profifußball als &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2014/12/11/eingliedern-durch-ausgliedern/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Eingliedern durch Ausgliedern</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sportlich ist RB Leipzig längst im Zweitligaalltag angekommen – Mitbewerber um das oberste Tabellendrittel, Aufsteiger unter drei ausnehmend guten Neulingen in dieser Saison und Teilnehmer an Spitzenspielen. Das ist Sport, Wettbewerb erzeugt Vergleichbarkeit.</p>
<p>Die jüngste Ausgliederung der Leipziger Profiabteilung kann als bemerkenswerter Ausdruck im Ringen nach Normalität auf einem anderen Terrain gedeutet werden, dem Profifußball als wirtschaftliche Branche. RB Leipzig müht sich redlich, die schmutzigen Kleider des Investorenspielzeugs abzulegen, um mit den anderen Kindern nach den hiesigen Regeln des Fußballgeschäfts zu spielen. RB Leipzigs Strategie basiert dabei auf den Erfahrungen des bisherigen Sportengagements von Red Bull – und denen von Ralf Rangnick.</p>
<p><span id="more-395"></span></p>
<h3>Formel 1-Gleichung geht auf</h3>
<p>Erfolgreiche Männer gefallen sich bekanntlich in der &#8220;Hoppla, hier komm ich&#8221;-Pose. Diese wählten der Gebieter und sein Imperium auch, als sie 2005 begannen, ihr erfolgreiches Sportmarketing auf eigene Teams in den sogenannten &#8220;Biersportarten&#8221; auszuweiten. In diesem Jahr übernahm man den Jaguar-Rennstall in der Formel 1 und den österreichischen Erstligisten Austria Salzburg. Den Einstieg in die zwei werbewirksamen TV-Märkte gestaltete man, wie man es von den bisherigen Engagements gewohnt war: Radikalkur in Sachen Farben und Auftreten, selbstbewusste Statements an die Mitbewerber und eine Untermauerung des eigenen Anspruchs durch die Verpflichtung arrivierter Branchengrößen (David Coulthard in der F1, die <a href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/10/08/mia-san-geschaftspartner/">Bayern-Resterampe im Fußball</a>).</p>
<p>Diese Strategie ging in der Formel 1 wenig überraschend ganz gut auf. Zum einen sind Rennställe seit jeher auf die finanzielle Gunst und Selbstdarstellungsfreude von Investoren angewiesen. Die Formel 1 zieht ihren Reiz ja geradezu aus dem Unnötigen, dem Übertriebenen, dem Jet Set, weswegen sie auch Probleme hat, Sechszylinder-Turbo-Motoren ohne infernalischen Lärm an ihre Kundschaft zu vermitteln. Red Bull stellte schon 2006 ein zweites Team, weil die Lizenz frei wurde, man das Geld hatte und es vor allem niemanden störte. Man kombinierte die eigene Jugendarbeit im Rennsport mit den eigenen Cockpits in der Königsklasse und warb im selben Jahr mit <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Adrian_Newey" target="_blank">Adrian Newey</a> den besten Formelrennwagen-Konstrukteur seiner Generation an (zehn Konstrukteurs-Titel mit drei Rennställen).</p>
<figure id="attachment_400" aria-describedby="caption-attachment-400" style="width: 640px" class="wp-caption aligncenter"><a href="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/vettel_monza2008_janebelindasmith_cc30.jpg"><img loading="lazy" class="wp-image-400 size-full" src="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/vettel_monza2008_janebelindasmith_cc30.jpg" alt="vettel_monza2008_janebelindasmith_cc30" width="640" height="480" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/vettel_monza2008_janebelindasmith_cc30.jpg 640w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/vettel_monza2008_janebelindasmith_cc30-300x225.jpg 300w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption id="caption-attachment-400" class="wp-caption-text">Ein gewisser Sebastian Vettel gewinnt 2008 im &#8220;kleinen&#8221; Red Bull-Team Toro Rosso in Regen von Monza sein erstes Formel 1-Rennen &#8211; und düpierte damit die &#8220;große Schwester&#8221; Red Bull Racing. Die feierten ihren ersten F1-Sieg 2009, durch ebenjenen Vettel.  Quelle: <a href="https://www.flickr.com/photos/near_fantastica/" target="_blank">Jane Belinda Smith/flick</a>r / <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank">CC-BY-2.0</a></figcaption></figure>
<p>Red Bulls Formel 1-Engagement ist bis heute ein voller Erfolg, weil der hochpreisige Spitzenmotorsport nicht viel mehr Regeln kennt außer &#8220;Verscherze es Dir nicht mit Bernie&#8221;.  Wer sein Geld hier anlegen will, soll es gern tun, und wer das mit sehr viel Geld macht, wird bald sehr viel Erfolg haben.</p>
<h3>Verkalkuliert in Salzburg</h3>
<p>Parallel zu den dominierenden Jahren in der Formel 1 lernte Red Bull schmerzhaft, dass die Erfolgsformel für Fußballsponsoring wohl etwas komplizierter ist. Vier Meistertitel und zwei Pokalsiege klingen zwar nicht nach Misserfolg, aber gemessen an den eigenen Zielen gab es zwei schmerzliche Niederlagen: Die unerwartet heftigen Reaktionen auf die Neupositionierung der Marke und das beständige Verfehlen des wichtigsten Ziels Champions League-Qualifikation.</p>
<p>Red Bull hatte sich zunächst schlicht verkalkuliert. Selbst im sehr investorenlastigen österreichischen Fußball bedeutete Red Bulls Auftreten in Salzburg eine neue Qualität. Am ersten Saisonspieltag liefen Walking Acts auf Stelzen umher, auf allen Werbebanden prangte das Logo von Red Bull, und zwei Radiomenschen kommentierten das Spiel live über die Stadionlautsprecher, bis der Schiedsrichter es unterband (!), und die Austria, die über 70 Jahre in violett gespielt hatte, lief in weiß-rot auf (bei <a href="https://www.youtube.com/watch?v=h4pTnvy8uNg" target="_blank">11Freunde-TV wurde das neulich anschaulich nacherzählt</a>).</p>
