<br />
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	<title>jaygopp &#8211; zwangsbeglückt</title>
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	<description>Ein RB-Leipzig-Protokoll</description>
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		<title>Transparenzparadies für den Powerjournalismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jaygopp]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Dec 2016 15:52:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vor allem in den letzten Wochen haben wir Marcel Reif ein ums andere mal schmerzlich vermisst. Zwar vielmehr noch den kühnen „Zauberer“, der nicht nur den eher widerspruchungewohnten Kaiser-Teamchef Franz Beckenbauer geflissentlich piesackte und noch jahrelang der scharfzüngigste Fußballdeuter hierzulande war, als den späten Reif, dessen engagierte und nicht gleich auffallend gelangweilten on air-Minuten auf &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2016/12/23/transparenzparadies-fuer-den-powerjournalismus/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Transparenzparadies für den Powerjournalismus</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor allem in den letzten Wochen haben wir Marcel Reif ein ums andere mal schmerzlich vermisst. Zwar vielmehr noch den kühnen „Zauberer“, der nicht nur den eher widerspruchungewohnten <a href="https://www.youtube.com/watch?v=QmDD7poTYRs" target="_blank">Kaiser-Teamchef Franz Beckenbauer</a> geflissentlich piesackte und noch jahrelang der scharfzüngigste Fußballdeuter hierzulande war, als den späten Reif, dessen engagierte und nicht gleich auffallend gelangweilten on air-Minuten auf ein Minimum geschrumpft waren. Aber uns hätte jüngst ja schon seine offenkundig beleidigte Stimmlage gereicht, mit der er beispielsweise im vorletzten Frühjahr vermehrt der über Monate hinweg von der Sky-Regie aufgesetzten Vorgabe nachkam, das schlussendlich schnell vergängliche Ringduell zwischen Floyd Mayweather Jr. und Manny Pacquiao im eigenen Live-Spielkommentar zum vermeintlichen „Jahrhunderboxkampf“ aufzuladen.</p>
<p><span id="more-943"></span><br />
Nur hat der leider auch schon 67-jährige Reif bekanntlich vor der Saison dem Bundesliga-Pay-TV den Rücken gekehrt, sodass zuletzt niemand der gegenwärtigen Sky-„Klatschpappen“ (Zit. <a href="https://twitter.com/sparschaeler/status/811679102453383168" target="_blank">@sparschaeler</a>) auch nur ansatzweise zur Erkenntnis kommen wollte, dass die enervierenden Dauerhinweise auf die hauseigene Doku „Generation Power-Fußball – die Idee RB Leipzig“ mindestens den legitimen Straftatbestand vorsätzlicher Gehirnwäsche erfüllten. Unsere bekehrungsfreudige Beeinflussbarkeit wiederum hatten sie damit schamlos ausgenutzt. Voller Vorfreude und mit aufgeschlagenem Tafelwerk waren wir vollkommen davon überzeugt, uns stünde am Mittwochabend noch die Entschlüsselung der quantenphysikkomplexen fußballerischen Enigma von RB Leipzig sekündlich bevor.</p>
<p><strong>E = m x c zum Quadrat &#8211; Rückkehr nach Schloss Einstein</strong></p>
<p>Nun ja, dieser frommorthodoxe Glaube an die vom Cottaweg aus in die Welt der Unwissenden getragene verheißungsvolle Fußballidee wurde dann jedoch ziemlich ins Wanken gebracht. Das dramatische Intro kündigte mitreißend Bahnbrechendes an, doch angesichts des in Sachen RB leider schon allzu gewohnten heimeligen Heile-Welts-Geschwafels während der folgenden knappen halben Stunde wären <a href="https://www.youtube.com/watch?v=HSt3BGj1uqY" target="_blank">Sebastian Krumbiegel und der MDR-Kinderchor</a> das weitaus geeignetere musikalische Hintergrundrauschen gewesen.  Denn – soviel vorweg – mehr als endlich wieder einen Besuch auf Schloss Einstein bekommt man nicht zu sehen.</p>
<p>„Viel Athletik, schnelle Sprints, der jüngste Kader der Bundesliga […] Perfektion ist Trumpf!“ scharwenzelt Autor und Regisseur Jürgen Müller pflichtbewusst aus dem Off. The Wizard of Off. Aber dass E = m x c zum Quadrat die dem Geheimnis unserer Bullen einzig auf die Schliche kommende Formel ist, wissen wir Bluechips schon seit Ralf Rangnicks Amtsantritt. Die blumigste Laudatio bleibt allerdings Ralph Hasenhüttl vorbehalten. „Jedes Training ist ein Erlebnis mit den Jungs, wenn wir unsere engen Spielformen spielen; welche Lösungen sie uns dann immer wieder zeigen und man gar nicht mehr mitkommt, weil das alles so schnell geht. Das ist schon faszinierend“, schwärmt der stolze Lehrer, als würde er eine vielfach prämierte „Jugend forscht“-Gruppe anleiten.</p>
<p>Doch ohne ausreichend Schlaf und gesunde Ernährung wird sich noch der talentierteste Jungbulle am indoktrinierten „Powerfußball“ kläglich verheben, weswegen die Klubperfektionisten nichts dem Zufall überlassen und selbst das Zubettgehen volljähriger Bundesligaprofis kontrollieren. Denn „Spieler, die schlapp sind, könnten sich leichter verletzen“, zitiert Müller fachkundig aus seiner sportwissenschaftlichen Doktorarbeit. Bloß gut, dass auf diese Schlussfolgerung noch niemand anderes gekommen ist. Wobei, wer sich wie wir hypnotisiert auf diese Doku einlässt, kann sich nur genau das vorstellen.</p>
<p><strong>Sehnsucht nach der obligatorischen Konkurrentenschelte<br />
</strong></p>
<p>Folgerichtig sehnten wir also noch die obligatorische Konkurrentenschelte herbei, mit der alle Jünger auch schon bald belohnt werden sollten: „RB unterscheidet sich mit seinem Ansatz von anderen Aufsteigern. In Leipzig wurden kaum renommierte Profis verpflichtet, die die erste Liga kennen und für eine Hackordnung sorgen.“ Mit freundlichen Grüßen an den vor renommierten Profis überquellenden Kader des SC Freiburg oder frühere Aufsteiger wie Darmstadt, Ingolstadt, Paderborn, Braunschweig, Fürth, St. Pauli oder Mainz. Aber weil das alles noch nicht dämlich genug ist, um wahr zu sein: „Hier sind fast alle im gleichen Alter, es bilden sich auch privat Freundschaften.“ Vor allem unter BFF’s, wie es Davie Selke und Yussuf Poulsen sind, gönnt man sich sogar gegenseitig die Einsätze, auch wenn der eine kaum weniger Ambitionierte dafür auf der Bank versauert.</p>
<p>Doch noch ehe uns alle Tränen der Rührung über die Wangen geronnen sind, schlägt Jürgen Müller in bester „Deep Throat – Follow the Money“-Manier knallhart das Wirtschaftsressort auf: „Finanziell ist RB mit dem Gehaltsetat im Mittelfeld.“ Am Mittwoch in der Münchner Arena hatten sie dann leider gleich ganz auf ein Mittelfeld verzichtet. Ohne Salary Cap wäre das nicht passiert. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=7A5QZR_yPs8" target="_blank">„Alles ist, alles ist relativ normal. Alles ist, alles ist uns manchmal echt egal, denn Einstein hatte nur ne’ vier in Mathe.“</a> Aber genau dafür haben Sky, Jürgen Müller und sowieso wir alle sie ja auch schneller als einen blitzartigen Yussufpoulsenkonter ins Herz geschlossen, unsere stets bescheidenen Bullen.</p>
<p>Und in Wahrheit bilden keine elenden Formeln, Daten, Fakten, ein „Riesenspeicher, den man füttern muss“ oder sonst was Geniales den eigentlichen Kern dieser dokumentarischen Romanze von Sky und RB, sondern drei Angehörige der Generation Powerfußball. Dieser einzigartigen, patentpflichtigen „Idee“ aus dem Hause RB, der Müller wie kein Zweiter auf der Fährte ist, dabei „den Zuschauern einmalige Einblicke in den Alltag von Profifußballern gibt und einen Blick hinter die Kulissen des etwas anderen Aufsteigers wirft“, wie die <a href="http://info.sky.de/inhalt/de/medienzentrum_news_pr_18122016.jsp" target="_blank">Pressemitteilung</a> aus Unterföhring anzupreisen wusste. Dass wir dabei von einem seichten Mix aus „Einsatz in 4 Wänden“ und „We are family – so lebt Deutschland“ berieselt werden sollten, verschwieg der Sender wohlweislich.</p>
<p><strong>Gelb ist die Farbe der Neider: einzigartige Einblicke ins Herz der RB-Profis</strong></p>
<p>„Ich fühle mich viel gelöster, viel freier vor dem Tor“, frohlockt der aus Stuttgart gekommene Neuzugang Timo Werner sogleich. Das muss an der Leipziger Luft liegen. Bloß gut, dass es RB noch nicht vor gut 25 Jahren gab, als die Schlote im Braunkohlesüdraum noch jedes weiß gewaschene Bettlaken auf der Leine pechschwarz berußten. Aber in den Wendewirren war ja noch nicht mal ansatzweise an solch exquisit aufbereitete Quartiersmöglichkeiten zu denken, aus denen Werner nunmehr im heutigen #Hypezig des postfaktischen Zeitalters 2016 auswählen konnte. Wir mussten ja erstmal alle für einen Bundesligisten auf die Straße gehen. Auf dem Weg zur Wohnungsbesichtigung („Hell ist sie, vielleicht noch ein bisschen zu klein“) lässt er die Kamera sogar auf den Beifahrersitz, um derweil am Lenkrad an seinem Image vom breitschultrigen StVO-Rambo zu feilen: „Hier muss man ziemlich aufpassen, hier gibt’s so viele Rotblitzer. Ich bin doch einer, der ziemlich oft und gerne auch über Gelb fährt.“</p>
