<br />
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	<title>Hoffenheim &#8211; zwangsbeglückt</title>
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	<description>Ein RB-Leipzig-Protokoll</description>
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	<title>Hoffenheim &#8211; zwangsbeglückt</title>
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		<title>Kritik der Kritik der Kritik</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Mar 2015 08:21:31 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Am Donnerstag ist DFL-Liga-Versammlung. Heißt: Die Chefs der Clubs aus der ersten und zweiten Liga treffen sich in Frankfurt/M. und schauen, was so anliegt. Glaubt man den Berichten einiger Medien, wird es auch um RB gehen. Und glaubt man den gleichen Medien, dann wird das eine reichlich ernste Angelegenheit. Denn die Zeichen stehen auf Solidarität. &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2015/03/26/kritik-der-kritik-der-kritik/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Kritik der Kritik der Kritik</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag ist DFL-Liga-Versammlung. Heißt: Die Chefs der Clubs aus der ersten und zweiten Liga treffen sich in Frankfurt/M. und schauen, was so anliegt. Glaubt man den Berichten einiger Medien, wird es auch um RB gehen. Und glaubt man den gleichen Medien, dann wird das eine reichlich ernste Angelegenheit. Denn die Zeichen stehen auf Solidarität. Mit RB natürlich.<span id="more-460"></span></p>
<p>Ein <a href="http://www.lvz-online.de/sport/sportbuzzer/rb_leipzig/rb-news/nach-vorfaellen-in-karlsruhe-rb-leipzig-boss-mintzlaff-nimmt-dfl-in-die-pflicht/r-rb-news-a-278530.html" target="_blank">„ein starkes Zeichen der Solidarität“</a> fordert Alexander Rosen, der Leiter der Profiabteilung in Hoffenheim ist, was dann irgendwie Sinn ergibt. Anlass sind die letzten Protestaktionen gegen RB, und der Vorwurf steht im Raum, dass es dabei auch zu Gewalt oder mindestens deren Androhung kam. Karlsruhe ist aber nur der letzte Tropfen im berühmten Fass. Rangnick und Co. sind zunehmend genervt von ihrer Unbeliebtheit und dem Umstand, dass ihnen dies nicht immer im Ton einer Liga-Versammlung kommuniziert wird.</p>
<h2>Kritik und Gegenkritik</h2>
<p>Das Pathos, mit dem nun der Schulterschluss mit dem taurinhaltigen Projekt gefordert wird, ist einerseits schon reichlich absurd, anderseits aber ganz schön interessant. Kritik an RB gab es von Beginn an. Doch mittlerweile ist diese vielstimmiger geworden, und das heißt sowohl lauter als auch differenzierter. Es gibt die eher ruppige Variante (<a href="http://www.nein-zu-rb.de" target="_blank">nein-zu-RB</a>), die einfache (<a href="http://www.derwesten.de/sport/fussball/mainz-manager-heidel-kritisiert-rb-leipzig-und-lobt-rangnick-id9622805.html" target="_blank">Heidel</a>), die fankulturelle (<a href="http://www.11freunde.de/artikel/reaktionen-auf-den-artikel-der-grosse-red-bull-bluff" target="_blank">11Freunde</a>) und natürlich die unter-aller-Sau-Variante (<a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/2-bundesliga-ermittlungen-gegen-fans-von-erzgebirge-aue-a-1017908.html" target="_blank">Aue</a>). Karlsruhe war, nach allem was man weiß, irgendwo zwischen ruppig und unter aller Sau, aber wir haben gar nicht vor, das dort Gewesene hier abzuwägen oder schön zu reden. Denn das Problem ist, dass nach solchen Aktionen kaum noch unterschieden wird zwischen allen diesen Fraktionen.</p>
<p>Überhaupt ist die RB-Kritik in die Kritik gekommen. Dass sie Rangnick und Co. nicht passt, ist nichts Neues. Aber mehr und mehr kommt der Einspruch auch von anderen Akteuren: Leuten aus Fanszenen anderer Vereine, neutrale Beobachter, Journalisten sowieso. Die einen sind schlichtweg gelangweilt, die anderen hören nur „Kommerz“ und sagen „Gibt’s bei uns auch, lass sie doch machen“, und wiederum andere wenden ihre Kenntnisse aus dem Proseminar zur Kritischen Theorie an und sortieren in richtige und falsche Argumente gegen RB.</p>
<h2>Gewaltige Vorwürfe und Pathos</h2>
<p>Das ist auch alles völlig in Ordnung. Irgendwie unbefriedigend ist es nur, wenn die gesamte Kritik als eine Gruppe dargestellt wird und dann noch als eine, der es eigentlich um etwas anderes geht. <a href="http://www.sport1.de/fussball/2-bundesliga/2015/03/dfl-boss-christian-seifert-kuendigt-kampf-gegen-fan-anfeindungen-an" target="_blank">Zitat</a> von Sportsfreund Seifert, Geschäftsführer der DFL: &#8220;Ich lasse mir nicht sagen, dass das was mit Kommerz-Kritik zu tun hat. Das sind Schatten-Argumente, ein Deckmantel, der Gewalt-Fantasien verhängt&#8221;. Dass er dies der BILD in einem Interview sagt, ist auch wieder eine schöne Pointe. Ganz schön billig bleibt es trotzdem.</p>