<p>In der Rechnung aus strukturellem Engagement, nahmhaften Verpflichtungen und der Eventisierung der Produktpräsentation blieb ein Faktor unberücksichtigt: die bestehenden Fans. Dass denen eine komplette Neupositionierung ohne Ankündigung oder Dialog nicht schmecken würde, hatte man schlicht vernachlässigt, da man sich ohnehin eine eigene Kundschaft aufzubauen gedachte. Den Fehler, bestehende Vereinsfarben zu ändern, sollte Red Bull jedenfalls beim nächsten Anlauf nicht wieder begehen.</p>
<p>Aber auch sportlich konnte man aus dem Fußballengagement in Salzburg jede Menge lernen. Zum Beispiel, dass große Namen wie Trapattoni oder Matthäus nicht automatisch Erfolg bringen, und dass nicht jeder Trainer Lust hat, <a href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/08/26/schlussstrich-statt-verantwortung/" target="_blank">sich vom Leistungsdiagnostiker die Arbeit diktieren zu lassen</a>. Oder dass gute Leistung Kontinuität braucht; die hatte man bis 2012 nämlich nicht. Und auch, dass im Fehlerspiel Fußball auch die beste Vorbereitung in einem im Grunde unerklärlichen Ausscheiden gegen Düdelingen münden kann.</p>
<p>Beide Fehler gründen im selben Problem: Red Bull fehlt(e) im Fußball etwas, das in der deutschen Sprache mit dem schönen Wort &#8220;Stallgeruch&#8221; bezeichnet wird. Während Red Bull schon seit 1995 Formel 1-Teams und -fahrer sponsorte und in Mateschitz&#8217; Leidenschaft für Speed und Flugzeuge einen konkreten Bezug zur Rennsportkultur hatte, fehlte der im Fußball vollkommen. Die Art, Sponsoring zu denken, mit Kunden und Mitbewerbern zu reden und das allgemeine Verhalten passten zwar in den auf Geld und erfolgreiche Individualisten zugeschnittenen Motorsport, aber nicht in den Fußball. Hier wunderte man sich gegenseitig über das Auftreten, musste Beziehungen erst mühsam aufbauen und hat bis heute massive Probleme, von Mitbewerbern und Fans als „jemand der dazugehört“ wahrgenommen zu werden.</p>
<figure id="attachment_402" aria-describedby="caption-attachment-402" style="width: 640px" class="wp-caption aligncenter"><a href="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/tag_der_offenen_tc3bcr_red_bull_salzburg_ccby30.jpg"><img loading="lazy" class="wp-image-402 size-full" src="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/tag_der_offenen_tc3bcr_red_bull_salzburg_ccby30.jpg" alt="Tag_der_offenen_Tür_Red_Bull_Salzburg_ccby30" width="640" height="426" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/tag_der_offenen_tc3bcr_red_bull_salzburg_ccby30.jpg 640w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/tag_der_offenen_tc3bcr_red_bull_salzburg_ccby30-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption id="caption-attachment-402" class="wp-caption-text">Was Red Bull im Sommer 2009 so alles auffuhr, um seinen neuen Fußballverein zu bewerben: Hüpfburgen, Torwände und kostenlose Brause für die Kleinen, Mittelklassewagen und Bierbänke für die Großen. Der infernalische Vielklang anlassloser Familienbeschäftigungs-lass-uns-da-doch-mal-hinschauen-Ausflüge. (Hhier zum Tag der offenen Tür im Juli 2009 sogar auf dem Rasen.) Quelle: <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AEM_Stadion_Wals-Siezenheim(Tag_der_offenen_T%C3%BCr_Red_Bull_Salzburg).JPG" target="_blank">Wikimedia</a>-User Werner100359 / <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/" target="_blank">CC-BY-3.0</a></figcaption></figure>
<h3>Kurskorrektur in Leipzig</h3>
<p>Mit der Gründung in Leipzig 2009 wurde nicht nur ein größerer Markt anvisiert, sondern auch gleich das Gelernte umgesetzt. Es erfolgte eine Neugründung auf Profifußball-neutralem Terrain mit guter Infrastruktur (WM-Stadion, Autobahnkreuz &amp; Flughafen). Gut, das <span class="_5yl5">Personalkarussel drehte sich zu Beginn doch ein bisschen arg schnell. Im Rahmen der Strategieänderung, in der Leipzig die neue Nummer 1 in der Red Bull-Fußballsparte wurde, wechselte es im Präsidium und auch auf der Trainerbank in den ersten drei Jahren recht häufig. </span>Mit Ralf Rangnick kam 2012 ein Mann, der das abstellte und auch das Problem &#8220;fehlender Stallgeruch&#8221; und seine Lösung kannte.</p>
<p>Mit Ulm und Hoffenheim hatte der im testosteronlastigen Bundesligajournalismus &#8220;Professor&#8221; verschrieene Trainer jeweils Aufsehen erregende Durchmärsche in höherklassige Ligen geschafft. Die Mittel auf dem Platz waren dabei jeweils ähnlich: attraktiver, ballorientierter Offensivfußball, basierend auf einem Kader aus jungen, entwicklungsfähigen, hungrigen Spielern. Im Sommer eingestellt, installierte Rangnick mit Roger Schmidt und Alex Zorniger zwei Trainer, von denen er wusste, dass sie hohes Pressing trainieren können und die sich nach guten Leistungen in kleineren Karrierestationen auf dem nächsten Level beweisen wollten. Nach dem enttäuschenden Ausscheiden gegen Düdelingen krempelte man zudem den Salzburger Kader um und investierte in junge Spieler. Man zahlte unter anderem 3 Millionen Euro, um Kevin Kampl aus seinem gerade einmal zwei Monate alten Vierjahresvertrag mit dem VfR Aalen zu kaufen.</p>