<p>Aber Gelb ist bekanntlich die Farbe aller Neider, die wir bis auf einen in der Bundesligatabelle schon lange hinter uns gelassen haben. Für die wirklichen Herausforderungen des Lebens weiß Werner unterdessen stets die Presseabteilung des Klubs an seiner Seite, wie wir erfahren; allen voran nach seiner folgenreichen Elfmeterschwalbe gegen Schalke: „Er soll vor alle Kameras treten, um eine nachträgliche Sperre zu vermeiden“, rieten sie ihm eindringlich. Denn bei RB setzt man von Haus aus auf Transparenz, daran werden wir gleich noch erinnert. Das einzig Bemerkenswerte an dieser längst erschöpfend durchgekauten Chose ist ja, dass RB’s Kommunikationsdirektor <a href="https://kress.de/news/detail/beitrag/130810-mitglied-der-sport-bild-chefredaktion-florian-scholz-wechselt-zu-rb-leipzig.html" target="_blank">Florian Scholz</a> jahrelang selbst den Chefreporter von Springers Revolverblättchen <em>Sport Bild</em> gab, das sich seit jeher um zurückhaltenden Journalismus aus objektiv-feinsinnigem Vokabular verdient gemacht hat.</p>
<p>„Vielleicht hätte ich es energischer sagen müssen, dass Fährmann mich nicht berührt hat“, sagt Werner jedenfalls reumütig. Vielleicht hätte man aber auch Sky energischer sagen müssen, dass sie kein besserer Red Bull Mediahouse-Abklatsch sind. Die LVZ tat sich in ihrer Mittwochsausgabe jedenfalls mal wieder als der falsche Resonanzraum dafür hervor: „Bisher sind wir erst ein-, zweimal hinter die Wohnungstür von Fußball-Profis gekommen. Die Transparenz des gesamten Vereins ist nicht alltäglich. Der Klub hat nichts zu verbergen“, durfte Jürgen Müller dort allen Ernstes unwidersprochen zum Besten geben.</p>
<p><strong>„Der Klub hat nichts zu verbergen“</strong></p>
<p>Aber für nörgelnde Gedanken lässt uns Müller keine Möglichkeit. Denn „ein paar Straßen weiter“, gleich am „Stadtpark“, der älteren Einheimischen in prähistorischen RB-Zeiten noch als Clara-Zetkin-Park bekannt gewesen sein muss (aber damals trug das Zentralstadion ja auch noch seinen Geburtsnamen und Sky war noch Premiere), wohnt Davie Selke auf 160-Penthousequadratmetern in trauter 3er-WG mit Papa Teddy und Carlos &#8211; kein Schakal, nur ein Hund. Könnte also eng werden. „Im Leipziger Nachtleben sieht man Davie eher selten“, erfährt man dort. Das aber wäre wenigstens ein Aufhänger für eine RTL2-taugliche Milieustudie gewesen. Und selbst wer in seiner Freizeit irgendein Amüsement an den vier Wänden irgendwelcher Uper Class-Promis findet, sollte keinesfalls mit diesem Doku-Mehrteiler seine Zeit vergeuden, sondern lieber die <em>MTV Cribs</em> des guten alten, wirklich witzigen Mackers <a href="https://www.youtube.com/watch?v=MGvgVvfoiyM" target="_blank">Shaquille O’Neal</a> nachschauen, dessen Bett allein 160 Quadratmeter umfasst.</p>
<p>Ernsthaft greifbare Ansatzpunkte einer entwicklungsfähigen Story böte einzig und allein der wohltuend ungefilterte Terrence Boyd, dem nach zwei Kreuzbandrissen schon das Karriereende drohte, der nun um Anschluss und Berücksichtigung im Kader ringt und trotzdem vielleicht schon bald mit Freundin und kleinem Baby seine Zelte abbrechen muss, wenn er von Hasenhüttl weiterhin keine Chancen auf Bundesligaminuten bekommt. Das wäre Dokumentarjournalismus gewesen. Doch statt den Scheinwerfer auf Boyds Geschichte zu richten, schwingt ihn Jürgen Müller hin und her und kreuz und quer. Heraus kommt lediglich wohlfeile Klub- &amp; Red-Bull-PR.</p>
<p>Aber wir wollen absolut nicht meckern, schon gar nicht am Wohlfühlfaktor dieses Formats. Im Nachmittagsprogramm von <a href="http://www.zwangsbeglueckt.de/2016/10/31/ab-heute-neu-im-osten-geht-die-sonne-auf-tv/" target="_blank">„Im Osten geht die Sonne auf-TV“</a> würden wir uns die Finger danach wundlecken, um unserem treudoofen Publikum derart „einmalige Einblicke in den Alltag von Profifußballern“ und „hinter die Kulissen des etwas anderen Aufsteigers“ bieten zu können. Das einzig wirklich Ärgerliche an diesem 0815-Werbe-Deal zwischen Sky und RB ist die vollkommen deplatziert aufgeplusterte Inhaltsleere im „Insider“-Gewand. Aber vielleicht erkundigen sich beide Partner für die weiteren Folgen dieser mehrteiligen Reihe ja einfach noch mal beim Platzhirsch, wie ein glaubwürdiges „down to earth“ <a href="https://twitter.com/flopumuc/status/811857824565395456?lang=de" target="_blank">Rummeniggescher Prägung</a> gelingt.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Brüder zur Sonne, zur Brause!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jaygopp]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 May 2015 22:19:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Schon Kain und sein Geschwisteropfer Abel oder Friedrich Schiller, der Karl und Franz Moor bis zum bitteren Ende des Jüngeren aufeinander losgehen ließ, wussten: Freunde kann man sich aussuchen, seine Familie leider nicht. Diese schmerzliche Erkenntnis muss unlängst auch Salzburger Anhängern, denen der Spitzenreiter des österreichischen Rasenballsports zweifellos am Herzen zu liegen scheint, gekommen sein. &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2015/05/11/bruder-zur-sonne-zur-brause/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Brüder zur Sonne, zur Brause!</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Schon Kain und sein Geschwisteropfer Abel oder Friedrich Schiller, der Karl und Franz Moor bis zum bitteren Ende des Jüngeren aufeinander losgehen ließ, wussten: Freunde kann man sich aussuchen, seine Familie leider nicht. Diese schmerzliche Erkenntnis muss unlängst auch Salzburger Anhängern, denen der Spitzenreiter des österreichischen Rasenballsports zweifellos am Herzen zu liegen scheint, gekommen sein. Wie der <a href="http://kurier.at/sport/fussball/zwietracht-in-der-red-bull-familie-salzburg-fans-beschimpfen-rb-leipzig/127.775.092#.VUE2hLBid00.twitter" target="_blank">österreichische Kurier </a>berichtete, hallten während des nationalen Pokalhalbfinales am letzten Aprildienstag urplötzlich gerade in Sportstadien gemeinhin bekannte Fäkalvokabeln durchs weite Rund.</p>
<p><span id="more-500"></span><br />
Doch weder an das Schiedsrichtergespann noch die Sympathisanten des Underdog-Kontrahenten war der Furor aus dem Salzburger Fanblock adressiert. Niemand anderes als der eigene Bruderklub aus dem Nachbarland geriet ins moralische Fadenkreuz! In Häufigkeit, Ausdauer und rotziger Kreativität nicht annähernd damit vergleichbar, wie sich beispielsweise die Gallagher-Brüder im Laufe ihres Lebens einander bedacht haben, aber nichtsdestotrotz: unüberhörbar für 1.890 handgezählte Zuschauer im Stadion als auch 130.000 Couchgesellen an den TV-Bildschirmen: „Scheiß RB Leipzig, wir singen Scheiß RB Leipzig, Scheiß RB Leipzig […]!“ Rrrrrrrruuuuuums! Zarte Aufruhr im Plebs, inmitten des Gebieterreichs!</p>
<p>Womöglich lernen wir den im beschaulichen Grödig erstmals offen zu Tage getretenen, schmierenkomödiantischen Familienzwist besser zu verstehen, indem wir versuchen, dieses Sittengemälde skizzenhaft auf das derzeitige <a href="https://www.youtube.com/watch?v=s7L2PVdrb_8" target="_blank">HBO-Massenphänomen <em>Game of Thrones </em></a>abzubilden. Grundlegend gieren hier nahezu alle Charaktäre aus einigen quer über den fiktiven Kontinent <em>Westeros</em> verteilten Adelsgeschlechtern mit lustigen Namen (bspw. Targaryen, Stark, Lennister, Graufreund &amp; Co.) nach sehr vielen, bevorzugt promiskuitiven, gern auch familieninternen Geschlechtsverkehrsakten, Unmengen an Alkohol, sonstiger Völlerei und obendrein vor allem dem sogenannten „Eisernen Thron“ in der Hauptstadt Königsmund. Und weil Besserverdiener und Königsfamilien selbst in kühnsten Fantasyträumen nichts von gemeinwohldienlicher Erbschaftssteuer halten, sorgen vor allem diffuse, intrigante Sehnsüchte nach Ehre, Macht und Größenwahn für stets blutrünstigste Kopf-Ab-Metzeleien, bloß damit die Krone nach jedem noch so vorzeitigen Ableben des Oberhaupts mal schön in Familienhand bleibt.</p>
<p>Hier sollte also was zu holen sein. Doch noch ein gutgemeinter Rat, bevor wir kurz in das vom beschaulichen Fuschl am See aus regierte Reich des Alleinherrschers Dietrich Taurinfreund des I. und Einzigen eintauchen. Geratet keinesfalls, weder in der HBO- noch in der RB-Fantasialand-Saga, in Versuchung, euch an vermeintlich identitätsstiftende Figuren oder vertrauensselige Wegbegleiter zu gewöhnen! Es passiert ganz schnell, dass diejenigen wieder von der Bühne verschwunden sind.</p>
<h2>Taurinfreunds allmachtsphantastisches Mantra: „Veni, vidi, vici!“</h2>
<p>Auch wenn manche Leipziger dem Luftschloss anheim gefallen sind: In Fuschl am See, Heimat Dietrich Taurinfreund, des I. und Einzigen, und seinen über alle Kontinente verstreuten Besitztümern fließen weder Milch noch Honig. Aber aufgeputscht von einem ungesunden Energy-Getränk jagen dort verrückte Leute über die unmöglichsten Klippen, drehen reißerische Pirouetten in physikalisch unmöglichen Halfpipes, fahren vor Pferdestärken strotzende Automobile ganz schnell im Kreis oder springen einfach aus Lust und Laune aus der Stratosphäre. Wer hier gegen das allmachtsphantastische Mantra „Veni, vidi, vici!“ verstößt, dem gnade Taurinfreund, der I. und Einzige.</p>