<p>Aber das ist nicht die einzige Entgleisung dieser Tage. Der <a href="http://rotebrauseblogger.de/2015/03/12/bullenseuche/?utm_source=dlvr.it&amp;utm_medium=twitter" target="_blank">rotebrauseblogger</a> verglich doch die derzeitige Situation ganz im Ernst mit der rassistischen Gewalt der 1990er Jahre; RB und seine Fans als Opfer einer schweigenden und damit zustimmenden Masse und weniger, umso stärker zu Gewalt bereiter Typen. Das war auf eine Weise anmaßend und verharmlosend zugleich, das muss man erst mal so hinkriegen. Aber natürlich war das Ganze „als Analogie und nicht etwa als Gleichsetzung zu verstehen“. Dieser feine Unterschied verlief sich spätestens in der anschließenden Forumsdiskussion, die vorhersehbar noch weitere Blüten trieb. Wir freuen uns auf weitere historische Analysen aus dieser Richtung. Schon mal über die Balkankriege oder die zerstörten Kunstschätze im Irak nachgedacht? Klar, locker, alles nur als Analogie, nicht als Gleichsetzung.</p>
<p>RB sucht also das Supermitleid und die DFL, vielleicht, die große Versöhnung. (Mit allzu viel Streit lässt sich auch kein familien- und TV-taugliches Produkt vermarkten.) Das macht Kritik an RB nicht leichter, aber vermutlich muss man das als die berühmte Chance verstehen. Was nicht ausschließt, dass Leute wie Seifert auch von differenzierten Argumenten nicht viel hören wollen, weil für sie der Unterschied zwischen einem Fussballverein und einem Trendgetränk ohnehin vernachlässigbar ist.</p>
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		<title>Eingliedern durch Ausgliedern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[ansgar]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Dec 2014 12:33:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Sportlich ist RB Leipzig längst im Zweitligaalltag angekommen – Mitbewerber um das oberste Tabellendrittel, Aufsteiger unter drei ausnehmend guten Neulingen in dieser Saison und Teilnehmer an Spitzenspielen. Das ist Sport, Wettbewerb erzeugt Vergleichbarkeit. Die jüngste Ausgliederung der Leipziger Profiabteilung kann als bemerkenswerter Ausdruck im Ringen nach Normalität auf einem anderen Terrain gedeutet werden, dem Profifußball als &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2014/12/11/eingliedern-durch-ausgliedern/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Eingliedern durch Ausgliedern</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sportlich ist RB Leipzig längst im Zweitligaalltag angekommen – Mitbewerber um das oberste Tabellendrittel, Aufsteiger unter drei ausnehmend guten Neulingen in dieser Saison und Teilnehmer an Spitzenspielen. Das ist Sport, Wettbewerb erzeugt Vergleichbarkeit.</p>
<p>Die jüngste Ausgliederung der Leipziger Profiabteilung kann als bemerkenswerter Ausdruck im Ringen nach Normalität auf einem anderen Terrain gedeutet werden, dem Profifußball als wirtschaftliche Branche. RB Leipzig müht sich redlich, die schmutzigen Kleider des Investorenspielzeugs abzulegen, um mit den anderen Kindern nach den hiesigen Regeln des Fußballgeschäfts zu spielen. RB Leipzigs Strategie basiert dabei auf den Erfahrungen des bisherigen Sportengagements von Red Bull – und denen von Ralf Rangnick.</p>
<p><span id="more-395"></span></p>
<h3>Formel 1-Gleichung geht auf</h3>
<p>Erfolgreiche Männer gefallen sich bekanntlich in der &#8220;Hoppla, hier komm ich&#8221;-Pose. Diese wählten der Gebieter und sein Imperium auch, als sie 2005 begannen, ihr erfolgreiches Sportmarketing auf eigene Teams in den sogenannten &#8220;Biersportarten&#8221; auszuweiten. In diesem Jahr übernahm man den Jaguar-Rennstall in der Formel 1 und den österreichischen Erstligisten Austria Salzburg. Den Einstieg in die zwei werbewirksamen TV-Märkte gestaltete man, wie man es von den bisherigen Engagements gewohnt war: Radikalkur in Sachen Farben und Auftreten, selbstbewusste Statements an die Mitbewerber und eine Untermauerung des eigenen Anspruchs durch die Verpflichtung arrivierter Branchengrößen (David Coulthard in der F1, die <a href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/10/08/mia-san-geschaftspartner/">Bayern-Resterampe im Fußball</a>).</p>
