<br />
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	<title>Illusion &#8211; zwangsbeglückt</title>
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	<description>Ein RB-Leipzig-Protokoll</description>
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		<title>Brüder zur Sonne, zur Brause!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[jaygopp]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 May 2015 22:19:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Schon Kain und sein Geschwisteropfer Abel oder Friedrich Schiller, der Karl und Franz Moor bis zum bitteren Ende des Jüngeren aufeinander losgehen ließ, wussten: Freunde kann man sich aussuchen, seine Familie leider nicht. Diese schmerzliche Erkenntnis muss unlängst auch Salzburger Anhängern, denen der Spitzenreiter des österreichischen Rasenballsports zweifellos am Herzen zu liegen scheint, gekommen sein. &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2015/05/11/bruder-zur-sonne-zur-brause/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Brüder zur Sonne, zur Brause!</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Schon Kain und sein Geschwisteropfer Abel oder Friedrich Schiller, der Karl und Franz Moor bis zum bitteren Ende des Jüngeren aufeinander losgehen ließ, wussten: Freunde kann man sich aussuchen, seine Familie leider nicht. Diese schmerzliche Erkenntnis muss unlängst auch Salzburger Anhängern, denen der Spitzenreiter des österreichischen Rasenballsports zweifellos am Herzen zu liegen scheint, gekommen sein. Wie der <a href="http://kurier.at/sport/fussball/zwietracht-in-der-red-bull-familie-salzburg-fans-beschimpfen-rb-leipzig/127.775.092#.VUE2hLBid00.twitter" target="_blank">österreichische Kurier </a>berichtete, hallten während des nationalen Pokalhalbfinales am letzten Aprildienstag urplötzlich gerade in Sportstadien gemeinhin bekannte Fäkalvokabeln durchs weite Rund.</p>
<p><span id="more-500"></span><br />
Doch weder an das Schiedsrichtergespann noch die Sympathisanten des Underdog-Kontrahenten war der Furor aus dem Salzburger Fanblock adressiert. Niemand anderes als der eigene Bruderklub aus dem Nachbarland geriet ins moralische Fadenkreuz! In Häufigkeit, Ausdauer und rotziger Kreativität nicht annähernd damit vergleichbar, wie sich beispielsweise die Gallagher-Brüder im Laufe ihres Lebens einander bedacht haben, aber nichtsdestotrotz: unüberhörbar für 1.890 handgezählte Zuschauer im Stadion als auch 130.000 Couchgesellen an den TV-Bildschirmen: „Scheiß RB Leipzig, wir singen Scheiß RB Leipzig, Scheiß RB Leipzig […]!“ Rrrrrrrruuuuuums! Zarte Aufruhr im Plebs, inmitten des Gebieterreichs!</p>
<p>Womöglich lernen wir den im beschaulichen Grödig erstmals offen zu Tage getretenen, schmierenkomödiantischen Familienzwist besser zu verstehen, indem wir versuchen, dieses Sittengemälde skizzenhaft auf das derzeitige <a href="https://www.youtube.com/watch?v=s7L2PVdrb_8" target="_blank">HBO-Massenphänomen <em>Game of Thrones </em></a>abzubilden. Grundlegend gieren hier nahezu alle Charaktäre aus einigen quer über den fiktiven Kontinent <em>Westeros</em> verteilten Adelsgeschlechtern mit lustigen Namen (bspw. Targaryen, Stark, Lennister, Graufreund &amp; Co.) nach sehr vielen, bevorzugt promiskuitiven, gern auch familieninternen Geschlechtsverkehrsakten, Unmengen an Alkohol, sonstiger Völlerei und obendrein vor allem dem sogenannten „Eisernen Thron“ in der Hauptstadt Königsmund. Und weil Besserverdiener und Königsfamilien selbst in kühnsten Fantasyträumen nichts von gemeinwohldienlicher Erbschaftssteuer halten, sorgen vor allem diffuse, intrigante Sehnsüchte nach Ehre, Macht und Größenwahn für stets blutrünstigste Kopf-Ab-Metzeleien, bloß damit die Krone nach jedem noch so vorzeitigen Ableben des Oberhaupts mal schön in Familienhand bleibt.</p>