<p>Seit Neuestem (wir reden ja immerhin von epischen Fantasy-Zeiträumen) erschließt sich das Imperium die gegenwärtig wohl fruchtbarste PR- &amp; Marketingquelle überhaupt: den Rasenballsport, der neidischen wie eingeschnappten <a href="http://www.welt.de/sport/fussball/2-bundesliga/article139317689/Mateschitz-nennt-Kritiker-ahnungslose-Randgruppe.html" target="_blank">Randgruppen, die nichts verstehen wollen</a>, und Nicht-<a href="http://blog.jacknealy.com/wp-content/uploads/2010/06/new_york_post_world_cup.jpg" target="_blank">Nord-Amerikanern</a> einst noch als Fußball bekannt war. Und ganz dem selbst auferlegten Anspruch soll, (nein!), muss, (nein!), wird (!!!) es in ganz naher Zukunft bitteschön die Eroberung des Throns der (<em>*Achtung! Im Hintergrund setzen verheißungsvoll-pathetische Schicksalstrommeln ein*</em>) CHAAAAAMPIONS LEAGUE sein.</p>
<p>Doch genau da pieksen wir schon an den Kern allen Salzburger Fan-Unmuts, der vielleicht schon bald jeden schnöden Wettstreit um die schönste McDonalds-Filiale oder das tollste Expo-Dorf übertrifft. Nichts symbolisiert den brodelnden Konflikt dabei besser als Taurinfreunds Clanwappen, auf dem zwei kräftige, rote Zuchtbullen ihre Hörner vor gleißender Sonne in wildentschlossener Angriffspose aufeinander gerichtet haben. Der eine verhätschelte Bulle, äääh Bengel kann seine Eifersucht auf den anderen noch viel verwöhnteren Bengel kaum noch zähmen.</p>
<h2><strong>Auf dem Heimatthron holt es sich nur Hämorrhoiden</strong></h2>
<p>Egal wie Dietrich I. und Einzige von den erstgeborenen Rasenballsprösslingen direkt vor der Haustür in der Salzburg auch umschwärmt wurde. So sehr sie auch die lokalen Turniere gegen ihre Litfaßsäulenkontrahenten von „Puntigamer“ Sturm Graz, „Cashpoint“ Altach oder den „Riegler &amp; Zechmeister Pellets“ aus Wolfsberg vor sich hin dominieren und in wenigen Wochen die nunmehr sechste Landesmeisterschaft der vergangenen neun Jahre empfangen werden, was soll sich der erfolgsverwöhnte Imperator auf dem wenig beleumundeten lokalen Thron holen außer Hämorrhoiden? Selbst das erfolgsverwöhnte Volk schleppt sich nur widerwillig, oder höchstens zu europäischen Anlässen in die schnieke, aber durchschnittlich nur zu knapp einem Drittel gefüllte Arena.</p>
<p>Was sie auch anstellten, was sie auch investierten. Ob in Steine zur Verschönerung des Anwesens. Ob in verdiente Recken wie Alex Zickler, Niko Kovac, Thomas Linke oder Vratislav Lokvenc. Ob sie gar rüstigen, alten Feldherren wie Huub Stevens, Co Adriaanse oder Giovanni Trappatoni samt des fränkischen Greenkeepingapostels Matthäus den Oberfehl auftrugen. So vehement sie auch klopften: All jenen blieb das massive Burgtor zur Champions League stets verschlossen. Mit der schmachvollen Niederlage gegen den F91 Düdelingen aus einem kleinen Herzogtum viele Kilometer nordwestwärts machten sie sich einmal gar zum Gespött aller Herren Länder. Die hatten nicht mal Pferde und Rüstungen, geschweige denn Flügel. Allein ihre listige Aufmüpfigkeit genügte, um die schniefenden Bullen zu schlagen.</p>
<p>Kann es für den so siegesgewohnten Taurinfreund etwas Schlimmeres geben als Misserfolg und Missachtung? Wie gut, dass er vor Jahren schon einen garantiert schmerzfreien Expeditionstrupp hipper Imperiumstrolle, die bestimmt mal was mit Medien und Marketing studiert haben, ins Nachbarland entsandte. Diese Botschafter, <a href="http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_sport/article140240699/Red-Bull-wollte-St-Pauli-kaufen.html" target="_blank">wie &#8220;Die Welt&#8221; erfuhr</a>, glänzten auf ihrer Alles-oder-Nichts-Pirsch vor allem mit fundamental-kulturellen Vorkenntnissen. Beispielsweise wollten sie ein kieziges Totenkopfgebiet am Elbfluss den dortigen Einheimischen mit der einzig plausiblen Schmeichelei abschwatzen: „Ihr steht doch auch für Coolness, Party, feiern und so?!“ Diverser gescheiterter Eroberungsversuchen zum Trotz kam schlussendlich irgendjemand mal die geniale Idee, einfach das Niemandsland jahrzehntelanger Rasenballödnis zu annektieren – Leipzig, im furchteinflößenden Nordosten. Dort, wo sich die verzweifelt nach (<em>*Achtung! Wieder verheißungsvoll-pathetische Schicksalstrommeln, aber um einiges bombastischer intoniert*</em>) BUUUUUNDESLIGA und CHAAAAMPIONS LEAGUE dürstenden Siedler noch so richtig willfährig am Bullennasenring durch die Marketingmanege ziehen lassen. Dort, <a href="http://www.dierotenbullen.com/neuigkeiten/Saison_2014_15/Fahrtenbuch-2014-2015.html" target="_blank">wo die allerbesten Kunden sogar dazu aufgerufen sind, Treuepunkte in ihr Auswärtswanderschaftenbuch zu kleben</a>, damit die eingeheimsten Bienchen dafür am Ende in Geschenke aus dem Fanshop getauscht werden können.</p>
<h2><strong>Mühsame Eroberung der Rasenballödnis</strong></h2>
<p>In der Anfangszeit, bei den kleinen Schaukämpfen irgendwo im grünen Nirgendwo, ob Havelse oder Wilhelmshaven, herrschten jedoch derartige Anlaufschwierigkeiten, dass Taurinfreunds Personalschafott mit der Zeit schon ganz stumpf vor lauter Benutzung wurde. Dieser Sadlo, dieser Beiersdorfer, dieser Linke, dieser Gudel, dieser Oral, dieser Pacult ff. sollten Taurinfreunds Tafelrunde würdig repräsentieren, waren dann aber doch nur Pappnasen. Ja, seid’s ihr denn deppert?</p>
<p>Doch noch viel mehr Gräuel als erfolglose Untertanen bereiten dem Gebieter widerborstige Legislativenbünde mit all ihren Regularien, Lizenzbedingungen, Paragraphen und sonstige Quacksalbereien. Ja, wo kommen wir denn da hin, wollen wir am Ende etwa noch den Pöbel mitsprechen lassen? Jähzornig kann er da werden, der widerspruchsungewohnte Dietrich I. und Einzige. Höchstselbst musste er grollend drohen, rüffeln und zurechtweisen, wie das in seinem Reiche mal schön zu laufen hat. <a href="http://www.90minuten.at/index.php/magazin/reportage/59567-didi-mateschitz-droht-mit-rueckzug-aus-leipzig-das-haben-wir-nicht-notwendig" target="_blank">Ich brauch’ hier gar nichts, wenn ihr mich nicht wollt, dann stampfen wir halt alles wieder ein, ihr undankbaren DFL-Hinterwäldler</a>!</p>
<p>Je näher die Lipsianer den großen, bedeutungsschwangeren Ritterspielen kamen, stieg jedoch das Gefallen des Familienoberhaupts. Im letzten Jahr schwebte <a href="http://www.bild.de/regional/leipzig/zentralstadion-leipzig/red-bull-chef-ist-leipziger-stadion-zu-klein-35655000.bild.html" target="_blank">Dietrich I. und Einzige sogar erstmals eigens mit der jungen Gräfin Taurinfreund in den Nordosten</a>, um dem Schauspiel seiner Nesthäkchen, den Rasenballsportbullen, gegen widerborstige Kräfte vom Geschlechte der Lilien beizuwohnen.</p>
<p>Erst seitdem ein mythenumwobener Druide die Bruttoregisterhektolitertonnen magischen Zaubertranks aus dem unendlichen Brunnen in Fuschl am See anrührt, scheint dieser erst die ganze Wirkung zu entfalten. Natürlich handelt es sich dabei nicht um d<a href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/08/26/schlussstrich-statt-verantwortung/" target="_blank">en alten Kurpfuscher Pansold, der unzähligen DDR-(Kinder)-Gladiatoren mutwillig die Gesundheit ruiniert hat und trotzdem heute in Taurinfreunds großzügigen Diensten steht</a>. Nein, Vater des Aufschwungs ist kein geringerer als der Honorargelehrte Ralf von Schwaben.</p>
<h2><strong>Ein mythenumwobener Druide aus Schwaben als Hand des Gebieters</strong></h2>
<p>Anno dazumal erteilte dieser den plumpfüßigen Teutonen schon am <a href="http://www.abwehrkette.de/ralf-rangnick/" target="_blank">Flipchart eine Lehrstunde</a> zur <a href="https://www.youtube.com/watch?v=KwcXySby-3A" target="_blank">raumorientierten Viererkette</a>. Derzeit lenkt er als Hand des Gebieters die tektonische Verschiebung der taurinfreundschen Äcker. Jedoch nur noch wenige Wochen im Amte des Doppelstatthalters der Salzburg und in Leipzig, <a href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/07/31/er-ist-unser-wettbewerbshuter/" target="_blank">um ganz pfiffig den selbstverständlich hanebüchenen Vorwurf des verzerrten Wettbewerbs zu umgehen</a>. Die vor wenigen Monden noch so hochgepushte, aber im Verlauf der Gezeiten einfach nicht den taurinfreundschen Ansprüchen gerecht gewordene Salzburg wurde zur Bullenzucht umfunktioniert. Fieberhaft werkelt der Meisterdruide daran, dass die Nachschubwege in Stallorderlogik alsbald einzig gen Nordosten reichen.</p>
<p>Doch plötzlich, da es den talentierten und bislang so treuherzigen Ritter Ilsanker fortzieht in eine andere Welt, und <a href="http://www.lvz-online.de/sport/sportbuzzer/rb_leipzig/rb-news/geheim-besuch-bei-rb-leipzig-stefan-ilsanker-in-le-gesichtet/r-rb-news-a-284955.html" target="_blank">Ralf von Schwaben ihm unter allen Umständen die eigene nordöstliche Provinz schmackhaft machen will</a>, zeigen sich einige Salzbürger ganz und gar desillusioniert vom verfolgten Plan der Oberen: Als wären es nicht schon genug Schläge aufs Gemüt, nur noch als <a href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/06/25/rangierbahnhof/" target="_blank">elitärer Rangierbahnhof </a>zu dienen, müssen wir tatenlos zusehen, wie ihr uns auch noch Ilsanker abschwatzen wollt. Jeden könnt ihr haben. Nur nicht Ilsanker! „Scheiß RB Leipzig, wir singen Scheiß RB Leipzig, Scheiß RB Leipzig […]!“</p>