<p>Diese Strategie ging in der Formel 1 wenig überraschend ganz gut auf. Zum einen sind Rennställe seit jeher auf die finanzielle Gunst und Selbstdarstellungsfreude von Investoren angewiesen. Die Formel 1 zieht ihren Reiz ja geradezu aus dem Unnötigen, dem Übertriebenen, dem Jet Set, weswegen sie auch Probleme hat, Sechszylinder-Turbo-Motoren ohne infernalischen Lärm an ihre Kundschaft zu vermitteln. Red Bull stellte schon 2006 ein zweites Team, weil die Lizenz frei wurde, man das Geld hatte und es vor allem niemanden störte. Man kombinierte die eigene Jugendarbeit im Rennsport mit den eigenen Cockpits in der Königsklasse und warb im selben Jahr mit <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Adrian_Newey" target="_blank">Adrian Newey</a> den besten Formelrennwagen-Konstrukteur seiner Generation an (zehn Konstrukteurs-Titel mit drei Rennställen).</p>
<figure id="attachment_400" aria-describedby="caption-attachment-400" style="width: 640px" class="wp-caption aligncenter"><a href="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/vettel_monza2008_janebelindasmith_cc30.jpg"><img class="wp-image-400 size-full" src="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/vettel_monza2008_janebelindasmith_cc30.jpg" alt="vettel_monza2008_janebelindasmith_cc30" width="640" height="480" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/vettel_monza2008_janebelindasmith_cc30.jpg 640w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/vettel_monza2008_janebelindasmith_cc30-300x225.jpg 300w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption id="caption-attachment-400" class="wp-caption-text">Ein gewisser Sebastian Vettel gewinnt 2008 im &#8220;kleinen&#8221; Red Bull-Team Toro Rosso in Regen von Monza sein erstes Formel 1-Rennen &#8211; und düpierte damit die &#8220;große Schwester&#8221; Red Bull Racing. Die feierten ihren ersten F1-Sieg 2009, durch ebenjenen Vettel.  Quelle: <a href="https://www.flickr.com/photos/near_fantastica/" target="_blank">Jane Belinda Smith/flick</a>r / <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/" target="_blank">CC-BY-2.0</a></figcaption></figure>
<p>Red Bulls Formel 1-Engagement ist bis heute ein voller Erfolg, weil der hochpreisige Spitzenmotorsport nicht viel mehr Regeln kennt außer &#8220;Verscherze es Dir nicht mit Bernie&#8221;.  Wer sein Geld hier anlegen will, soll es gern tun, und wer das mit sehr viel Geld macht, wird bald sehr viel Erfolg haben.</p>
<h3>Verkalkuliert in Salzburg</h3>
<p>Parallel zu den dominierenden Jahren in der Formel 1 lernte Red Bull schmerzhaft, dass die Erfolgsformel für Fußballsponsoring wohl etwas komplizierter ist. Vier Meistertitel und zwei Pokalsiege klingen zwar nicht nach Misserfolg, aber gemessen an den eigenen Zielen gab es zwei schmerzliche Niederlagen: Die unerwartet heftigen Reaktionen auf die Neupositionierung der Marke und das beständige Verfehlen des wichtigsten Ziels Champions League-Qualifikation.</p>
<p>Red Bull hatte sich zunächst schlicht verkalkuliert. Selbst im sehr investorenlastigen österreichischen Fußball bedeutete Red Bulls Auftreten in Salzburg eine neue Qualität. Am ersten Saisonspieltag liefen Walking Acts auf Stelzen umher, auf allen Werbebanden prangte das Logo von Red Bull, und zwei Radiomenschen kommentierten das Spiel live über die Stadionlautsprecher, bis der Schiedsrichter es unterband (!), und die Austria, die über 70 Jahre in violett gespielt hatte, lief in weiß-rot auf (bei <a href="https://www.youtube.com/watch?v=h4pTnvy8uNg" target="_blank">11Freunde-TV wurde das neulich anschaulich nacherzählt</a>).</p>
<p>In der Rechnung aus strukturellem Engagement, nahmhaften Verpflichtungen und der Eventisierung der Produktpräsentation blieb ein Faktor unberücksichtigt: die bestehenden Fans. Dass denen eine komplette Neupositionierung ohne Ankündigung oder Dialog nicht schmecken würde, hatte man schlicht vernachlässigt, da man sich ohnehin eine eigene Kundschaft aufzubauen gedachte. Den Fehler, bestehende Vereinsfarben zu ändern, sollte Red Bull jedenfalls beim nächsten Anlauf nicht wieder begehen.</p>