<p>Hier sollte also was zu holen sein. Doch noch ein gutgemeinter Rat, bevor wir kurz in das vom beschaulichen Fuschl am See aus regierte Reich des Alleinherrschers Dietrich Taurinfreund des I. und Einzigen eintauchen. Geratet keinesfalls, weder in der HBO- noch in der RB-Fantasialand-Saga, in Versuchung, euch an vermeintlich identitätsstiftende Figuren oder vertrauensselige Wegbegleiter zu gewöhnen! Es passiert ganz schnell, dass diejenigen wieder von der Bühne verschwunden sind.</p>
<h2>Taurinfreunds allmachtsphantastisches Mantra: „Veni, vidi, vici!“</h2>
<p>Auch wenn manche Leipziger dem Luftschloss anheim gefallen sind: In Fuschl am See, Heimat Dietrich Taurinfreund, des I. und Einzigen, und seinen über alle Kontinente verstreuten Besitztümern fließen weder Milch noch Honig. Aber aufgeputscht von einem ungesunden Energy-Getränk jagen dort verrückte Leute über die unmöglichsten Klippen, drehen reißerische Pirouetten in physikalisch unmöglichen Halfpipes, fahren vor Pferdestärken strotzende Automobile ganz schnell im Kreis oder springen einfach aus Lust und Laune aus der Stratosphäre. Wer hier gegen das allmachtsphantastische Mantra „Veni, vidi, vici!“ verstößt, dem gnade Taurinfreund, der I. und Einzige.</p>
<p>Seit Neuestem (wir reden ja immerhin von epischen Fantasy-Zeiträumen) erschließt sich das Imperium die gegenwärtig wohl fruchtbarste PR- &amp; Marketingquelle überhaupt: den Rasenballsport, der neidischen wie eingeschnappten <a href="http://www.welt.de/sport/fussball/2-bundesliga/article139317689/Mateschitz-nennt-Kritiker-ahnungslose-Randgruppe.html" target="_blank">Randgruppen, die nichts verstehen wollen</a>, und Nicht-<a href="http://blog.jacknealy.com/wp-content/uploads/2010/06/new_york_post_world_cup.jpg" target="_blank">Nord-Amerikanern</a> einst noch als Fußball bekannt war. Und ganz dem selbst auferlegten Anspruch soll, (nein!), muss, (nein!), wird (!!!) es in ganz naher Zukunft bitteschön die Eroberung des Throns der (<em>*Achtung! Im Hintergrund setzen verheißungsvoll-pathetische Schicksalstrommeln ein*</em>) CHAAAAAMPIONS LEAGUE sein.</p>
<p>Doch genau da pieksen wir schon an den Kern allen Salzburger Fan-Unmuts, der vielleicht schon bald jeden schnöden Wettstreit um die schönste McDonalds-Filiale oder das tollste Expo-Dorf übertrifft. Nichts symbolisiert den brodelnden Konflikt dabei besser als Taurinfreunds Clanwappen, auf dem zwei kräftige, rote Zuchtbullen ihre Hörner vor gleißender Sonne in wildentschlossener Angriffspose aufeinander gerichtet haben. Der eine verhätschelte Bulle, äääh Bengel kann seine Eifersucht auf den anderen noch viel verwöhnteren Bengel kaum noch zähmen.</p>
<h2><strong>Auf dem Heimatthron holt es sich nur Hämorrhoiden</strong></h2>
<p>Egal wie Dietrich I. und Einzige von den erstgeborenen Rasenballsprösslingen direkt vor der Haustür in der Salzburg auch umschwärmt wurde. So sehr sie auch die lokalen Turniere gegen ihre Litfaßsäulenkontrahenten von „Puntigamer“ Sturm Graz, „Cashpoint“ Altach oder den „Riegler &amp; Zechmeister Pellets“ aus Wolfsberg vor sich hin dominieren und in wenigen Wochen die nunmehr sechste Landesmeisterschaft der vergangenen neun Jahre empfangen werden, was soll sich der erfolgsverwöhnte Imperator auf dem wenig beleumundeten lokalen Thron holen außer Hämorrhoiden? Selbst das erfolgsverwöhnte Volk schleppt sich nur widerwillig, oder höchstens zu europäischen Anlässen in die schnieke, aber durchschnittlich nur zu knapp einem Drittel gefüllte Arena.</p>