<p><a href="http://www.welt.de/sport/fussball/2-bundesliga/article139317689/Mateschitz-nennt-Kritiker-ahnungslose-Randgruppe.html" target="_blank">Was werden Taurinfreund und seine Vasallen über dieses Aufbegehren denken?</a> Himmelherrschaftszeiten noch einmal! Wir liefern euch hier Brot und Spiele und ihr muckt rum? Undank ist der Welten Lohn!</p>
<h2><strong>Der Abgang des treuherzigen Ilsanker desillusioniert die Salzbürger</strong></h2>
<p>Der Schall der wütenden Klatschpappen wird verhallen, zurück bleiben kaltherzig die Liebe entzogene Konsumenten aus der Salzburg. Machtlos müssen sie mitansehen, wie ihrer <a href="http://www.krone.at/Sport/Mateschitz_will_das_grosse_Geld_lieber_in_Leipzig_investieren-Nur_U21_in_Salzburg-Story-199223" target="_blank">Piefke-Konkurrenz der Standortjoker in Taurinfreunds einheitsbreiigen Entertainment-Universum zugesprochen wurde</a>. Wobei die Salzbürger eigentlich noch ganz froh darüber sein können, stellt man ihrem Los beispielsweise das <a href="http://neuwal.com/index.php/2014/10/16/red-bull-ghana-eine-akademie-auf-verlorenem-boden-martin-kainz/" target="_blank">Schicksal der unter himmelschreiendem Zynismus aufgegebenen Bruderakademie in Ghana</a> gegenüber.</p>
<p>Ja, all das ist Alltag in Taurinfreunds Gebieten, denen die Erstürmung des Rasenballsportkontinents vor rasender Verkaufs- &amp; Erfolgsmanie nicht schnell genug gehen kann. Vielleicht erinnern sich die verbliebenen Anhänger der Salzburg nunmehr ihrer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=h4pTnvy8uNg" target="_blank">violetten Wurzeln</a>. Auf den Weg mitgeben kann man ihnen eigentlich nur jenes Credo, nach dem schon das Schlagerbarden-Brüderduo „Brunner und Brunner“ verfuhr: „Bevor wir uns hassen, trennen wir uns lieber.“ Das wäre immerhin weitaus zivilisierter als jede von <em>Game of Thrones </em>gewohnte Konfliktlösung.</p>
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		<title>Greisenflirt im Disneyland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jaygopp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Nov 2014 14:35:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[handzahm]]></category>
		<category><![CDATA[konzernintern]]></category>
		<category><![CDATA[Anzeigenkunde]]></category>
		<category><![CDATA[Glaubwürdigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Guido Schäfer]]></category>
		<category><![CDATA[Jan Emendörfer]]></category>
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					<description><![CDATA[„Ich bin sogar Chefreporter, die wollen mich lebenslang behalten!“, durfte LVZ-Sportredakteur Guido Schäfer im Oktober verkünden, als ihn Moderatorin Esther Sedlaczek vor Anpfiff und nach dem Halbzeitpfiff des RB-Heimspiels gegen Heidenheim vor die Sky-Kamera einlud. Um jedweden Kompetenzzweifeln schon vorab den Garaus zu machen: Der phänomenale Aufstieg des fidelen RB-Maskottchens ist nur folgerichtig, hat in &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2014/11/10/greisenflirt-im-disneyland/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Greisenflirt im Disneyland</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Ich bin sogar Chefreporter, die wollen mich lebenslang behalten!“, durfte LVZ-Sportredakteur Guido Schäfer im Oktober verkünden, als ihn Moderatorin Esther Sedlaczek vor Anpfiff und nach dem Halbzeitpfiff des <a href="https://twitter.com/schfer_g/status/519472743302311937">RB-Heimspiels gegen Heidenheim vor die Sky-Kamera</a> einlud. Um jedweden Kompetenzzweifeln schon vorab den Garaus zu machen: Der phänomenale Aufstieg des fidelen RB-Maskottchens ist nur folgerichtig, hat in der aktuellen Spielzeit neue Höhepunkte erreicht und soll deshalb hier besonders gewürdigt werden.<br />
<span id="more-360"></span></p>
<h2>Endlich im Rampenlicht</h2>
<p>Nach einer langjährigen Zweitligakarriere in Mainz, der <a href="https://twitter.com/schfer_g/status/454904480442896385/photo/1">DFB-A-Lizenzinhaberschaft</a>, einem BWL-Abschluss, dem Volontariat bei der Mainzer Allgemeinen Zeitung und der schon über ein Jahrzehnt währenden umtriebigen Recherchen im Tag- und Nachtleben des Leipziger Fußballs (<a href="http://www.rb-fans.de/artikel/20120201-Guido-Schaefer-Interview.html">1</a>, <a href="http://www.rb-fans.de/artikel/20120202-Guido-Schaefer-Interview-Teil2.html">2</a>) mausert Schäfer sich nun zum gern gewonnenen Fernsehgast. Egal ob plauderfreudig im <a href="http://www.regio-tv-stream.de/lf/luebberts/index.php?date=20130626&amp;year=&amp;forcevod=1">„Leipzig Fernsehen“</a>, bei einer Kochsendung auf <a href="http://www.info-tv-leipzig.de/mixed/allgemeines/achims-gerichtekueche-mit-guido-schaefer/">„Info TV“</a>, als schrulliger Anchor des <a href="https://www.google.de/search?q=MDR+Sch%C3%A4ferst%C3%BCndchen&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;aq=t&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a&amp;channel=fflb&amp;gfe_rd=cr&amp;ei=9SJaVOD8AauF8Qef1IGoBg">MDR-„Schäferstündchen“</a> oder nicht zuletzt im Gewand des RB-Vertrauten auf Sky. Endlich. Denn im Rampenlicht fühlt er sich augenscheinlich am wohlsten.</p>
<p>Jedoch wie kaum anders zu erwarten, nutzte der 50-Jährige seine kurzen Minuten im Pay-TV-Rampenlicht einerseits, um das bemüht bedeutungsschwere Mantra wiederzukäuen, warum Leipzig bitteschön Bundesligafußball „verdient“ (!) habe. Weil ja der erste Deutsche Meister aus der Stadt kommt und sowieso der DFB ja auch hier gegründet wurde. Bekanntlich liegen diese Ereignisse mehr als ein Jahrhundert zurück. Allzu nachvollziehbar also, „dass es mir relativ egal ist, ob Red Bull oder Nivea Leipzig“ nun ähnliche Meisterstücke vollbringen wird. Gäääääähnende Pseudo-Indizien, die so verschlissen wie sein herbstfarbener Allzweckmantel daherkamen.</p>
<figure id="attachment_368" aria-describedby="caption-attachment-368" style="width: 842px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.flickr.com/photos/cessemi/2079977086/in/photolist-4nCyc-d9RRpV-d9RRrr-hqCEqD-7pBCMr-dw6D8s-Mb96Z-mNJMiF-4UK6PC-hgeZbL-d8e57J-hWX3qc-4aNqHU-o9pkSQ-iRrcp-oPsnB7-f8qrpk-8AMMBL-867diu-dv6sAL-4Sjiv-6E5D8L-btMAnf-5navnc-foSSS2-ao4qeS-5naxf2-sJU88-ao1n4H-4KDuyU-3DqSK-aTxfgH-dB8PW-87JnLS-6XRfNd-87F9Fx-dB8S8-7c3buz-kc2aeq-8suo6V-Wi528-ajZDTJ-JAQCF-87K2r1-6PBvyt-dvKABn-5naywp-6M1jf6-2wcoLc-e7VmGD"><img class="size-large wp-image-368" src="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/2079977086_9cbe63be1c_o1.jpg?w=842" alt="foto: emily tan | flickr" width="842" height="631" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/2079977086_9cbe63be1c_o1.jpg 2048w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/2079977086_9cbe63be1c_o1-300x225.jpg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/2079977086_9cbe63be1c_o1-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 842px) 100vw, 842px" /></a><figcaption id="caption-attachment-368" class="wp-caption-text">foto: emily tan | flickr</figcaption></figure>
<p>Andererseits schien es ihm überhaupt viel wichtiger, sich im eigenen Klischee zu suhlen, das der Kreuzer (<a href="http://kreuzer-leipzig.de/2013/11/27/editorial-122013/">Ausgabe 12/2013</a>) einst wohl nicht zu unrecht als Selbstinszenierung des „prolligen Luden im Lodenmantel“ identifizierte. „Wir sehen tollen Fußball und haben schöne Frauen hier“, griente er mit lustmolchigen Seitenblick zur Moderatorin. Aber selbst der bis zum Bauchnabel bestens ausgeleuchtete V-Ausschnitt seiner bronzegebräunten Brust erweichte die sichtlich irritierte Sedlaczek nicht zum ohnehin schon derb misslungenen Greisenflirt. Traurigen Auges musste Schäfer einsehen: „Alte Männer werden gesiezt.“</p>
<h2><strong>Im Zweifel Untertan</strong></h2>
<p>Immerhin. Auch wenn das Candle-Light-Dinner mit der TV-Kollegin nur ein feuchter Tagtraum bleiben sollte: Ihm war nicht vorzuwerfen, es nicht wenigstens probiert zu haben. Ganz anders im Tagesgeschäft. Stets geriert er sich als Vertrauter der exklusivsten Gesprächspartner und unermüdlich aufdeckender Reporter, dem Breaking News nur so aus den Fingern fließen. „Der Rangnick holt im Winter zwei, drei Raketen. Und wenn er das wieder hört, will er mich töten“, wies der Draufgänger aus. Doch weder hat es erhöhten Nachrichtenwert, dass eh schon getätigte Millionentransfers wie Massimo Bruno und Marcel Sabitzer oder ambitionierte Spieler wie Kevin Kampl früher (Winterpause) oder später (nach dem Bundesliga-Aufstieg im kommenden Sommer) von der Salzburger in die Leipziger Filiale übersiedeln. Noch landet man einen nicht für möglich gehaltenen Scoop, wenn der gemeinhin wortkarge 100 Prozent-Klubeigener Mateschitz zur Interviewaudienz bittet (LVZ, 08.05.2014). Im Gegenteil. Es ist ein übler journalistischer Frevel, sich bei dieser Gelegenheit für dessen Herumpoltern und Erpressen der DFL instrumentalisieren zu lassen, anstatt kritisch nachzuhaken oder wenigstens objektiv über Statuten, Lizenzierung oder die Aushöhlung von Paragraphen zu schreiben.</p>