<p>Rangnick hat also offenbar eine plausible Idee von Fußball und Kaderplanung und war willens, diese sofort umzusetzen. Sein Wert in Sachen Stallgeruch ist allerdings ein anderer. Vor allem mit Hoffenheim und der launigen Diva Schalke (gleich 2 Mal!) hatte Rangnick gelernt, das Repräsentieren und Umsetzen dieser Ideen an andere Faktoren als die Leistung auf dem Platz anzupassen. Die Macht symbolischer Gesten (und wen sie erzürnen) lernte er durch seine <a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/ehrenrunde-mit-folgen-rangnick-fuehlte-sich-getrieben-a-390136.html" target="_blank">berühmte Stadionrunde</a>. Was er in Hoffenheim zudem lernte, ist für Red Bulls Fußballengagement sehr viel wichtiger: Wenn Du neu an die Schule kommst, stell Dich mit den Beliebten gut.</p>
<h3>Wie RB Leipzig mit den anderen Kindern spielt</h3>
<p>Hoffenheim hat ja alle Aufgeregtheiten, die seit August landauf, landab durchs Dorf getrieben werden, schon einmal heraufbeschworen. Und wie haben der Sohn einer liebenswerten Frau und sein Kindheitstraum es geschafft, trotz des hunderte Millionen Euro schweren Investments in einen flugs bis ins 19. Jahrhunderte zurückdatierten Turnverein heute ein zumindest in der Branche akzeptierter Bundesligist zu sein? Sie haben früh begonnen, den Regeln des Geschäfts zu folgen.</p>
<p>Ähnlich wie damals Hoffenheim bemüht sich heute auch RB Leipzig um Sponsoren, deren wirtschaftliche Verbindungen und Image viel wichtiger ist als der finanzielle Beitrag, den sie leisten. Bestes Beispiel dafür ist der Hoffenheim-Trikotsponsor von 2008 bis 2010, TV digital. Das Blatt kam damals aus dem Hause Springer und ist außerdem bis heute langjähriger Kooperationspartner von Sky, dem Pay-TV-Sender, der die Bundesligarechte innehält. Im Grunde gibt es keinen besseren Medienpartner als Brustsponsor, wenn man neu in der Branche ist. Über die Höhe der Summe, die im Gegenzug für zwei Spielzeiten auf der Hoffenheimer Brust floss, schwiegen sich beide Seiten aus. Die <a href="http://www.bild.de/sport/fussball/vertrag-mit-hauptsponsor-bis-2012-verlaengert-6969618.bild.html" target="_blank">BILD-Zeitung ordnetet Hoffenheim in einer Tabelle der Trikotsponosringeinnahmen</a> 2009 auf den drittletzten Platz, mit 2,5 Millionen Euro pro Saison &#8211; nicht einmal halb so viel wie vergleichbare Mitbewerber.</p>
<figure id="attachment_399" aria-describedby="caption-attachment-399" style="width: 600px" class="wp-caption aligncenter"><a href="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/tvdigital_hoffenheim_copyright_springerpresseservice.jpg"><img loading="lazy" class="wp-image-399 size-full" src="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/tvdigital_hoffenheim_copyright_springerpresseservice.jpg" alt="tvdigital_hoffenheim_copyright_springerpresseservice" width="600" height="400" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/tvdigital_hoffenheim_copyright_springerpresseservice.jpg 600w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/tvdigital_hoffenheim_copyright_springerpresseservice-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><figcaption id="caption-attachment-399" class="wp-caption-text">Eine Pose klassisch, wie die Scheckübergabe an gemeinnützige Projekte. Es freuen sich von links nach rechts: Ralf Rangnick, Jochen Beckmann, der Verlagsgeschäftsführer Programmzeitschriften Axel Springer, Stephan Zech, Verlagsleiter TV DIGITAL und TV GUIDE und Hoffenheims Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus. Quelle: Springer <a href="http://www.axelspringer.de/presse/TV-DIGITAL-neuer-Haupt-und-Trikotsponsor-der-TSG-1899-Hoffenheim_102151.html" target="_blank">Presse Service / Copyright</a></figcaption></figure>
<p><a href="http://www.zeit.de/sport/2014-10/rb-leipzig-volkswagen-porsche-sponsoring" target="_blank">Oliver Fritsch von der ZEIT</a> hatte die geistige Verwandschaft des RB- Porsche/VW-Deals in diesem Zusammenhang bereits im Oktober auf den Punkt gebracht:</p>
<blockquote><p>Wie könnte sich Red Bull besser etablieren als mit einem Autosponsor, dem üblichen Modell in der Bundesliga? Wie könnte Red Bull normaler werden als mit Volkswagen?</p></blockquote>
<p>Nachholbedarf hat RB Leipzig allerdings noch in der zweiten wichtigen Wertungsklasse des Normalwerdens im Profifußball: den Verband umgarnen. Hier hat es Hopp, ein Milliardär alter Schule, erstaunlich weit gebracht. Der SAP-Gründer hat es geschafft, der Nationalmannschaft für das Abschlusstrainingslager zur EM 2012 ein Grundstück zur Verfügung zu stellen und dabei <a href="http://www.press-schlag.de/2011/10/04/der-dfb-und-dietmar-hopp/" target="_blank">&#8220;seinen Einfluss auf französische Lokalpolitiker geltend gemacht&#8221;</a>, um dem DFB das Mannschaftshotel zu einem günstigeren Preis zu verschaffen. Nette Geste im Profifußball; in der Politik verliert man für solche Gefälligkeiten sein Amt, also außerhalb Bayerns.</p>
<h3>Geburtsfehler korrigiert</h3>
<p>Die nun erfolgte Ausgliederung in eine Spielbetriebs-GmbH dient dazu, RB Leipzig in beiderlei Hinsicht normaler zu machen. Zum einen kann man erheblich leichter an andere Sponsoren herantreten und vor allem langfristige Kooperationen aufbauen, wenn man dafür auch Anteile am Projekt vergeben kann. VW dürfte dafür jetzt schon ein heißer Kandidat dafür sein, wenn die DFL den mehrfachen Minderheitsbeteiligungen VWs nicht vorher in die Quere kommt.</p>