<p>Was sie auch anstellten, was sie auch investierten. Ob in Steine zur Verschönerung des Anwesens. Ob in verdiente Recken wie Alex Zickler, Niko Kovac, Thomas Linke oder Vratislav Lokvenc. Ob sie gar rüstigen, alten Feldherren wie Huub Stevens, Co Adriaanse oder Giovanni Trappatoni samt des fränkischen Greenkeepingapostels Matthäus den Oberfehl auftrugen. So vehement sie auch klopften: All jenen blieb das massive Burgtor zur Champions League stets verschlossen. Mit der schmachvollen Niederlage gegen den F91 Düdelingen aus einem kleinen Herzogtum viele Kilometer nordwestwärts machten sie sich einmal gar zum Gespött aller Herren Länder. Die hatten nicht mal Pferde und Rüstungen, geschweige denn Flügel. Allein ihre listige Aufmüpfigkeit genügte, um die schniefenden Bullen zu schlagen.</p>
<p>Kann es für den so siegesgewohnten Taurinfreund etwas Schlimmeres geben als Misserfolg und Missachtung? Wie gut, dass er vor Jahren schon einen garantiert schmerzfreien Expeditionstrupp hipper Imperiumstrolle, die bestimmt mal was mit Medien und Marketing studiert haben, ins Nachbarland entsandte. Diese Botschafter, <a href="http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_sport/article140240699/Red-Bull-wollte-St-Pauli-kaufen.html" target="_blank">wie &#8220;Die Welt&#8221; erfuhr</a>, glänzten auf ihrer Alles-oder-Nichts-Pirsch vor allem mit fundamental-kulturellen Vorkenntnissen. Beispielsweise wollten sie ein kieziges Totenkopfgebiet am Elbfluss den dortigen Einheimischen mit der einzig plausiblen Schmeichelei abschwatzen: „Ihr steht doch auch für Coolness, Party, feiern und so?!“ Diverser gescheiterter Eroberungsversuchen zum Trotz kam schlussendlich irgendjemand mal die geniale Idee, einfach das Niemandsland jahrzehntelanger Rasenballödnis zu annektieren – Leipzig, im furchteinflößenden Nordosten. Dort, wo sich die verzweifelt nach (<em>*Achtung! Wieder verheißungsvoll-pathetische Schicksalstrommeln, aber um einiges bombastischer intoniert*</em>) BUUUUUNDESLIGA und CHAAAAMPIONS LEAGUE dürstenden Siedler noch so richtig willfährig am Bullennasenring durch die Marketingmanege ziehen lassen. Dort, <a href="http://www.dierotenbullen.com/neuigkeiten/Saison_2014_15/Fahrtenbuch-2014-2015.html" target="_blank">wo die allerbesten Kunden sogar dazu aufgerufen sind, Treuepunkte in ihr Auswärtswanderschaftenbuch zu kleben</a>, damit die eingeheimsten Bienchen dafür am Ende in Geschenke aus dem Fanshop getauscht werden können.</p>
<h2><strong>Mühsame Eroberung der Rasenballödnis</strong></h2>
<p>In der Anfangszeit, bei den kleinen Schaukämpfen irgendwo im grünen Nirgendwo, ob Havelse oder Wilhelmshaven, herrschten jedoch derartige Anlaufschwierigkeiten, dass Taurinfreunds Personalschafott mit der Zeit schon ganz stumpf vor lauter Benutzung wurde. Dieser Sadlo, dieser Beiersdorfer, dieser Linke, dieser Gudel, dieser Oral, dieser Pacult ff. sollten Taurinfreunds Tafelrunde würdig repräsentieren, waren dann aber doch nur Pappnasen. Ja, seid’s ihr denn deppert?</p>
<p>Doch noch viel mehr Gräuel als erfolglose Untertanen bereiten dem Gebieter widerborstige Legislativenbünde mit all ihren Regularien, Lizenzbedingungen, Paragraphen und sonstige Quacksalbereien. Ja, wo kommen wir denn da hin, wollen wir am Ende etwa noch den Pöbel mitsprechen lassen? Jähzornig kann er da werden, der widerspruchsungewohnte Dietrich I. und Einzige. Höchstselbst musste er grollend drohen, rüffeln und zurechtweisen, wie das in seinem Reiche mal schön zu laufen hat. <a href="http://www.90minuten.at/index.php/magazin/reportage/59567-didi-mateschitz-droht-mit-rueckzug-aus-leipzig-das-haben-wir-nicht-notwendig" target="_blank">Ich brauch’ hier gar nichts, wenn ihr mich nicht wollt, dann stampfen wir halt alles wieder ein, ihr undankbaren DFL-Hinterwäldler</a>!</p>
