<br />
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	<title>ZEIT &#8211; zwangsbeglückt</title>
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	<description>Ein RB-Leipzig-Protokoll</description>
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		<title>BSG Motor Ostdeutschland</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Nov 2016 10:06:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wir denken ja immer: Schlimmer wird’s nicht. Und dann kommt, und in letzter Zeit passiert das immer häufiger, die ZEIT. Über die RB-Berichterstattung der LVZ lohnt ja kaum noch ein Wort. Aber offensichtlich ist es auch der Chefetage des Hamburger Wochenblattes egal, welches intellektuelle Niveau in der ZEIT im Osten-Redaktion unterschritten wird. Und so dürfen &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2016/11/25/bsg-motor-ostdeutschland/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">BSG Motor Ostdeutschland</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir denken ja immer: Schlimmer wird’s nicht. Und dann kommt, und in letzter Zeit passiert das immer häufiger, die ZEIT. Über die RB-Berichterstattung der LVZ lohnt ja kaum noch ein Wort. Aber offensichtlich ist es auch der Chefetage des Hamburger Wochenblattes egal, welches intellektuelle Niveau in der ZEIT im Osten-Redaktion unterschritten wird. Und so dürfen die Fanboys um Martin Machowecz eben machen, was sie wollen. <a href="http://www.zeit.de/2016/49/rb-leipzig-fussball-bundesliga-tabelle" target="_blank">In dieser Woche</a>: Elf (diese Symbolik!) mehr oder minder prominente oder wichtige Menschen in oder aus Ostdeutschland dürfen ihren Senf zur <span style="text-decoration: line-through;">Mondlandung</span> der Tabellenführung von RB abgeben.</p>
<p><span id="more-871"></span></p>
<p>Man lernt beim Lesen eine Menge über Identifikation. Und über Glauben. Denn geglaubt wird von den Befragten sehr viel, und deshalb funktioniert es auch mit der Identifikation. Beispiele gefällig?</p>
<h4>Über Glauben</h4>
<p>Charly Hübner glaubt, dass RB „allen hier Selbstbewusstsein“ gibt. Jana Hensel glaubt ihre Tagträume vom Aufstieg des Ostens in Erfüllung gehen zu sehen, und als Erklärung für ihre eigene Verzückung schiebt sie gleich nach: „natürlich brauchen wir Helden“. Felix Dachsel glaubt noch doller als zuvor an den Hipstertraum von Hypezig: „Wildheit, Anmut, Altbau und günstiges Bier“. Anne Hähnig glaubt ganz fest daran, dass RB eine „Form von Ostemanzipation“ darstellt. Cathrin Gilbert glaubt an das „Wunder“, dass RB „die Bayern mit einem viel kleineren Etat überholt“ hat. Und OBM Jung glaubt daran, dass RB „auf Nachwuchsarbeit und Teamgeist“ setzt.</p>
<figure id="attachment_886" aria-describedby="caption-attachment-886" style="width: 660px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/5671120311_0ccd92e30d_o.jpg"><img class="size-large wp-image-886" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/5671120311_0ccd92e30d_o-843x1024.jpg" alt="" width="660" height="802" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/5671120311_0ccd92e30d_o-843x1024.jpg 843w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/5671120311_0ccd92e30d_o-247x300.jpg 247w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/5671120311_0ccd92e30d_o-768x932.jpg 768w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/5671120311_0ccd92e30d_o.jpg 1635w" sizes="(max-width: 660px) 100vw, 660px" /></a><figcaption id="caption-attachment-886" class="wp-caption-text">Foto: Doris-S &amp; Jerry Bautisa Jr. / CC BY 2.0</figcaption></figure>