<p>Zugegeben, die Verantwortlichen des Leipziger RB-Ablegers machen es den hiesigen Pressevertretern ja auch keineswegs leicht. Es dürfte entmutigend wirken, wenn oben auf der Hierarchiepyramide des e.V. weiterhin konzernabhängige Vereinsvorstände und Aufsichtsräte thronen, an deren intransparenter Omerta sich tatsächlich recherchierende Journalisten und unabhängige Vereinsmitglieder (wenn es diese denn gäbe) sowieso die Zähne ausbeißen würden.</p>
<p>Für das fußballerische Entertainment wiederum sind – freilich außerordentlich erfolgreich – Doppel-Sportdirektor Ralf Rangnick und Cheftrainer Alexander Zorniger verantwortlich. Letzterer machte vor kurzem im Zuge des Bochum-Spiels seinem Unmut über die sportliche Berichterstattung Luft. Mit überzogenen Erwartungen, viel zu kritisch und überhaupt inkompetent bis ins Mark informiere die Berichterstattergilde. (Seine etwas überangestrengte Dünnhäutigkeit sei ihm jedoch verziehen, da nicht wenige Vertreter der Zunft aus Unwissenheit, Brandstifterei oder tatsächlicher Inkompetenz ein völlig harmloses Scharmützel zwischen ihm und Peter Neururer zum dumpfen Kulturkampf aufbauschen wollten).</p>
<h2><strong>No-Go-Area für Romantiker, Statutenheinis und Ewiggestrige</strong></h2>
<p>Dennoch: Wo blieb beispielsweise der sonst so todesmutige Diplom-Betriebswirt Schäfer in jenen Momenten, als Zorniger freiwillig Pirouetten auf dem glatteisigen Finanzterrain schlug? <a href="https://www.youtube.com/watch?v=hrTQyJgj4q4">In der Pressekonferenz vor dem VfL-Spiel</a> (16.49min bis 17.04min) schwadronierte RB’s Cheftrainer, der letzte Gegner aus Nürnberg habe nicht nur einen „höheren Transferwert“, sondern „ich geh’ auch mal davon aus, einen höheren Etat. Was man ja kaum glauben mag bei uns.“ Hach, herrlich, die Kuh für eine neuerliche Milchmädchenrechnung stand bereit zur Melkung. „Da bringst du mich auf etwas, Alex“, hätte der Chefreporter einwenden können, „wie hoch ist denn eigentlich euer Etat und überhaupt […]?“ Bloß gut, dass der der PK-Saal (erneut) einem weihrauchgeschwängerten Andachtsraum glich, in welchem doch bitteschön von der guten Sache gepredigt werden soll, um den bösen Geistern – Romantiker, Traditionalisten, Statutenheinis, Ewiggestrige, Kritiker jeglicher Couleur &#8211; <a href="http://www.zeit.de/news/2014-10/06/fussball-rb-trainer-zorniger-halten-profi-fussball-den-spiegel-vor-06184603">„erst den Spiegel vorzuhalten“</a> und sie daraufhin geläutert verstummen zu lassen.</p>
<figure id="attachment_369" aria-describedby="caption-attachment-369" style="width: 842px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.flickr.com/photos/46239552@N00/5723140167/in/photolist-9HJAbt-dS7vn6"><img loading="lazy" class="wp-image-369 size-large" src="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/5723140167_ca7113dcf7_o.jpg?w=842" alt="foto: caratello | flickr | " width="842" height="631" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/5723140167_ca7113dcf7_o.jpg 3648w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/5723140167_ca7113dcf7_o-300x225.jpg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/5723140167_ca7113dcf7_o-1024x768.jpg 1024w" sizes="(max-width: 842px) 100vw, 842px" /></a><figcaption id="caption-attachment-369" class="wp-caption-text">foto: caratello | flickr</figcaption></figure>
<p>Die erste Kirchenbank halten allzu oft LVZ-Redakteure für sich reserviert. Von dort aus verbreiten sie ohne Sichtbeschränkung die gute Nachricht, dass die Heldenstadt Leipzig dank eines Heilsbringers alsbald die europäische Fußballbühne betreten wird. Natürlich ist es unfair, über Guido Schäfer nur zu nörgeln. Zweifellos gebührt ihm der Status des bestens vernetzten, lokalen Unikums. Er verkörpert teils eine vortreffliche Rampensauigkeit und gibt dafür stets allzu bereit den charmant-harmlosen Chauvi. Er kann über sich selbst lachen und das Publikum mit ihm über ihn.</p>
<p>Wenn sich der rasende Reporter nicht gerade offenkundig als untertäniger Mateschitz-Biograph anbiedert (Bspw. „Visionär, Macher, Weltmarktführer“, in: LVZ, 29.10.2014, S. 54.; „Reine Chefsache“, in: LVZ-„Aufsteigermagazin der Rasenballer“, Juli 2014, S. 7.), leakt er auch schon mal exklusiv den (bislang noch nicht bestätigten) Zentralstadionausbau. Oder durchforstet mit einem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=80lHItL6mjs">MDR-Kameramann mühelos den Kühlschrank im Trainerkabuff</a> des Erfurter Walter Kogler, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=_UloqgBBO50">zieht blank vor dem leeren Dresdner K-Block</a>, um Dynamos Angreifer Comvalius zu imitieren und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=z2uk78gfQpA">fachsimpelt während eines FCE-Spiels mit den Pilzsammlern und Fans</a> auf den Hügeln hinter dem Auer Erzgebirgsstadion. Ungeduldig zählen wir die Tage herunter, bis RB schließlich im Oberhaus angekommen ist – einzig und allein, um Guido Schäfer dann Sonntagvormittags dabei zusehen zu dürfen, wie er am launigen Sport1-Fußballstammtisch Jörg Wontorra zuprostet.</p>
<h2><strong>Der Chefredakteur als erster Fan</strong></h2>
<p>Nicht minder vermessen ist es, der einzigen lokalen Tageszeitung vorzuwerfen, die Daumen für den hochklassigsten Fußballklub der Stadt zu drücken. Sportlicher Lokalpatriotismus und Freude über die Erfolge der Aushängeschilder lesen sich verständlicherweise landauf landab aus jedem Regionalblatt heraus. Und noch weniger soll dieser wehklagende Wunsch nach mehr Journalismus als hanebüchene Verschwörungstheorie missverstanden werden. Aber durchaus klärungsbedürftige Fragen zu stellen, scheint zu viel verlangt für „Fan(s)“ die „Lust auf spannende Spiele, tolle Tore und gute Laune“ haben. Diese Selbstbeschreibung der LVZ-Redaktion stammt von niemand anderem als Chefredakteur Jan Emendörfer (Zit. aus dem LVZ-„Aufsteigermagazin der Rasenballer“, Juli 2014, S. 3.).</p>
<p>Wer also tatsächlich hofft, dass <a href="http://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/07/30/ergebenheit-als-systembestandteil/">heikle Thematiken objektiv in der Leipziger Volkszeitung ausgefochten werden, wird dies vergeblich tun</a>. Dort interessiert sich niemand etwa für <a href="http://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/10/28/standardsituationen-der-rb-affirmation-3/">übertriebene Bundesliga-Wohlfahrtsversprechen von McKinsey</a>. Ebenso sucht keiner händeringend nach der Gemeinnützigkeit des e.V. oder recherchiert zu den Jahresbilanzen. Und am wenigsten wird dort abgeklopft, inwieweit die 50+1-Regel real Bestand hat, die Transfer- und Ausleihpraktiken den Rahmen des Möglichen gekonnt aushöhlen und welcher Drohgebärden des Gebieters und juristischer Winkelbegriffe es im Frühjahr 2015 wieder bedarf, wenn die Lizenz für das Fußballoberhaus in trockene Tücher gehüllt werden muss.</p>
<figure id="attachment_371" aria-describedby="caption-attachment-371" style="width: 842px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://www.flickr.com/photos/madhias/8838765494/in/photolist-5pXoU-85LvTW-nbRHz7-aFgTmo-68bCnE-c43QC9-9NmWZN-b5yDZ-mUBqtb-4aUF6X-bF6vJZ-5nHerb-8kGSF2-et3Z3w-nqLHXS-buVz74-39Xynb-3AQ2h2-68wr4n-nNB58e-8GkFyx-8mzoDv-feY8r9-b8AVGX-nsVL1c-b4SDAv-8WmJAs-o7Sygz-6DNihK-hJER4i-dBD1Z1-a8nEkd-EJLKZ-bvoZwg-7bVMzZ-6wrY3m-7bpmzm-7bZC5U-uX9L3-68pN3A-bsbtLh-hJDBJg-6XBLNr-7bkxBT-68pN37-7bnR6G-7bj41r-7bpm7h-7bnRWf-7bnRpQ"><img loading="lazy" class="wp-image-371 size-large" src="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/8838765494_342bb91ee3_o.jpg?w=842" alt="foto: madhias | flickr" width="842" height="561" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/8838765494_342bb91ee3_o.jpg 2697w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/8838765494_342bb91ee3_o-300x200.jpg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/11/8838765494_342bb91ee3_o-1024x683.jpg 1024w" sizes="(max-width: 842px) 100vw, 842px" /></a><figcaption id="caption-attachment-371" class="wp-caption-text">foto: madhias | flickr</figcaption></figure>
<p>Verlag und Zeitung lassen sich gekonnt willfährig instrumentalisieren und sind zudem in ein wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis geraten. Nicht nur, dass der Betreiber des örtlichen Profiklubs zu einem augenscheinlich wichtigen und gern gesehenen Geschäftspartner geworden ist, monatlich das auf Lifestyle getrimmte Konzernmagazin beilegt und regelmäßige – teils ganzseitige – Anzeigen (<a href="http://www.lvz-online.de/f-Download-d-file.html?id=1931">Infos und Preise von Anzeigen in der LVZ</a>) schaltet. Der Sportteil ist rhetorisch zuweilen eingekleistert wie eine Litfasssäule. Es strotzt vor wohlwollenden Laudationen. Firmenloyale Marketingparolen haben Einzug gehalten, wenn nahezu täglich die „Roten Bullen“ in Richtung Bundesliga durch die Zeilen walzen.</p>