<p>Je näher die Lipsianer den großen, bedeutungsschwangeren Ritterspielen kamen, stieg jedoch das Gefallen des Familienoberhaupts. Im letzten Jahr schwebte <a href="http://www.bild.de/regional/leipzig/zentralstadion-leipzig/red-bull-chef-ist-leipziger-stadion-zu-klein-35655000.bild.html" target="_blank">Dietrich I. und Einzige sogar erstmals eigens mit der jungen Gräfin Taurinfreund in den Nordosten</a>, um dem Schauspiel seiner Nesthäkchen, den Rasenballsportbullen, gegen widerborstige Kräfte vom Geschlechte der Lilien beizuwohnen.</p>
<p>Erst seitdem ein mythenumwobener Druide die Bruttoregisterhektolitertonnen magischen Zaubertranks aus dem unendlichen Brunnen in Fuschl am See anrührt, scheint dieser erst die ganze Wirkung zu entfalten. Natürlich handelt es sich dabei nicht um d<a href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/08/26/schlussstrich-statt-verantwortung/" target="_blank">en alten Kurpfuscher Pansold, der unzähligen DDR-(Kinder)-Gladiatoren mutwillig die Gesundheit ruiniert hat und trotzdem heute in Taurinfreunds großzügigen Diensten steht</a>. Nein, Vater des Aufschwungs ist kein geringerer als der Honorargelehrte Ralf von Schwaben.</p>
<h2><strong>Ein mythenumwobener Druide aus Schwaben als Hand des Gebieters</strong></h2>
<p>Anno dazumal erteilte dieser den plumpfüßigen Teutonen schon am <a href="http://www.abwehrkette.de/ralf-rangnick/" target="_blank">Flipchart eine Lehrstunde</a> zur <a href="https://www.youtube.com/watch?v=KwcXySby-3A" target="_blank">raumorientierten Viererkette</a>. Derzeit lenkt er als Hand des Gebieters die tektonische Verschiebung der taurinfreundschen Äcker. Jedoch nur noch wenige Wochen im Amte des Doppelstatthalters der Salzburg und in Leipzig, <a href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/07/31/er-ist-unser-wettbewerbshuter/" target="_blank">um ganz pfiffig den selbstverständlich hanebüchenen Vorwurf des verzerrten Wettbewerbs zu umgehen</a>. Die vor wenigen Monden noch so hochgepushte, aber im Verlauf der Gezeiten einfach nicht den taurinfreundschen Ansprüchen gerecht gewordene Salzburg wurde zur Bullenzucht umfunktioniert. Fieberhaft werkelt der Meisterdruide daran, dass die Nachschubwege in Stallorderlogik alsbald einzig gen Nordosten reichen.</p>
<p>Doch plötzlich, da es den talentierten und bislang so treuherzigen Ritter Ilsanker fortzieht in eine andere Welt, und <a href="http://www.lvz-online.de/sport/sportbuzzer/rb_leipzig/rb-news/geheim-besuch-bei-rb-leipzig-stefan-ilsanker-in-le-gesichtet/r-rb-news-a-284955.html" target="_blank">Ralf von Schwaben ihm unter allen Umständen die eigene nordöstliche Provinz schmackhaft machen will</a>, zeigen sich einige Salzbürger ganz und gar desillusioniert vom verfolgten Plan der Oberen: Als wären es nicht schon genug Schläge aufs Gemüt, nur noch als <a href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/06/25/rangierbahnhof/" target="_blank">elitärer Rangierbahnhof </a>zu dienen, müssen wir tatenlos zusehen, wie ihr uns auch noch Ilsanker abschwatzen wollt. Jeden könnt ihr haben. Nur nicht Ilsanker! „Scheiß RB Leipzig, wir singen Scheiß RB Leipzig, Scheiß RB Leipzig […]!“</p>
<p><a href="http://www.welt.de/sport/fussball/2-bundesliga/article139317689/Mateschitz-nennt-Kritiker-ahnungslose-Randgruppe.html" target="_blank">Was werden Taurinfreund und seine Vasallen über dieses Aufbegehren denken?</a> Himmelherrschaftszeiten noch einmal! Wir liefern euch hier Brot und Spiele und ihr muckt rum? Undank ist der Welten Lohn!</p>
<h2><strong>Der Abgang des treuherzigen Ilsanker desillusioniert die Salzbürger</strong></h2>