<p>Noch Nerven? Weiter: Ein Wirtschaftspsychologe (!) von der HHL glaubt in RB einen „fast postmodernen“ Verein zu sehen, „offen für alle Klassen und Schichten, für Neureiche wie für Arme“. Eine Politikerin der LINKEN glaubt im Stadion noch nie „rassistischen Unsinn“ [sic! vgl. <a href="http://www.faszination-fankurve.de/index.php?head=Antisemitische-Rufe-aus-RB-Leipzig-Fanblock&amp;folder=sites&amp;site=news_detail&amp;news_id=9017" target="_blank">1</a>, <a href="https://www.chronikle.org/ereignis/antisemitische-%C3%A4u%C3%9Ferungen-rb-fans" target="_blank">2</a>, <a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/fans-von-rb-leipzig-fallen-durch-antisemitische-rufe-auf-a-1020513.html" target="_blank">3</a>] gehört zu haben; die „Leute sind aufmerksam“. Und der Politikprofessor glaubt, es sei „nur gerecht, dass die Sachsen nicht mehr durch halb Deutschland fahren müssen“.</p>
<p>Das alles ist natürlich Wahnsinn. Nur zur Erinnerung: Um ein Haar wäre RB in <a href="https://www.welt.de/sport/fussball/2-bundesliga/article140232412/Red-Bull-wollte-den-FC-St-Pauli-kaufen.html" target="_blank">Hamburg</a>, <a href="http://www.tz.de/sport/1860-muenchen/red-bull-hatte-1860-muenchen-visier-4955282.html" target="_blank">München</a> oder Düsseldorf gelandet („Ihr steht doch auch für Coolness, Party, feiern und so“). Mehr oder minder Zufall. Mit dem Osten hat das nichts zu tun. Außer mit dem Umstand, dass man gerade hier mit einer Menge Menschen rechnen konnte, denen so ziemlich alles egal ist. Hauptsache sie bekommen endlich wieder etwas geboten, wovon sie glaubten, darauf einen Anspruch zu haben. Oder genügend Menschen wie Jana Hensel, die sich schlichtweg unterrepräsentiert fühlten, wenn sie den Namen ihrer Heimatstadt im Ausland nicht im Sportteil finden.</p>
<h4>Endlich wieder selbstbewusst sein dürfen</h4>
<p>Und offensichtlich funktioniert das auch. Dauernd ist in den elf Wortmeldungen die Rede von „dem Osten“, der jetzt durch RB repräsentiert würde, oder gleich von „uns Ossis“ (Hähnig) oder „wir, in Leipzig“ (Neuhaus-Wartenberg). Den Vogel schießt hierbei wieder Machowecz ab, der so komplett in Ost-West-Kategorien denkt, dass man meint, einen Artikel aus den frühen 1990ern erwischt zu haben. Da agiert die ganze Zeit „der Osten“, als gäbe es ihn in Person. Nah dran ist auch Charly Hübner, der &#8220;erst kürzlich&#8221; auch mal Leipzig &#8220;besucht&#8221; habe und nun klar urteilen kann: &#8220;In Zeiten wie diesen, gibt das allen hier Selbstbewusstsein.&#8221; Wie viel weniger Bezug zur Materie kann man eigentlich noch zum Ausdruck bringen?</p>
<p>Sicherlich: Mit Glauben hat man es im Fußball nicht nur bei RB zu tun. Aber das Ausmaß, in dem man hier bereit ist etwas zu sehen, wofür es überschaubar viele Anzeichen gibt, ist schon sehr beachtlich.</p>
<p>Und mal abgesehen von der Grundfrage, was eigentlich dieser Kollektivakteur „der Osten“ sein soll und wer bei RB ihn repräsentiert (Mateschitz? Rangnick? Hasenhüttl? Mintzlaff?), ist es schon wirklich beachtlich, wieviel jetzt in dieses Projekt projiziert wird und wie sehr man sich von jeder halbwegs distanzierten Beobachtung auch bei der ZEIT verabschiedet hat. Bezeichnendes Detail: Der einzige Link zu potentiell kritischen Stimmen führt zum <a href="http://www.zeit.de/sport/2016-09/rb-leipzig-bundesliga-traditionsvereine" target="_blank">Eilenberger-Artikel</a> „Wer Red Bull hasst, hasst sich selbst“, der viel über Eilenbergers Weltsicht, wenig aber über sinnvolle Argumente gegen RB beinhaltet.</p>
<h4>Sehnsucht nach dem Kollektiv: &#8220;In Zeiten wie diesen&#8221;</h4>
<p>Nur zur Klarstellung: Wir haben uns nicht nach einem (anderen) Ostverein gesehnt und sind jetzt nur mit RB unzufrieden. Wir finden schon die Idee eines Ost-Klubs generell zum Lachen, und dass sogar die ZEIT solchen Kollektiv-Fantasien hinterher rennt, sagt einiges über die Faszination solcher Ideen. Aber das Geilste ist wirklich, dass jetzt RB die Verwirklichung dieses Gespinstes sein soll, eine BSG DDR gewissermaßen, oder: Motor Ostzone.</p>