<p>Außerdem wird mit der Ausgliederung das abenteuerliche Vereinskonstrukt, <a href="http://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/08/12/umgeschminkt-3-bronze-silber-und-gold-hab-ich-nie-gewollt/" target="_blank">über das wir uns unter anderem hier lustig gemacht haben</a>, unwirksam. Außer kleineren Mäkeleien am Logo war das Vereinskonstrukt der größte Stein des Anstoßes für DFB und DFL. Formal war die 50+1-Bestimmung nicht auf eingetragene Vereine ohne Kapitalgesellschaft anwendbar, weshalb einige Clubs von einem Unterwandern der Regel durch RB Leipzig sprachen. Mit der rückwirkenden Ausgliederung hat sich RB nun freiwillig aus dieser rechtlichen Grauzone manövriert, <a href="http://www.mdr.de/sport/fussball_bl/rb-leipzig-gmbh102.html" target="_blank">wie der MDR einen Sportrechtsanwalt analysieren lässt</a>.</p>
<p>Die Ausgliederung korrigiert den letzten Geburtsfehler des Projekts RB Leipzig und der Fußballstrategie des Red Bull Sportmarketings und macht die Franchise damit fit für die branchenüblichen Gepflogenheiten. Egal ob auf Fan-Ebene gestritten wird, ob RB eine Chance nutzt, im Profifußball etwas anders und besser zu machen; oder ob man glaubt, mit RB sei der Profifußball endgültig degeneriert. Das interessiert die Karl Hopfners, Brian Sullivans und Francisco Garcia Sanz&#8217; des Profigeschäfts wenig. Dabei ist, wer Kohle macht. Denn wie schon bei anderen Formen der Ab- und Ausgrenzung gilt: Soll sich doch der Pöbel die Köpfe einschlagen, wir machen hier in Ruhe miteinander Geschäfte.</p>
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		<title>Eher Wum als Wim</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chassot]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Nov 2014 10:49:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[handzahm]]></category>
		<category><![CDATA[konzernintern]]></category>
		<category><![CDATA[Punkrock]]></category>
		<category><![CDATA[Show]]></category>
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		<category><![CDATA[student]]></category>
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					<description><![CDATA[Man muss schon anerkennend sagen: Bei RB passt alles zusammen. Allen ist alles egal, wenn es nur Kohle oder ‚Erfolg’ bringt, und noch das kleinste Licht erstrahlt gleich viel heller, sobald es mit RB in Berührung kommt. Wer sich von einem weiteren Detail dieses Gesamtkunstwerks überzeugen will, dem sei die aktuelle Ausgabe des „student!“ empfohlen. Darin &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2014/11/24/eher-wum-als-wim/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Eher Wum als Wim</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Man muss schon anerkennend sagen: Bei RB passt alles zusammen. Allen ist alles egal, wenn es nur Kohle oder ‚Erfolg’ bringt, und noch das kleinste Licht erstrahlt gleich viel heller, sobald es mit RB in Berührung kommt. Wer sich von einem weiteren Detail dieses Gesamtkunstwerks überzeugen will, dem sei die aktuelle Ausgabe des <a href="http://student-leipzig.de" target="_blank">„student!“</a> empfohlen. Darin wird der RB-Stadionsprecher <a href="http://www.timthoelke.de/musik/" target="_blank">Tim Thoelke</a> interviewt.</p>
<p><span id="more-386"></span>(Unseren jüngeren Lesern sei an dieser Stelle erklärt: Es gab mal in der heilen Welt der Bundesrepublik einen Showmaster namens <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wim_Thoelke" target="_blank">Wim Thoelke</a>. Den armen Kerl wollen wir hier gar nicht weiter hineinziehen, aber doch noch an seinen Hund <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wum_(Zeichentrick)" target="_blank">Wum</a> erinnern, mit dem er <a href="https://www.youtube.com/watch?v=bC_WvHt81yI" target="_blank">Dialoge</a> führte, die&#8230; nun ja, es ist alles lange her.)</p>
<p>Am schenkelkrachenden Niveau seines „Künstlernamens“ kann man sich ganz gut orientieren, wenn man Thoelkes Welt verstehen will. In der wimmelt es nur so von Shows und Projekten und Ideen, sodass der Interviewer am Ende selbst zu glauben scheint, hier jemanden von Format und Bedeutung vors Mikrofon bekommen zu haben.</p>
<h2>Sich selbst der größte Fan</h2>
<p>Thoelke nutzt diese Gelegenheit natürlich schamlos aus und ergeht sich in Elogen auf sich selbst: „Ich habe auch ein paar allgemein bekannte Sachen entwickelt“. Leipzig-Fernsehen, eine Raterunde im Studentenklub und neuerdings noch eine „Comedy Roast Show“ – es ist schlichtweg ein Skandal, dass Thoelke nicht als Retter von „Wetten dass&#8230;?“ im Gespräch war.</p>
<p>Thoelke ist das, was Rangnick wirklich meint, wenn er von seinen <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/a-597555-2.html" target="_blank">„blue chips“</a> träumt. Thoelke weiß das, aber offen würde er sich nie loben („Ich bin auch nicht ganz blöd“). Und auch von seiner Klamotte will er eigentlich nicht viel reden. Nur so viel sei angemerkt – sein Anzug ist in zwischen „Kult geworden“. Quelle dieses Urteils: Thoelke selbst.</p>