<p>Der Schall der wütenden Klatschpappen wird verhallen, zurück bleiben kaltherzig die Liebe entzogene Konsumenten aus der Salzburg. Machtlos müssen sie mitansehen, wie ihrer <a href="http://www.krone.at/Sport/Mateschitz_will_das_grosse_Geld_lieber_in_Leipzig_investieren-Nur_U21_in_Salzburg-Story-199223" target="_blank">Piefke-Konkurrenz der Standortjoker in Taurinfreunds einheitsbreiigen Entertainment-Universum zugesprochen wurde</a>. Wobei die Salzbürger eigentlich noch ganz froh darüber sein können, stellt man ihrem Los beispielsweise das <a href="http://neuwal.com/index.php/2014/10/16/red-bull-ghana-eine-akademie-auf-verlorenem-boden-martin-kainz/" target="_blank">Schicksal der unter himmelschreiendem Zynismus aufgegebenen Bruderakademie in Ghana</a> gegenüber.</p>
<p>Ja, all das ist Alltag in Taurinfreunds Gebieten, denen die Erstürmung des Rasenballsportkontinents vor rasender Verkaufs- &amp; Erfolgsmanie nicht schnell genug gehen kann. Vielleicht erinnern sich die verbliebenen Anhänger der Salzburg nunmehr ihrer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=h4pTnvy8uNg" target="_blank">violetten Wurzeln</a>. Auf den Weg mitgeben kann man ihnen eigentlich nur jenes Credo, nach dem schon das Schlagerbarden-Brüderduo „Brunner und Brunner“ verfuhr: „Bevor wir uns hassen, trennen wir uns lieber.“ Das wäre immerhin weitaus zivilisierter als jede von <em>Game of Thrones </em>gewohnte Konfliktlösung.</p>
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		<title>Naiv statt investigativ</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Mar 2015 08:01:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wichtiger Bestandteil der RB-Kommunikationsstrategie ist es, sich selbst als möglichst „normal“ darzustellen. Normale Transfers, normale Jugendarbeit, normaler Kapitalismus  Ralf Rangnick Wahnsinn. Dahinter steht das Bedürfnis, sich schnell und aggressiv in die Riege der etablierten Player einzukaufen, ohne mit dem Verein (und damit mit der Marke) zu oft am Pranger zu stehen. Erklärtes Ziel: RB soll in nächster Zukunft &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2015/03/10/naiv-statt-investigativ/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Naiv statt investigativ</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wichtiger Bestandteil der RB-Kommunikationsstrategie ist es, sich selbst als möglichst „normal“ darzustellen. Normale Transfers, normale Jugendarbeit, normaler <del>Kapitalismus </del> R<del>alf Rangnick </del>Wahnsinn. Dahinter steht das Bedürfnis, sich schnell und aggressiv in die Riege der etablierten Player einzukaufen, ohne mit dem Verein (und damit mit der Marke) zu oft am Pranger zu stehen. Erklärtes Ziel: RB soll in nächster Zukunft in einer Reihe mit Bayern München, Borussia Dortmund und (mindestens) Real Madrid genannt werden. <span id="more-446"></span>Mit sportlichen Höchstleistungen möchte man ein Standing erreichen, das Fragen nach der Finanzierung uninteressant werden lässt und durch das das Kürzel RB auch nicht mehr als in den Vereinsnamen gebastelte Werbebotschaft, sondern als gängiges Kürzel wie „FC“ empfunden wird. Die kürzlichen Trainerwechsel und vom Zaun gebrochenen Spielertransfers sind wahrscheinlich nur die unspektakulären Begleiterscheinungen der hinter den Kulissen tatsächlich herrschenden Ungeduld. Symptomatisch hierfür: Erst seit der laufenden Saison 2014/15 in der zweiten Liga angekommen, tätigt man schon internationale Millionentransfers zur Winterpause, als wäre es das Normalste der Welt. Und kommuniziert das im Sinne des omnipotenten-machohaften Selbstverständnisses auch so: Wir mögen noch in der Krabbelgruppe der um jeden Euro kämpfenden Mittelklasseclubs sein, aber eigentlich beherrschen wir das Spiel schon wie die Großen. Der dabei mitschwingende, ständige Verweis darauf, dass man sich völlig „normal“ im Sinne eines um Vermarktung und Kapitalisierung organisierten Profifußballgeschäfts verhalte, soll von den nervigsten Nachfragen nach Vereinsstruktur und Gemeinnutz ablenken.</p>
<h2><strong>Ganz normale Fans</strong></h2>