<p>Aber auch sportlich konnte man aus dem Fußballengagement in Salzburg jede Menge lernen. Zum Beispiel, dass große Namen wie Trapattoni oder Matthäus nicht automatisch Erfolg bringen, und dass nicht jeder Trainer Lust hat, <a href="https://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/08/26/schlussstrich-statt-verantwortung/" target="_blank">sich vom Leistungsdiagnostiker die Arbeit diktieren zu lassen</a>. Oder dass gute Leistung Kontinuität braucht; die hatte man bis 2012 nämlich nicht. Und auch, dass im Fehlerspiel Fußball auch die beste Vorbereitung in einem im Grunde unerklärlichen Ausscheiden gegen Düdelingen münden kann.</p>
<p>Beide Fehler gründen im selben Problem: Red Bull fehlt(e) im Fußball etwas, das in der deutschen Sprache mit dem schönen Wort &#8220;Stallgeruch&#8221; bezeichnet wird. Während Red Bull schon seit 1995 Formel 1-Teams und -fahrer sponsorte und in Mateschitz&#8217; Leidenschaft für Speed und Flugzeuge einen konkreten Bezug zur Rennsportkultur hatte, fehlte der im Fußball vollkommen. Die Art, Sponsoring zu denken, mit Kunden und Mitbewerbern zu reden und das allgemeine Verhalten passten zwar in den auf Geld und erfolgreiche Individualisten zugeschnittenen Motorsport, aber nicht in den Fußball. Hier wunderte man sich gegenseitig über das Auftreten, musste Beziehungen erst mühsam aufbauen und hat bis heute massive Probleme, von Mitbewerbern und Fans als „jemand der dazugehört“ wahrgenommen zu werden.</p>
<figure id="attachment_402" aria-describedby="caption-attachment-402" style="width: 640px" class="wp-caption aligncenter"><a href="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/tag_der_offenen_tc3bcr_red_bull_salzburg_ccby30.jpg"><img loading="lazy" class="wp-image-402 size-full" src="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/tag_der_offenen_tc3bcr_red_bull_salzburg_ccby30.jpg" alt="Tag_der_offenen_Tür_Red_Bull_Salzburg_ccby30" width="640" height="426" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/tag_der_offenen_tc3bcr_red_bull_salzburg_ccby30.jpg 640w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/tag_der_offenen_tc3bcr_red_bull_salzburg_ccby30-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption id="caption-attachment-402" class="wp-caption-text">Was Red Bull im Sommer 2009 so alles auffuhr, um seinen neuen Fußballverein zu bewerben: Hüpfburgen, Torwände und kostenlose Brause für die Kleinen, Mittelklassewagen und Bierbänke für die Großen. Der infernalische Vielklang anlassloser Familienbeschäftigungs-lass-uns-da-doch-mal-hinschauen-Ausflüge. (Hhier zum Tag der offenen Tür im Juli 2009 sogar auf dem Rasen.) Quelle: <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AEM_Stadion_Wals-Siezenheim(Tag_der_offenen_T%C3%BCr_Red_Bull_Salzburg).JPG" target="_blank">Wikimedia</a>-User Werner100359 / <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/" target="_blank">CC-BY-3.0</a></figcaption></figure>
<h3>Kurskorrektur in Leipzig</h3>
<p>Mit der Gründung in Leipzig 2009 wurde nicht nur ein größerer Markt anvisiert, sondern auch gleich das Gelernte umgesetzt. Es erfolgte eine Neugründung auf Profifußball-neutralem Terrain mit guter Infrastruktur (WM-Stadion, Autobahnkreuz &amp; Flughafen). Gut, das <span class="_5yl5">Personalkarussel drehte sich zu Beginn doch ein bisschen arg schnell. Im Rahmen der Strategieänderung, in der Leipzig die neue Nummer 1 in der Red Bull-Fußballsparte wurde, wechselte es im Präsidium und auch auf der Trainerbank in den ersten drei Jahren recht häufig. </span>Mit Ralf Rangnick kam 2012 ein Mann, der das abstellte und auch das Problem &#8220;fehlender Stallgeruch&#8221; und seine Lösung kannte.</p>
<p>Mit Ulm und Hoffenheim hatte der im testosteronlastigen Bundesligajournalismus &#8220;Professor&#8221; verschrieene Trainer jeweils Aufsehen erregende Durchmärsche in höherklassige Ligen geschafft. Die Mittel auf dem Platz waren dabei jeweils ähnlich: attraktiver, ballorientierter Offensivfußball, basierend auf einem Kader aus jungen, entwicklungsfähigen, hungrigen Spielern. Im Sommer eingestellt, installierte Rangnick mit Roger Schmidt und Alex Zorniger zwei Trainer, von denen er wusste, dass sie hohes Pressing trainieren können und die sich nach guten Leistungen in kleineren Karrierestationen auf dem nächsten Level beweisen wollten. Nach dem enttäuschenden Ausscheiden gegen Düdelingen krempelte man zudem den Salzburger Kader um und investierte in junge Spieler. Man zahlte unter anderem 3 Millionen Euro, um Kevin Kampl aus seinem gerade einmal zwei Monate alten Vierjahresvertrag mit dem VfR Aalen zu kaufen.</p>