<h2>Der (Anzeigen)Kunde ist König</h2>
<p>All das soll nicht nur dem Leipziger Fußball, sondern auch der <a href="http://kreuzer-leipzig.de/2014/07/22/ab-und-zu-kommt-mal-ein-praktikant/">darbenden Zeitung</a> Flügel verleihen, deren Gesamtverkauf allein seit RB’s Oberliga-Debüt 2009 von 224.461 auf 193.673 Ausgaben (davon 174.771 Abos inklusive e-paper) gesunken ist (<a href="http://daten.ivw.eu/index.php?menuid=12&amp;u=&amp;p=&amp;t=Alphabetischer+Gesamtindex&amp;b=l">Zahlen online abrufbar bei der IVW</a>). Parallel zu den dahinvegetierenden LVZ-Verkäufen ging eine distanzierte, gar kritische Anteilnahme und Auseinandersetzung bei den allermeisten hiesigen Berichterstattungen irgendwo Verschütt oder bleibt – wenn überhaupt – leider rar gesät.</p>
<p>Sicherlich runzelt Chefredakteur Emendörfer gelangweilt die Stirn bei der Beanstandung fehlender unabhängiger Berichterstattung, wird im Gegenzug „klare Zeilen, positive Zeilen, Aufsteigerzeilen“ seines Blattes verteidigen und „Absteigern und schlecht gelaunten Gutmenschen“ empfehlen, sich davon fernzuhalten (LVZ-„Aufsteigermagazin der Rasenballer“, Juli 2014, S. 3.). Wer so vorbildlich den Exorzisten darbietet, hat es sich redlich verdient, bei den Heimspielen high-fivend und mit Fanschal um den Hals durch die exquisite Sky-Lounge des Stadions zu stolzieren, während seine Redaktion – angeführt von Chefreporter Guido Schäfer – am nächsten Morgen abermals vom herrlichen, bunten, toleranten, friedlichen fußballerischen Disneyland im Osten vorschwärmt. Auch den letzten Zweiflern rief Red Bull unlängst eindringlich das untrennbare Motto in Erinnerung. Ganzseitig wurde in der 120-jährigen Jubiläumsbroschüre der LVZ (29.10.2014, S. 26.) verkündet: „Die Roten Bullen […] freuen sich darauf, auch in Zukunft gemeinsam Sportgeschichte zu schreiben.“</p>
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		<title>Stimmen der Vernunft (6) &#8211; Geht das wirklich, Papa?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jaygopp]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Oct 2014 16:35:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stimmen der Vernunft]]></category>
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		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>
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					<description><![CDATA[Desillusioniert blieb der kleine Lakai zurück, als er letzten Montag in der Zeitung lesen musste: &#8220;Ohne Kapitalerhöhung, Investorenzuschuss und Hedgefonds-Beteiligung [&#8230;] hat sich die Borussia zum immerhin imaginären Bayern-Verfolger erhoben [&#8230;]&#8221; (Selldorf, Philipp: Süddeutsche Zeitung vom 28.10.2014, S. 27.) &#8220;Geht das wirklich, Papa? Aber du sagst doch immer, dass sowas nur möglich ist, wenn einer allein &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2014/10/30/stimmen-der-vernunft-6-geht-das-wirklich-papa/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Stimmen der Vernunft (6) &#8211; Geht das wirklich, Papa?</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Desillusioniert blieb der kleine Lakai zurück, als er letzten Montag in der Zeitung lesen musste:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ohne Kapitalerhöhung, Investorenzuschuss und Hedgefonds-Beteiligung [&#8230;] hat sich die Borussia zum immerhin imaginären Bayern-Verfolger erhoben [&#8230;]&#8221; <em>(Selldorf, Philipp: Süddeutsche Zeitung vom 28.10.2014, S. 27.)</em></p></blockquote>
<p>&#8220;Geht das wirklich, Papa? Aber du sagst doch immer, dass sowas nur möglich ist, wenn einer allein kommt, der ganz, ganz viel Geld hat, auf einen x-beliebigen Flecken Erde zeigt, alles in der Hand hält und sagt: &#8216;Mein Wille geschehe. Koste es, was es wolle!&#8217; [&#8230;]&#8221;</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Stimmen der Vernunft (2)</title>
		<link>https://zwangsbeglueckt.de/2014/08/02/stimmen-der-vernunft-2/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jaygopp]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 02 Aug 2014 11:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stimmen der Vernunft]]></category>
		<category><![CDATA[11 Freunde]]></category>
		<category><![CDATA[Albtraum]]></category>
		<category><![CDATA[Dirk Gieselmann]]></category>
		<category><![CDATA[RB Leipzig]]></category>
		<category><![CDATA[Ticker]]></category>
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					<description><![CDATA[Vollkommen überflüssig zu erwähnen, dass der Ticker von &#8220;11 Freunde&#8221; im Allgemeinen und die Ein- und Auslassungen des Dirk Gieselmann im Speziellen zum schönsten Tiki Taka der deutschsprachigen Fußballunterhaltung gehören. Wortbesitzspiel in Reinkultur: Finten, Finessen, aber auch die gute alte Grätsche im Repertoire. Meister im Umschaltspiel ohnehin. Und weiß offenbar auch nachts noch,  wo das &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2014/08/02/stimmen-der-vernunft-2/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Stimmen der Vernunft (2)</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Vollkommen überflüssig zu erwähnen, dass <a href="http://www.11freunde.de/liveticker" target="_blank">der Ticker von &#8220;11 Freunde&#8221;</a> im Allgemeinen und die Ein- und Auslassungen des <a title="Interview mit Dirk Gieselmann" href="http://fudder.de/artikel/2013/05/23/der-coolste-liveticker-der-republik-interview-mit-dirk-gieselmann-vom-11-freunde/" target="_blank">Dirk Gieselmann</a> im Speziellen zum schönsten Tiki Taka der deutschsprachigen Fußballunterhaltung gehören. Wortbesitzspiel in Reinkultur: Finten, Finessen, aber auch die gute alte Grätsche im Repertoire. Meister im Umschaltspiel ohnehin. Und weiß offenbar auch nachts noch,  wo das Tor steht:</p>
<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Nachtspiel getickert, Albtraum. Frau kommt rein, schlaftrunken: »Wer ist Weltmeister?« Ich: »RB Leipzig!« Sie: »Ein Albtraum!« Sag ich ja.</p>
<p>— Dirk Gieselmann (@DirkGieselmann) <a href="https://twitter.com/DirkGieselmann/statuses/478097550105657344">15. Juni 2014</a></p></blockquote>
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		<title>„Er ist unser Wettbewerbshüter“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jaygopp]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Jul 2014 07:05:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[filetiert]]></category>
		<category><![CDATA[2018]]></category>
		<category><![CDATA[Europapokal]]></category>
		<category><![CDATA[Mixed Zone]]></category>
		<category><![CDATA[Ralf Rangnick]]></category>
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					<description><![CDATA[Unlängst stimmte uns ein Leserbrief von Raphael von Arx aus Lausanne an die 11FREUNDE-Redaktion ziemlich nachdenklich &#8230; „[…] Die UEFA verweist auf Artikel 3 der UEFA-Wettbewerbsbedingungen zu Champions- oder Europa League. Dort heißt es: `Keine natürliche oder juristische Person darf Kontrolle über oder Einfluss auf mehr als einen an einem UEFA-Klubwettbewerb teilnehmenden Verein haben, wobei &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2014/07/31/er-ist-unser-wettbewerbshuter/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Er ist unser Wettbewerbshüter“</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst stimmte uns ein Leserbrief von Raphael von Arx aus Lausanne an die 11FREUNDE-Redaktion ziemlich nachdenklich &#8230;</p>
<blockquote><p>„[…] Die UEFA verweist auf Artikel 3 der UEFA-Wettbewerbsbedingungen zu Champions- oder Europa League. Dort heißt es: `Keine natürliche oder juristische Person darf Kontrolle über oder Einfluss auf mehr als einen an einem UEFA-Klubwettbewerb teilnehmenden Verein haben, wobei in diesem Zusammenhang als Kontrolle oder Einfluss gilt, wenn die betreffende Person (…) in der Lage ist, auf irgendeine Art und Weise einen entscheidenden Einfluss auf die Entscheidungsfindung des Vereins auszuüben.’ […] Eine große Farce, oder? Klärt mich auf.“ <a href="http://www.11freunde.de/heft/heft-152-072014" target="_blank">(Ausschnitt aus 11FREUNDE #152/Juli 2014, S. 116)</a></p></blockquote>
<p><span id="more-106"></span><br />
Was tun, um der Sache wirklich anschaulich auf den Grund gehen zu können? Nach tagelangem Hin und Her blieb nur eine Möglichkeit. Wir mussten der Realität ins Auge blicken. Also stiegen wir prompt in unseren DeLorean DMC-12, fuhren den Flux-Kompensator hoch, reisten ins Jahr 2018 und erlebten aufrüttelnde Szenen. Ein exklusives, noch nie geleaktes Protokoll unserer phantastischen Erlebnisse in der Zukunft:</p>
<p><strong>Zurück in die Zukunft &#8211; eine phantastische Reise ins Jahr 2018</strong></p>