<p>Ähnliche Probleme tauchen auch beim Zusammentrommeln und Organisieren der eigenen Fanschaft auf. Diese musste sich gewissermaßen aus dem Stand konstituieren und diversifizieren, was auch gut gelang. Die Spiele der Profimannschaft werden mittlerweile gut angenommen. Es gibt einen Stimmungsblock und eine volle Gegengerade – allen Retorten- und Plastevorwürfen zum Trotz. Beim Pokalspiel gegen Wolfsburg war die WM-Schüssel gar das erste Mal bei einem Spiel von RB ausverkauft. Eine Erklärung, wieso das möglich ist, bei einem Verein, den es erst seit sechs Jahren gibt und der zu Leipzig ungefähr den gleichen Bezug hat wie ein Wanderzirkus, lieferte kürzlich – unbeabsichtigt – <a title="Christian Spiller" href="http://community.zeit.de/user/christian-spiller" target="_blank">Christian Spiller</a> von ZEIT ONLINE.</p>
<p><a title="Und hier soll die Fußballkultur untergehen?" href="http://www.zeit.de/sport/2015-03/rb-leipzig-athmosphaere-fans" target="_blank">Er machte sich hoch investigativ in die Spur</a>, um das besagte Pokalheimspiel gegen den VfL Wolfsburg zu besuchen und dabei auch mal einen Blick auf die Leute zu werfen, die so zu RB strömen. Was ihn dazu trieb, genau dieses Spiel zu besuchen, ist nicht überliefert. In der jüngeren Vergangenheit hätte es durchaus brisantere Duelle gegeben, bei denen es sich gelohnt hätte, der Fans wegen dabei zu sein. St. Pauli war zu Gast. Union Berlin war zu Gast. Wahrscheinlich war es aber der Reiz eines gutplatzierten Bundesligisten, der auch noch den einen oder anderen Fußballsuperstar in seinen Reihen aufbieten konnte, der den Autor bewog, ins Stadion zu gehen und Leute zu gucken.</p>
<p>Christian Spiller fuhr also zwei Stationen vom Bahnhof mit der Straßenbahn ans Zentralstadion, beeierte sich über das Wolfgang-Stumph-mäßige des Durchschnittsossis und das Angefurze einiger Mitreisender, setzte sich brav auf seinen Platz und belauschte die unmittelbaren Sitznachbarn. Der eine kam gar nicht aus Leipzig, sondern aus Bayern, womit wahrscheinlich die überregionale Strahlkraft RBs angesprochen werden sollte. Nebenbei beobachtete er das Fangeschehen, das sich gar nicht so sehr von dem in anderen Stadien abhebe: Ossigesichter, Ossigelaber, Fürze, Bierflaschen in Arschtaschen, Schallallallala des Stimmungsblocks. Der Autor fand alles wie immer beim Fußball und ganz normal vor.</p>
<h2><strong>Die Illusion wirkt</strong></h2>
<p>Bei aller sonstigen <a title="Leipzig erteilt Becherwerfer bundesweites Stadionverbot" href="http://www.sueddeutsche.de/news/sport/fussball-leipzig-erteilt-becherwerfer-bundesweites-stadionverbot-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-140403-99-07045" target="_blank">kommunikativen Abkehr vom Fanpöbel</a> dürften solche Geschichtchen der PR-Abteilung von RB gefallen. Erhält das sonst als Plasteclub verschriene Grüppchen von Verantwortlichen bei RB doch einen „adelnden“ proletenhaften Anstrich, an dem Clemens Meyer seine blanke Freude hätte.</p>
<p>Das unserer Meinung Wichtige an einer solchen Selbsterfahrung von „Normalität“ im Zusammenhang mit RB erwähnt der Autor jedoch nicht. Vor allem zeigt sich an ihr nämlich, dass im auf ein natürliches Recht auf Bundesligafußball (und freilich weit darüber hinaus, sorry) pochenden Leipzig die Illusion des Stadionerlebnisses und des Profifußballs wirkt. Oder man sich auch gern in sie hineinfallen lässt. Da muss man gar nicht ins Stadion gehen, man muss sich nur unter seinen Bekannten umhören. Neben den einzelnen Unbelehrbaren, die nichts Kritikwürdiges oder Lächerliches an RB finden können, gibt es dort auch viele, die vor allem die Eventspiele besuchen und das aus einer witzelnd-distanzierten Haltung heraus tun. Sie wollen die Show. Den hochklassigen Fußball