<p>Rangnick hat also offenbar eine plausible Idee von Fußball und Kaderplanung und war willens, diese sofort umzusetzen. Sein Wert in Sachen Stallgeruch ist allerdings ein anderer. Vor allem mit Hoffenheim und der launigen Diva Schalke (gleich 2 Mal!) hatte Rangnick gelernt, das Repräsentieren und Umsetzen dieser Ideen an andere Faktoren als die Leistung auf dem Platz anzupassen. Die Macht symbolischer Gesten (und wen sie erzürnen) lernte er durch seine <a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/ehrenrunde-mit-folgen-rangnick-fuehlte-sich-getrieben-a-390136.html" target="_blank">berühmte Stadionrunde</a>. Was er in Hoffenheim zudem lernte, ist für Red Bulls Fußballengagement sehr viel wichtiger: Wenn Du neu an die Schule kommst, stell Dich mit den Beliebten gut.</p>
<h3>Wie RB Leipzig mit den anderen Kindern spielt</h3>
<p>Hoffenheim hat ja alle Aufgeregtheiten, die seit August landauf, landab durchs Dorf getrieben werden, schon einmal heraufbeschworen. Und wie haben der Sohn einer liebenswerten Frau und sein Kindheitstraum es geschafft, trotz des hunderte Millionen Euro schweren Investments in einen flugs bis ins 19. Jahrhunderte zurückdatierten Turnverein heute ein zumindest in der Branche akzeptierter Bundesligist zu sein? Sie haben früh begonnen, den Regeln des Geschäfts zu folgen.</p>
<p>Ähnlich wie damals Hoffenheim bemüht sich heute auch RB Leipzig um Sponsoren, deren wirtschaftliche Verbindungen und Image viel wichtiger ist als der finanzielle Beitrag, den sie leisten. Bestes Beispiel dafür ist der Hoffenheim-Trikotsponsor von 2008 bis 2010, TV digital. Das Blatt kam damals aus dem Hause Springer und ist außerdem bis heute langjähriger Kooperationspartner von Sky, dem Pay-TV-Sender, der die Bundesligarechte innehält. Im Grunde gibt es keinen besseren Medienpartner als Brustsponsor, wenn man neu in der Branche ist. Über die Höhe der Summe, die im Gegenzug für zwei Spielzeiten auf der Hoffenheimer Brust floss, schwiegen sich beide Seiten aus. Die <a href="http://www.bild.de/sport/fussball/vertrag-mit-hauptsponsor-bis-2012-verlaengert-6969618.bild.html" target="_blank">BILD-Zeitung ordnetet Hoffenheim in einer Tabelle der Trikotsponosringeinnahmen</a> 2009 auf den drittletzten Platz, mit 2,5 Millionen Euro pro Saison &#8211; nicht einmal halb so viel wie vergleichbare Mitbewerber.</p>
<figure id="attachment_399" aria-describedby="caption-attachment-399" style="width: 600px" class="wp-caption aligncenter"><a href="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/tvdigital_hoffenheim_copyright_springerpresseservice.jpg"><img loading="lazy" class="wp-image-399 size-full" src="http://www.zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/tvdigital_hoffenheim_copyright_springerpresseservice.jpg" alt="tvdigital_hoffenheim_copyright_springerpresseservice" width="600" height="400" srcset="https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/tvdigital_hoffenheim_copyright_springerpresseservice.jpg 600w, https://zwangsbeglueckt.de/wp-content/uploads/2014/12/tvdigital_hoffenheim_copyright_springerpresseservice-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a><figcaption id="caption-attachment-399" class="wp-caption-text">Eine Pose klassisch, wie die Scheckübergabe an gemeinnützige Projekte. Es freuen sich von links nach rechts: Ralf Rangnick, Jochen Beckmann, der Verlagsgeschäftsführer Programmzeitschriften Axel Springer, Stephan Zech, Verlagsleiter TV DIGITAL und TV GUIDE und Hoffenheims Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus. Quelle: Springer <a href="http://www.axelspringer.de/presse/TV-DIGITAL-neuer-Haupt-und-Trikotsponsor-der-TSG-1899-Hoffenheim_102151.html" target="_blank">Presse Service / Copyright</a></figcaption></figure>
<p><a href="http://www.zeit.de/sport/2014-10/rb-leipzig-volkswagen-porsche-sponsoring" target="_blank">Oliver Fritsch von der ZEIT</a> hatte die geistige Verwandschaft des RB- Porsche/VW-Deals in diesem Zusammenhang bereits im Oktober auf den Punkt gebracht:</p>
<blockquote><p>Wie könnte sich Red Bull besser etablieren als mit einem Autosponsor, dem üblichen Modell in der Bundesliga? Wie könnte Red Bull normaler werden als mit Volkswagen?</p></blockquote>
<p>Nachholbedarf hat RB Leipzig allerdings noch in der zweiten wichtigen Wertungsklasse des Normalwerdens im Profifußball: den Verband umgarnen. Hier hat es Hopp, ein Milliardär alter Schule, erstaunlich weit gebracht. Der SAP-Gründer hat es geschafft, der Nationalmannschaft für das Abschlusstrainingslager zur EM 2012 ein Grundstück zur Verfügung zu stellen und dabei <a href="http://www.press-schlag.de/2011/10/04/der-dfb-und-dietmar-hopp/" target="_blank">&#8220;seinen Einfluss auf französische Lokalpolitiker geltend gemacht&#8221;</a>, um dem DFB das Mannschaftshotel zu einem günstigeren Preis zu verschaffen. Nette Geste im Profifußball; in der Politik verliert man für solche Gefälligkeiten sein Amt, also außerhalb Bayerns.</p>