<figure id="attachment_390" aria-describedby="caption-attachment-390" style="width: 510px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/tim_thoelke.jpg"><img loading="lazy" class="size-full wp-image-390" src="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/tim_thoelke.jpg" alt="„Tim Thoelke“ von Marcus Hohnstein - http://www.timthoelke.de/fotos/. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tim_Thoelke.jpg#mediaviewer/File:Tim_Thoelke.jpg" width="510" height="510" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/tim_thoelke.jpg 510w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/tim_thoelke-150x150.jpg 150w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/tim_thoelke-300x300.jpg 300w" sizes="(max-width: 510px) 100vw, 510px" /></a><figcaption id="caption-attachment-390" class="wp-caption-text">„Tim Thoelke“ von Marcus Hohnstein &#8211; http://www.timthoelke.de/fotos/. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 über Wikimedia Commons &#8211; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tim_Thoelke.jpg#mediaviewer/File:Tim_Thoelke.jpg</figcaption></figure>
<p>Aber auch die sonst so krittelige „unabhängige Leipziger Hochschulzeitung“ scheint diese Sicht zu teilen. „Majestätisch schreitet die Gestalt im knallroten Anzug über den hell beleuchteten Rasen. Hinter ihr treten 22 athletische Menschen langsam aus dem weißen Rauch, der aus dem Spielertunnel ins Stadion quillt. Tosender Applaus bricht aus, als Stadionsprecher, Moderator und DJ Tim Thoelke die Fußballmannschaften zum Heimspiel in der Red-Bull-Arena begrüßt“.</p>
<p>Solch ein Schmus wäre selbst Guido Schäfer zu viel, aber Thoelke wird es vermutlich freuen. So was fällt für ihn unter Erfolg, und der bemisst sich nicht in Feinheiten oder Qualität. Schließlich würde er gern einmal Frank Farian interviewen, weil der „hat insgesamt eine Milliarde Tonträger verkauft und das ist eine Hausnummer, über die man reden kann“.</p>
<p>Solche Gedankenwelten sind das natürliche Habitat von RB. Bisschen locker, bisschen lässig, aber immer nach vorn. Auch wenn ‚vorn’ am Ende nur der Boulevard der Leipziger Kleinkunst ist, und man selbst in eher schmerzfreien Unterwelten wie der Poker-Szene nur noch schlecht gelitten ist.</p>
<h2>Punkrock oder Skater? Hauptsache Red Bull!</h2>
<p>Der eigentliche Höhepunkt des Interviews versteckt sich aber irgendwo in der Mitte. Thoelke gibt da den politisch Aufrechten, nie habe er deshalb mit RB irgendein Problem gehabt: „Ich habe viel mehr ein Problem damit, wenn irgendwelche Fans beispielsweise eine rechte Szene haben, gerade im Bezug auf das Thema Punkrock“. Der alte Rocker weiß aber auch, dass Tradition im Hause Mateschitz gern gesehen wird: „Außerdem komme ich aus der Skater-Ecke und dort ist Red Bull sowieso schon immer irgendwie mit verhaftet gewesen.“</p>
<p>Das allein ist schon toll. Aber dann wird es noch großartiger, wenn Thoelke alles wieder kunstvoll einreißt, was er eben noch an heiler Welt aufgebaut hat. Denn ebenso, wie man Thoelke fast mit einem echten Entertainer verwechselt hätte, klang das alles bei RB nach einem Fußballverein. Aber da belehrt uns Meister Wum mit schlichten Worten eines besseren:</p>
<blockquote><p>„Abgesehen davon arbeite ich weder für ein Atomkraftwerk, noch für einen Heroinhändler, sondern für eine Getränkemarke.“</p></blockquote>
<p>Na dann. Sport frei.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Greisenflirt im Disneyland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jaygopp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2014 14:35:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[handzahm]]></category>
		<category><![CDATA[konzernintern]]></category>
		<category><![CDATA[Anzeigenkunde]]></category>
		<category><![CDATA[Glaubwürdigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Guido Schäfer]]></category>
		<category><![CDATA[Jan Emendörfer]]></category>
		<category><![CDATA[Lokaljournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[LVZ]]></category>
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					<description><![CDATA[„Ich bin sogar Chefreporter, die wollen mich lebenslang behalten!“, durfte LVZ-Sportredakteur Guido Schäfer im Oktober verkünden, als ihn Moderatorin Esther Sedlaczek vor Anpfiff und nach dem Halbzeitpfiff des RB-Heimspiels gegen Heidenheim vor die Sky-Kamera einlud. Um jedweden Kompetenzzweifeln schon vorab den Garaus zu machen: Der phänomenale Aufstieg des fidelen RB-Maskottchens ist nur folgerichtig, hat in &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2014/11/10/greisenflirt-im-disneyland/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Greisenflirt im Disneyland</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Ich bin sogar Chefreporter, die wollen mich lebenslang behalten!“, durfte LVZ-Sportredakteur Guido Schäfer im Oktober verkünden, als ihn Moderatorin Esther Sedlaczek vor Anpfiff und nach dem Halbzeitpfiff des <a href="https://twitter.com/schfer_g/status/519472743302311937">RB-Heimspiels gegen Heidenheim vor die Sky-Kamera</a> einlud. Um jedweden Kompetenzzweifeln schon vorab den Garaus zu machen: Der phänomenale Aufstieg des fidelen RB-Maskottchens ist nur folgerichtig, hat in der aktuellen Spielzeit neue Höhepunkte erreicht und soll deshalb hier besonders gewürdigt werden.<br />
<span id="more-360"></span></p>