mit Playstationstars und Skymoderatorinnen am Spielfeldrand. Ihnen ist klar, dass das alles aus dem Boden gestampfte Unterhaltung ist und dass sie sich die Spielernamen nicht merken brauchen, da man sich eh nicht sicher sein kann, wo die in der nächsten Saison spielen. Ginge RB in die Binsen, würde ihnen auch nichts fehlen. Hauptsache ein Abend unter Freunden und irgendeine Mannschaft gegen irgendeine andere. Dass uns eine solche Haltung in Bezug auf Fußball erschüttert, dürfte mittlerweile bekannt sein. Zumal wenn dadurch überspielt wird, innerhalb welches Kosten-Nutzen-Kalküls die Ausgründung der Leipziger RB-Filiale stattfand.</p>
<h2><strong>RB möchte Brause verkaufen!</strong></h2>
<p>Und auch Christian Spiller geht ihr auf den Leim, wenn er davon schreibt, dass alles wie auch bei den anderen Fußballclubs ist. Das mag oberflächlich schon so sein. Nicht nur bei RB Leipzig ist Fußball ein Event. Gleichwohl bekommt die Fassade dort Brüche, wo Spiller sich unhinterfragt freut, dass man wegen der Du-sollst-keinen-Gebieter-neben-mir-haben-Denke des Gebieters weder in der Halbzeit, noch sonst mit Werbung behelligt werde – außer halt mit der vom Brausehersteller. Kurz fällt ihm das auf, als er merkt, <a title="#Cateringgate" href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/07/17/cateringgate/" target="_blank">dass man am Getränkestand nicht am Konzern vorbei komme</a>. Dann wird allerdings wieder die Stadionwurst goutiert. Wie gesagt: Die Illusion wirkt.</p>
<p>Solche kurzen krisenhaften Momente des Aufmerkens, um was es den Verantwortlichen eigentlich geht – um den seriösen Aufbau einer intakten Mannschaft und die langfristige Entwicklung eines Vereins oder um das möglichst schnelle Erschließen nationaler und internationaler Medienaufmerksamkeit und damit Märkte –, gab und gibt es zwar immer wieder im Zusammenhang mit RB. So zu beobachten bei den unschönen Turbulenzen um Daniel Frahn und dem Abgang von Alexander Zorniger. Hier hörte man durchaus kritische Stimmen, die man eher aus den eigentlich als altbacken abgetanen „Traditionalistenkreisen“ kennt. Treue und sportliche Verdienste müssten einen nicht monetarisierbaren Wert haben! Wie kann man nur so kurzfristig handeln? Andererseits wurden diese Einwürfe dann meist mit der erwähnten ironischen bis zynischen Haltung dergestalt abgetan, dass man eben nichts anderes von einem internationalen Konzern zu erwarten hätte, dem es halt nur um die Limo mit Schuss geht.</p>
<p>Die Leute sind also nicht ganz so dumm, für wie man sie gern verkaufen möchte, auch nicht unter den Stadiongängern, die es zu RB Leipzig zieht.  Sie geben sich bewusst der Illusionierung durch das kaufbare Stadionerlebnis hin oder akzeptieren zynisch, dass sie Teil einer Verkaufsmaschinerie sind. Christian Spiller entschied sich für die erste Variante. Und natürlich: RB beherrscht die Klaviatur des Events – man möchte fast sagen, nichts leichter als das. Im Leipziger Zentralstadion wird zweiwöchentlich eine &#8220;normale&#8221; Fußballkulisse errichtet, die so oder ähnlich auch in allen anderen Bundesligastadien wieder zu finden ist. Und natürlich sind bei RB bis ins Detail Profis am Werk. So lange jemand die Rechnung bezahlt, findet sich für alles der passende Experte. Das Fragwürdige daran ist ja nun aber die Art und Weise des Zustandekommens dieser Fußballnormalität. Und die ist eben nicht mehr so ganz &#8220;normal&#8221; in Leipzig.</p>
<p>In die Richtung hätte auch Christian Spiller sich mal die Szenerie beschauen können. Hat er leider nicht. Aber was will man auch von einem Autor einer Zeitung erwarten, die sich aus Sport nicht viel macht. Insofern: niedrige Erwartungen, und die wurden erfüllt.</p>
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