<h3>Geburtsfehler korrigiert</h3>
<p>Die nun erfolgte Ausgliederung in eine Spielbetriebs-GmbH dient dazu, RB Leipzig in beiderlei Hinsicht normaler zu machen. Zum einen kann man erheblich leichter an andere Sponsoren herantreten und vor allem langfristige Kooperationen aufbauen, wenn man dafür auch Anteile am Projekt vergeben kann. VW dürfte dafür jetzt schon ein heißer Kandidat dafür sein, wenn die DFL den mehrfachen Minderheitsbeteiligungen VWs nicht vorher in die Quere kommt.</p>
<p>Außerdem wird mit der Ausgliederung das abenteuerliche Vereinskonstrukt, <a href="http://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/08/12/umgeschminkt-3-bronze-silber-und-gold-hab-ich-nie-gewollt/" target="_blank">über das wir uns unter anderem hier lustig gemacht haben</a>, unwirksam. Außer kleineren Mäkeleien am Logo war das Vereinskonstrukt der größte Stein des Anstoßes für DFB und DFL. Formal war die 50+1-Bestimmung nicht auf eingetragene Vereine ohne Kapitalgesellschaft anwendbar, weshalb einige Clubs von einem Unterwandern der Regel durch RB Leipzig sprachen. Mit der rückwirkenden Ausgliederung hat sich RB nun freiwillig aus dieser rechtlichen Grauzone manövriert, <a href="http://www.mdr.de/sport/fussball_bl/rb-leipzig-gmbh102.html" target="_blank">wie der MDR einen Sportrechtsanwalt analysieren lässt</a>.</p>
<p>Die Ausgliederung korrigiert den letzten Geburtsfehler des Projekts RB Leipzig und der Fußballstrategie des Red Bull Sportmarketings und macht die Franchise damit fit für die branchenüblichen Gepflogenheiten. Egal ob auf Fan-Ebene gestritten wird, ob RB eine Chance nutzt, im Profifußball etwas anders und besser zu machen; oder ob man glaubt, mit RB sei der Profifußball endgültig degeneriert. Das interessiert die Karl Hopfners, Brian Sullivans und Francisco Garcia Sanz&#8217; des Profigeschäfts wenig. Dabei ist, wer Kohle macht. Denn wie schon bei anderen Formen der Ab- und Ausgrenzung gilt: Soll sich doch der Pöbel die Köpfe einschlagen, wir machen hier in Ruhe miteinander Geschäfte.</p>
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		<title>Standardsituationen der RB-Affirmation (2)</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Sep 2014 02:52:36 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ein zentraler Punkt aller RB-Kritik ist ja die – subtil gesagt – enge Bindung von RB an die Firma des Gebieters. Verlässlich kommt an dieser Stelle das Standardargument zwei ins Spiel: „Auch bei den Anderen haben doch Firmen das Sagen!“ Mittlerweile immer wird bei diesem Punkt auf Bayer Leverkusen verwiesen: Die dürften ja sogar ihren Sponsor &#8230; <a href="https://zwangsbeglueckt.de/2014/09/16/standardsituationen-der-rb-affirmation-2/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">Standardsituationen der RB-Affirmation (2)</span> weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein zentraler Punkt aller RB-Kritik ist ja die – subtil gesagt – enge Bindung von RB an die Firma des Gebieters. Verlässlich kommt an dieser Stelle das Standardargument zwei ins Spiel:</p>
<p><strong>„Auch bei den Anderen haben doch Firmen das Sagen!“</strong></p>
<p>Mittlerweile immer wird bei diesem Punkt auf Bayer Leverkusen verwiesen: Die dürften ja sogar ihren Sponsor im Vereinsnamen tragen. Damit ist dann nicht nur RB verteidigt, sondern gleich noch klargemacht, dass es eigentlich die anderen Vereine sind (an dieser Stelle gern: „die aus dem Westen“), die tatsächlich Privilegien genießen.</p>
<p><span id="more-284"></span>Die Sache mit dem Sponsor im Namen ist etwas, das auch Red Bull gern gemacht hätte. Allerdings verbieten die Statuten des DFB die direkte Nennung eines Finanziers im Vereinsnamen. So kam bei der Gründung des Leipziger Vereins irgendjemand auf die Idee mit „Rasenballsport“, das mit RB abgekürzt wird und damit die Verbindung zum eigentlichen Produkt herstellt. (Wir möchten uns den Verlauf <span style="text-decoration:line-through;">dieser Sitzung</span> dieses Meetings lieber gar nicht erst vorstellen.)</p>