<h2>Endlich im Rampenlicht</h2>
<p>Nach einer langjährigen Zweitligakarriere in Mainz, der <a href="https://twitter.com/schfer_g/status/454904480442896385/photo/1">DFB-A-Lizenzinhaberschaft</a>, einem BWL-Abschluss, dem Volontariat bei der Mainzer Allgemeinen Zeitung und der schon über ein Jahrzehnt währenden umtriebigen Recherchen im Tag- und Nachtleben des Leipziger Fußballs (<a href="http://www.rb-fans.de/artikel/20120201-Guido-Schaefer-Interview.html">1</a>, <a href="http://www.rb-fans.de/artikel/20120202-Guido-Schaefer-Interview-Teil2.html">2</a>) mausert Schäfer sich nun zum gern gewonnenen Fernsehgast. Egal ob plauderfreudig im <a href="http://www.regio-tv-stream.de/lf/luebberts/index.php?date=20130626&amp;year=&amp;forcevod=1">„Leipzig Fernsehen“</a>, bei einer Kochsendung auf <a href="http://www.info-tv-leipzig.de/mixed/allgemeines/achims-gerichtekueche-mit-guido-schaefer/">„Info TV“</a>, als schrulliger Anchor des <a href="https://www.google.de/search?q=MDR+Sch%C3%A4ferst%C3%BCndchen&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;aq=t&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a&amp;channel=fflb&amp;gfe_rd=cr&amp;ei=9SJaVOD8AauF8Qef1IGoBg">MDR-„Schäferstündchen“</a> oder nicht zuletzt im Gewand des RB-Vertrauten auf Sky. Endlich. Denn im Rampenlicht fühlt er sich augenscheinlich am wohlsten.</p>
<p>Jedoch wie kaum anders zu erwarten, nutzte der 50-Jährige seine kurzen Minuten im Pay-TV-Rampenlicht einerseits, um das bemüht bedeutungsschwere Mantra wiederzukäuen, warum Leipzig bitteschön Bundesligafußball „verdient“ (!) habe. Weil ja der erste Deutsche Meister aus der Stadt kommt und sowieso der DFB ja auch hier gegründet wurde. Bekanntlich liegen diese Ereignisse mehr als ein Jahrhundert zurück. Allzu nachvollziehbar also, „dass es mir relativ egal ist, ob Red Bull oder Nivea Leipzig“ nun ähnliche Meisterstücke vollbringen wird. Gäääääähnende Pseudo-Indizien, die so verschlissen wie sein herbstfarbener Allzweckmantel daherkamen.</p>
<figure id="attachment_368" aria-describedby="caption-attachment-368" style="width: 842px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.flickr.com/photos/cessemi/2079977086/in/photolist-4nCyc-d9RRpV-d9RRrr-hqCEqD-7pBCMr-dw6D8s-Mb96Z-mNJMiF-4UK6PC-hgeZbL-d8e57J-hWX3qc-4aNqHU-o9pkSQ-iRrcp-oPsnB7-f8qrpk-8AMMBL-867diu-dv6sAL-4Sjiv-6E5D8L-btMAnf-5navnc-foSSS2-ao4qeS-5naxf2-sJU88-ao1n4H-4KDuyU-3DqSK-aTxfgH-dB8PW-87JnLS-6XRfNd-87F9Fx-dB8S8-7c3buz-kc2aeq-8suo6V-Wi528-ajZDTJ-JAQCF-87K2r1-6PBvyt-dvKABn-5naywp-6M1jf6-2wcoLc-e7VmGD"><img loading="lazy" class="size-large wp-image-368" src="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/2079977086_9cbe63be1c_o1.jpg?w=842" alt="foto: emily tan | flickr" width="842" height="631" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/2079977086_9cbe63be1c_o1.jpg 2048w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/2079977086_9cbe63be1c_o1-300x225.jpg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/2079977086_9cbe63be1c_o1-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 842px) 100vw, 842px" /></a><figcaption id="caption-attachment-368" class="wp-caption-text">foto: emily tan | flickr</figcaption></figure>
<p>Andererseits schien es ihm überhaupt viel wichtiger, sich im eigenen Klischee zu suhlen, das der Kreuzer (<a href="http://kreuzer-leipzig.de/2013/11/27/editorial-122013/">Ausgabe 12/2013</a>) einst wohl nicht zu unrecht als Selbstinszenierung des „prolligen Luden im Lodenmantel“ identifizierte. „Wir sehen tollen Fußball und haben schöne Frauen hier“, griente er mit lustmolchigen Seitenblick zur Moderatorin. Aber selbst der bis zum Bauchnabel bestens ausgeleuchtete V-Ausschnitt seiner bronzegebräunten Brust erweichte die sichtlich irritierte Sedlaczek nicht zum ohnehin schon derb misslungenen Greisenflirt. Traurigen Auges musste Schäfer einsehen: „Alte Männer werden gesiezt.“</p>
<h2><strong>Im Zweifel Untertan</strong></h2>
<p>Immerhin. Auch wenn das Candle-Light-Dinner mit der TV-Kollegin nur ein feuchter Tagtraum bleiben sollte: Ihm war nicht vorzuwerfen, es nicht wenigstens probiert zu haben. Ganz anders im Tagesgeschäft. Stets geriert er sich als Vertrauter der exklusivsten Gesprächspartner und unermüdlich aufdeckender Reporter, dem Breaking News nur so aus den Fingern fließen. „Der Rangnick holt im Winter zwei, drei Raketen. Und wenn er das wieder hört, will er mich töten“, wies der Draufgänger aus. Doch weder hat es erhöhten Nachrichtenwert, dass eh schon getätigte Millionentransfers wie Massimo Bruno und Marcel Sabitzer oder ambitionierte Spieler wie Kevin Kampl früher (Winterpause) oder später (nach dem Bundesliga-Aufstieg im kommenden Sommer) von der Salzburger in die Leipziger Filiale übersiedeln. Noch landet man einen nicht für möglich gehaltenen Scoop, wenn der gemeinhin wortkarge 100 Prozent-Klubeigener Mateschitz zur Interviewaudienz bittet (LVZ, 08.05.2014). Im Gegenteil. Es ist ein übler journalistischer Frevel, sich bei dieser Gelegenheit für dessen Herumpoltern und Erpressen der DFL instrumentalisieren zu lassen, anstatt kritisch nachzuhaken oder wenigstens objektiv über Statuten, Lizenzierung oder die Aushöhlung von Paragraphen zu schreiben.</p>
