Ab heute neu: „Im Osten geht die Sonne auf – TV“

Für Dietrich Mateschitz war schon immer klar: Erst Servus-TV, dann den Rest der Fernsehwelt. Nachdem der kleine, feine Alpen-Sender mittlerweile klar auf Steuerbord-Kurs ist, soll es weiter Richtung Zone gehen. Schon lange hat der Osten nach richtigem Fernsehen gelechzt! Und ARD und ZDF hatten häufig genug ihre Chance.

Über geheim bleibende Quellen ist uns exklusiv das einzigartige Überraschungs-Programm zugespielt worden, das der neue Sender „Im Osten geht die Sonne auf–TV“ plant. Überraschender Senderstart wird schon der 31. Oktober sein, aber wer eine ganze Welt neu bauen will, dem ist Martin Luther nur eines von vielen Vorbildern. Während der kohlenhydrataffine Reformator ja doch eher Arbeit und mühsame Bibel-Lektüre im Kopf hatte, steht beim neuen Sender aus dem Hause Mateschitz eines im Vordergrund: das Wohlgefühl. Schalten Sie ein! (Hinweis: Empfangbar auch im Tal der Ahnungslosen) Ab heute neu: „Im Osten geht die Sonne auf – TV“ weiterlesen

Die Rote Revolution

In der Geschichte kennt sich Ralle Rangnick ja ganz hervorragend aus. Das bewies er schon, als er sich und anderen die Situation die Katar schönredete und dabei gleich mehrere Jahrzehnte Sport- und Politikgeschichte miteinander verband. Nun ein neuerlicher großer historischer Wurf. Von der Süddeutschen (Freitagsausgabe, 24.07.2015) auf den etwaigen Aufstieg von RB in die Erste Liga angesprochen, wollte der Seher Rangnick zwar kein konkretes Datum nennen, prognostizierte aber: „Irgendwann kommt der Tag, an dem in Leipzig so viele Menschen auf dem Marktplatz feiern werden wie seit der Wende nicht mehr.“

Genau gesehen ist das natürlich kompletter Quark. Wenn Rangnick mit dem schönen Wort „Wende“ den Herbst 89 meint, dann ist es nämlich ein leichtes Spiel, mehr Leute auf dem Markt zusammenzutreiben als seinerzeit. Die Demonstrationen fanden auf dem Augustusplatz und Ring statt; auf dem Markt sammelte allenfalls die Polizei ihre Truppen.

ADN-ZB Oberst 4.7.87 Berlin: Jubiläum-Festumzug. Innerhalb des großen Festumzuges durch das Stadtzentrum anläßlich des 750jährigen Stadtjubiläums wurde die Szene dargestellt, in der Karl Liebknecht am 9. November 1918 vom Balkon des Schlosses die sozialistische deutsche Republik ausgerufen hatte.
ADN-ZB Oberst 4.7.87 Berlin: Jubiläum-Festumzug. Innerhalb des großen Festumzuges durch das Stadtzentrum anläßlich des 750jährigen Stadtjubiläums wurde die Szene dargestellt, in der Karl Liebknecht am 9. November 1918 vom Balkon des Schlosses die sozialistische deutsche Republik ausgerufen hatte.

Solch ein Fauxpas verwundert, ist doch RB ein in der Stadt und Region langjährig verwurzelter Verein mit jeder Menge lokaler Expertise. Aber klar, bei all den Visionen kann einem das schon mal verrutschen. Denn was für Aussichten: Ralle ruft die Rote Republik aus! Vom Rathausbalkon! Dosen für alle! Inklusive Begrüßungsschluck für jeden Neuzugang! Das kann nur ganz nach dem Gusto des Gebieters sein: RB als das geilste Ding seit der Einführung der D-Mark. Die Rote Revolution (vulgo: RR) wischt alles beiseite, was bis dahin noch Bestand hatte; Politik war gestern, heute wird gefeiert. Hier wird Post-Demokratie ganz neu interpretiert.

Warten wir es aber mal ab. Große Feiern hatten schon ganz andere geplant. Das Politbüro in Fuschl am See hat zwar den Generalsekretär Rangnick mit allen Befugnissen ausgestattet, die Feierlichkeiten in die Wege zu leiten, doch Unwägbarkeiten sind da nie ausgeschlossen. Doch auch hier bieten sich andere historische Verweise an. Denn wie sagte schon der weitsichtige Honecker: „Den roten Fußball in seinem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf!“.