Stellvertretend beleidigt

Da scheint Guido Schäfer mal wieder zu tief in die rot-blaue Dose geschaut zu haben. Oder der Rausch von Oktoberfest und teenagerhaft gesuchter Nähe zu den Sternchen von RB Leipzig war zu stark. Anders ist nicht zu erklären, warum normalerweise jeder, aber wirklich jeder Nonsens billigend in Kauf genommen oder gar – von öffentlich-rechtlichen Geldern bezahlt – aktiv gesucht und notdürftig als Berichterstattung verkauft wird. Dann aber eine vergleichsweise harmlose Form der Kritik gegenüber dem im Plan liegenden Projekt des Gebieters mit empörter Geste gerügt wird.

In a Rich Man’s World

Beim letzten Promoauftritt Auswärtsspiel von RB in Düsseldorf erwartete sie und die mitgereiste Anhängerschaft – neben den mittlerweile obligatorischen Anti-RB-Bannern (1 & 2) – eine eher subtile Form des Protests.  Der Stadion-DJ spielte Money, Money, Money von ABBA, Kauf mich! von den Toten Hosen sowie Chopins Trauermarsch. Die Verbindung ist klar, auch wenn Rangnick zum Thema Kommerzialisierung nicht viel einfällt und er lieber von einem „authentischen“ Plan bei RB faselt.

Vielleicht lag es daran, dass die musikalische Umgarnung unangekündigt über die gallierhaft tapferen RBler hereinbrach – nicht wie zuvor im Zusammenhang mit Eintracht Braunschweig oder bei Union Berlin –, und man sich nicht vorher auf eine (hihi, wie originell) versnobte oder selbstironische Haltung verabreden konnte. Jedenfalls fühlte sich die RB-Fraktion nicht gemocht. Aufschrei!

Anbiedernd, anwaltlich, aber vor allem zu kurz gedacht

Wie auch immer, eigentlich geht uns das ja auch nichts an. Dass Schäfer sich in seinem Artikel vom 1. Oktober (LVZ, S. 26) – in dem er eigentlich nur das dünne Süppchen vom Vortag noch mal aufwärmt, aber das ist eine andere Baustelle – aber nicht entblödet, in diesem Zusammenhang allen Ernstes von „Schmähungen“ und der Missachtung „des vom DFB geforderten Fair-Play-Gedankens“ zu schwadronieren, ist dann aber doch nicht mehr auszuhalten. Seine Aussagen sind nicht nur anbiedernd und anwaltlich, sondern auch von einer gedanklichen Tiefe getragen,  die von der Wand bis zur Tapete reicht.

Erstmal ist festzuhalten, dass das, was RB am Wochenende und eigentlich auch bisher „auszustehen“ hatte, ein ziemlicher Witz gegenüber dem ist,  was andere Anhänger von anderen Anhängern zu erwarten haben (12 & 3). Aber schon klar, mit diesen Wilden will man ja auch nichts zu tun haben. Die ganzen Kläuse würden sich mit ihren unbescholtenen Kindern ja gar nicht mehr ins Stadion trauen und könnten nicht zurückgelehnt die tolle (Zirkus-)Show neben und auf dem Rasen genießen und erfahren, welcher Fließenleger den nächsten Eckball präsentiert. Wobei. Genuß? Die sind ja alle so klein da unten. Außerdem würde ich gerne den kaugummikauenden Trainer noch mal in der Super-Slow-Mo sehen. Dann doch lieber Sky!

Daneben ist sicherlich auch fraglich, inwieweit RB selbst den Fair-Play-Gedanken für sich in Anspruch nehmen kann – jetzt mal abstrahiert vom unmittelbaren Spielgeschehen, die Teams in Weiß-Rot bestehen sicherlich alle aus bescheidenen und fairen Sportsmänner und -frauen. Gut, er hier nicht. Geschenkt! Wie schon mal aufgeschrieben, wurde jedenfalls bereits an mehreren Bruchstellen sichtbar, dass sich hinter der schönen, seriösen Reihenhausfassade, die RB sein möchte, ein ausgeklügeltes und von RR Ralle orchestriertes System der Annäherung (gelegentlich Übertretungen inbegriffen) an die Grenzen von Verbandsregularien und moralischen Grundregeln befindet.

Aber was soll’s. Hauptsache Bundesliga!

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