<p>Zugegeben, die Verantwortlichen des Leipziger RB-Ablegers machen es den hiesigen Pressevertretern ja auch keineswegs leicht. Es dürfte entmutigend wirken, wenn oben auf der Hierarchiepyramide des e.V. weiterhin konzernabhängige Vereinsvorstände und Aufsichtsräte thronen, an deren intransparenter Omerta sich tatsächlich recherchierende Journalisten und unabhängige Vereinsmitglieder (wenn es diese denn gäbe) sowieso die Zähne ausbeißen würden.</p>
<p>Für das fußballerische Entertainment wiederum sind – freilich außerordentlich erfolgreich – Doppel-Sportdirektor Ralf Rangnick und Cheftrainer Alexander Zorniger verantwortlich. Letzterer machte vor kurzem im Zuge des Bochum-Spiels seinem Unmut über die sportliche Berichterstattung Luft. Mit überzogenen Erwartungen, viel zu kritisch und überhaupt inkompetent bis ins Mark informiere die Berichterstattergilde. (Seine etwas überangestrengte Dünnhäutigkeit sei ihm jedoch verziehen, da nicht wenige Vertreter der Zunft aus Unwissenheit, Brandstifterei oder tatsächlicher Inkompetenz ein völlig harmloses Scharmützel zwischen ihm und Peter Neururer zum dumpfen Kulturkampf aufbauschen wollten).</p>
<h2><strong>No-Go-Area für Romantiker, Statutenheinis und Ewiggestrige</strong></h2>
<p>Dennoch: Wo blieb beispielsweise der sonst so todesmutige Diplom-Betriebswirt Schäfer in jenen Momenten, als Zorniger freiwillig Pirouetten auf dem glatteisigen Finanzterrain schlug? <a href="https://www.youtube.com/watch?v=hrTQyJgj4q4">In der Pressekonferenz vor dem VfL-Spiel</a> (16.49min bis 17.04min) schwadronierte RB’s Cheftrainer, der letzte Gegner aus Nürnberg habe nicht nur einen „höheren Transferwert“, sondern „ich geh’ auch mal davon aus, einen höheren Etat. Was man ja kaum glauben mag bei uns.“ Hach, herrlich, die Kuh für eine neuerliche Milchmädchenrechnung stand bereit zur Melkung. „Da bringst du mich auf etwas, Alex“, hätte der Chefreporter einwenden können, „wie hoch ist denn eigentlich euer Etat und überhaupt […]?“ Bloß gut, dass der der PK-Saal (erneut) einem weihrauchgeschwängerten Andachtsraum glich, in welchem doch bitteschön von der guten Sache gepredigt werden soll, um den bösen Geistern – Romantiker, Traditionalisten, Statutenheinis, Ewiggestrige, Kritiker jeglicher Couleur &#8211; <a href="http://www.zeit.de/news/2014-10/06/fussball-rb-trainer-zorniger-halten-profi-fussball-den-spiegel-vor-06184603">„erst den Spiegel vorzuhalten“</a> und sie daraufhin geläutert verstummen zu lassen.</p>
<figure id="attachment_369" aria-describedby="caption-attachment-369" style="width: 842px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.flickr.com/photos/46239552@N00/5723140167/in/photolist-9HJAbt-dS7vn6"><img loading="lazy" class="wp-image-369 size-large" src="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/5723140167_ca7113dcf7_o.jpg?w=842" alt="foto: caratello | flickr | " width="842" height="631" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/5723140167_ca7113dcf7_o.jpg 3648w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/5723140167_ca7113dcf7_o-300x225.jpg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/5723140167_ca7113dcf7_o-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 842px) 100vw, 842px" /></a><figcaption id="caption-attachment-369" class="wp-caption-text">foto: caratello | flickr</figcaption></figure>
<p>Die erste Kirchenbank halten allzu oft LVZ-Redakteure für sich reserviert. Von dort aus verbreiten sie ohne Sichtbeschränkung die gute Nachricht, dass die Heldenstadt Leipzig dank eines Heilsbringers alsbald die europäische Fußballbühne betreten wird. Natürlich ist es unfair, über Guido Schäfer nur zu nörgeln. Zweifellos gebührt ihm der Status des bestens vernetzten, lokalen Unikums. Er verkörpert teils eine vortreffliche Rampensauigkeit und gibt dafür stets allzu bereit den charmant-harmlosen Chauvi. Er kann über sich selbst lachen und das Publikum mit ihm über ihn.</p>
<p>Wenn sich der rasende Reporter nicht gerade offenkundig als untertäniger Mateschitz-Biograph anbiedert (Bspw. „Visionär, Macher, Weltmarktführer“, in: LVZ, 29.10.2014, S. 54.; „Reine Chefsache“, in: LVZ-„Aufsteigermagazin der Rasenballer“, Juli 2014, S. 7.), leakt er auch schon mal exklusiv den (bislang noch nicht bestätigten) Zentralstadionausbau. Oder durchforstet mit einem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=80lHItL6mjs">MDR-Kameramann mühelos den Kühlschrank im Trainerkabuff</a> des Erfurter Walter Kogler, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=_UloqgBBO50">zieht blank vor dem leeren Dresdner K-Block</a>, um Dynamos Angreifer Comvalius zu imitieren und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=z2uk78gfQpA">fachsimpelt während eines FCE-Spiels mit den Pilzsammlern und Fans</a> auf den Hügeln hinter dem Auer Erzgebirgsstadion. Ungeduldig zählen wir die Tage herunter, bis RB schließlich im Oberhaus angekommen ist – einzig und allein, um Guido Schäfer dann Sonntagvormittags dabei zusehen zu dürfen, wie er am launigen Sport1-Fußballstammtisch Jörg Wontorra zuprostet.</p>
<h2><strong>Der Chefredakteur als erster Fan</strong></h2>