<figure id="attachment_885" aria-describedby="caption-attachment-885" style="width: 800px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/Bundesarchiv_Bild_183-Z0411-051_Berlin_X._SED-Parteitag.jpg"><img loading="lazy" class="size-full wp-image-885" src="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/Bundesarchiv_Bild_183-Z0411-051_Berlin_X._SED-Parteitag.jpg" alt="" width="800" height="567" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/Bundesarchiv_Bild_183-Z0411-051_Berlin_X._SED-Parteitag.jpg 800w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/Bundesarchiv_Bild_183-Z0411-051_Berlin_X._SED-Parteitag-300x213.jpg 300w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2016/11/Bundesarchiv_Bild_183-Z0411-051_Berlin_X._SED-Parteitag-768x544.jpg 768w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /></a><figcaption id="caption-attachment-885" class="wp-caption-text">Foto: Bundesarchiv, Bild 183-Z0411-051 / Mittelstädt, Rainer / CC-BY-SA 3.0</figcaption></figure>
<p>Man kann am Beispiel von RB viel darüber lernen, wie sehr manchen Leuten offenbar die Identifikation mit einem Verein wichtig ist, um Fußball mit Interesse und Spaß ansehen zu können. Und dass es dann nicht nur zweitrangig, sondern komplett egal ist, ob und wieviel dieser Verein mit der Stadt tatsächlich zu tun hat.</p>
<p>Aber spätestens jetzt hat der große <a href="https://twitter.com/schfer_g/status/801734099916521472" target="_blank">Guido Schäfer</a> schon Recht mit seiner Diagnose, dass „die großen Zeitungen“ das Thema RB schon lange nicht mehr diskutieren würden. Vermutlich wollte er damit seine LVZ in eine Reihe mit der ZEIT stellen. Vermutlich aber läuft es gerade andersherum: Die ZEIT ist endgültig auf Lokalpostillen-Niveau angekommen.</p>
<p>Nur um Charly Hübner ist es ein wenig schade.</p>
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		<title>Der RoteBrausePrediger und das Problem, das keins sein soll</title>
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		<dc:creator><![CDATA[chassot]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2015 11:47:20 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Der rotebrauseblogger schreibt nicht nur das Internet voll und bringt Zuschauer bei einer Dose Bier zum Wegnicken, sondern darf sich nun auch bei ZEIT ONLINE und damit in der klassischen Printpresse ausprobieren. (update: unterscheidungen von online und offline halten wir offenkundig für eine überholte, alteuropäische sitte.) Die ZEIT verfolgt damit weiter ihre kürzlich schon begonnene Linie &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2015/04/07/der-rotebrauseprediger-und-das-problem-das-keins-sein-soll/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Der RoteBrausePrediger und das Problem, das keins sein soll</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der rotebrauseblogger schreibt nicht nur das Internet voll und bringt <a href="https://youtu.be/_o-kSfdWOzU" target="_blank">Zuschauer bei einer Dose Bier zum Wegnicken</a>, sondern darf sich nun auch bei ZEIT ONLINE und damit <a title="Red Bull ist nicht das Problem" href="http://www.zeit.de/sport/2015-04/rb-leipzig-profifussball-wettbewerb" target="_blank">in der klassischen Printpresse ausprobieren</a>. <em>(update: unterscheidungen von online und offline halten wir offenkundig für eine überholte, alteuropäische sitte.)</em> Die ZEIT verfolgt damit weiter ihre kürzlich schon begonnene Linie ‚Kritische Berichte zu RB haben wir genug gelesen, wir machen jetzt ein wenig <a title="Naiv statt investigativ" href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2015/03/10/naiv-statt-investigativ/" target="_blank">Normalisierung</a>’. Mit einer veränderten Sachlage hat das nichts zu tun, sondern eher mit der journalistischen Logik, sich schnell mit sich selbst zu langweilen und immer super-originell erscheinen zu wollen. Also findet man in Hamburg RB jetzt einfach mal halb so wild.</p>