<p>So verfuhr schon 1996 der Kosmetikhersteller LR-International, der den örtlichen Verein in Ahlen unterstützte und das Firmenkürzel im Vereinsnamen „Leichtathletik- und Rasensport“ <a href="http://www.faz.net/aktuell/sport/lr-ahlen-fussball-maerchen-im-muensterland-121914.html" target="_blank">unterbrachte</a> – eine im Übrigen traurig-schöne Geschichte, um das Elend von firmenabhängigen Vereinen zu illustrieren. Der Wille, das eigene Produkt auch in den Titel eines Vereins zu hieven, war also schon vor RB stärker als die damit verbundenen Peinlichkeiten mit den Vereinsnamen. Man braucht nur links und rechts in andere Sportarten und andere Ligen zu schauen, um zu erkennen, wie weniger skrupellos Sponsoren und Stakeholder beim Kampf um Geld und Aufmerksamkeit sein können. Beispiele gibt es genug, aus dem österreichischen Fußball (vgl. die Salzburger Filiale) wie aus der deutschen oder türkischen Basketball-Liga.</p>
<p>Wie aber lief eigentlich die Geschichte in Leverkusen? Der dortige Verein wurde <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bayer_04_Leverkusen" target="_blank">1904</a> als Betriebssportverein des Bayer-Werkes gegründet. Er besteht seit dieser Zeit und unterteilte sich von Beginn an in diverse Abteilungen. Seine Gründung hatte allerdings keine vordergründigen Marketing-Interessen, sondern erfolgte im Kern als Sportverein, der sich eben um das lokal wichtige Werk gründete. (Wichtiger als Marketing war bei Betriebssportvereinen die Distanz gegenüber politisch motivierten Vereinsgründungen.) Der Name von Bayer war damit von Beginn an Teil des Vereinsnamens.</p>
<p>Der aktuelle Leverkusener Fußballverein bekommt weiterhin Geld von Bayer. Es handelt sich dabei um einen festen Betrag, der allerdings mit wohl 25 Millionen Euro für gegenwärtige Profifußballverhältnisse keine astronomischen Höhen mehr erreicht und seitens des Werkes auch nicht beliebig erhöht wird – man denke nur an die langwierige Suche nach einem Trikotsponsor nach der Pleite von Teldafax. Vor allem aber wurden Lehren aus den finanziell ziemlich zügellosen Jahren unter Manager Reiner Calmund gezogen. Bayer ist damit weiterhin wichtig für den Bundesliga-Verein, allerdings nicht alleiniger Sponsor.</p>
<p>Der Name hat etwas mit Bestandsschutz zu tun. Das schon genannte <a href="http://www.dfb.de/fileadmin/_dfbdam/2014124_02_Satzung.pdf" target="_blank">Statut</a> des DFB sieht vor, dass „ Änderungen, Ergänzungen oder Neugebungen von Vereinsnamen und Vereinszeichen zum Zwecke der Werbung [&#8230;] unzulässig“ sind. Vereine, die von Beginn einen Firmennamen trugen, dürfen diesen behalten. Das hat nicht nur etwas mit Stetigkeit und Tradition zu tun, sondern hängt auch damit zusammen, dass bei Beispielen wie Ahlen oder Leipzig die Werbung über den Vereinsnamen viel stärker als eigentlicher Zweck des Firmen-Engagements zu bewerten ist.</p>
<p>Solche Ausnahmen sind (wie alle Ausnahmen) sicherlich diskutabel. Uns scheint es aber abenteuerlich, aus der Existenz von Bayer Leverkusen oder von Carl Zeiss Jena ein Recht für RB abzuleiten, die Firma des Gebieters im Vereinsnamen unterzubringen. RB in Analogie zu den anderen Vereinsgründungen als <a href="http://zwangsbeglueckt.wordpress.com/2014/08/20/genervt/#comments" target="_blank">Betriebssportverein</a> zu bezeichnen, ist schon kaum noch zum Lachen. Na gut, zugegeben: Wir haben gelacht. Sehr sogar. Wenn aber tatsächlich jemand aus einem richtigen Betrieb dabei sein soll, müsste der Verein in Nüziders im Vorarlberg ansässig werden. Dort wird das Zeug im Hause der &#8220;Rauch Fruchtsäfte GmbH &amp; Co OG&#8221; nämlich abgefüllt. In Fuschl am See wird nur das Geld gezählt, und u.a. in Leipzig das Fußballmarketing betrieben. Wird aber keine leichte Aufgabe in Nüziders. Die neue Betriebssportgruppe müsste mit dem örtlichen <a href="www.esc-nüziders.at" target="_blank">Eisstockschützenverein</a> Nepomuk und natürlich den Fußballern vom <a href="www.fc-nueziders.at" target="_blank">FC Nüziders</a> konkurrieren. Aber wie sagte der Gebieter kürzlich so <a href="http://www.news.at/a/formel-1-geburtstags-interview-mateschitz-beliebtheit-red-bull-salzburg-leipzig" target="_blank">forsch wie kryptisch</a>: „Uns geht es bei allem, was wir tun, um die Sinnhaftigkeit, auch wenn sie sich vielleicht erst im Nachhinein bestätigt.”</p>
<p><strong>Aber die anderen! </strong></p>
<p>Eine andere Variante des Standardargumentes verweist auf Hoffenheim oder Wolfsburg und mault: „Na gut, dann eben kein Betriebssportverein. Aber sonst: Was ist denn bei SAP und VW anders als bei uns?“</p>