<p>Nicht minder vermessen ist es, der einzigen lokalen Tageszeitung vorzuwerfen, die Daumen für den hochklassigsten Fußballklub der Stadt zu drücken. Sportlicher Lokalpatriotismus und Freude über die Erfolge der Aushängeschilder lesen sich verständlicherweise landauf landab aus jedem Regionalblatt heraus. Und noch weniger soll dieser wehklagende Wunsch nach mehr Journalismus als hanebüchene Verschwörungstheorie missverstanden werden. Aber durchaus klärungsbedürftige Fragen zu stellen, scheint zu viel verlangt für „Fan(s)“ die „Lust auf spannende Spiele, tolle Tore und gute Laune“ haben. Diese Selbstbeschreibung der LVZ-Redaktion stammt von niemand anderem als Chefredakteur Jan Emendörfer (Zit. aus dem LVZ-„Aufsteigermagazin der Rasenballer“, Juli 2014, S. 3.).</p>
<p>Wer also tatsächlich hofft, dass <a href="http://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/07/30/ergebenheit-als-systembestandteil/">heikle Thematiken objektiv in der Leipziger Volkszeitung ausgefochten werden, wird dies vergeblich tun</a>. Dort interessiert sich niemand etwa für <a href="http://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/10/28/standardsituationen-der-rb-affirmation-3/">übertriebene Bundesliga-Wohlfahrtsversprechen von McKinsey</a>. Ebenso sucht keiner händeringend nach der Gemeinnützigkeit des e.V. oder recherchiert zu den Jahresbilanzen. Und am wenigsten wird dort abgeklopft, inwieweit die 50+1-Regel real Bestand hat, die Transfer- und Ausleihpraktiken den Rahmen des Möglichen gekonnt aushöhlen und welcher Drohgebärden des Gebieters und juristischer Winkelbegriffe es im Frühjahr 2015 wieder bedarf, wenn die Lizenz für das Fußballoberhaus in trockene Tücher gehüllt werden muss.</p>
<figure id="attachment_371" aria-describedby="caption-attachment-371" style="width: 842px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.flickr.com/photos/madhias/8838765494/in/photolist-5pXoU-85LvTW-nbRHz7-aFgTmo-68bCnE-c43QC9-9NmWZN-b5yDZ-mUBqtb-4aUF6X-bF6vJZ-5nHerb-8kGSF2-et3Z3w-nqLHXS-buVz74-39Xynb-3AQ2h2-68wr4n-nNB58e-8GkFyx-8mzoDv-feY8r9-b8AVGX-nsVL1c-b4SDAv-8WmJAs-o7Sygz-6DNihK-hJER4i-dBD1Z1-a8nEkd-EJLKZ-bvoZwg-7bVMzZ-6wrY3m-7bpmzm-7bZC5U-uX9L3-68pN3A-bsbtLh-hJDBJg-6XBLNr-7bkxBT-68pN37-7bnR6G-7bj41r-7bpm7h-7bnRWf-7bnRpQ"><img loading="lazy" class="wp-image-371 size-large" src="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/8838765494_342bb91ee3_o.jpg?w=842" alt="foto: madhias | flickr" width="842" height="561" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/8838765494_342bb91ee3_o.jpg 2697w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/8838765494_342bb91ee3_o-300x200.jpg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/8838765494_342bb91ee3_o-1024x683.jpg 1024w" sizes="(max-width: 842px) 100vw, 842px" /></a><figcaption id="caption-attachment-371" class="wp-caption-text">foto: madhias | flickr</figcaption></figure>
<p>Verlag und Zeitung lassen sich gekonnt willfährig instrumentalisieren und sind zudem in ein wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis geraten. Nicht nur, dass der Betreiber des örtlichen Profiklubs zu einem augenscheinlich wichtigen und gern gesehenen Geschäftspartner geworden ist, monatlich das auf Lifestyle getrimmte Konzernmagazin beilegt und regelmäßige – teils ganzseitige – Anzeigen (<a href="http://www.lvz-online.de/f-Download-d-file.html?id=1931">Infos und Preise von Anzeigen in der LVZ</a>) schaltet. Der Sportteil ist rhetorisch zuweilen eingekleistert wie eine Litfasssäule. Es strotzt vor wohlwollenden Laudationen. Firmenloyale Marketingparolen haben Einzug gehalten, wenn nahezu täglich die „Roten Bullen“ in Richtung Bundesliga durch die Zeilen walzen.</p>
<h2>Der (Anzeigen)Kunde ist König</h2>
<p>All das soll nicht nur dem Leipziger Fußball, sondern auch der <a href="http://kreuzer-leipzig.de/2014/07/22/ab-und-zu-kommt-mal-ein-praktikant/">darbenden Zeitung</a> Flügel verleihen, deren Gesamtverkauf allein seit RB’s Oberliga-Debüt 2009 von 224.461 auf 193.673 Ausgaben (davon 174.771 Abos inklusive e-paper) gesunken ist (<a href="http://daten.ivw.eu/index.php?menuid=12&amp;u=&amp;p=&amp;t=Alphabetischer+Gesamtindex&amp;b=l">Zahlen online abrufbar bei der IVW</a>). Parallel zu den dahinvegetierenden LVZ-Verkäufen ging eine distanzierte, gar kritische Anteilnahme und Auseinandersetzung bei den allermeisten hiesigen Berichterstattungen irgendwo Verschütt oder bleibt – wenn überhaupt – leider rar gesät.</p>
<p>Sicherlich runzelt Chefredakteur Emendörfer gelangweilt die Stirn bei der Beanstandung fehlender unabhängiger Berichterstattung, wird im Gegenzug „klare Zeilen, positive Zeilen, Aufsteigerzeilen“ seines Blattes verteidigen und „Absteigern und schlecht gelaunten Gutmenschen“ empfehlen, sich davon fernzuhalten (LVZ-„Aufsteigermagazin der Rasenballer“, Juli 2014, S. 3.). Wer so vorbildlich den Exorzisten darbietet, hat es sich redlich verdient, bei den Heimspielen high-fivend und mit Fanschal um den Hals durch die exquisite Sky-Lounge des Stadions zu stolzieren, während seine Redaktion – angeführt von Chefreporter Guido Schäfer – am nächsten Morgen abermals vom herrlichen, bunten, toleranten, friedlichen fußballerischen Disneyland im Osten vorschwärmt. Auch den letzten Zweiflern rief Red Bull unlängst eindringlich das untrennbare Motto in Erinnerung. Ganzseitig wurde in der 120-jährigen Jubiläumsbroschüre der LVZ (29.10.2014, S. 26.) verkündet: „Die Roten Bullen […] freuen sich darauf, auch in Zukunft gemeinsam Sportgeschichte zu schreiben.“</p>
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