<p><span id="more-476"></span><br />
Zum – gewohnt staatstragenden – Artikel selbst gäbe es einiges zu kalauern. Einer unserer Lieblingssätze war: „Die Frage nach den Organisationsformen im Profifußball wird bisher also durch die Realität beantwortet und nicht durch Verbände und Vereine“. Aber ehe wir anfangen, über unreale Verbände und Vereine nachzudenken und darüber, wer so alles bei dieser coolen Realität dabei ist, kommen wir lieber gleich zur Sache.</p>
<p>Wenn wir das richtig sehen, ist das Hauptargument des Textes: Alle Aufregung um RB ist „eine oberflächliche, emotionale Bekenntnisdebatte“, und sie gehe an der eigentlichen Frage vorbei, welchen (Profi)Fußball wir eigentlich wollen. Diese Frage sei nie oder nur am Rande gestellt worden.</p>
<h2><strong>Die Diskussion existiert!</strong></h2>
<p>Sorry, aber das ist schlichtweg falsch. Zum einen kann man ja die ganze Ablehnung von RB, wenn man das nur will, auch als Teil der Diskussion um den gewollten Fußball auffassen. Und zwar im Sinne von ‚Wir wollen gar keinen sonderlich speziellen Fußball, und wir haben bisher auch viel hingenommen, aber sowas wie RB wollen wir eben nicht!’. Die Argumente in der RB-Debatte mögen unterschiedlich komplex sein und Grundsatzfragen um den ‚modernen Fußball’ auch nicht immer explizit thematisieren. Beiträge zu dieser Diskussion sind es aber allemal. Man muss sie nur ernst nehmen.</p>
<p>Zum anderen stimmt die Behauptung von alleiniger Oberflächlichkeit und Emotionalität auch deshalb nicht, weil die Debatte um den präferierten Fußball ja auch explizit geführt wird,  <a title="Lizenzauflagen für RB Leipzig" href="http://www.tagesspiegel.de/sport/kommentar-lizenzauflagen-fuer-rb-leipzig-dfl-bekaempft-nur-symptome/9808344.html" target="_blank">hier</a> und <a title="Wider die " href="http://www.chemieblogger.de/2010/11/12/wider-die-tradition-in-der-debatte-ueber-modernen-fussball/#more-425" target="_blank">hier</a> und <a title="Kritik an RB Leipzig" href="http://www.11freunde.de/artikel/wie-gefaehrlich-ist-rb-leipzig" target="_blank">hier</a> etwa. Oder <a href="https://keinrichtigerballsport.wordpress.com/2014/09/28/scheiss-bullen-das-problem-ist-das-system/" target="_blank">hier</a> und <a href="http://fanzeit.de/redbulls-aktivitaet-geht-ueber-ein-normales-sponsoring-weit-hinaus/9179" target="_blank">hier</a> und <a href="http://www.stehplatzhelden.de/2015/02/macht-kommerzialisierung-die-bundesliga-kaputt/" target="_blank">hier</a>. Schnell wird beim Lesen dieser Beiträge klar, dass nicht einfach nur „Nein“ zu RB gesagt wird, sondern auch Argumente und offene Fragen vorgebracht werden. Alles mit Luft nach oben, aber immerhin.</p>
<p>Wir gehen mal davon aus, dass rotebrauseblogger diese und andere Debattenbeiträge auch kennt. Dafür, dass er sie aber nicht nennt bzw. für marginal hält, fallen uns zwei Gründe ein.</p>
<h2>RB Leipzig als progressiver Vorreiter?</h2>
<p>Erstens ist eine „Die Debatte läuft falsch“-Wortmeldung natürlich immer ein netter Versuch, wenn man selbst in einer doofen Position ist oder einem schlichtweg nichts anderes einfällt. Kießling versucht sich und das Projekt damit wieder mal aus der Schusslinie zu nehmen: „Red Bull ist nicht das Problem“.</p>
<p>Zweitens stellt sich RB damit mal nicht als Opfer, sondern als konstruktiver Akteur dar: Seht her, wir bringen eine Diskussion in Gang, die sowieso geführt werden müsste! So wie die Werder-Fans am besten noch dafür dankbar sein sollen, dass RB mit einem überaus gönnerhaften Selke-Deal ihrem klammen Verein das hungerleidende Sparschwein aufgefüllt hat, darf nun die Fan- und Funktionärsszene dafür applaudieren, dass Rangnick und Co. Grundsatzfragen aufwerfen. Man fragt sich, wo der Fußball ohne RB wäre.</p>