<p><em>Salzburg. Ein kalter Dezemberabend im Jahr 2018. Vor wenigen Minuten musste RB Leipzig eine unglückliche, aber für das bereits gesicherte Weiterkommen in der Uefa Europa League nicht mehr relevante 0:1-Niederlage einstecken. Nur kurz wird die Medienmeute in der Mixed Zone im Stadionbauch aufgeschreckt. Mit donnernden Flügelschlägen war soeben ein Hubschrauber direkt vom Mittelkreis aus in Richtung Fuschl am See abgehoben. An Board der bis über beide Ohren lächelnde Dietrich Mateschitz.</em></p>
<p><em>Jetzt drängen sich wieder alle konzentriert am Absperrband hinter Reporter Boris Büchler, der für ServusTV Livestimmen der Beteiligten einfangen will. Nur der ehemalige <a href="http://www.info-tv-leipzig.de/mixed/allgemeines/achims-gerichtekueche-mit-guido-schaefer/" target="_blank">LVZ-Chefreporter Guido Schäfer</a> darf noch vor die Kordel. Nachdem seit zwei Jahren sämtliche Mäntel der LVZ im Madsack-Stammhaus Hannover kopiert und gedruckt werden, durfte lediglich Kerstin Decker ihren Job in Leipzig behalten. Sie schreitet weiter elegant auf dem <a href="http://www.lvz-online.de/leipzig/boulevard/r-boulevard.html" target="_blank">„bouLEvard“</a> und tippt guten Gewissens den offiziellen Polizeiticker ab.</em></p>
<p><em>Glücklicherweise brauchte Schäfer nicht lange, bis er einen neuen Job als Büchlers Redaktionsassistent beim österreichischen HD-Premiumkanal fand. Plötzlich schwenkt eine Tür aus dem Leipziger Kabinentrakt auf. Vom aufreizend wichtig dreinblickenden Pressesprecher &#8211; in der Mixed Zone regelt nur er den Verkehr &#8211; wird den beiden Sportdirektor Ralf Rangnick (RB Leipzig) vor die Kamera geführt. Das Interview kann beginnen:</em></p>
<p><strong>Büchler <em>(forsch)</em>:</strong> „Ralf Rangnick, Glückwunsch zum Einzug in die nächste Runde. Was hat das Leipziger Spiel so schwerfällig und so anfällig gemacht?“</p>
<p><strong>Rangnick <em>(genervt)</em>:</strong> „Is’ mir völlig wurscht. Wir sind jetzt alle in der Zwischenrunde. Nur das zählt.“</p>
<p><em>Büchlers Assistent Guido Schäfer prustet auf, verschluckt sich lauthals und lässt eine Dose Red Bull aus der linken Hand fallen. Damit <a href="https://twitter.com/schfer_g/status/487008020925517824/photo/1" target="_blank">Schäfer seinen unbezahlbaren Nerzmantel</a> nicht sinnlos einsaut, setzt er zu einem schubartigen Ausweichreflex an, verliert dadurch jedoch das Gleichgewicht und taumelt rücklings wie anno dazumal der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=7QAijec_VME" target="_blank">argentinische Nationaltrainer Alejandro Sabella</a> drei, vier, fünf Schritte nach hinten. Ein Ordner fängt ihn im letzten Augenblick auf. Dichter Dampf eines Zigarillos, das Schäfer währenddessen fest zwischen Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand gepresst hielt, weht vor das Teleobjektiv. Sowohl Rangnick als auch Büchler werfen Schäfer verständnislose Blicke zu. Dieser wird von zwei medizinischen Betreuern auf eine orange, sargähnliche Bahre gehievt und für die erste Hilfe zur 20 Meter entfernt stehenden Eistonne getragen. Nach dreißig Sekunden Unterbrechung kann das Interview fortgeführt werden.</em></p>
<p><strong>Büchler <em>(trotzdem gleich wieder voll konzentriert)</em>:</strong> „Ist Ihr Keeper Benjamin Bellot mental stark genug, diesen kapitalen Bock zu verkraften, der zum entscheidenden Gegentreffer so kurz vor Schluss geführt hat?“</p>
<p><strong>Rangnick <em>(entschlossen)</em>:</strong> „Da sehe ich überhaupt keinen Zweifel. Und sowieso machen wir ihm da nicht die geringsten Vorwürfe. Er hat absolut seinen Job gemacht. Diesen kleinen Faux-pas hat er doch jetzt schon vergessen. Wir von der sportlichen Leitung übrigens auch.“</p>
<p><strong>Büchler <em>(ungläubig)</em>:</strong> „Könnte Ihre etatmäßige Nummer eins Fabian Bredlow nicht Ansprüche anmelden, auch in der Europa League auflaufen zu wollen. Gerade jetzt, wenn als nächstes die KO-Runde folgt?“</p>
<p><strong>Rangnick <em>(eindringlicher Ton, die scharfen Augen rollend)</em>:</strong> „Wir haben immer gesagt, dass Fabian Bredlow, um den wir vor der Saison wirklich intensiv haben kämpfen müssen, damit Red Bull Salzburg ihn ziehen lässt, in der Bundesliga die Nase vorn hat. Aber Benny ist eine Identifikationsfigur, der sich seit 2009 enorm weiterentwickelt hat und Unmengen für unser Projekt geleistet hat. Die Europa League hat er sich ganz einfach verdient. Hier ist und bleibt er unser Wettbewerbshüter.“</p>
<p><strong>Büchler <em>(für’s erste zufriedengestellt)</em>:</strong> „Vielen Dank, Herr Rangnick, für ihre klaren Worte. Aaah. Sehr schön, da sehe ich ja auch schon Ralf Rangnick, Sportdirektor des etwas glücklichen Siegers Red Bull, Pardon, FC Salzburg, es ist ja schließlich Europapokal, zu uns kommen.</p>
<p><em>Sekunden später begrüßt ein leicht grimmig schauender Salzburger Sportdirektor grummelnd den Fragensteller Büchler.<br />
</em></p>
<p><strong>Büchler <em>(dennoch vorfreudig)</em>:</strong> „Herr Rangnick, wie auch Ihrem Leipziger Kollegen gebühren Ihnen herzliche Glückwünsche zum nicht mehr für möglichen gehaltenen Weiterkommen. Ihre Salzburger konnten Leipzig in die Zwischenrunde der Uefa Europa League folgen. Aber da war ja mächtig Dusel mit im Spiel, nicht wahr? […]“</p>
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		<title>Für eine handvoll Dollar</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jaygopp]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Jul 2014 11:48:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[filetiert]]></category>
		<category><![CDATA[PSG]]></category>
		<category><![CDATA[Testspiel]]></category>
		<category><![CDATA[Trikottausch]]></category>
		<category><![CDATA[Zlatan]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn man dem Onlinearchiv der ATP Glauben schenken darf, dann hat der ehemalige Tennisprofi Nasser Al-Khelaïfi im Laufe seiner professionellen Karriere auf der Tour ehrbare 16.201 US-Dollar an Preisgeld eingeheimst. Einen kleinen Teil davon gab es dafür, dass er sich 1996 in St. Pölten in einem Erstrundenmatch mal mit Thomas Muster messen durfte. Nach 36 &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2014/07/18/fur-eine-handvoll-dollar/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Für eine handvoll Dollar</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man dem Onlinearchiv der ATP Glauben schenken darf, dann hat der ehemalige Tennisprofi Nasser Al-Khelaïfi im Laufe seiner professionellen Karriere auf der Tour ehrbare 16.201 US-Dollar an Preisgeld eingeheimst. Einen kleinen Teil davon gab es dafür, dass er sich 1996 in St. Pölten in einem Erstrundenmatch mal mit Thomas Muster messen durfte. Nach 36 Minuten (0-6, 1-6 aus Al-Khelaïfis Sicht) hatte der damalige Weltranglistenzweite Muster das Sparring hinter sich gebracht. Wohl sogar noch neun Minuten länger wird Zlatan Ibrahimovic am Freitagabend über den Rasen des Leipziger Stadions schlendern müssen. Das stets gockelhafte, doch hin und wieder auch genialische Aushängeschild des französischen Meisters Paris Saint-Germain tritt in Leipzig an.<span id="more-71"></span></p>
<p><strong>Testkick gegen Pariser Rumpfteam und Jagd auf Ibrahimovic&#8217; Trikot</strong></p>
<p>„Spielen mit Gott aus Frankreich“, frohlockt es daher seit Wochen schon von den Plakatwänden und aus diversen Presseanzeigen. Was die Marketingmaschinen aus Fuschl und dem Redaktionsgebäude am Leipziger Peterssteinweg bei aller Freude über diesen kostspieligen Testcoup (kolportiert wurden bis zu 300.000 Euro Antrittsgage) ihrem übereuphorisch angeheizten Publikum jedoch dezent verschweigen: Wenn Fußballer von Ibrahimovic’ Klasse etwas nicht mögen, dann sind es nervige Testspieltrips während einer eh schon qualvollen Saisonvorbereitung gegen motivierte, unbekannte Kontrahenten, die ihnen zu allem Übel ständig auf den Goldfüßchen stehen, um zu guter letzt doch bloß betont devot das Trikot als Souvenir abzufassen versuchen. Noch weniger ist (und sogar trotz extra ins Sportressort berufener französischer LVZ-Volontärin) derweil überliefert, wen der Angreifer aus dem eigenen Rumpfteam überhaupt mit Namen kennt. Die übergroße Mehrheit des seit 2011 vom katarischen Staatsfonds QIA um hunderte Millionen Euro hochgepäppelten Starensembles weilt nämlich noch beseelt im Urlaub.</p>
<p>Dennoch gaben sich sämtliche Reporter und Reporterinnen der Stadt allergrößte Mühe, damit das „Spiel des Jahres“ (bild.de, 18.07.) nichts an vermuteter Attraktivität einbüßt. Immerhin werden ja an Gottes Seite Christophe Jallet (FRA), Marquinhos (BRA) und Javier Pastore (ARG) auflaufen, die ihres Zeichens als „Nationalspieler“ (LVZ Online) vorgestellt wurden. Das stimmt auch irgendwie. Nur wahrscheinlich hat in den Artikeln Platz dafür gefehlt, dass der fünfmalige französische Auswahlspieler Jallet zuletzt im März 2013 berufen wurde und es bei ihm zuletzt nur zu 13 Ligue 1-Einsätzen reichte. Marquinhos dagegen ist erst 20 Jahre jung. Beim 5:0 Testsieg der Brasilianer über Honduras vergangenen November feierte er ab der 72. Minute sein bislang einziges Länderspiel. Wenigstens durfte er sich in der abgelaufenen Saison in 21 von 38 Ligue 1-Partien so richtig austoben. Pastore wiederum lief zuletzt 2011 für die argentinische ‚Albiceleste’ auf. Freilich wird der PSG-Kader mit einer „Reihe von ambitionierten Talenten“ (LVZ Online, 17.07.2014) aufgefüllt.</p>
