umgeschminkt (2) – Der Basis verpflichtet

Hier also die Fortsetzung unserer kleinen Serie zu den drängendsten Auffälligkeiten rund um das Lizenzierungsverfahren zur 2. Bundesliga. Für diesen Beitrag haben wir mal das Verhältnis von RB zu seinem Vorstand (ja, so distanziert muss man das formulieren), dessen personelle Besetzung ja schon im letzten Beitrag erwähnt wurde, kurz beäugt.

Wie bei jedem Verein, der seine Profiabteilung vor allem als Leuchtturm sieht, die aus einer soliden Breitensportarbeit herausragt, wird natürlich auch bei RB der Vorstand von den Mitgliedern, der Vereinsbasis, gewählt. Eine solche Vorstandswahl garantiert demokratische Einflussmöglichkeit und stellt neben dem Aufsichtsrat eines der maßgeblichen und den Vereinsgedanken am meisten repräsentierenden Steuerungsinstrumente dar. Etwa für solche Fälle, wenn der Vorstand Jahr für Jahr die halbe Profimannschaft austauscht und dabei immer größer werdende Millionenbeträge verbrennt. Oder man in Rechtfertigungszwänge gegenüber den vielen kleinen Geldgebern kommt und die Menschen partizipieren lassen will, die zumindest einen Teil ihrer Einlagen für die Kinderausbildung und das Jugendtraining des Vereins ausgeben.

Auffällig ruhig

Selbstverständlich sind diese Gedanken auch bei RB maßgeblich. Und tatsächlich hat doch der Verein seit Juni einen neuen Vorstand! Interessant, dass man von einer für die Vorstandswahl üblichen Mitgliederversammlung nichts mitbekam und auch das Wahlergebnis eher nebenbei und erst drei Wochen später bekannt wurde. Und das, obwohl sonst jeder A-Jugend-Torwart-Transfer mit großer Orchestrierung nach außen kommuniziert wird. Okay, gut, bei acht 14 Mitgliedern (!) reicht ja eigentlich auch Hand heben zwischen Tür und Angel in der Kaffeeküche.

*Diddi tritt auf*

Gebieter: Wer von euch will das machen?

*Genörgel*

Gebieter: Leute, wir müssen wenigstens so tun!

Lakai: Ja, gut, Ich.

*Diddi tritt ab*

Konsequent ist dabei, dass der komplette Prozess der personellen Besetzung des neuen Gremiums intransparent bleibt – analog übrigens zur Besetzung von Aufsichtsrat und Ehrenrat. Nirgendwo lässt sich etwas zu Art und Weise des „Wahlverfahrens“ entnehmen oder sonstige Abstimmungs- und Entscheidungsfindungsprozesse, die (vermutlich) im Leipziger Sportforum stattfinden, nachvollziehen.

Vorstand? Wer ist das?

Mal ganz davon abgesehen, dass eigentlich sämtliche Profiklubs ihre Vorständler auf ihrer Website irgendwie nett (teils mit Bild) vorstellen, RB aber hieraus einen kleinen Akt der Selbstverleumdung macht. Nur ganz versteckt lassen sich zumindest die Namen der Führungsebene nachvollziehen – im Impressum der vereinseigenen Homepage. Toll, man will seinen Namen nicht an die große Glocke hängen, Understatement betrei … ach, lassen wir das. Eine alternative Lesart ist, dass das Versteckspiel nicht gerade viel Stolz auf die Führungsebene dokumentiert oder schlichtweg ganz realistisch deren Entscheidungsgewalt auf die Belange der Vereinspolitik widerspiegelt.

Dabei kann sich der neue Vorstand sehen lassen und zeichnet sich, wie von der DFL gefordert, durch echte Unabhängigkeit von Diddis Imperium aus. Der Vorsitzende Oliver Mintzlaff war mal Berater von Rangnick und Geschäftsführer einer Marketingfirma (Alexander Hleb! Andrea Berg!) und hat seit Januar den herrlichen Titel Head of Global Soccer bei Red Bull. Der zweite Vorstand ist Ulrich Wolter, seines Zeichens seit 2012 Geschäftsführer bei RB Leipzig und damit natürlich komplett autark von Mateschitz. Ebenso wie der dritte Sportfreund Frank Zimmermann. Er firmiert meist unter dem Zusatz ‚Finanzchef‘ und ist auch schon eine Weile im Leipziger Vereinshaus von RB unterwegs.

Der aktuelle Vorstand unterscheidet sich somit natürlich meilenweit von seinen Vorgängern, die nicht mal schlecht getarnt, sondern ganz offenkundig jahrelange Buddys von Mateschitz waren. Nur mit einer echten Vernarrtheit in den Sport sind dabei Ämterhäufungen wie von Rudolf Theierl zu erklären gewesen. Dieser musste nun sein geliebtes Leipziger Engagement beenden, wird aber sicherlich weiterhin interessiertes Mitglied bleiben.

Alles nichts Neues, schon klar. Ein Witz bleibt es trotzdem. Auch wenn der Anhängerschaft das offenkundig egal ist. Das Prinzip bleibt: Wir – RB – bieten Euch – den Leuten – Unterhaltung und Fußball. Wir machen dabei so ziemlich alles, was rechtlich irgendwie möglich ist. Und für Euch gilt: Klappe und Abstand halten.

 

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