<p>An dieser Stelle wird es dann tatsächlich ein wenig mühsam, weil man schnell in die unschöne Lage gerät, Vereine zu verteidigen, die so angenehm sind wie eine Lavadusche. Sagen wir es also lieber gleich: Nichts liegt uns ferner, Hoffenheim oder Wolfsburg als edelmütige Fußballvereine darzustellen, an denen sich RB mal ein Beispiel nehmen sollte. Diese Truppen nerven unglaublich. Sie sind uninteressant und lassen einen auch deshalb ratlos zurück, weil dort nahezu beliebig viel Geld in beliebig viele Sachen investiert wird, kaum Kontinuität im Kader herrscht, fußballerisch selten Innovatives rauskommt und zugleich die Vereine ihre Gier nach Erfolg nur mühsam hinter Floskeln wie „schrittweiser Aufbau“ und „in Ruhe entwickeln“ verbergen können.</p>
<p>Das schließt nicht prinzipiell aus, dass solche Zombie-Vereine wenigstens zeitweise sportlich sinnvoll arbeiten können. Hoffenheim und Wolfsburg sind ja mit ihrer Jugendarbeit ganz vorn dabei. Das muss aber nicht gleich als ehrenwerter Dienst an der Gesellschaft angesehen werden, sondern ist schlichtweg das professionelle Nutzen und Entwickeln von &#8220;Ressourcen&#8221; und &#8220;<a title="van Dannen - Humankapital" href="http://youtu.be/4mbidIB739Q?list=PL1997AB39F65F2E1B" target="_blank">Humankapital</a>&#8220;. (Wir verwenden diese Sprache, damit uns auch Ralf Rangnick versteht. Er würde natürlich hier noch seinen Lieblingsbegriff von den <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/a-597555-2.html" target="_blank">Blue Chips</a> einbauen. Das Seminar, wo er das aufgeschnappt hat, muss wirklich überzeugend gewesen sein.)</p>
<p>Fast schon witzig ist es ja außerdem, dass sich beispielsweise Hoffenheim regelrecht winzig ausnimmt gegenüber Vereinen wie Manchester City oder dem aktuellen Rauschkäufer Paris Saint-Germain. Gerade in England ist ja aufgrund anderer rechtlicher Bestimmungen als beispielsweise in Deutschland die komplette Übernahme eines Vereins durch einen Investor möglich und damit die Zustände noch viel schlimmer, was den Durchgriff der Eigentümer angeht.</p>
<p>In Deutschland gilt bekanntlich die <a href="http://www.5-freunde-im-abseits.de/2014/05/16/papiertiger-50-plus-1-regel/" target="_blank">Regel</a>, dass auch bei ausgegliederten Profiabteilungen die Stimmen- , also Anteilsmehrheit beim Verein zu bleiben hat. Ausnahmen sind hier (wieder) Leverkusen, wo die Bayer AG hundertprozentiger Eigentümer der Fußballabteilung ist, und Wolfsburg, wo sie ebenfalls zu 100% zu VW gehört. Begründet wird dies jeweils damit, dass dort „ein Wirtschaftsunternehmen seit mehr als 20 Jahren den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert hat“. Ursprünglich war in diesem Passus noch der Stichtag 1.1.1999 eingefügt. Auf Betreiben von Hannovers Präsident Martin Kind wurde diese Regelung aber gestrichen, sodass auch der Hörgerätehersteller wohl bald den ganzen Verein übernehmen wird. Auch in Hoffenheim ist Hopps Einfluss real viel größer als 49 Prozent, weil er die Fußballabteilung über eine Betreibergesellschaft kontrolliert, die zu 96% ihm gehört.</p>
<p>Aber, und damit kommen wir zum eigentlichen Punkt: Nur, weil es woanders auch schlimm ist, wird das Projekt RB noch lange nicht appetitlicher. Und das „ist doch überall das Gleiche“-Gerede ist schon ziemlich dürftig und klingt nach einer unschönen Mischung aus kompletter Abgebrühtheit und ‚ich will jetzt endlich, was mir zusteht!’ (vgl. Simplicissimus-Argument aus der ersten Folge).</p>
<p>Immerhin: Hoffenheim und Wolfsburg sind Vereine, die mehr als eine Fußballmannschaft zu bieten haben, und auch nach einem Rückzug von Hopp und VW werden diese Vereine irgendwie weiter bestehen. Das macht sie noch lange nicht zu Traumvereinen, unterscheidet sie aber dann doch von RB. Dort weiß ja keiner, wie lange der Gebieter Bock hat, und wenn Rangnick von <a href="http://www.welt.de/sport/article116831557/So-soll-der-Fussball-von-Red-Bull-aussehen.html" target="_blank">30 Jahren</a> redet, auf die die Planungen angelegt sind, klingt das halb wie eine Aufforderung zum ekstatischen Applaus und halb wie eine mahnende Erinnerungsmail nach Fuschl am See.</p>
<p>Irgendwie ist es am Ende aber wie bei Pest oder Cholera. Wobei uns der Eindruck nicht verlässt, dass RB wie Pest und Cholera zugleich ist.</p>
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