<h3><strong>PSG &#8211; Ein Starensemble von Katars Gnaden</strong></h3>
<p>Der Schwede, Pardon: Gott, wird auch diese Tortur mit dem ihm eigenen Humor überstehen. Wie soll er so schön bei seinem Amtsantritt in der französischen Hauptstadt vor zwei Jahren kundgetan haben: „Ich kenne die Ligue 1 nicht, doch die Ligue 1 kennt mich.“ Vielleicht begnügt sich das RB-Publikum trotz Normalticketpreisen bis zu 30 Euro ja sowieso wohlwollend mit ein paar unscharfen, verwackelten Smartphone-Videos aus der Ferne. Währenddessen wird sich Ibrahimovic in der offensiven Spielhälfte pflichtschuldig für ein Weilchen die Füße vertreten, dabei zwei, drei Übersteigern vollbringen, wohl mindestens auch einen seiner berüchtigten Fernschüsse ansetzen und für diesen Tagesaufwand weit mehr als läppische 16.201 US-Dollar (bzw. Euro) pünktlich überwiesen bekommen. Das garantiert ihm Nasser Al-Khelaïfi, der nach der eigenen aktiven Sportkarriere nicht nur Katars Tennis-Verbandspräsident oder Chef von Al-Jazeera Sports wurde, sondern seit 2011 auch präsidialer Statthalter von Katars Gnaden bei Paris Saint-Germain sein darf.</p>
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		<title>Fanfaren für die Jungbullen</title>
		<link>https://zwangsbeglueckt.de/2014/07/03/fanfaren-fur-die-jungbullen-besuch-bei-den-entscheidungsspielen-der-u17-meisterschaft/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jaygopp]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Jul 2014 10:36:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[gemästet]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Meisterschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Jungbullen]]></category>
		<category><![CDATA[live]]></category>
		<category><![CDATA[Spielbericht]]></category>
		<category><![CDATA[U17]]></category>
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					<description><![CDATA[Es dauerte ein wenig, ehe die zuvor regungslos auf dem Rasen verharrenden U17-„Jungbullen“ (um dem offiziellen Duktus des RB-Universums gerecht zu werden) sich noch ein letztes Mal berappelten, um auf ihrer anschließenden Ehrenrunde den allemal verdienten, wiewohl in diesen Momenten kaum tröstlichen Applaus von knapp 7.500 Zuschauern im großen Stadion am Fuße der Festwiese einzuheimsen. &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2014/07/03/fanfaren-fur-die-jungbullen-besuch-bei-den-entscheidungsspielen-der-u17-meisterschaft/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Fanfaren für die Jungbullen</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es dauerte ein wenig, ehe die zuvor regungslos auf dem Rasen verharrenden U17-„Jungbullen“ (um dem offiziellen Duktus des RB-Universums gerecht zu werden) sich noch ein letztes Mal berappelten, um auf ihrer anschließenden Ehrenrunde den allemal verdienten, wiewohl in diesen Momenten kaum tröstlichen Applaus von knapp 7.500 Zuschauern im großen Stadion am Fuße der Festwiese einzuheimsen.</p>
<p>Den Weg so mühsam hatte die fehlende Trophäe gemacht. Denn keine 60 Meter entfernt, auf der eilig nach Abpfiff installierten Siegerbühne, schwangen euphorisierte Dortmunder Hoffnungsträger eben jene von den Leipzigern schmerzlich vermisste silberne Meisterschale kreuz und quer durch die Luft. Dank eines zweifellosen 2:1-Erfolges hatten sich die Schwarz-Gelben zuvor den Sieg im Finale um die deutsche U17-Meisterschaft und das anschließende kleine große Brimborium verdient. Die anwesende DFB-Delegation verhüllte nicht nur die Werbebanden in neutralem Grün, sondern inszenierte ebenso ein FIFA-taugliches Zeremoniell, das gleichwohl im Westfalen-, Olympia- oder dem Stadion Maracanã nicht besser hätte zur Schau geboten werden können. Ganz egal, wo.<span id="more-58"></span></p>
<h3><strong>Verwechselbar unverwechselbare Bilder: Das deutsche B-Jugend-Finale</strong></h3>
<p>Auch an diesem lauen Freitagabend im Juni wurden von Anfang bis Ende verwechselbar unverwechselbare, rührende Bilder geboten: Einlauf unter Fanfarenmusik, Nationalhymne, kurzweiliges Spiel, routinierte Gewinnerposen hier, traurige Verlierertränen dort. Und von oben rieselte dichter, golden glitzernder Konfettiregen hinab, den mehrere Salven aus Konfettikanonen ausgestoßen hatten.</p>
<p>Ähnlich professionell wie die Veranstalter gaben die sportlichen Akteure dem Geschehen eine würdige, fußballerische Untermalung. Über die 80 Spielminuten hinweg eiferten die Talente ihren großen Bundesligavorbildern aus dem Pay-TV in allerlei Dingen nach: Sie trugen die gleichen überteuerten Töppen in gewöhnungsbedürftigen Signalfarben, vollführten Zunge schnalzende Finten, zogen wiederholt herrliche Kombinationen auf, konnten jedoch – wenn nötig – allzu clever die Sekunden dahinstreichen lassen oder wussten situativ – etwa in eigenen Druckphasen oder vor Standardsituationen – mit eindringlichen Gesten das Publikum zu animieren. Kurzum: Sie spielten wirklich flotten und ansehnlichen B-Jugendfußball mitsamt der dazugehörigen Profitheatralik dieser Tage.</p>
<p>Bereits am Sonntagvormittag zuvor, beim bestens gemeisterten 2:1-Finaleinzug der Jungbullen über Mainz 05, ließen sich gut 3.500 Zuschauer davon überzeugen. „Besser als unsere Nationalmannschaft“, frohlockte ein Altbulle (<em>Bullensprech für betagter, fußballbegeisterter Kiebitz</em>) augenzwinkernd. Joachim Löws Elf hatte bekanntlich am vorherigen Abend mit Ghana die Punkte geteilt. Es war augenscheinlich nicht sein erster Besuch im Stadion, wusste er doch seine Sitznachbarin fachkundig aufzuklären, die „unsere 19“ als „Hendrik Ernst in klein“ identifizierte. Ernst ist laut offizieller RB-Homepage ein „Mittelfeldbulle“, der nach einem Kreuzbandriss im Februar um Anschluss im Zweitligakader kämpft. „Nee, wissen Sie wie der läuft?“, entgegnete er ihr, „ein bissel wie der Morys“. Einem in den vergangenen Monaten ebenfalls verletzungsgeplagten Angriffsbullen aus der ersten Mannschaft.</p>
<p>Robin Boerner bekam vom vergnüglichen Plausch der Fans nichts mit. Der U17-Verteidiger mit der Nummer 19, im Juli letzten Jahres vom SV Wehen Wiesbaden nach Leipzig gewechselt, war genug mit seinen Aufgaben unten auf dem Platz beim schweißtreibenden Rasenball beschäftigt. Er spielte in der Viererkette, für die RBs Marketinggenies bislang glücklicherweise noch keine konzerngenehme Begriffsverunstaltung eingefallen ist. Boerner leistete gemeinsam mit den anderen Jungbullen gute Arbeit und durfte sich daher bei der anschließenden „UFFTA“ berechtigt von einem kleinen, wenn auch unermüdlichen Stimmungsblock aus Fahnenschwenkern, Trommlern und Schalwedlern in gewohnt produktaffinen Farben feiern lassen.</p>
<h3><strong>BVB-Chefs feiern zweifellosen Sieg und Sponsorendeal in dreistelliger Millionenhöhe</strong></h3>
<p>Eingedenk dieses Husarenritts der U17, angefangen beim Nord-Ostdeutschen Bundesligatitel bis ins Finale der Deutschen Meisterschaft, warb der Verein folgerichtig über die ihm eigenen Kanäle (u.a. halbseitig im lokalen heißen Blatt) kräftig für seine „Nachwuchshelden“ (LVZ, 26. Juni, S. 28). Die abermalige Aussicht auf vielversprechenden Jugendfußball an einem lauen Freitagabend mitsamt kostenlosem Eintritt in die ehemalige WM-Schüssel sorgte letztendlich sogar für die mehr als doppelte Zahl an Stadiongängern. Doch weder ihr Zuspruch, noch die anspornenden Kabinenworte des bislang obersten Angriffsbullen Daniel Frahn konnte die Leipziger 1:2-Niederlage gegen bemerkenswert frühreife, spielfreudige, athletische, schlichtweg bessere Dortmunder verhindern. Einzig der blitzgescheite Heber des Ex-Auers Marcel Becher zum unverhofften Anschlusstreffer (47.) sowie die schwarz-gelben Chancensünder hielten rot-weiße Hoffnungsschimmer bis Abpfiff am Leben.</p>
<p>Das Ergebnis sorgte oben auf den Ehrenplätzen, wo sich die gesamte BVB-Klubspitze um Michael Zorc, Reinhard Rauball und Hans-Joachim Watzke versammelt hatte, zusätzlich für allerbeste Stimmung. Nur Stunden vorher durfte Watzke einen voluminösen Deal in wohl dreistelliger Millionenhöhe mit dem in Essen ansässigen Chemieunternehmen evonik präsentieren, der sowohl die langfristige Verlängerung des Hauptsponsorenvertrages, als auch den Verkauf von neun Prozent der Klubanteile beinhaltete. Ein zeitgemäßer Big-Business-Kniff, um zukünftig weiterhin im garstigen, ausufernden Wettbewerb mit aufstrebenden Projekten wie RB standzuhalten, deren Macher für schlappe neun Prozent nicht einmal Häuserfassaden im österreichischen Spielberg rot-weiß anstreichen würden.</p>
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