Aufstieg? Zwischenstation!

Das soll uns mal einer nachmachen: Wir sind erstklassig! Nach nur zwei Jahren! Zugegeben, da hatten wir einfach mal auf das richtige Tier gesetzt in unserer Hoffnung, nach jahrelangen Bemühungen und entbehrungsreichen Zeiten endlich einmal wieder von Bedeutung zu sein. Bundesliga! Das Land wo Milch und Honig fließen. Leipzig ist nicht mehr bloß ein Synonym für Hipsterhochburg, sondern nun auch für sympathischen Spitzensport.

In ein paar Stunden trägt das Projekt, das kein Projekt sein will, sein erstes Spiel aus. Die Spielplanplaner kamen sich vermutlich ein bisschen witzig vor, das Ganze in Hoffenheim stattfinden zu lassen. Auch so ein Projekt, aber natürlich auch das mit guten Gründen und viel Legitimationsaufwand betrieben. Und zugleich dokumentiert sich in dieser Partie umso deutlicher die Armseligkeit, mit der DFB und DFL die letzten Jahre agierten: Letztlich ohne echten Standpunkt und ohne Willen, RB etwas entgegen zu setzen.

Am Sonntagnachmittag wird damit die nächste Stufe gezündet: Red Bull kommt einen Schritt weiter bei der Etablierung einer globalen Marke, und die mit dem Fußball und dem ‚Verein‘ Befassten rücken näher an die für sie eigentlich interessanten europäischen Wettbewerbe, und beides wird sich weiter vermischen und normalisieren.

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Normalisierung war ja sowieso eine der Hauptanstrengungen seit Übernahme der Markranstädter Ligalizenz: Viel Geld sei im Fußball normal, super-hierarchische Strukturen seien normal, Werbung sei normal, Zugeständnisse an Investoren seien normal, restriktiver Umgang mit Fans sei normal, und nicht zuletzt sei die Erwartungshaltung „der ganzen Stadt“ normal, endlich wieder einen Bundesligaverein zu haben. Und normal sei nicht zuletzt der Erfolg, wenn man fähige Männer nur einfach mal machen lasse.

Schritt für Schritt, das muss man anerkennen, hat diese Argumentation gewirkt. Entweder durch Überzeugung, oder schlichtweg durch Ermüdung. (Wobei die Ermüdung bei manchen sich schnell einstellte, weil man ohnehin nicht ernsthaft an längeren Debatten interessiert war.) Die Diskussionen zu RB sind häufig ritualisiert, und schnell mischen sich Kritik aus dritter Hand („Manche sagen ja…“) mit unverhohlener Begeisterung und dem Unwillen, es sich mit den Reichen und Erfolgreichen zu versauen. Und so finden sich heute an allen möglichen Stellen die Fanboys von RB: im Rathaus, bei der ZEIT, und bei der schillernden Lokalprominenz sowieso.

Wir schauen uns das mal weiter an, auch in der kommenden Saison. Die Chronistenpflicht lässt uns kaum einschlafen, und morgens ist sie unser erster Gedanke. Das Sportliche, auch das eint uns mit dem Gebieter aus Fuschl, wird für uns nur Randnotiz sein. Wir dokumentieren lieber die weiteren Übernahme-Pläne des Projektes, neuerliche Kniefälle der Lokalpolitik, die herrlich trotzigen Anstrengungen der Fanszene und ihrer eifrigsten Apologeten und überhaupt den weiteren Siegeszug der Betriebssportgemeinschaft „Taurin“ in Richtung Weltherrschaft.

Wir bereiten die Feier schon mal vor.

PS: Der MDR hat seine Kooperation bereits signalisiert.

 

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