<p>Auch das folgt der bisherigen Normalisierungslinie: Wir sind hier nichts Neues, wir machen nur das, was alle anderen auch machen. (Dass man dabei immer wieder an ein paar Regeln erinnert werden musste, ist geschenkt.) Ein bisschen normaler als alle anderen will man dann eben doch sein, und Kießling tut dies, indem er mit großer Geste dem diskutierenden Pöbel die richtige Richtung weist. Nix mehr mit Emotionen, ganz nüchtern. Gleich noch die Champions League dazu nehmen, „es gibt Stimmen“ und „es gibt Juristen“ ins Feld führen, ein paar Lösungen andeuten, aber lieber gleich halb verwerfen. Und nachdem das alles aufgerufen wurde, erinnert man sich daran, dass das alles ja in der ZEIT erscheinen soll und man bei dieser Gelegenheit gleich noch einen Helmut Schmidt-mäßigen Spruch raushauen kann: „Ein Wettbewerb mit Chancengleichheit ist unter diesen Voraussetzungen sowieso nichts als Utopie“.</p>
<p>Ein solches Maximalziel ist natürlich ein Pappkamerad, den sich der Gastautor hinstellt, um ihn fachmännisch aus dem Weg zu räumen. Das lässt nebenbei die Gegenseite naiv aussehen und gibt schon mal die Richtung der eigenen Argumentation vor. Der Verdacht drängt sich auf, dass auch Kießling an der von ihm geforderten Debatte nur auf sehr spezifische Weise interessiert ist.</p>
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		<title>Naiv statt investigativ</title>
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		<dc:creator><![CDATA[zunull]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Mar 2015 08:01:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wichtiger Bestandteil der RB-Kommunikationsstrategie ist es, sich selbst als möglichst „normal“ darzustellen. Normale Transfers, normale Jugendarbeit, normaler Kapitalismus  Ralf Rangnick Wahnsinn. Dahinter steht das Bedürfnis, sich schnell und aggressiv in die Riege der etablierten Player einzukaufen, ohne mit dem Verein (und damit mit der Marke) zu oft am Pranger zu stehen. Erklärtes Ziel: RB soll in nächster Zukunft &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2015/03/10/naiv-statt-investigativ/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Naiv statt investigativ</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wichtiger Bestandteil der RB-Kommunikationsstrategie ist es, sich selbst als möglichst „normal“ darzustellen. Normale Transfers, normale Jugendarbeit, normaler <del>Kapitalismus </del> R<del>alf Rangnick </del>Wahnsinn. Dahinter steht das Bedürfnis, sich schnell und aggressiv in die Riege der etablierten Player einzukaufen, ohne mit dem Verein (und damit mit der Marke) zu oft am Pranger zu stehen. Erklärtes Ziel: RB soll in nächster Zukunft in einer Reihe mit Bayern München, Borussia Dortmund und (mindestens) Real Madrid genannt werden. <span id="more-446"></span>Mit sportlichen Höchstleistungen möchte man ein Standing erreichen, das Fragen nach der Finanzierung uninteressant werden lässt und durch das das Kürzel RB auch nicht mehr als in den Vereinsnamen gebastelte Werbebotschaft, sondern als gängiges Kürzel wie „FC“ empfunden wird. Die kürzlichen Trainerwechsel und vom Zaun gebrochenen Spielertransfers sind wahrscheinlich nur die unspektakulären Begleiterscheinungen der hinter den Kulissen tatsächlich herrschenden Ungeduld. Symptomatisch hierfür: Erst seit der laufenden Saison 2014/15 in der zweiten Liga angekommen, tätigt man schon internationale Millionentransfers zur Winterpause, als wäre es das Normalste der Welt. Und kommuniziert das im Sinne des omnipotenten-machohaften Selbstverständnisses auch so: Wir mögen noch in der Krabbelgruppe der um jeden Euro kämpfenden Mittelklasseclubs sein, aber eigentlich beherrschen wir das Spiel schon wie die Großen. Der dabei mitschwingende, ständige Verweis darauf, dass man sich völlig „normal“ im Sinne eines um Vermarktung und Kapitalisierung organisierten Profifußballgeschäfts verhalte, soll von den nervigsten Nachfragen nach Vereinsstruktur und Gemeinnutz ablenken.</p>
<h2><strong>Ganz normale Fans</strong></h2>
<p>Ähnliche Probleme tauchen auch beim Zusammentrommeln und Organisieren der eigenen Fanschaft auf. Diese musste sich gewissermaßen aus dem Stand konstituieren und diversifizieren, was auch gut gelang. Die Spiele der Profimannschaft werden mittlerweile gut angenommen. Es gibt einen Stimmungsblock und eine volle Gegengerade – allen Retorten- und Plastevorwürfen zum Trotz. Beim Pokalspiel gegen Wolfsburg war die WM-Schüssel gar das erste Mal bei einem Spiel von RB ausverkauft. Eine Erklärung, wieso das möglich ist, bei einem Verein, den es erst seit sechs Jahren gibt und der zu Leipzig ungefähr den gleichen Bezug hat wie ein Wanderzirkus, lieferte kürzlich – unbeabsichtigt – <a title="Christian Spiller" href="http://community.zeit.de/user/christian-spiller" target="_blank">Christian Spiller</a> von ZEIT ONLINE.</p>
<p><a title="Und hier soll die Fußballkultur untergehen?" href="http://www.zeit.de/sport/2015-03/rb-leipzig-athmosphaere-fans" target="_blank">Er machte sich hoch investigativ in die Spur</a>, um das besagte Pokalheimspiel gegen den VfL Wolfsburg zu besuchen und dabei auch mal einen Blick auf die Leute zu werfen, die so zu RB strömen. Was ihn dazu trieb, genau dieses Spiel zu besuchen, ist nicht überliefert. In der jüngeren Vergangenheit hätte es durchaus brisantere Duelle gegeben, bei denen es sich gelohnt hätte, der Fans wegen dabei zu sein. St. Pauli war zu Gast. Union Berlin war zu Gast. Wahrscheinlich war es aber der Reiz eines gutplatzierten Bundesligisten, der auch noch den einen oder anderen Fußballsuperstar in seinen Reihen aufbieten konnte, der den Autor bewog, ins Stadion zu gehen und Leute zu gucken.</p>
<p>Christian Spiller fuhr also zwei Stationen vom Bahnhof mit der Straßenbahn ans Zentralstadion, beeierte sich über das Wolfgang-Stumph-mäßige des Durchschnittsossis und das Angefurze einiger Mitreisender, setzte sich brav auf seinen Platz und belauschte die unmittelbaren Sitznachbarn. Der eine kam gar nicht aus Leipzig, sondern aus Bayern, womit wahrscheinlich die überregionale Strahlkraft RBs angesprochen werden sollte. Nebenbei beobachtete er das Fangeschehen, das sich gar nicht so sehr von dem in anderen Stadien abhebe: Ossigesichter, Ossigelaber, Fürze, Bierflaschen in Arschtaschen, Schallallallala des Stimmungsblocks. Der Autor fand alles wie immer beim Fußball und ganz normal vor.</p>
<h2><strong>Die Illusion wirkt</strong></h2>
<p>Bei aller sonstigen <a title="Leipzig erteilt Becherwerfer bundesweites Stadionverbot" href="http://www.sueddeutsche.de/news/sport/fussball-leipzig-erteilt-becherwerfer-bundesweites-stadionverbot-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-140403-99-07045" target="_blank">kommunikativen Abkehr vom Fanpöbel</a> dürften solche Geschichtchen der PR-Abteilung von RB gefallen. Erhält das sonst als Plasteclub verschriene Grüppchen von Verantwortlichen bei RB doch einen „adelnden“ proletenhaften Anstrich, an dem Clemens Meyer seine blanke Freude hätte.</p>
<p>Das unserer Meinung Wichtige an einer solchen Selbsterfahrung von „Normalität“ im Zusammenhang mit RB erwähnt der Autor jedoch nicht. Vor allem zeigt sich an ihr nämlich, dass im auf ein natürliches Recht auf Bundesligafußball (und freilich weit darüber hinaus, sorry) pochenden Leipzig die Illusion des Stadionerlebnisses und des Profifußballs wirkt. Oder man sich auch gern in sie hineinfallen lässt. Da muss man gar nicht ins Stadion gehen, man muss sich nur unter seinen Bekannten umhören. Neben den einzelnen Unbelehrbaren, die nichts Kritikwürdiges oder Lächerliches an RB finden können, gibt es dort auch viele, die vor allem die Eventspiele besuchen und das aus einer witzelnd-distanzierten Haltung heraus tun. Sie wollen die Show. Den hochklassigen Fußball mit Playstationstars und Skymoderatorinnen am Spielfeldrand. Ihnen ist klar, dass das alles aus dem Boden gestampfte Unterhaltung ist und dass sie sich die Spielernamen nicht merken brauchen, da man sich eh nicht sicher sein kann, wo die in der nächsten Saison spielen. Ginge RB in die Binsen, würde ihnen auch nichts fehlen. Hauptsache ein Abend unter Freunden und irgendeine Mannschaft gegen irgendeine andere. Dass uns eine solche Haltung in Bezug auf Fußball erschüttert, dürfte mittlerweile bekannt sein. Zumal wenn dadurch überspielt wird, innerhalb welches Kosten-Nutzen-Kalküls die Ausgründung der Leipziger RB-Filiale stattfand.</p>
<h2><strong>RB möchte Brause verkaufen!</strong></h2>
<p>Und auch Christian Spiller geht ihr auf den Leim, wenn er davon schreibt, dass alles wie auch bei den anderen Fußballclubs ist. Das mag oberflächlich schon so sein. Nicht nur bei RB Leipzig ist Fußball ein Event. Gleichwohl bekommt die Fassade dort Brüche, wo Spiller sich unhinterfragt freut, dass man wegen der Du-sollst-keinen-Gebieter-neben-mir-haben-Denke des Gebieters weder in der Halbzeit, noch sonst mit Werbung behelligt werde – außer halt mit der vom Brausehersteller. Kurz fällt ihm das auf, als er merkt, <a title="#Cateringgate" href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/07/17/cateringgate/" target="_blank">dass man am Getränkestand nicht am Konzern vorbei komme</a>. Dann wird allerdings wieder die Stadionwurst goutiert. Wie gesagt: Die Illusion wirkt.</p>
<p>Solche kurzen krisenhaften Momente des Aufmerkens, um was es den Verantwortlichen eigentlich geht – um den seriösen Aufbau einer intakten Mannschaft und die langfristige Entwicklung eines Vereins oder um das möglichst schnelle Erschließen nationaler und internationaler Medienaufmerksamkeit und damit Märkte –, gab und gibt es zwar immer wieder im Zusammenhang mit RB. So zu beobachten bei den unschönen Turbulenzen um Daniel Frahn und dem Abgang von Alexander Zorniger. Hier hörte man durchaus kritische Stimmen, die man eher aus den eigentlich als altbacken abgetanen „Traditionalistenkreisen“ kennt. Treue und sportliche Verdienste müssten einen nicht monetarisierbaren Wert haben! Wie kann man nur so kurzfristig handeln? Andererseits wurden diese Einwürfe dann meist mit der erwähnten ironischen bis zynischen Haltung dergestalt abgetan, dass man eben nichts anderes von einem internationalen Konzern zu erwarten hätte, dem es halt nur um die Limo mit Schuss geht.</p>
<p>Die Leute sind also nicht ganz so dumm, für wie man sie gern verkaufen möchte, auch nicht unter den Stadiongängern, die es zu RB Leipzig zieht.  Sie geben sich bewusst der Illusionierung durch das kaufbare Stadionerlebnis hin oder akzeptieren zynisch, dass sie Teil einer Verkaufsmaschinerie sind. Christian Spiller entschied sich für die erste Variante. Und natürlich: RB beherrscht die Klaviatur des Events – man möchte fast sagen, nichts leichter als das. Im Leipziger Zentralstadion wird zweiwöchentlich eine &#8220;normale&#8221; Fußballkulisse errichtet, die so oder ähnlich auch in allen anderen Bundesligastadien wieder zu finden ist. Und natürlich sind bei RB bis ins Detail Profis am Werk. So lange jemand die Rechnung bezahlt, findet sich für alles der passende Experte. Das Fragwürdige daran ist ja nun aber die Art und Weise des Zustandekommens dieser Fußballnormalität. Und die ist eben nicht mehr so ganz &#8220;normal&#8221; in Leipzig.</p>
<p>In die Richtung hätte auch Christian Spiller sich mal die Szenerie beschauen können. Hat er leider nicht. Aber was will man auch von einem Autor einer Zeitung erwarten, die sich aus Sport nicht viel macht. Insofern: niedrige Erwartungen, und die wurden erfüllt.</p>
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